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Montag den 27. Dezember 1897
24. Jahrgang
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(•) Der preußische Landtag
ist durch königliche Verordnung vom 22. Dezember auf den 11. Januar einberufen worden. Man hat ihm noch in den letzten Tagen eine nur kurze, vielleicht schon vor Ostern schließende Tagung in Aussicht gestellt. Die Erfahrung macht uns freilich mißtrauisch gegen alles Prophezeien in diesem Punkte; wurde doch in den beiden letzten Jahren trotz geringen Arbeitsstoffes die Session unglaublich hingeschleppt. Jndeß sind die dem Landtage zugedachten Vorlagen so klein an Zahl und wohl auch an Umfang, daß wenigstens ein Verschleppen über Pfingsten hinaus als ausgeschlossen betrachtet werden darf.
Die längste Zeit wird der Etat in Anspruch nehmen. An scharfen Debatten wird es da nicht fehlen. Offiziös ist der neue Etat bereits als ein wahres Wunderkind gepriesen worden; an ihm selbst wird also nicht viel auszusetzen sein. Sehr übel dürfte es aber dem Eisenbahnminister ergehen, und wenn Gerechtigkeit herrscht, muß der Finanzminister sein Theil abbekommen, nämlich wegen der Eisenbahnunfälle. Die beiden „Sünder" werden es sich haben angelegen sein lassen, durch Vermehrung des Betriebspersonals und der Ausgaben für Material und Bauten vor dem Entrüstungssturm sich zu decken, allein das Unwetter wird doch über sie hereinbrechen. Ob sie auch durch Aufbesserung des unteren Personals den Landtag milder zu stimmen gedenken, darüber verlautet nichts; es steht also wohl nicht zu erwarten. Mit der schlechten Finanzlage aber wird man sich nicht herausretten können. Die übliche Sekundärbahnvorlage, sowie die Spenden für Meliorationen rc. werden diesmal hoffentlich recht reichlich ausfallen.
Die Herren v. Eynern, Dr. Wildberg und Dr. Sattler präpariren gewiß schon ihre Reden zum Kultus-Etat, da es derCanisius-Encyklika schlimm ergehen und die Aufhebung der Gesandtschaft beim hl. Stuhle beantragt werden soll. Die Antwort wird man ihnen nicht schuldig bleiben, und da es auch dem Centrum an Beschwerden und Wünschen nicht fehlt, so wird es diesmal beim Kultus-Etat wohl besonders heiß hergehen. Nicht minder heiß werden wieder die Polen- Debatten werden, zumal da der 100 Millionen- Fonds neu gefüllt werden soll und der Minister des Innern überdies etwas gegen die polnische Versammlungs - Sprache im Schilde führt. An der Bewilligung des 100 Millionen - Fonds ist nicht zu zweifeln. Es handelt sich da um eine „Kulturaufgabe", für die sogar der sparsame Herr v. Miquel „Geld wie Heu" hat. „Unter sich" lachen sich freilich nach unserer Ueberzeugung die Polen in's Fäustchen über diesen Fonds, denn sie wissen ganz gut, daß die paar Tausend Deutschen, die man damit ansiedelt, dem Polenthunr keinen ernstlichen Abbruch thun, wohl aber das schöne Stück Geld manchen der Ihrigen aus schweren Nöthen hilft. Für uns ist der Fonds vor Allem verwerflich, weil er'verfassungswidrig ist und zurFörderung des Protestantismus benutzt wird. Denn man setzt fast nur protestantische Ansiedler an und stattet sie reichlich aus mit Kirchen und Schulen, während man Katho-
* Der letzte WM»j len fifcmni.
Eine historische Erjählun, von Philipp Wasserburg (LaicuS).
12 ------ (Nachdruck verboten.)
„Wir verurtheilen ja selbst die Gewaltthaten, wo solche vorgekommen sind!"
„Seit wann?" fragte Cromwell scharf. „Als wir kamen, sie zu bestrafen, habt Ihr uns die Thore verschlossen. Wäret Ihr Sieger gewesen, wie wir Sieger wurden, dann wären die Mörder Eure guten Freunde; aber da wir Sieger sind, ist es vergebliches Mühen, nun, nachdem auch vor Drogheda englisches Blut geflossen ist. Eure Freunde zu verleugnen."
