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24. Jahrgang

Mittwoch den 29. Dezember 1897

Rß. 298

FuldaerMIenung

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„Da geht dieser Harrison, dieser Bruder Josua, der glückliche Leveller, und freut sich in Herzenseinfalt, seinem phantastischen Gotte Heka­tomben schlachten zu können! Wird es mir ver­gönnt sein, diesen Moloch, dem das halbe Heer dient, zu stürzen und an seiner Stelle den Altar Englands auszurichten? Edmund!" fuhr er plötzlich aus seinem Hinbrüten auf, „weißt Du, was es heißt: England groß machen?"

„Nein, Vater Oliver," antwortete dieser; „aber wenn Du es mir sagen willst, so will ich es mir merken."

„England groß machen, heißt die Erde auf die richtige Basis stellen; es heißt dem Volke das Scepter geben, dem es gebührt. Nicht um­sonst hat der große Weltgeist dieses Land von dem Kontinente abgerissen, und die Wasser des Oceans seine unnahbare Majestät umfluthen heißen. Nicht umsonst hat er gerade in dieses Land den kältesten, zähesten und kühnsten Stamm der Mensch­heit verpflanzt; und nicht umsonst hat er es so geleitet, daß die drei Reiche als Einheit, unter Englands Banner, die mächtigste Nation sind. Meine Aufgabe ist es, diese Einheit herbeizuführen. Aus dieser Einheit erwächst die Weltherrschaft Englands und aus ihr die Freiheit und der Wohlstand der Völker. Wem doch vergönnt wäre, das zu erleben!"

„Dauert das noch lang? Vater Oliver!"

Der Statthalter lächelte bitter und traurig.

„Wer weiß das? Kind! Noch stehen wir auf den ersten Stufen. Schottland ist kaum, und nur äußerlich unser. Es ist der Schrecken über den Tod Karl Stuarts, der sie lähmt. Ja, das dachten sie nicht, daß Oliver seine Hand an den Gesalbten des Herrn legt! Sie sind mir darin mit gutem

Verwaltungs-Gerichtes, die den Polizei-Behörden dieBefugniß, öffentliche Versammlungen zu schließen, auch dann versagt, wenn in ihnen nicht in der deutschen Landessprache verhandelt wird und der überwachende Beamte der fremden Sprache nicht mächtig ist. Die bevorstehende Novelle soll eine Aend-rung der bestehenden gesetzlichen Vorschriften in dem Sinne erstreben, daß in öffentlichen, der iolizeilichen Aufsicht unterstellten Versammlungen nur in der deutschen Sprache verhandelt werden soll. Eine solche Bestimmung würde nur die Polen treffen, da wir andere Bevölkerungs-Ele­mente von irgend welcher Bedeutung in Preußen nicht haben; und es könnte wohl sein, daß die Regierung für eine solche Gewaltpolitik eine Mehr­heit im Abgeordnetenhause fände, die sich aus den Konservativen, den Freikonservativen und den Nationalliberalen zusammensetzt. Daß solche Ab­sichten bestehen, ist schon vor längerer Zeit ange­kündigt worden. Daß das Centrum einer solchen Politik der Gewalt niemals beistimmen kann, liegt auf der Hand; und ebenso wenig kann es zweifel­haft sein, daß auf solche Weise die erregten Ge- müther der Polen niemals beruhigt werden können. Im Gegentheil, es würde damit den Polen ein neuer Kampf um ihre Nationalität aufgezwungen werden, der an Erregtheit zweifelsohne die bis­herigen Kämpfe noch bei weitem übertreffen würde. Weiter will die vorher bezeichnete Ankündigung wissen, daß die Regierung als Ausgleich für das Wegfällen des Verbindungs-Verbotes politischer Vereine nur noch den Ausschluß von Minderjährigen und Frauen von politischen Versammlungen fordern wolle, b. h. ihre Forderung nach dem einrichten, was die Nationalliberalen als das Aeußerste ihrer Bewil­ligungen in der vorigen Tagung des Abgeordneten­hauses bewilligt hatten. Eine enbgiftige Entschei­dung des Staatsministeriums darüber soll noch nicht erfolgt sein. Man muß diese Entscheidung abwarten, ehe man ein festes Urtheil über diese Sache sich bilden kann. Sind aber die Kon­servativen ihren Anschauungen treu geblieben, dann würden diese ja eine so stark abgeschwächte Vorlage deswegen nicht annehmen, weil sie ihnen zu freiheitlich angelegt sein würde. Und unter solchen Umständen würde die ganze Aktion der Regierung in der Luft fchweben. Im Ministerium des Innern sollen die Vorarbeiten für eine solche Vorlage bereits zum Abschlüsse gelangt sein. Man wird ja also, wenn auch dies richtig sein sollte, bald Weiteres darüber vernehmen. Vorläufig kommt uns die ganze Meldung noch ein wenig fragwürdig vor.

