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Donnerstag den 23. Dezember 1897

24. Jahrgang

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mit Anterhattungs Beilage „Sterne und Blumen"

tnf n» Verla« der Aaltaer HdteetnKkfrt Peter»« age Nr. 1 (tanuik).

Gemeinsamer Hirteudrirf der Sischöfe Vreußeris

?um fiOjährigrn Priesterjubiläum Kr. Heiligkeit des Papstes Leo XIII.

Die unterzeichneten Bischöfe entbieten dem Hochwürdigen Klerus und allen Gläubigen ihrer Diözesen Gruß und Segen im Herrn!

Geliebte Diözesanen!

Am 31. Dezember dieses Jahres, dem Feste des hl. Sylvester, werden es sechzig Jahre sein, daß Leo XIII., unser glorreich regierender Papst, durch den Kardinal Odescalchi die hl. Priester­weihe empfing; am 1. Januar 1898 wird er somit das sechzigjährige Jubiläum seiner ersten hl. Messe begehen. Diese Feier, welche kaum je einem Nachfolger des hl. Petrus zu begehen ver­gönnt war, wird allen treuen Kindern der katho­lischen Kirche einen willkommenen Anlaß bieten, dem hohenpriesterlichen Jubelgreise ihre innigsten Glückwünsche darzubringen und dem Stellvertreter Christi auf Erden ihre herzliche Liebe und Er­gebenheit zu bekunden. Indem die göttliche Vor­sehung den Oberhirten der Kirche ein so hohes Alter in noch rüstiger Kraft des Körpers und des Geistes erreichen läßt, scheint sie die Gelegenheiten vermehren zu wollen, bei welchen die Katholiken, zum Tröste ihres gemeinsamen Vaters in Christo, ihre Einigkeit und Liebe von neuem beweisen können. So tritt stets von neuem der Welt vor Augen das erhebende Bild der Einigkeit der Kirche int Glauben und in der Liebe, sowie ihres festen Zusammenhanges mit dem sichtbaren Mittelpunkte dieser Einigkeit, dem Statthalter Jesu Christi.

Der schönste und weihevollste Tag im Leben eines Priesters ist gewiß derjenige, au welchem er pon ersten Male die Stufen des Altars be­steigt, um das makellose Lamm des Neuen Bundes zu feiern. Wie könnte er bei der jährlichen Wiederkehr dieses Tages ohne tiefe Rührung der Stunde gedenken, da zum ersten Male seine Lippen die Machtworte der Wandlung sprachen, zum ersten Male die zittoUiben Hände den Leib und das Blut des Herrn, den Preis unserer Erlösung, das Lamm Gottes, welches die Sünden der Welt hin- wegnimmt, zum Himmel emporhoben! Die hl. Kommunion sodann, welche der Priester zum ersten Male sich selbst spendete, die innige Andacht, die himmlische Wonne bei der Danksagung: das sind Erinnerungen, welche unauslöschlich dem dank­baren Herzen des Priesters eingeprägt bleiben. Die Bischofsweihe sowie die Krönung zum obersten Hirten der Kirche verleihen allerdings höhere Gnaden, Vollmachten und Ehren, sie werden aber die erhabene Würde des Priesters keineswegs ver­dunkeln: denn diese verleiht jedem Diener des Altares, sei er Bischof oder Papst, seine erste und vorzüglichste Gewalt.

Eine zweifache Befugniß gehört, wie ihr wißt, geliebte Diözesanen, zum Wesen des Priester- thums: die eine bezieht sich auf den wahren Leib des Heilandes und besteht in der Gewalt, Brod und Wein in den Leib und das Blut des Herrn zu verwandeln; die andere bezieht sich auf den mystischen Leib Christi, nämlich die hl. Kirche Gottes, und besteht in der Gewalt, die Gläubigen

s Btt letzte Häuptling non fiilknw Sine historische Erzählung

von Philipp Wasserburg (Laicus).

jq (Nachdruck verboten)

Einen ganz andern Eindruck machten die Schilderungen Roberts auf die Lady Fitzgerald und Miß Lucy. Beide batten von Anbeginn an die gegen Irland befolgte Politik nicht mit dem gefühllosen Blicke eines Staatsmannes, sondern mit warmen Frauenherzen betrachtet. Sie ver­standen nicht, wie Unterdrückungs-Maßregeln, Aus- beutung, Niedermetzelungen em Gebot politischer Nothwendigkeit sein könnten. Während die ganze englische Männerwelt nach blutiger Austilgung der Irländer als Erwiderung der Niedermetze­lungen von Engländern beim Ausbruche der wi­chen Erhebung schrie, sprach im Herzen der beiden Frauen immer noch etwas zu Glinsten der Ir­länder. Welch' Furchtbares hatten sie nicht er­tragen, seit Heinrich II. seinen Fuß auf irischen Boden setzte! Und das waren jetzt 500 Jahre! Der Fuß der Sieger halte ehern auf ihrem Nacken geruht.