„Siehe, das Volk wird aufstehen," sagte der neu Angekommene mit einer sonoren Stimme, „wie eine Löwin; wie ein Löwe wird es sich erheben : und wird sich nicht legen, bis daß es den Raub verzehret und das Blut der Erschlagenen trinket."
Die Stimme ging durch Mark und Bein.
„Der Herr spricht durch seinen Mund," sagte Cromwell ernst, indem er auf den Mann deutete, der immer noch regungslos wie ein Steinbild, in einen weiten, weißen Mantel gehüllt, unter der Thüre stand. „England hat sich erhoben und wird sich nicht niederlegen, bis es das Blut seiner Feinde getrunken hat."
Abermals winkte Cromwell ungeduldig mit der Hand, um den Gesandten ihre Entlassung und die Fruchtlosigkeit ihrer Bemühungen anzudeuten.
Die Abgesandten standen auf.
„Lord-Statthalter," sagte einer aus ihrer Mitte, „wenn es gerecht ist, daß für das englische
liken nur ausnahmsweise und „Schanden halber" ansiedelt. Wie es mit den Plänen gegen die polnische Sprache gehen wird, läßt sich schon deshalb nicht sagen, weil sie noch unbekannt sind. Wenn es sich aber lediglich um das Polnische handelt, werden zweifellos manche, die gegen das Vereinsgesetz gestimmt haben, dem Minister zu Willen sein. Dieser scheint sich auf die Polen- Debatten gründlich vorbereiten zu wollen, denn er soll bis zum 1. Januar von dem Oberpräsidenten eine kurze Denkschrift über den Stand der polnischen Bewegung eingefordert haben, wobei auch eine Nachweisung über die Polizeibeamten verlangt wird, die des Polnischen kundig und zur Ueberwachung von Versammlungen geeignet sind.
lieber das Vereinsgesetz wird man den Minister gewiß auch interpelliren. Man weiß aber schon, daß die Zusage des Reichskanzlers in dieser Tagung nicht erfüllt werden wird, da man auf eine Verständigung mit dem neuen Abgeordnetenhause rechnet. Dies soll abermals nach dem „elendesten aller Wahlsysteme" gewählt werden. Man wird den Minister zur Rede stellen, warum denn die versprochene Wahlreform verschoben werden soll. — Wiewohl die Konservativen den neuen Männern mit abwartendem Wohlwollen gegenüberstehen, wird es an ausgedehnten A g r a r d e b a t t e n und Klagen nicht fehlen, worauf von der Linken die hergebrachten Angriffe auf die Rechte erfolgen werden. Das Grundkapital der Centralgenossenschaftskaffe soll um 20,000,000 Mark erhöht werden. Auch das wird von der Linken bekämpft werden.
Von den sonstigen in Aussicht stehenden Gesetzen erwähnen wir das Komptabilitätsgesetz, das Gesetz über die Gehälter der protestantischen Geistlichen (beim Kultusetat wird sich das Centrum wieder bemühen, die Imparität in den Staatsleistungen zu Ungunsten der katholischen Geistlichen zu beseitigen), das Gesetz über die Aushebung des Beamtenkautionsgesetzes und das Gesetz über die Disziplinarverhältnisse der Privatdozenten. Nach der,Nordd. Allg. Ztg/ ordnet letzteres die Disziplin einfach in der Weise, daß die erste Instanz den Fakultäten zugewiesen wird, während den Disziplinarhof ganz wie bei den Professoren das Staatsministerium bilden soll. Es wird sich also um größere Sicherung in der Rechtsstellung der Privatdozenten handeln und nicht aber um ein kleines Sozialistengesetz. Wenn man sich aber den Anlaß zu dem Gesetze vergegenwärtigt, kann man denn doch zweifeln, ob wirklich „die größere Sicherung in der Rechtsstellung der Privatdozenten" die einzige Absicht sei.
Die nächste Session ist die letzte in der Legislaturperiode und dem alten Abgeordnetenhause. Das Landtagswahlrecht bietet den Parteien nur wenig Anreiz, die letzte Session zur Wahlagitation zu benutzen. Hoffentlich zieht aber in das neue Gebäude über ein Jahr ein Abgeordnetenhaus ein, das weniger unsicher in der Vertheidigung der Rechte und Freiheiten des Volkes ist, wie das gegenwärtige.
je* China und Japan.
