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Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats­behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Ertrabeilage

- «BW» -

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21).

Dienstag den 20. Januar

1857.

AbonnementSpreiS für'S halbe Jahr 2 fl. 30 tr. Tägliche Ausgabe außer Montags. EinrückungSgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

Ueberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen un- materiellen Interessen.

Frankfurt, den 20. Januar. Wir haben jüngst die Stellung der Groß­mächte zur Neuenburgischen Frage näher betrachtet; nicht minder wichtig ist es, einen Blick auf die Stellung zu werfen, welche die süddeutschen Grenzstaaten der Schweiz zu dieser Angelegenheit eingenommen. Die Regierungen von Bayern, Wür- temberg und Baden haben in dieser Angelegenheit zu Preußen gehalten, wie während der orientalischen Verwickelung; sie haben unbeirrt durch die mannigfaltigsten Einflüsse sich bereit erklärt, der Verpflichtung treu zu bleiben, welche sie als Glieder deS deutschen Bundes durch den Zutritt zum Londoner Protokoll auf sich genommen. Wenn es glück­licherweise nicht zu den äußersten Consequenzen dieses Zutrittes kam, so ist das Ver­dienst ihrer Haltung deßhalb nicht weniger hoch anzuschlagen. Mit Ausnahme von Würtemberq ist auch in den Ländern selbst dieser Entschluß der Regierungen von der gesammten Bevölkerung gebilligt worden. Man hat den Schritt der würtemberg,schen Korporationen gegen die Bewilligung des Durchmarsches allein auf Rechnung der Furcht wegen des gestörten GrenzverkehrS zu setzen gesucht. Allerdings sind im Verlanf dieser Agitation Elemente hinzugetreten, welchen weder große republikanische Sympathien noch Haß gegen Preußen zuzutrauen sind; bei allen solchen Demonstrationen aber kommt eS auf den Anfang an, und der erste Schritt der Art ging entschieden von der demokra­tischen Fraktion jenes Landes aus. Wäre die Furcht wegen Stockung des Grenzverkehrs allein das Motiv gewesen, so würde von Bayern. das ebensoviel, und von Baden, das wett mehr Handel mit der Schweiz treibt, als Würtemberg, wohl ähnliche Schritte zu mel­den sein. Von allem dem ist nichts der Fall; und wie will man z. B. die Demonstra­tion der Gemeinde Leutkirch in Oberschwaben, den Schweizern Waffen zum Kauf anzubieten, mit jener oben erwähnten Triebfeder tn Verbindung bringen ( Bemer­kenswerth ist die bei einem Regierungsorgan ganz ungewohnte Heftigkeit, womit der würtembergifche „Staatsanzeiger" die Einmischung m das Recht der Krone zuruckge­wiesen, und in milderer Weise hat es der greise König selbst gethan, mtt Hinwelsung auf seine seit viertia Jabren bewährte Regentenweishett. Wir glauben, daß diese feste Haltung der Grenzstaaten nicht wenig dazu beigetragen dre Schwerzerbe^ noch in der zwölften Stunde zur Annahme der preußischen Vorbedingung zu bewegen und so einen blutigen Conflikt zu vermeiden.