®ie englische Reformation griff ihnen an ihr Heiligstes, ihre Religion. Sie sollten mit Gewalt protestantisch gemacht werden. Allerdings gehörte auch das Haus Fitzgerald dieser Richtung an; aber es war nicht die Gluth eines bestimmten innigen Glaubens, welche die Angehörigen dieses Hauses beseelte, und dazu war auch _bie Lage Englands durchaus nicht angethan.^ Seit dem Ausbruche der Reformation stand Sekte, gegen Sekte. Fortwährend tauchten neue auf, sowohl in Englano, wie auch in dem benachbarten Schott-

durch Austheilung der Gnade zu heiligen, zu leiten und so zum ewigen Leben zu führen. In dieser letzteren Befugniß sind die Priester den Bischöfen, und die Bischöfe dem Nachfolger des hl. Petrus als dem Oberhaupte der Kirche unter­geordnet; die erstgenannte Befugniß aber, die Opfergewalt, ist in allen dieselbe. Der einfache Priester wie der Papst sprechen am Altäre im Namen Jesu Christi und üben eine Gewalt aus, die keinem Engel zu Theil wurde. Mit Recht agt daher die Nachfolge Christi: „O, wie groß und ehrwürdig ist das Amt der Priester, denen es gegeben ist, den Herrn der Majestät durch die heiligen Worte zu konsekriren, mit den Lippen zu preisen, in den Händen zu halten, zu dem eigenen Munde zu führen und den übrigen darzureichen." x) Der hl. Gregor der Große weist auf die Erhabenheit dieser Gewalt hin mit den Worten: „Der von den Todten auferftanden ist und nicht mehr stirbt, leidet gleichsam durch das Opfer noch einmal in seinem Geheimnisse für uns; denn so oft wir ihm das Opfer seiner Leiden dar- bringen, erneuern wir sein Leiden zur Vergebung unserer Sünden." 2) Bei der Vorbereitung auf den Empfang der Priesterweihe schwebte diese über­irdische Würde des Priesterthums der Seele Leo's XIII. lebendig vor und erfüllte sie mit heiliger Furcht. „Noch einige Tage, und ich werde Priester sein," schrieb er an seinen Bruder; „die Erhabenheit dieser Würde und andererseits meine tiefe Unwürdigkeit erschüttern mächtig meine Seele und versetzen mich beim Herannahen dieses hohen Tages in ängstliche Unschlüssigkeit. Möge Gott, der mich zu seinem Altäre berufen hat, mir Kraft und Muth verleihen, denselben mit Andacht und Eifer zu besteigen. Möge Er mir die zum heiligen Dienste nöthige Gnadenhilfe gewähren, damit ich seinem göttlichen Rufe entspreche! Ich wünsche sehr, daß Du für mich eine heil. Messe esen ließest, damit der hl. Geist mit der Fülle seiner Gnade über mich herabsteige." Seinem väterlichen Freund und Gönner, dem Cardinal Sala, drückte er zur selben Zeit ähnliche Gefühle aus: „Gestern habe ich das Diakonat empfangen. Meine Freude wird hoffentlich fortdauern und sich vermehren, nachdem die Priesterweihe mir zu Theil geworden ist. Bis jetzt flößt mir dieser große Schritt nur Schrecken ein, wenn ich die Erhabenheit des Priesterthums und andererseits meine große Unwürdigkeit erwäge. Bitte, Emi­nenz, vergessen Sie mich nicht: empfehlen Sie mich herzlich dem Herrn und lassen Sie mich ihm durch andere empfehlen. Ich versichere Sie recht aufrichtig, daß ich wünsche, ein wahrer Priester zu werden, und im Stande sein möchte, Gott zu dienen und großen Eifer für Seine Ehre zu ent­falten, in aller Wahrheit, int Sinne eines heil. Ignatius." Mit diesen Gefühlen trat der ueu- geweihte Priester zum Altäre; er konnte nicht ahnen, daß der Herr, welcher die Geschicke der Menschen lenkt und ihn zum obersten Hirten der Kirche bestimmt hatte, in ganz hervorragender Weise seine frommen Wünsche einst erfüllen werde.

