24. Jahrgang
Donnerstag den 30. Dezember 1897
Ins»n»i».Dieei»<
■^*T'****
b3 LÄl W W W W m Ml Renten die Petit»
4^ •— -*
Srscheint täglich, a. Su-nahme der Aoim-tMd Feiertage. Kierteljährl.
D»>0S»pkEi» ohae Bringerlohn imb Bestellgeld in
ywntfwoftli#: Sir Mr Xttatii« Jot Sri«, ffir JeitraU 3. Parzelle» ta Allda.
mit Zlnlerßattungs -Anlage „Sterne und Mummt'
Bruä iid Verlag der Aaläaer XrtirahnUkrtl peterrgagc Nr. i (toerwetrir).
Wochen-Rundschau.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 29. Dezember.
Einen schweren Verlust bat Aeichskanzker Aürst Kohenkoye in dieser Woche erlitten. Seine Gattin ist ihm durch den Tod nach unerwartet schnell verlaufener Krankheit entrissen worden. Das Leichenbegängniß der Fürstin hat am letzten Sonntag in dem fürstlichen Erbbegräb» nisfe zu Schillingsfürst stattgefunden. Abgeordneter Domkapitular Dr. Schadler aus Bamberg hielt die Trauerrede. Er erinnerte daran, welche gesegnete Weihnachten der Fürst stets im Kreise seiner Familie verlebt habe. Nunmehr sei Trauer in sein Haus eingezogen; aber alle Deutschen blickten mit Theilnahme auf den greifen Kanzler, dessen treue Lebensgefährtin und tapfere Freundin jetzt gebrochenen Auges im Sarge ruht. — Gewiß, bei so schweren Verlusten versagt kein braver Mann dem Kanzler die aufrichtige Theilnahme. Und wohl erklärlich wäre es gewesen, wenn Fürst Hohenlohe unter dem Eindruck dieses herben Verlustes von neuem Sehnsucht nach Befreiung von der Kanzlerwürde, Sehnsucht nach Ruhe empfunden hätte. Aber neue entschiedene Erklärungen aus amtlicher Quelle versichern bestimmt, daß Fürst Hohenlohe entschieden entschlossen ist, in seinem Amte als oberster Beamter des Reiches und des Königreichs Preußen auszuharren.
Der Zeitpunkt für einen Kanzlerwechsel würde m der That so ungeeignet wie möglich sein. Schon im Sommer wurde in der Regierungspresse mehrfach darauf hingewiesen, daß das Reich des Fürsten Hohenlohe jetzt nicht entbehren könne weg n höchst wichtiger auswärtiger Angelegenheiten. Und nun wissen wir, was darunter zu verstehen ist: O stasi en! Das Eingreifen Deutschlands und Rußlands in China hat soeben erst begonnen und das Dunkel des Geheimnisses liegt nach wie vor auf den Plänen der beiden Mächte. Das deutsche Verstärknngs- geschwader unter dem Befehl des Prinzen Heinrich durchauert.—gegenwärtig das W.tteimeer, um eiligen Laufes der fernen Chinaküste zuzusteuern. Das Land China aber, statt den eindringenden Deutschen die gepanzerte Faust entgegen zu strecken, bereitet sich vor, den Bruder des deutschen Kaisers friedlich und freundlich zu empfangen. Danach zu urtheilen sollte man beinahe glauben, China empfinde ungemeine Freude über das Eindringen der Fremdlinge in sein Gebiet. Daß das nicht der Fall ist, daß China höchstens gute Mienx zum bösen Spiel macht, liegt auf der Hand. Zunächst wird sich die ganze Lage in Ostasien höchstwahrscheinlich zu einem sch arfen Gegensatz zwischen Rußland und England zu- spitzen. China steht sichtlich vollkommen unter russischem Einfluß. Rußland aber legt augenscheinlich großes Gewicht darauf, daß Niemand glauben soll, es habe Absichten auf chinesisches Gebiet. Ein russisches Blatt schreibt: „Rußland hat in dem obwaltenden deutsch-chinesischen Streite seinen freundlichen Einfluß auf beide Staaten geltend gemacht, um sie zu einer auf gegenseitigen Zugeständnisse sich gründenden Verständigung zu bringen" Das klingt sehr freundlich und
* Btt letzte jjiinplliug non Sittimey.
Eine historische Erzählung von Philipp Wasserburg (Laicus).