* Eine beachtenswerthe Auöttäums-Kriime- rtt«g finden wir in der,Niederrh. Volkszlg/: Am 23. Dezember waren es 25 Jahre, daß Papst Pius IX. vor den versammelten Kardinälen der hl. römischen Kirche jene vielbeachtete Alloku- tion hielt, in welcher er zum erstenmale öffent­lich gegen den in Deutschland im Ausbruch be­griffenen Kulturkampf seine warnende Stimme erhob und mit apostolischem Freimuthe die heuch­lerische Phrase zerstörte, als ob die vollständig unbewiesene „staatsgefährliche" Haltung des ka­tholischen Klerus und gläubigen Volkes die ge­plante heute allgemein verurtheilte Verfolgung

Beispiele vorangegangen. Was hat diese Maria, die von der Hand ihrer jungfräulichen Schwester fiel, mehr gethan, als dieser Karl? Und was liegt einem Cromwell am Blute eines Königs? Englands Größe will ich bauen; nicht die Größe eines Thrones, dessen Schemel England ist. Her­unter mußte er, denn das war Englands erster Feind! Gebe der Weltengeist, daß ich auch den zweiten von der Höhe seiner erborgten Größe herunterreiße."

„Irland?"

„Nein, Knabe, das ist ein vorgeschobener Posten. Dieser Zweite ist der Papst. Weißt Du, Knabe, was die Throne heiligt? Der Aberglaube, den die Thoren Relitzion nennen. Und dieses Aber­glaubens festeste Stütze ist der Papst in Rom. Laß ihn fallen, und aller Aberglaube fällt in Trümmer."

kopfschüttelnd.

Oliver ging langsam auf den Knaben zu und legte seine Hand auf besten Haupt.

bärmlichen Schmähungen ber katholischen Kirche, wie sie insbesondere bie Krefelder Bündlerver- sammlung zeitigte, berauschten, so darf doch nicht außer Acht gelassen werden, welch großen Ein­fluß diese kleine Minderheit auf die Regierung, und auch auf gewisse Parteien ausübt. Ist doch infolge des Geschreies dieser lutherzornigen Herren der Bundesrath noch immer nicht dazu gekommen, Stellung zu dem am 2. April abermals erfolgten Reichstagsbeschlusse auf Abschaffung desJ e s u i t e n- g esetz es zu nehmen; ja felbst der fast einstimmig angenommene Antrag der Abgg. Graf Limburg (kauf.) und Rickert (frs. $gg ), wenigstens den § 2, also die Verbannungs- und Aufenthaltsanweisungs- befugniß der Behörde zu beseitigen, selbst diese kleine Abschlagszahlung ruht unerledigt „im Schooße des Bundesraths" —, aus Angst vor dem Wuthgeschrei einzelner Hetzprediger.

Und dabei glaube man nicht, daß etwa die Praxis der Regierungen gegenüber den Orden milder geworden wäre; die wiederholte Versagung von Ordens Niederlassungen in Preußen und ogar in Bayern ist in dieser Beziehung gar nicht mißzuverstehen. Und rechnen wir dazu, um von Anderem zu schweigen, die Kulturkämpferei in Baden, insbesondere die Machenschaften der Regierung, die es bewirkt haben, daß nach fast ^/«jähriger Sedisoakanz der erzbischöfliche Stuhl von Freiburg noch immer unbe­setzt ist, so dürste das genügen, um uns aufs neue die absolute Nothwendigkeit der großen Wachsamkeit und Regsamkeit, sowie der vollsten Einigkeit und Geschlossenheit der deutschen Katho­liken ins Gedächtniß zu rufen.

