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Hrstes Matt. Freitag, den 31. Dezember 1897
24. Jahrgang
Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Vierteljährl.
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FuldaerMZeitung
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Ir.Beiljgteit Papst Leo XIII
Dem Priesterjubilar auf Petri Stuhle
WZ
im
es XIII., der erste Papst, der feit den ersten Jahrhunderten der Verfolgun l, wiederum unter den folgenschweren Wirkungen einer neuen Verfolgung, als ein Gefangener in j|E| seinem Hause, seiner vollen Freiheit und seiner “Rüst uralten Rechte beraubt, leben muß — und doch ein Papst, bei dem sich die gnädige Führung der "Ht Vorsehung bei aller fortgesetzten äußeren Bedränge "iß doch in so reicher Fülle, wie nur bei wenigen seiner Vorgänger, offenbart hat! So steht sein Lebensbild, das Bild seiner langen Regierung vor M unseren Augen. Wäre er nicht der auf die Dauer unerläßlichen Bürgschaften seiner Freiheit beraubt, wäre er nicht gezwungen, fort und fort gegen das schreiende Unrecht zu protestiren, welches die revolutionäre Monarchie des Freimaurerstaates Italien an dem Papstthum begangen hat und noch fortgesetzt begeht, und lastete nicht auch so manche andere Sorge auf seinem greisen Haupte — wahrlick, man könnte versucht sein, ihn einen Jubel- papst zu nennen, aus äußeren, wie aus inneren Gründen.
Aus äußeren Gründen — denn ihm war und ist es ver- oönnt, Jubiläen zu feiern, die nur Wenigen, sehr wenigen, in ihrer Gesammiheit aber wohl noch keinem Träger der Tiara beschieden gewesen sind, das• golden» wie sogar setzt das diamantene Priesterjubiläum, das 50 jährige Bischofsjubiläum, und dazu in wenigen Wochen fein 20 jähriges Regierungsjubiläum. Welche Fülle von Gnaden verbirgt sich unter diesen wenigen, einfachen Worten! Aber auch welche Menge von Kämpfen und Opfern, von Sorgen und Leiden! Jndeß, gern wird Leo X'II, felbst bekennen, daß alle diese Prüfungen überstrahlt und mehr als ausgewogen werden von dem Glanze der göttlichen Gnade, die ihn sichtlich geschirmt, geleitet und ausgezeichnet hat Heute steht er als ^Priester, Bischof und Papst, vornehmlich als Prie-- ft er vor unseren Augen »nd — so schreiben die preußischen Bischöfe in ihrem Hirtenschreiben zum heutigen Jubelfest — „die B.schofsweihe sowie die Krönung zum öchersten Hirten verleihen allerdings höhere Gnaden, Vollmachten und Ehren, sie werden aber die erhabene Würde des Priesters keineswegs verdunkeln: denn diese verleiht jedem Diener des Altars, sei er Bischof oder Papst, seine erste und vorzüglichste Gewalt."., Und Leo XIII. selbst hat oft genug Zeugmß von feiner Ehrfurcht vor der Erhabenheit des priesterlichen «Berufe» abgelegt, und im Dienste des Altars darf er trotz der & der Jahre noch heute als leuchtendes Muster und Vorbil» mit Recht gerühmt werden.
Andere, das einzeln herorzuheben uns hier zu weit führen würde —, so wird es klar, in wie hohem Maße der Jubel- tag des Papstes auch ein erhabenes Jubelfest des ganzen katholischen Erdkreises, aller Völker und Stünde ist. Dessen gedenken wir heute mit innigem Danke gegen Gott.und dem heißen Wunsche
Goll segne, Goll eryatte Uapst Leo XIII.!
In Treue fest.
Zn Lea hin, dem Völkerhirten, Kent in Verehrung schaut die Wett. Wer ist's, der ihm im tiefsten Herren Den Zoll der Achtung vormtljült? Sie must, mag auch der Mund sie hehlen, Des schlimmsten Feindes Krust beseelen.