Durch das hl. Meßopfer tritt jeder Priester in die innigste Vereinigung mit Christus; er wird gleichsam ein zweiter Christus, indem

’) Imit. Chr. 1. IV, c. 11, n. 6.

2) In Evangel. hom. 38, n. 1.

land, wo Knox die Gemüther in eine noch zu den Zeiten Cromwell's mächtig nachzitternde Bewegung versetzt hatte.

Diese Sekten disputirten nicht lange um den theoretischen Beweis der Wahrheit ihrer Be­hauptungen. Ihre Führer suchten sich sofort der politischen Gewalt zu bemächtigen, sei es in einem Hauptorte, sei es in irgend einem andern Theile des Landes, wo sich die Bekenner zahlreich zu­sammenfanden. War das gelungen, so wurden alle, die anderer Ansicht waren, für Anhänger Baals, für Madianiten und Amalekiter erklärt, und man griff zum Schwerte, um sie auszurotten. Gerade in der letzten Zeit hatten Presbyterianer, Puritaner, Leveller sich mit furchtbarer Blutgier aufeinander geworfen, in Schottland standen die Episkopalen gegen die Katholiken, und Irland stand jetzt ebenfalls unter Waffen.

Während die Fanatiker die Austilgung aller Teufelsdiener forderten und sammt ihren An­hängern als die Spuren ihrer wahren Lehre Mord, Raub und Schändung allenthalben zurückließen, mußte es namentlich in den gebildeteren Ständen fehr viele Leute geben, die sich von diesem Treiben angewidert fühlten. So verdunkelt war auch da­mals die menschliche Vernunft nicht, daß sie nicht entschiedenen Protest gegen diese Art Gottesoer­ehrung erhoben hätte. Freilich wagte man Rop: und Vermögen, wenn man diesen Protest laut kundgab. Aber die Leichtigkeit, womit schon unter den Königen der englische Adel je nach der herr­schenden Strömung sein Glaubensbekenntniß wech­selte, beweist klar, daß er sich vielleicht ein Gottes- bewußtsein erhalten, daß er aber gegen all' die Formen, in welche sich dieses Gottesbewußtsein

Christus durch ihn sein Kreuzesopfer in unblu­tiger Weise am Altäre erneuert und die unend- ichen Früchte dieses Opfers den Gläubigen zu­wendet. In besonderer Weise gilt dies von jenem Priester, den Gott zum Oberhaupte seiner Kirche »estellt hat, damit er nach dem Auftrage des Herrn seine ganze Heerde, Lämmer und Schafe, weiden soll. Er wird am Altäre in die innigste Vereinigung mit seinem Herrn und Meister treten; da wird er „Jesum Christum anziehen", wird sich bestreben, die Liebe Jesu Christi zu seinen Schafen n sich aufzunehmen und seinen Eifer für deren Rettung nachzuahmen.

Wie eng und innig aber, geliebte Diözesanen, der hl. Vater infolge seines Amtes mit Christus verbunden ist, das lehrt uns mit herrlichen Wor­ten der hl. Augustinus: „Als der Herr sprach: «Ich bin der gute Hirt», und andere Hirten nicht erwähnte, so geschah dies nicht deshalb, weil er eine anderen gefunden hätte, denen er seine Schafe anvertrauen konnte, dem Petrus wurden sie ja anvertraut: aber er wollte gerade in Petrus die Einheit empfehlen. Es gab viele Apostel, aber nur einem wird gesagt: «Weide meine Schafe». Alle guten Hirten sind in einem vereinigt, alle ind eins: sie weiden, aber Christus weidet in ihnen. Darum spricht er: «Ich weide», denn in ihnen ist seine Stimme, in ihnen seine Liebe. Darum wollte er den Petrus, dem er seine Schafe anvertraute, zu einem zweiten Christus machen. Was sagt er ihm deshalb, bevor er ihm die Schafe anvertraute, um sie nicht einem andern anzuver­trauen? «Petrus, liebst du mich?» Und Petrus antwortete: «Ja, ich liebe», und so abermals und zum dritten Male; Christus bestätigt die Liebe und befestigt die Einheit." ')

Wie Jesus Christus durch eigene Macht der einzige Hirte ist und alle anderen Hirten nur aus ihm ihre Gewalt empfangen und in ihm ihr Amt rechtmäßig verwalten, so will er, daß auch in seiner Kirche ein Oberhirt alle anderen zur Einheit zusammenfüge und in der Einheit erhalte. In der Stimme dieses Oberhirten sollen wir die Stimme Christi, in seiner Sorgfalt für das Heil der Heerde die Liebe Christi erkennen.