Japan und China — es ist noch gar nicht lange her, da wurden beide, das Jnselreich und Blut, das auf dieser Insel geflossen ist, Schuldige und Unschuldige büßen, nun wahrhaftig, dann war es nicht minder gerecht. . . . "
„Schweigt, Unglücklicher! schweigt!" rief der Nachbar des Sprechers.
„Nein, laßt ihn reden!" rief Cromwell; „komme hierher, Freund! Dich will ich hören! Du gibst Dein irisches Herz, wie es ist. Sprich!"
„Laßt mich," sagte der Ire, sich von seinen Landsleuten losmachend, die ihn zurückhalten wollten. „Ich habe nur Ein Leben, das man mir nehmen mag: dann steht meine Seele in Gottes Hand."
„Laßt ihn ledig," donnerte Cromwell die Abgesandten an. „So, hierher tritt, blick mir in's Gesicht und rede!"
„Das kann ich, Lord-Statthalter, ich Ralph O'Connell, ich brauchte bisher mein Auge vor Niemanden niederzuschlagen; denn das Einzige, was ich mir vorzuwerfen habe..."
„Was war das?" fragte Cromwell rasch.
„Daß ich vor Euch auf den Knien gelegen — das sühne ich eben."
Ein hämisches Lächeln spielte um Cromwells Mund, während die Gesichter aller übrigen den Ausdruck des Schreckens trugen.
„Nun, Du wolltest von der Gerechtigkeit reden."
„Ja, Lord-Lieutenant! Wenn das gerecht ist, was Ihr eben thut, dann war niemals etwas gerechter, als was meine Landsleute den Deinen thaten. Und wenn Gott uns jetzt Heimsucht mit Dir, dann sei sicher, daß sein Arm nicht erlahmen wird. Dein Land Heimzusuchen, mit uns."
„Ihr seid entlassen!" bemerkte Cromwell zu
das Reich der Mitte, in einen Topf geworfen; sowohl im Schulunterricht als auch in den Anschauungen und in der Urtheilsweise des gewöhnlichen Lebens: beides Länder, in denen bräunliche Menschen mit Zöpfen und mit geschlitzten Augen wohnen; beides Länder, in denen von früher her wohl ein bischen Kultur ist, in denen aber sonst schauervolle Gebräuche herrschen; beides jedenfalls Länder, bis zu denen es ungeheuer weit ist, und die uns äußerst wenig angehen.
Wie schnell ist das so ganz anders geworden, und wie himmelweit verschieden von einander sind jetzt die beiden Länder, China und Japan!
China ist uns im großen und ganzen noch jetzt das Land der Geheimnisse; das Land hinter der großen chinesischen Mauer; das Land, von dem man sagt, daß Leute darin hingerichtet werden, indem man ihnen die Augenlider abschneidet, und sie dann gefesselt in die Sonne legt, oder indem man sie unter eine große Glocke setzt und dann so lange auf die Glocke loshämmert, bis der Mensch darunter durch den übermäßigen Gehörreiz zu Grunde gegangen ist; das Land, in dem man die kleinen Kinder ins Wasser wirft, wenn man glaubt, ihre Ernährung werde Schwierigkeiten machen, gerade so, wie bei uns wohl junge Hunde und Katzen, wenn man sich ihrer als lästig entledigen will. In das Innere dieses Reiches setzt bis heutigen Tages selten ein Europäer den Fuß. Und der Handel Chinas mit dem Auslande ist im Vergleich mit der Riesengröße des Landes und mit seiner gewaltig kopfreichen Bevölkerung noch verschwindend klein. Es ist ja auch noch gar nicht lange her, daß China überhaupt einige Häfen für den Handel öffnete. Das chinesische Reich hat einen Umfang von mehr als 11 Mill. Quadrat-Kilometer, und eine Bevölkerung, die 400 Mill, sicher übersteigt, und im ganzen Jahre 1896 hat der Werth der chinesischen Einfuhr nur etwas mehr als eine halbe Milliarde Mark, die Ausfuhr noch erheblich weniger betragen. 672 fremde Firmen waren im Jahre 1896 in China vertreten, darunter 363 englische. Aber nach den Engländern kommen gleich die Deutschen mit 99 Firmen und 870 Angestellten, und dann die Japaner mit 87 Firmen und 872 Angestellten. Im Ganzen lebten im Jahre 1896 in den geöffneten Häfen von China 10,855 Fremde, und darunter' waren 4362 Engländer. Eisenbahnen sind in dem Reiche der alten tausendjährigen Kultur noch fast völlig unbekannt.