Gott fei Dank, noch immer haben weder Gegner noch einzelne Abtrünnige und Verirrte in diese Bollwerke des Katholizismus in Deutsch­land Bresche zu reißen vermocht. Das zeigte auch in diesem Jahre der glänzende Verlauf des deutschen Katholikentages, der Ende August in den Mauern der altehrwürdigen Drei­helmenstadt Landshut in Niederbayern versammelt war. Großartig bekundete sich auch die katholische Treue in der EinmÜthigkeit, mit welcher überall, iM deutsche Katholiken wohnen, am Schluffe des Jahres die dreihundertjährige Wiederkehr des Todestages des zweiten Apostels Deutschlands, des seligen Petrus Canisius aus der Gesell­schaft Jesu, und das einzig dastehende Fest des diamantenen Priesterjubiläums eines Papstes, unseres hl. Vaters Leo XI ] >. gefeiert wurde und noch wird, der jetzt schon an die zwanzig Jahre glorreich die Kirche Jesu regiert, ein Gegen­stand für uns der Liebe und auch für ehrliche Gegner der Hochschätzung und Bewunderung ob seiner Weisheit und feiner trotz höchsten Alters ungeschwächten Lebendigkeit und Frische des Geistes. Möge ihn das göttliche Haupt unserer Kirche noch lange als seinen Stellvertreter hier auf Erden den Seinen erhalten!

„Aber Oberst Harrison . “

„Das hast Du gut behalten, Kind!" sagte Oliver lächelnd. „Merke Dir das, mit dem Papste stürzt nicht bloß die katholische Kirche, sondern jede Religion: denn sie' alle leben von ihm; sie alle ziehen ihren Fanatismus, ihre Autorität von ihm. Er ist ihr Ballast. Gegen wen wird Harrison wütheu, wenn es keine Papisten mehr gibt? Diese Brunst verzehrt sich, und ver­glimmt zuletzt unter ber Asche. Der Papst muß fallen: bann fliege zum Himmel, Abler ber Mensch­heit! Dann entrolle bein Banner! Humanität! Dann Brittania! bu Trägerin ber reinen Vernunft, bann ist beine Zeit gekommen!"

„Das verstehe ich nicht," sagte ber Jüngling

„Dem Weltgeiste Dank, baß er Dich mir gegeben, ber Du in Unschulb mich nicht verstehst. Dir kann ich barutn sagen, was mein Herz be­drückt, daß ich manchmal meine, es müsse bersten. Der Mensch trägt das nicht stumm in seiner Brust. Das ist mein Unglück, daß die andern meine Riesenaufgabe nicht verstehen und jeder von ihnen den Plan eines eigennützigen Zwerges verfolgt, dem sie Leben und Ehre, Glück und Habe von Tausenden zum Opfer bringen!"

Heftig ergriff er den Knaben an der Schulter und rief in leidenschaftlichem Tone:

„Vor Dir kann ich reden; Du verstehst mich zwar auch nicht, aber Du verräthst mich nicht, weil Du mich liebst. Du, Duallein! Und darum kann ich Dir nichts abschlagen, darum habe ich Dir den Iren geschenkt, und darum bitte ich Dich — ich, der Statthalter -, daß Du nichts verlangst, was gegen Englands Wohl ist; denn wenn Du mich so traurig ansiehst, wie vorhin . . Lassen wir das. Die Nachwelt wird mich grau­sam, blutig schelten ... ich bin es nicht .... bei meiner Ehre, ich bin es nicht . . ."

„Das weiß ich, Vater Oliver!"

„Sei Du mein Zeuge! Du wirst mich über­leben ... Du wirst es laut erzählen . . . diese Harrison mordeten, um ihrer fanatischen Wuth zu genügen, diese Fitzgeralds trieben die Leute ins Elend, um ihrer Habsucht zu fröhnen .... Ich habe kein Verlangen nach einem Bade von Blut, ich bin nicht reicher geworden, seit ich meine Schwadron errichtet. Ich suche in diesem Wüthen nicht mich, ich nehme es als eine Nothwendigkeit auf, die ich beklage; aber England muß Über Irland herrschen, und dem Papste tret' ich in

Das Jahr 1897.

T.

Zu den ernsten Betrachtungen, die uns jeder Jahreswechsel nahe legt, gehört ganz besonders die über den Wechsel aller irdischen Dinge. So reich, wie das Lebendes einzelnen Menschen, ist auch das Leben der Völker an Veränderungen und Wandlungen, und das ganz besonders in unserer rasch vorwärts hastenden, unruhigen und schnelllebigen Zeit. Nur ein Reich ist bei allen Wechselfällen feiner äußeren Schicksale in sich selbst keinem Wechsel, keiner Veränderung in wesent­lichen Dingen unterworfen, und das ist das Reich Gottes auf Erden, die eine und wahre Kirche Jesu Christi. . r , .