Durch alle Jahrhunderte hindurch waren die Nachfolger Petri sich des Auftrages unseres Hei­landes bewußt; durch alle Jahrhunderte hindurch haben sie sich bemüht, die Pflichten eines guten, treuen Hirten zu erfüllen. Ihren unermüdlichen Arbeiten 'und Opfern haben wir es nächst dem Schutze und der Hilfe Gottes zu verdanken, daß die Einheit der katholischen Kirche unversehrt be­wahrt worden ist, und daß der Glaube an die Gottheit Jesu Christi, in welchem allein Heil und Seligkeit zu finden ist, trotz aller Anfechtungen der Irrlehre und der falschen Weisheit sich rein und ungetrübt erhalten hat.

Wer möchte es nun, geliebte Diözesanen, unserer kindlichen Liebe verargen, wenn wir uns von ganzem Herzen freuen, in Leo XIII. einen würdigen Nachfolger der edelsten und verdienst­vollsten Oberhirten der Kirche verehren zu können? Seine Stimme verkündet uns die Wahrheiten des ewigen Heiles; sie erhebt sich unermüdlich und un­erschrocken inmitten unserer sturmbewegten Zeit,

*) 8. August. Serm. 46, c. 13.

äußerlich kleidete, innerlich gleichgilüg geworden war.

Das war auch die Auffassung im Haitte Fitzgerald. Sir Francis war übrigens persönlich im Getriebe der Welt und der Politik so weit gekommen, daß ihm nicht bloß die Gottesver­ehrung, sondern selbst das Dasein Gottes eine Frage war, deren Beantwortung er vollständig dahin gestellt sein ließ. Seine Pläne auf irisches Land waren ihm viel wichtiger als alle Fragen, welche das Wesen und die Natur Gottes zum Gegenstände hatten.

Besser war es in der Beziehung mit den Frauen bestellt, die ja von Natur viel mehr Neigung zum Glauben besitzen, als die Männer. Für sie war doch das Dasein eines persönlichen Gottes noch eine ausgemachte Sache. Für sie war es klar, daß er an all' diesem blutigen Würgen, an all' den verübten Scheußlichkeiten keinen Gefallen finden konnte. Und in der Stille ihres heimathlichen Schloffes mußten sie sich sagen, daß ihr Herz den Drang fühle, Gott zu verehren, und daß fte vollständig außer Stande seien, diesem tiefen Drang ihres Herzens irgend welche Genugthuung zu verschaffen; für sie floß das Leben höchst unbefriedigt dahin, zumal auch

der Gemahl und Vater ihnen nicht die mindeste Stütze gewähren konnte. In der Gleichgiltigkeit gegen die Sekten konnte et sie allerdings be­stärken, aber für ihren Drang nach Wahrheit, für ihren Zug zu Gott hatte er nichts als ein Lächeln des Spottes, oder eine Ironie, die beide verwundete.

Das war die Lage in Geraldcastle, als Robert O'Drentor von den Mac Gorbans dort einge-

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um die drohenden Gefahren abzuwenden und den Völkern den Weg der Wahrheit zu weisen. Seine Liebe ist die Liebe Christi; mit dem Völker­apostel darf er in Wahrheit sprechen: „Die Liebe Christi treibt mich an", und deshalb verlangt er rastlos, alle Christen in die Hände des guten Hirten zu führen, alle, die durch Vorurtheil oder Tnkemttniß von der katholischen Kirche getrennt ind, in ihre Mutterarme und an ihr Mutterherz zurückzuführen. Mögen nun auch diese liebevollen Bemühungen von den Widersachern als herrsch- üchtiges Streben ausgelegt werden, mag auch ein edeler Opfersinn von den Gegnern als schlaue Berechnung verdächtigt werden: sein Eifer wird dadurch nicht gehemmt, sein Liebesdrang nicht gelähmt. Er weiß, daß er der Stellvertreter des Gekreuzigten ist, und daß der Schüler nicht über dem Meister steht; er betet für feine Verfolger, ür die armen Verirrten, welche feine Großmuth verkennen und seinen Friedensruf schmähen. Er weiß, daß er Stellvertreter des göttlichen Hirten ist; feine unermüdlichen Bemühungen, alle christ­lichen Nationen zur Einheit des Glaubens zurück­zuführen, sind der leuchtendste Beweis dafür. Könnte er ruhig zusehen, wie so viele Seelen zu Grunde gehen? Ließen ihn die Leiden der armen Irrenden kalt und theilnahrnlos, so wäre er nicht mehr der gute Hirt, welcher dem verlorenen Schäf- ein in der Wüste nacheilt: so könnte er auf die Frage des Herrn: „liebst Du mich?" nicht mehr mit Petrus erwidern: „Ja, Herr, Du weißt, daß ich Dich liebe."