.15 ------- (Nachdruck verboten.)
Um die Zeit unserer Geschichte war Irland fast priesterlos. Einzelne Orden, wie namentlich die Jesuiten, hörten zwar nie auf, eifrige Missionäre nach der grünen Insel zu senden; aber wenn sie auch alle hingegangen wären, jo war ihre Zahl für Land und Volk nicht ausreichend. Aber die Wenigen, die da waren, leisteten Uebermenschliches. Als der Aufstand zu Gunsten Karls L ausbrach, und Herzog Ormond, der Führer der Königlichen, das englische Heer wie im Fluge vor sich hertrieb, so daß nur noch Dublin von den Engländern besetzt war und selbst diese Stadt von den Irländern belagert wurde, da tauchten im Lande mehr Priester auf, als man vermuthete; gleichzeitig kamen von Schottland und von Frankreich solche herüber; man konnte einigermaßen die Seelsorge in großen Umrissen ordnen. Das war indessen nur der erste Eindruck. Man erkannte bald, daß die rasche Eroberung nicht für die Folge maßgebend war, daß im günstigsten Falle daraus ein langwieriger Krieg entstehe, und so fiel die Seelsorge wieder in die alte Heimlichkeit zurück. Wenn man die Priester behalten wollte, durften sie nicht von Jedem erkannt werden.
Man erkannte auch, daß man nicht aufhören dürfe mit Sendungen, und daß wohl sehr bald eine neue blutige Verfolgung als Reaktion auf die Erfolge der königlichen Truppen in Irland folgen werde. So war denn auch P. O'kellp, ein geborener Ire, der in Rom studiert hatte und
uneigennützig — allzu freundlich und liebenswürdig, als daß man glauben könnte, damit sei nun auch wirklich alles gesagt, was darüber zu sagen wäre. Das dicke Ende wird nachkommen! England scheint nun auch einen bestimmten Plan für fein Vorgehen in Ostasien gefaßt zu haben. Vermuthlich will es versuchen, sich auf der Halbinsel Korea festzusetzen. Bestimmte Meldungen darüber liegen bis jetzt aber noch nicht vor.
Wunderlich nimmt sich für den Unbeteiligten der Streit aus, der zwischen den Ireismnigen verschiedener Aichlung ausgebrochen ist: der Freisinnigen Vereinigung unter Rickert und Gen. der Freisinnigen Volkspartei unter Eugen Richter und seiner besonderen Gefolgschaft. Dieser Streit hat neuerdings eine ganz eigenartige Färbung angenommen. Diese wird am besten dadurch gekennzeichnet, daß die Freisinnige^ Zeitung des Herrn Eugen Richter der anderen Seite den Vorwurf macht: die Freisinnige Vereinigung beschränke sich hauptsächlich auf die Förderung nach Börsenfreiheit und Freihandel wie auf die Bekämpfung des Antisemitismus. Diese Kritik ist im allgemeinen zutreffend. Es wäre interessant zu erfahren, was die um Rickert Herrn Richter an Gegenkritik angedeihen laffen.
N cht minder scharf spitzen sich die Gegensätze zu zwischen den Konservativen und Antisemiten. Diese letzteren werden bei den nächsten Wahlen überall, wo es nur irgendwie angeht, Gegenkandidaten gegen die Konservativen aufstellen, und sogar Herr v. Levetzow, der frühere langjährige Präsident des Reichstages und Führer der Konservativen, wird sich in seinem märkischen Wahlkreise Königsberg (Neumark) in dem antisemitischen Berliner Fuhrherrn Leck einem Mitbewerber um das Mandat gegenüber sehen. Nicht einmal der Bund der Landwirthe ist schon jetzt klar darüber, ob er auf die Seite des Herrn v. Levetzow oder des Herrn Leck sich schlagen soll. Im übrigen werden manche der angesehensten Konservativen im nächsten Reichstage nicht wiederzusehen fein. Herr v. Manteuffel wird zunächst fein Mandat für den Reichstag annehmen, und auch Herr v. Stumm, der Stönig vön Saarabien, trägt sich mit dem Gedanken, dem Reichstag fortan fern zu bleiben.