Gerade das Jahr 1897 ist em sprechender Beweis dasür, daß die katholische Kirche durch nichts zu erschüttern ist. Wie haben ihre Gegner gejubelt, als der Vaugha n- S ch wind e l durch den „bekehrten" Freimaurer Taxil, feinen Urheber, selbst mit ungeheurer Frechheit aufge­deckt wurde! Als ob die Freimaurerei deshalb weniger gefährlich und verwerflich wäre, weil sie die blasphemische Komödie eines förmlichen Satans­kultes nicht aufführt! Oder als ob die übergroße Leichtgläubigkeit einzelner Katholiken der katho­lischen Kirche als solcher zur Last gelegt werden könnte! Die schwere Erschütterung der katholischen Kirche durch die Taxiliade, auf die ihre fanati­schen Gegner mit Sicherheit gerechnet, ist ebenso ausgeblieben, wie ein „Krach" infolge der von ihnen mit Begier aufgegriffenen Broschüre des Professors Schell über den „Katholizismus als Prinzip des Fortschritts." Herr Schell selber hat übrigens auch gar keine Lust bezeigt, den Ein­ladungen und Erwartungen von protestanti­scher Seite zu entsprechen, da es ihm keineswegs um eine Trennung von der Kirche, sondern ledig­lich um die Bloslegung und Beseitigung einer gewissen Trägheit und Gleichgiltigkeit zu thun war, die nach seiner Ansicht den Katholiken Deutschlands auf wisfenschaftlichem Gebiete an« YSfken sollte — ein Vorwurf, dessen Grundlosig­keit in dieser Allgemeinheit übrigens von mehreren anderen katholischen Gelehrten. sofort nachge­wiesen wurde.

Daneben bedarf es kaum einer Betonung, daß die täppische Kulturkämpferei der Eynern, Sattler u. s. w. im preußischen Abgeordneten­hause, die von den Abgg. Bachem, Porsch, Das­bach und Dittrich mit Eleganz ans dem Sattel ihres abgetriebenen Kulturkampfsgaules geworfen wurden, erst recht nicht im Stande sein konnte, der katholischen Kirche etwas anzuhaben. Immerhin verdient das Wiederanschwellen des kultur- kämpferischen Geistes, das sich noch mehr in dem Protestrummel der Thümmelbrüder bis hin­auf zur protestantischen preußischen Generalsynode und bis zur Spitze des „landeskirchlichen" Kirchen­regiments gegen die ganz leidenschaftslose Kenn­zeichnung der Kirchenreoolution des 16. Jahr­hunderts in dem Rundschreiben des hl. Vaters zur Canisiusfeier offenbarte, als Zeichen der Zeit die ernsteste Beachtung der deutschen Katho- - liken. Ist es auch nur eine Handvoll Fanatiker, die sich an diesen Orgien des Hasses, an er­

Drutsche* Keich.

Berlin, 28. Dezember.

Der Kaiser hat den Bischof Anzer zu Abend nach dem Neuen Palais bei Pots­

heute ,

darn zur Audienz geladen. Bischof Anzer ist fa

* Her letzte Häuptling ton Siltimey.

Eine historische Erzählung

von Philipp Wasserburg (Laicus).

Y4 ------ (Nachdruck verboten )

Der Knabe kniete an seiner Seite nieder, legte seine gefalteten Hände auf ein Knie des Gewaltigen und schaute ihm ängstlich besorgt in das Gesicht.

„Was ist Dir? Vater Oliver!" fragte er mit zitternder Stimme.

„Gigantenpläne wälzen, und von Pygmäen umgeben fein!" fuhr der Obergeneral, ohne die Einsprache des Knaben zu beachten fort. „Einen Bau aufrichten, dessen Träger die Welt be­herrscht, und den Boden dazu blindwüthigem Fanatismus abringen! England! England! Welches Opfer bring' ich deiner Größe!"

Der Knabe war bei den letzten Worten Crom­wells aufgesprungen und hatte sich an die Thüre zurückgezogen. Seine ganze Haltung war die eines mit Ausbietung aller Aufmerksamkeit Lauschen­den. Doch lauschte er vielmehr an der Thür- spalte, als auf die Worte Cromwells.