Doch uns, die wir ihn Mter neunen, Schlägt warm für ihn des Herzens Strom An wahrer Kindesliebe fchanen Wir fest und treu pnn ew'gen Kam.' Die Liebe fall auf Gugels schwingen Ihm heute unsere Grüße dringen;
Den Iubelpriester soll sie grüßen, Den uns der Herr in dunkler Zeit Zum Heit erweckt, das Her) voll Milde Und doch so felsenhart im Streit.
An Prüfung reich, ein langes Leben War-, uns zum Segen, ihm gegeben.
G, mög' als weiser Hirt und Führer Doch lang er seinem Volk voran Den Weg zum hehren Ziele schreiten, Zum Siege über Hast und Wahn! Doch wir auf's $lcne hent' bekennen: Von Dom vermag nns Nichts ni trennen!
erscheint, wenn wir den greifen Nachfolger Petri als Jubelpr.pst bezeichnet haben. Wir wollen damit insbesondere die frohe Genugthuüng hervorheben, welche wir, die Glieder der katholischen Kirche, empfinden müssen angesichts der langen, glorreichen und gesegneten Wirksamkeit ihres Oberhauptes. Die jüngere Generation weiß zwar kaum noch, welche Sorgen und ernste Befürchtungen wie eine schwere Wetterwolke auf der katholischen Chnstenheit lasteten, als der grüße Dulderpapst Pius IX. die Augen geschloffen hatte, arer die Netteren unter uns werden jene Zeit gewiß nicht vergessen und daher mit grenzenlos Dankbarkeit E>CM, welcher der Kirche m^Xlll. einen Hirten gab/l-dL^dgs zor-getwolle Ochf^Mns IX. mit bewunderns- wercher Weisheit und zugleich mit Festigkeit zu verwalten verstanden hat, um fo freudiger und gefestigter in ihrer Zuversicht diesen Jubeltag feiern. Insbesondere wir deutschen Katholikin wissen es wohl zu würdigen, daß Leo XIII. uns, roer n auch^noch nicht den vollen Frieden, so doch den „Zugang zum frieden" nach der nimmer zu vergessenden GewtssensverMgung des unseligen „Kulturkampfes" vermittelt hat. Nicht minder gedenken wir an diesem Tage der gewaltigen moralischen und geistigen Unterstützung, welche der weite Blick und das warme Herz des heil. Vaters der Lache der Armen und Unterdrückten geliehen bat durch lern geradezu epochemachendes Vorgehen auf dem Gebiete der Arbeiterfrage, eine Wirksamkeit, die ihm den Ghrennahmen des „sozialen Papstes" eingetragen bat.
*e*ne großartige Förderung wahrer Kunst- und Wlffenschaft — er selbst ist ein Meister der Sprache, von gründlicher und umfaffender Gelehrsamkeit —, seine weitblicker den kirchlichen Emheitsbestrebungen und so manches
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z-o xiii.
Joachim Vincenz Raphael Aloysius P e c c i, unser jetziger Papst Leo XIII., welcher heute sein diamantenes Priesterjubiläum feiert, ist am 2. März 1810 zu Carpineto, einem Städtchen inmitten der wilden Volskerberge, geboren. Der priesterliche Beruf war in ihm von Kind auf wach und seine Jugend widmete er der wissenschaftlichen Vorbereitung auf denselben und zwar mit solchem Erfolge, daß er, erst 21 Jahre alt, die theologische Doktorwürde erhielt. Um diese Zeit erhielt er auch die Tonsur und die vier niederen Weihen.