Das Jahr 1896, fo theilt die Statistik des Reiches mit, hat dem deutschen Reiche eine Vermehrung der Aevökkernng gebracht, wie noch kein anderes Jahr vorher. Auf 1000 Personen kommt eine natürliche Bevölkerungsvermehrung von lö'/s gegen 13 im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Außerdem war die Auswanderung geringer, als feit langer Zeit. Das sind einmal ausnahmsweise erfreuliche Zeichen der Zeit, im Gegensatz zu dem vielen Unerfreulichen, das wir rings um uns in reichem Maße zu beobachten haben.
Eine überraschende Meldung ist während der letzten Tage ans Hefterreich gekommen: in politischen Wiener Kreisen tritt mit großer Bestimmtheit die Nachricht auf, daß noch vor dem Zusammentritt des böhmischen Landtages eine neue Sprachenverordnung erscheinen werde. In dieser Sprachenverordnung sollen, wie es heißt, die Bestimmungen über die Sprache der Gerichte Jesuit geworden war, herüber gesandt worden und schickte sich eben an, einen feierlichen Einzug in Killarnep-House zu halten.
Am Hofthore empfing ihn das Weib des Häuptlings und reichte ihm mit herzlichem Wunsche den schäumenden Becher Meths, von welchem der Jesuit kaum nippte. Als aber der Häuptling bat, daß der Mann Gottes den Sept von Killarnep segne, da sank die ganze Versammlung lautlos auf die Knie, und das „Benedicat vos“ tönte weit vernehmlich in die klare stille Nacht.
Der Häuptling geleitete dann seinen Gast in das für ihn bereitete Gemach und überließ ihn dort der ersehnten Ruhe und Betrachtung.
Und Sammlung war dem Pater nöth g. Der Schritt, auf den er sich feit mehreren Tagen in der Zurückgezogenheit der Waldinsel vorbereitet, war gethan. Dem Ruse Gottes und feiner Oberen folgend, hatte er das Gesetz der Menschen übertreten; bereits war sein Haupt dem Henker verfallen, und er stand eben im Begriffe, es demselben entgegen zu tragen.
So ernsten Betrachtungen gaben sich die im Hofe versammelten Irländer nicht hin. Kaum gibt es eine Nation, die das Leben so sehr von der leichien Sette auffaßt, wie die Irländer. Er ist darin fast ein Kind, welches sich um die nächsten Augenblicke nicht kümmert.
Natürlich läßt sich das nur von der Masse sagen; auch Irland hat alle Z?it unter feinen Bewohnern sehr tüchtige Männer gezählt, die das Leben von der ernsten Seite nahmen und feine ebenso kühnen als zähen Vorkämpfer wurden. Ihnen ist der Ire bts in den Tod gefolgt. Sie übten eine unbegreifliche Gewalt über ihre Lands
und Behörden derart geändert werden, daß an Stelle der Doppelsprachigkeit in ganz Böhmen eine Dreitheilung tritt, sodaß ein Gebiet mit deutscher, eins mit tschechischer und eins mit doppelsprachiger Amtssprache geschaffen werden soll. Auch führende tschechische Parlamentarier sollen dafür gewonnen fein. Leider klingt dieses letztere recht unwahrscheinlich — leider, denn diese Lösung der Frage würde die nächste und wahrscheinlich auch die beste fein. Die Berathungen des österreichischenReichsrathes werden vor Februar keinesfalls wieder beginnen.
Eine Verschlimmerung der Sage ist auf der Insel Kreta eingetreten. Am 24. Dezember berichtete der Draht ans Kandia von der Nieder- metzelung von 14 christlichen Bauern durch Moha- medaner, und ähnliche Vorfälle ereignen sich in der Umgegend von Kandia fast täglich. Dieses Auftreten der Mohamedaner hat die ohnehin gereizte Stimmung der kretischen Christen noch mehr erbittert, so daß mit der Gefahr eines neuerlichen allgemeinen Bürgerkrieges gerechnet werden muß.
An den beiden Weihnachtsfeiertagen fand in Kolkaud und zwar in Rotterdam der Jahreskongreß des anarchistischen Sozialisten- b u n d e s statt, der mit einer vollständigen Sprengung der Partei und einer Niederlage des Sozialistenführers Domela Nieuwenhuis endete, von der er sich kaum mehr wird erholen können. Die von Domela Nieuwenhuis vertretene Richtung predigt den Haß gegen jede Betheiligung am parlamentarischen Leben, so daß von dieser Sorte, der Sozialdemokratie die vollständige Verzichtleistung auf die Ausübung des Wahlrechtes verlangt wird. Die Versammlung in Rotterdam beschloß aber trotz des heftigen Widerspruchs des Führers mit 32 gegen 20 Stimmen, daß jedem einzelnen die volle Willensfreiheit gelassen werden müsse, fein Wahlrecht auszuüben oder nicht. Das war ein sörmlichesMißtrauensvotum gegen Nieuwenhuis, dessen Führung man sich bis jetzt beinahe willenlos anverttaut hatte. Mit dem Eingeständnisse, daß der Sozialistenbund vielleicht sehr bald nicht mehr bestehen werde, schloß der Vorsitzende diesen Kongreß.