Die Thatsache, daß der Statthalter mit allem, ja mit sich selbst, zerfallen war, mußte ihm nicht gerade feltsam vorkommen; denn er zeigte sich keineswegs beunruhigt von dem ihm kaum ver­ständlichen Gebühren. Auch schien er bei seinem Verhalten einer ihm gegebenen Weisung zu folgen. Kein Unberufener konnte sich dem Gemache nähern, ohne daß er dessen Schritte vernommen hätte.

Der Statthalter erhob sich langsam von seinem Sessel und schritt mit übereinanderge­schlagenen Armen nach dem Fenster, wo er stehen blieb und über den Marktplatz hinüberschaute.

eben erst aus Bayern wieder hierher zurück- gekehrt.

ft Im nächsten preutzische» Ktat sollen die Ausgaben" um 100 Millionen Mark höher aus­fallen als im gegenwärtigen. Die Mehrausgaben fallen zu einem großen Theile in den Eisenbahn­etat. Aber auch die Kulturbedürfniffe sollen an­geblich besonders berücksichtigt sein — vor allen Dingen wahrscheinlich die Erhöhung des Dienst­einkommens der protestantischen Prediger. Nun, das Centrum wird diesmal ganz besondere Ver­anlassung haben, bei der Berathnng des Kultus- etats im Abgeordnetenhause einige Worte mit­zureden.

* Die Iraktionen des ASteordneter»- hanses werden in die letzte Tagung der 18. Legislaturperiode mit folgender Stärke eintreten: Conservative 142 (am Schluffe der vorigen Tagung 141), Freikonservative 64 (63), National­liberale 84 (85), Centrum 95 (95), freisinnige Volkspartei 14 (14), freisinnige Vereinigung 6 (6), Polen 18 (18); bei keiner Fraktion sind 10 Mitglieder. Erledigt sind zwei Mandate, 2. Potsdam (Ober- und Niederbarnim) durch die Berufung des Abg. v. Eckardstein in das Herren­haus und 4. Posen (Meseritz-Bomst) durch den Tod des Abg. v. Tiedemann-Bomst. An weiteren Personalveränderungen ist Folgendes zu bemerken: Noch vor dem Schluffe der letzten Tagung starb Abg. v. Elbe (kons.), an seiner Stelle wurde der Reichstagsabgeordnete v. Normann gewählt. Der am 25. Juli verstorbene Abg. Born-Wiesbaden (natl.) wurde durch den Abgeordneten Wolff (gleichfalls natlib.) ersetzt. Für den am 10. Ang. verstorbenen Abg. Weber - Halberstadt (natlib.) wurde der Fabrikbesitzer Wiersdorff (natlib.) in Wegeleben gewählt. An die Stelle des verstorbenen Abg. Jacobs (konservativ) ist der Oekonomierath Ebers getreten, welcher gleichfalls der konservativen Partei angehört. Im Wahlkreise Fallingbostel- Soltau ist für den verstorbenen Abg. Durlach (natlib.) der Fabrik- und Rittergutsbesitzer Wolff gewählt worden; da dieser erklärt hat. sich der freikonservativen Fraktion anschließen zu wollen, so haben die Nationalliberalen diesen Wahlkreis verloren.

* Durch die Blätter geht eine Statistik über die Iatzl der Katholische« Hrdertsnieder- lassmkge« «nd Hrdensmitglieder, die eine erfreuliche Zunahme ergibt, aber auch schon vor längerer Zeit veröffentlicht worden ist. Der ,Reichsbote" folgert daraus, daß mit einem Mangel an hinreichender Ausübung der Ordens- thätigkeit die Wünsche des Centrums auf Zu­lassung des Jesuitenordens nicht begründet werden könnten. Die Statistik könnte aussehen, wie sie wollte, nach Ansicht des ,Reichsb/ würde immer es nicht nur genügend, sondern viel zu viel katho­lische Ordensniederlassungen in Deutschland geben.

X Eine Berliner Zeitungs-Korrespondenz will wissen, daß dem preußischen Landtage in seiner nächsten Tagung nun doch noch eine neue Novelle zum Dereinsgesetze zugehen werde. Den An­laß dazu soll einmal bieten das vom Reichskanzler im Reichstage gegebene Versprechen, daß das Verbindungs-Verbot politischer Vereine aufgehoben werden soll, anderseits die Entscheidung des Ober-