Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- M behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21).
J£ 12 Donnerstag den 15. Januar 1857.
Abonnementspreis für's halbe Jahr 2 fl. 30 fr. Tägliche Ausgabe außer Montags.
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Ueberblieke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 15. Januar. In dem Januarhefte der schon mehrmals von uns mit Anerkennung genannten „Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte" theilt Dr. Peez in dem Aufsatze „der Schatz im Tollenstein" das Inventarium des Schlosses eines reichen Ritters aus dem Jahre 1584 mit und fügt daran die folgenden Bemerkungen: „Das Volk denkt fich die Einrichtung dieser Burgen voll Größe, Pracht und Zierlichkeit, wozu die Romanschriftsteller viel beigetragen haben. In dem fraglichen Inventarium aber ist jedes GlaSfenster, jedes Stückchen Eisen, jedes Tischchen, Topfbret und Seil besonders verzeichnet. Kurz, Herr Christoph von Schleinitz, der Besitzer eines Stâdtleins, mehrerer Dörfer und Festen, entbehrte viele Dinge, die jetzt kein armer Proletarier vermißt, und wohnte im Allgemeinen unbequemer, als jetzt der unbemittelte Handwerksstand." Wir brauchen aber keine 300 Jahre, sondern nur 100 Jahre zurückzuschauen, um wahrzunehmen, um wie viel der Verbrauch als Maßstab des Wohlstandes in Europa zugenommen hat. 1750 kamen etwa 2Vi Mill. Ctr. Zucker nach Europa, welches mehrere Loth auf den Kopf für das Jahr gibt, wenn man etwa nur England, Frankreich, Spanien, Deutschland, die Niederlande und Scandinavien beachtet; wogegen 1850 mit Einschluß des Rübenzuckers tn Deutschland etwa 5 Pfd., in Frankreich 6 Pfd., in den Niederlanden und den scandinavischen Reichen etwa 8—10 Pfd., in England gar 20 Pfd. auf den Kopf in runder Summe sich berechnen. Dazu ist indeß zu bemerken, daß in Scandinavien diese Hohe des Verbrauchs theilweise von der seltsamen Sitte, alle Speisen zu zuckern herrührt, welche Theodor Mügge in seinem „nordischen Bilderbuch" so ergötzlich geschrldert hat Die Einfuhr von Kaffee schätzte man 1750 auf 60—70 Millionen Pfd.; schon 1835 betrug sie nach Hamburger Handelsberichten 253 Millionen Pfd. 1730 betrug he Emfuhr an roher Baumwolle in England 1'/-, 1850 aber 350 Millionen Pfd. Wir haben nur einige Punkte hervorgeb oben, aber ähnlich geht es mit allen gewählteren Genüssen und den Bekleidungsgegensiänden. Man hat sich aber diesen Fortschritt nicht so zu denken, als ob das Mehr zwischen 1750 und 1850 auf die dazwischen liegenden Jahre sich gleich vertheilte, vielmehr kommt auf die zweite Hälfte dieses Zeitraumes em be. weitem rascherer Fortschritt als aus die erste. Dies ermitteln w, da uns statistische Thatsachen