Gegen Ende des Jahres 1837 empfing er die Weihe des Subdiakons und des Diakons, und am 31. Dezemöer 1837 die Priesterweihe. Am 1. Januar 1838 las er im Sterbezimmer des heiligen Stanislaus Kostka die erste heilige Messe. Wenige Wochen später sandte ihn Gregor XVI. auf einen der schwierigsten Verwaltungsposten; er ging als Delegat oder Statthalter in die Provinz Benevent, eine Provinz voller wilder Gebirgsschluchten, welche längs der neapolitanischen Grenze von Briganten und Schmugglern wimmelte; in drei Jahren hatte er dort mit solcher Entschiedenheit Ordnung geschafft, daß Ratazzi, jener Feind des Papstthums, mit größter Hochachtung von ihm spricht.
Am 12. Juni 1841 wurde Pecci zum Delegaten von Spoleto ernannt, aber schon am 17. Juli des gleichen Jahres erhielt er die Ernennung zum Delegaten von «Brugia. In Perugia waren die Behältnisse ebenfalls ar'guNee- wühlt. Zwei Monate später traf Gregor XVI. auf einer Rundreise dort ein und sand die Lage so geklärt, daß er mit seinem Aufenthalte höchst zufrieden war.
Nach solchen Proben gedachte der Papst den kaum 32jähiigen Priester, der inzwischen die Würde der Prälatur erlangt hatte, ausgiebiger noch im Interesse der Kirche zu benützen, als dies seither geschehen war. Nach kaum zweijährigem Wirken als Delegat in Perugia wurde er nach Rom berufen, um von daraus als Nuntius an den Hof von Brüssel gesandt zu werden.
Es schien aber nicht angänglich, daß ein einfacher Prälat die Person des Statthalters Christi am belgischen Königshofe vertrete, und so wurde Prcci im Konsistorium am 27. Januar 1843 zum Tiiularerzbischof von Damiette ernannt und am 19. Februar 1843 durch die Hand des damaligen Kardinal-Staatssekretärs Lambruschini zum Bischof geweiht.
Mit den belgischen Bischöfen stand er in innigen Beziehungen ; er erläuterte uni) befürwortete die Wünsche des belgischen Episkopats bei dem heiligen Stuhle und zu der Errichtung des belgischen Kollegs in Rom hatte er mächtig beigetragen. Auch der katholischen Universität Löwen bewies er den regsten Antheil. Sein Aufenthalt in Belgien dauerte übrigens nicht lange. Namentlich Gefundbeitsrück- sichten bestimmten ihn, im Jahre 1846 seine Rückberufung nach Rom zu erbitten.
In die letzten Tage seines belgischen Aufenthaltes fällt auch die Reise des künftigen Papstes an den Rhein, woselbst er Aachen, Köln, Bonn, Koblenz, Mainz und Trier besuchte. Auch nach England ging er und weilte dort vierzehn Tage in London. Ende Mai 1846 kam er wiederum in Rom an.
Papst Gregor XVI. ernannte ihn zum Bischof von Perugia. Ebenso hatte er die Erhebung Joachim Pecci's zur Kardinalswürde bei sich beschlossen, deren öffentliche Bekanntmachung jedoch sich für später Vorbehalten. Der Papst war bereits schwer erkrankt, als Joachim Pecci Ende Mai in Rom eintraf, und starb am 1. Juni, ohne die Ernennung publizirt zu haben, ohne daß der neue Bischof von Perugia ihn nochmals sehen konnte. Am 16. Juni 1846 wurde der Kardinal Johann Maria Graf Maftai Feretti zum Papste gewählt und führte das Steuer ber Kirche als Pius IX. 32 Jahre hindurch mit kräftiger, nie ermattenber Hand; ebenso lange waltete Joachim Pecci als Bischof von Perugia.
Am 7. Februar des Jahres 1878 gab Pius IX. feine Seele Gott zurück, und Joachim Pecci übernahm als Camer- lengo die Leitung der Kirche. Es war fein letztes Geschäft, welches er als Kardinalbischof einer einzelnen Diözese vollzog. Das Konklave trat zusammen; wenige Tage später hatte Joachim Pecci aufgehört zu sein, und Leo XiII. bestieg als Stellvertreter Christi den päpstlichen Thron.
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