Beinahe lustig lese.: sich die Borichtr über einen Konflikt in Japan. Dort bestehen schon seit längerer Zeit ernste Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Ministerinm und der Volksvertretung, besonders in Finanzfragen. Jetzt eben sollte das japanische Parlament eröffnet werden. Da aber die Zusammensetzung und die Stellungnahme der Parteien im Abgeordnetenhause ein Mißtrauensvotum für die Regierung als sicher erscheinen ließen, hat die japanische Regierung das Parlament kurzer Hand sofort wieder aufgelöst. Wie mancher unserer Herren am Tische des Bnndesralh s mag herzinniglich bedauern, daß nicht auch bei uns in Deutschland so kurz und schneidig verfahren werden kann.
Deutsches
Berlin, 29. Dezember.
X Zu den Ausführungen des Abg. Frhrn. v. Hertling über die Ikollenvorkage bemerkt die nationalliberale Berliner ,National-Zeitung': „Herr von Hertling sucht sich die Erlaubniß zu leute, und das hängt gerade mit ihrer Leichtlebigkeit zusammen. Ohne zu grübeln, geben sie sich der Person hin, wie der Sache, wenn dieselbe einmal als gut erkannt ist. Aber Kummer macht sich die Masse nur um das gegenwärtige Leid.
Solches war aber nicht vorhanden. Meth und Gin kreisten, da standen Korbe voll weißen Brodes, an saftigen Schinken brauchte man sich nur herunter zu schneiden, und da hinten briete noch ein Hammel! Eine Harfe tönte in einer Gruppe, und dazu klang eines jener wehmüthigen Lieder, an denen die irische Volkspoesie so reich ist. So herrschte Jubel allenthalben. Selbst der Häuptling, der mit einigen Allen aus dem Stamme an einer schweren eigenen Tafel unter einem Nußbaume saß, schaute harmlos vergnügt auf das Treiben, ohne daran zu denken, daß wenige Schritte von ihm sein hochgeehrter Gast eben' die Sterbegebete für feinen eigenen Tod betete.
„He, Holla!" rief plötzlich eine mächtig- Stimme über den Hof. „Bei Sankt Patrick! Was geht denn da vor?"
Vor dem Hofe hielt, grell von feuriger Glaste der Theertonne übergossen, ein Reiter.
„He! Allan! Allan!" riefen Einige und liefen dem Reiter mit vollen Krügen entgegen.
„Allan ist da?" rief Egbert und sprang auf. „Dann muß auch Robert in der Nähe sein . . . oder ist ihm etwas zugestoßen?"
Und eiligen Schrittes ging er, von den Genossen, die sich um ihn gelagert hatten, gefolgt, nach dem Thore, wo Alles ihm Platz'machte.
Allan reichte eben einen geleerten Krug einem
einer fachgemäßen Behandlung der Flottenver- stärkung dadurch zu verschaffen, daß er die Finanz' frage in einer . . . Manier erörtert, welche auf die Unterwerfung der „Führer" unter die Stimmungen der klerikalen großen Menge herauskommt . . ." Zunächst ist trotz aller Bosheit der Tonart, deren die ,National- Zeitung sich bedient, etwas erfreulich. Wir meinen die endlich den Flott-nfchwärmern aufdämmernde Erkenntniß, daß das katholische Volk Deutschlands kein Verständniß hat für Flottenpläne, die um jeden Preis die Zahl unserer Schlachtschiffe vermehren wollen, ohne danach zu fragen, woher die Gelder kommen, die solche Flottenvermebrungen kosten würden. Die,National-Zeitung' sucht es so darzustellen, als müßten die Führer der Centrumspartei ihre bessere Einsicht dem Willen der Wählermassen unterordnen und damit gegen diese ihre bessere Einsicht handeln — ein Spielchen, das vermuthlich in der Folgezeit noch mehrfach wiederholt werden wird. Man mochte gern einen Gegensatz herausdrechseln zwischen dem katholischen Volke und seinen Vertretern im Parlamente, und man mochte diesen letzteren ihre Aufgabe verleiden. Aber hoffentlich ist der Tag nicht mehr fern, an dem den Herren die Erkenntniß dafür aufgehen wird, daß sie aus den Ausführungen der Centrumsredner Lieber und Fritzen im Reichstage über die Flottenvorlage gänzlich falsche Schlüffe gezogen haben. Diese Erkenntniß wird für die Herren schwerlich angenehm sein, aber eine recht verdiente Enttäuschung.