Wie ganz anders sieht es in Japan aus! Japan hat nur etwas mehr als 44 Millionen Einwohner. Aber das japanische Jnselreich wird bereits von 3700 Kilometern Eisenbahn durchkreuzt. Es hat vorzügliche Ingenieure, vortreffliche Hochschulen. Es hat ein Parlament nach modernem Zuschnitt mit Regierungsparteien und mit Oppositionsparteien, und Industrie, Handel und Verkehr haben sich in Japan fabelhaft schnell und in so außerordentlicher Weise entwickelt, daß wir in Europa uns ja schon zu fürchten begonnen haben vor dem japanischen Wettbewerbe. Japan hat auch eine vorzügliche Kriegsflotte, und alle diese Vorzüge zusammengenommen haben Japan in dem letzten Kriege gegen China den Sieg verschafft. China lag vollständig besiegt darnieder, und Japan würde jetzt die Vormacht in den in den Hintergrund getretenen Abgesandten. „Kein Zögern!" donnerte er sie an, als der Alte wieder mit bittend erhobenen Händen ihm nahen wollte. „Fort! Oder ich lasse den Saal mit Dragonern räumen!"
Die Abgesandten gingen zitternd hinweg.
„Oberst Harrison!"
Der zuletzt Gekommene trat mit dröhnenden Schritten bis dicht zu dem Statthalter.
„Diesen da," fuhr Cromwell auf den kühnen Sprecher deutend fort, „lasse vor dem Portale des Rathhauses aufhängen."
„Dein Leben steht in Gottes Hand, wie meines," erwiderte der Ire mit bitterem Lächeln. „Sonst hast Du also nichts der Gerechtigkeit zu erwidern!"
Ohne darauf zu antworten, hatte sich Cromwell auf seinen Sessel niedergelassen und studirte auf's neue die Karte. Oberst Harrison war an's Fenster getreten und blickte über den Platz, als ob er jemanden suche. Endlich winkte er und rief:
„He! Posaunenträger!"
Eine unverständliche Antwort erscholl von unten.
„Sende den Racheengel der göttlichen Gerechtigkeit hierher."
Da die Sprachweise des Obersten Harrison unter feinen Leuten hinlänglich bekannt war, so war dem Trompeter unzweifelhaft, daß er den Profoßen zu einer Exekution holen sollte.
Darauf kehrte sich der Oberst zu dem Irländer: „Voran, Du Unreiner aus dem Lande Moab! Auf die Wache."
In diesem Augenblicke kam der Knabe rasch
Ostasien sein, wenn nicht europäische Mächte, namentlich also Deutschland und Rußland, sich ins Mittel gelegt und dies verhindert hätten.
Wird China erschlossen mit seinen ungeheuren Länderflächen und seinen unzählichen Menschen, werden seine inneren Länderbezirke durch Eisenbahnen und durch andere gute Verkehrsmittel mit mit den Hafenorten an der Küste verbunden, so öffnet sich dem Handel und der Einfuhr ein Gebiet von unberechenbarer Ertragsfähigkeit. Höchst wahrscheinlich birgt das so wenig bekannte Land auch große Schätze für den Bergbau dar — kurz, die Erschließung von China ist für alle Kulturstaaten von ungemein großer Bedeutung und es ist durchaus zu billigen, daß wir unS mit ihnen geeignete feste Plätze an der chinesischen Küste zu sichern trachten, denn sonst würde England im Verein mit Japan gar bald allen anderen Staaten den Rang abgelaufen haben und die übrigen hätten das Nachsehen.