Je mehr indeß, geliebte Diözesanen, unser gemeinsamer Vater in Christo in der Ausübung einer Hirtenpflicht verkannt wird, je mehr arme Bethörte feinen Leidenskelch mit Bitterkeit an- üllen, um so inniger wollen wir uns um ihn chaaren. Seit der ersten Verfolgung, welche in Jerusalem über Petrus hereinbrach, ist es zu allen Zeiten Sitte in der Kirche gewesen, heiße Gebete für das Oberhaupt der Kirche zum Himmel zu fenden. Dies verlangt bie Liebe, welche uns mit dem Stellvertreter Christi ver­einigt, sowie die Dankbarkeit für alle seine Mühen und Hirtensorgen. Seit Jahren führt der hl. Vater uns im Monat Oktober zu den Füßen der allerseligsten Jungfrau, damit ihre mächtige Fürsprache der Kirche und unferetr Seelen Gnade und Schutz von oben erflehe. Häufig mahnt er uns bei solchem Anlaß, daß wir auch seiner gedenken. „Das christliche Volk", so schrieb er vor einigen Jahren, „das um die Altäre der erhabenen Gottesmutter niederkniet, bitten wir um sein Gebet sowohl für die vom Sturme der Zeit bedrohte Kirche, als auch für uns selbst, die wir in bereits vorgerücktem Alter, von Mühen erschöpft, von den größten Schwierigkeiten bedrängt, von menschlicher Hilfe entblößt, das Steuer der Kirche führen." *) Dieser Aufforderung des hl. Vaters werden wir gewiß treu nachkommen. Eingedenk seiner bedrängten Lage und der großen Opfer, welche die Re­gierung der ganzen Kirche, die immer sich stei­gernden Bedürfnisse der Missionen von ihm er­heischen, wollen wir auch die Gaben unserer kindlichen Liebe in höherem Maaße als sonst ihm freudig bieten und uns bestreben, wie die

*) Encycl. Magnae Dei Matris vom 8. Sept. 1892.

führt wurde. Seine Aufnahme bei den drei Gliedern der Familie war sehr verschieden. Sir Francis lauschte namentlich auf die Schilderungen über die Wohlhabenheit Killarneys, während die Damen den Papisten anfangs mit großer Neugier betrachteten und dann solche Dinge mit ihm be­sprachen, an welchen sie das meiste Interesse hatten. Bei der im allgemeinen religiös auf­geregten Zeit, bei ihrem eigenen Drang nach Gott, bei dem seltenen Umstande, daß man einen Papisten vor sich hatte, unter welchem sich selbst die meisten Gebildeten etwas Entsetzliches vor- stelllen, lag es am nächsten, über die Unterschiede der verschiedenen Religionsbekenntnisse sich zu verbreiten, und so wurde der Papist in stunden­lange Wortkämpfe mit den beiden Damen ver­wickelt. Beide machten dabei aber die sie einiger­maßen überraschende Entdeckung, daß dem römischen Papstthum doch noch einige sehr wesent­liche Kennzeichen fehlten, um als das apokalyp­tische Thier oder das babylonische Weib zu er­scheinen. Was Robert mit bescheidener Sicher­heit als die Pflichten vortrug, die sein katho­lischer Glaube ihm zu üben befahl, mußte iw ihnen das Gekühl erwecken, daß Leute mit solchen Grundsätzen doch nicht lasterhaft feien, und ei wäre mehr wie sonderbar, wenn ein so spezi­fisches Teufelswerk, als welches alle Sekten über­einstimmend die katholische Kirche bezeichneten, feine Anhänger zur Hebung von Tugenden und zur Erlangung sittlicher Vollkommenheiten an­leitete. Namentlich Lady Fitzgerald gab sich solchen Betrachtungen hin und wurde nach jedem Besuche des jungen Irländers ernster und ernster.

Miß Lucy dagegen war ein Mädchen von