X Die Besetzung von Kiaotschan — so ist die nunmehr amtlich richtig gestellte Schreibweise dieses Namens — ist vollzogene Thatsache, und sie wird es ohne Zweifel bleiben. Noch ist es nicht ganz gewiß, ob entweder Deutschland die Bucht von Kiao-tschau und das nächste Land um dieselbe herum in festen Besitz nimmt oder mit China einen Pachtvertrag auf 100 Jahre darüber abschließt. Aber Thatsache ist jedenfalls, daß wir dort bleiben, und daß nicht etwa unsere Flotte nur dort überwintert. Daß der Platz allem Anscheine nach gut gewählt ist, ist an dieser Stelle schon wiederholt ausgeführt worden. Diese Anschauung wird auch vollauf bestätigt durch einige Auskünfte, die Bischos Anzer, der gegenwärtig in Berlin weilt, der ,Germanictt gegeben hat. Bischof Anzer hält die Bucht von Kiao-tschau mit ihrer Umgebung für einen der wichtigsten Punkte der chinesischen Küste; und das Ganze kann mit verhältnißmäßig geringen Kosten in einen der besten Häfen der Welt umgewandelt werden. Die Behauptung, daß die Bucht im Winter regelmäßig ober gar für längere Zeit zuftiere, ist auch nach den Angaben des Bischofs Anzer eine den Kennern der Gegend unbekannte Thatsache. An dieser Stelle ist schon vor einiger Zeit darauf verwiesen worden, daß die ganze geographische Lage von Kiao-tschau eine solche Möglichkeit ausschließt, lieber das Hinterland von Kiao-tschau bemerkte Bischof Anzer, daß dasselbe unzweifelhaft sehr ausgedehnte Kohlenlager aufzuweifen hat. Nur sind dieselben noch nicht ganz genau ihrer Lage nach bestimmt. Nach der Ansicht des Bischofs Anzer würde eine Kleinbahn, die den Hasen mit den Bergwerken verbindet, vollkommen ausreichen, um die nöthigen
seiner Bekannten vom Pferde herunter, aber er selbst blieb im Sattel.
„Ihr habt gut schmausen und fingen," begann er.
„Allan, wo ist mein Sohn?" fragte Mary, die Frau des Häuptlings, die, um Vieles unruhiger, ihrem Gemahls noch zuvorgekommen war.
„Da unten an der Heerstraße plagt, er sich ab, ich hab's ihm gesagt, es ist ein Unsinn .
„Was ist geschehen, Allan?" frug Egbert.
„Sein Roß wollte er vor den Wagen einer armen Frau spannen, und so hier einziehen. Ich kenne Sarp, ich hab's ihm gejagt . . ."
„Es ist doch kein Unglück geschehen?" fragten beide Eltern besorgt.
„Das Pferd ließ sich ganz geduldig einfpannen; wie es aber vorwärts gehen sollte, hat Sarp den Wagen in tausend Stücke geschmissen. Zum Glücke saß die Frau mit dem armen Schelm nicht darauf, sonst hätte es ein Unglück gegeben."
„Also weiter nichts?" fragte Egbert. „Warum seid Ihr denn nicht hier?"
„Wir liegen schon drei Stunden unten. Er tröstet das Weib, ich sollte den Wagen zusammenflicken. Es geht nicht. Endlich sagte er: „Allan, reit heim, und hole Hilfe!"
„Wo liegt er denn?" fragte einer der Seutc.
„Eine ha be Stunde von hier, an den drei Weiden."
„He! Gregor!" rief Egbert, schirre den Braunen an den Seiterroagen, und fahre hinunter. Komm, Allan, wir wollen indeffen selber gehen. Al'o, mein Robert kehrt im Uebrigen gesund und heil nach Hause! Das ist heute ein Doppelfest."