Aber ganz außerordentlich schwierig ist. die Ausführung; die Kosten dürfen nicht nnverhältniß- mäßig über die Bedeutung des Ganzen hinaus- wachsen, und wir dürfen uns durch sehr verlockende, aber noch vollkommen nebelhafte Aussichten auf Handelsgewinn nicht zu Abenteuern verlocken lassen, die wir später bitter bereuen müßten. Also festina lente — Eile mit Weile!
Deutsche* Reich»
Berlin, 26. Dezember.
ft Anstatt des Grasen Dönhoff-Iriedrich- stem, der für die Handelsverträge gestimmt hat, dafür vom Kaiser ausgezeichnet, aber von der konservativen Reichstagsfraktion zum Austritt aus dieser genöthigt wurde, stellen die Konservativen des Wahlkreises Königsberg-Fischhausen gemeinschaftlich mit dem Bunde der Landwirthe den Grafen Dohna-Wundlacken auf. Die Meldung einiger Blätter, daß Graf Dönhoff dennoch wieder kandidiren werde, veranlaßt die konservative Presse zu der spöttischen Frage, ob die Freisinnigen ihn aufstellen wollen.
In der Angelegenheit ■.•iues Denkmals für die ILerli«er-Wärzg*falke«e« hat der Magistrat beschlossen, der Stadtverordnetenversammlung vorzuschlagen, daß am Eingänge zu dem Friedhöfe int Friedrichshain ein massives Eingangsthor mit eiferner Pforte errichtet werde. Der Bogen, welcher über der Pforte zwischen den beiden Pfeilern angebracht wird, soll die Inschrift tragen: „Ruhestätte der in den Märztagen 1848 in Berlin Gefallenen". Das Komitee zur Errichtung eines Denkmals hatte sich an 34 Städte mit der Bitte um Unterstützung gewandt. 17 Städte haben auf das Gesuch gar nicht geantwortet, die übrigen 17 haben es abgelehnt. Meist waren beide städtischen Körperschaften in der Ablehnung einig; nur in Schwabach bei Nürnberg beschlossen die Stadtverordneten die Bewilligung einer Summe für den Denkmalsfonds, der Magistrat lehnte es aber ab, ihm etwas zukommen zu laffen.
ft Ein vortrefflicher Satz findet sich, sagt der ,Reichsbote', in der ,Methodist Times'; die- englische Blatt schreibt: „Wenn die Protestanten erst einmal gelernt haben, so treu zu Christo zu stehen, wie die Katholiken zum Papste, so wird
herbei und legte seine Hand auf den Arm des Irländers.
„Halt, bleibt noch ein wenig da!"
Dann trat er zu dem Sessel, auf welchem Oliver, über die Karte gebeugt, saß, lehnte sich auf deffen Schulter und flüsterte mit einer ungemein weichen Stimme: „Vater Oliver!"
Der Lord-Statthalter zuckte zusammen und fuhr fast erschrocken wie aus einem Traume auf:
„Was willst Du? Edmund! Du mußt mich nicht stören, wenn ich arbeite!"
„Schenk mir den Iren!"
„Was willst Du mit ihm thun?"
„Ich will ihm die Freiheit geben."
„Sind meine Feinde Dir so theuer?"
Der Knabe sah ihn mit einem unsäglich traurigen Gesichte an und kehrte sich langsam ab.
„Nimm ihn, Edmund!" sagte Cromwell rasch, „aber . . . sieh mich nicht so an ... und . . . laß mich jetzt in Ruhe! Ich habe mit dem Obersten zu reden."
„Kommt mit mir," sagte der Knabe zu dem Irländer, und verließ mit ihm, der fassungslos den letzten Vorgängen gefolgt war, das Gemach.
Draußen ergriff der Irländer beide Hände des Pagen. „Wer seid Ihr, edler Knabe, dem ich mein Leben verdanke?"
„Saffet das! Geht in Frieden!"
„Aber ich muß doch wenigstens wissen, für wen ich mit meinem Weibe bete ..."
„Das weiß schon Gott; aber wenn Euch die Neugierde plagt, so wißt, daß ich Edmund Parker heiße, daß mein Vater zu den Aeomans des Statthalters gehörte, daß er in seiner Schwadron Wachtmeister war und als Reiter«