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Dienstag den 21. Dezember 1897

24. Jahrgang

mit Hilfe treuer Vasallen viele alte

Wilhelm Rauscher, Domgoldschmied

Frredrichsmarkt FULDA Friedrichs«, arkt.

----Reichhaltiges Lager in Gold- und Silberschmuck ----

wie

irosch-n, Armbänder, Hhrringe, Ainge, WnnscheilenknSpfe, Sravalien-Vadeln.

Silberne Prunk- u. Tafelgeräthe. Alfenide-Bestecke, Christofle- u. Alpaccawaaren.

--------Nickel-, Kaffee- und Thee-Services. --------

| gy* Alleinige Niederlage der optischen Industrie-Anstalt Gebrüder Grabioch, Leipzig-Rathenow.

Werkstätte für alle kunstgewerblichen Juwelier- und Goldschmiedembeiten in jedem Styl.

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mit Zlnterhattungs-Beilage „Sterne und Wlumen

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setzunaen folgendermaßen:

„Im Namen der hl. Dreifaltigkeit und der unheilbaren Einheit. Ich Marcnard durch Gottes Gnade und Vorsehung zum demüthigen Diener der Fuldaischen Kirche ernannt, entbiete allen ihren Getreuen Gnade und ewiges Heil in Christo. Wir wissen, daß es nicht Recht ist, unsere eigene Person zu empfehlen; es lobe dich ein fremder Mund, nicht der deinige; aber auf Gottes Befehl und Zustimmung rede ich mit reinem Gewissen, Es muß gehört werden, was ich nicht allein zu meiner Empfehlung, sondern auch zu meiner Ver- theidignng vorbringe, damit nicht das vielleicht, was ich aus guter Absicht vollbracht habe, durch die Verächter meiner Werke in das Gegentheil verkehrt werde und das für verderblich erachtet werde, was ich aus reinem Herzen für die Ver- theidigung meiner Kirche gethan habe."

Nach dieser Einleitung schildert Marquard zuerst den traurigen Zustand der Fuldaer Abtei, welche durch Beraubung ihrer Güter und Pri­vilegien verarmt sei. Um die nolhwendigen Lebens­rnittel zu erlangen und den Anforderungen des Kaisers zu aenügen, mußten sogar die Kostbar­keiten und heiligen Gefäße verkauft werden. Durch das Lehensrecht waren viele Güter verloren ge­gangen, die Meierhöfe, Aecker, Wald und Wiesen waren von den frei gewordenen Leibeigenen (in deren Familie vererbt worden. Marquard for­derte alles energisch zurück, er machte Reisen, um die alten Grenzen der Besitzungen festzustellen, und trofe mehrfachen Widerspruches erlangte er

von Meierhöfen, Feld und Wald, Mühlen und Fischwässern wieder; was auf gütlichem Wege nicht zu bekommen war, das wurde mit Schwert und Waffen erobert. Diese zurückgewonnenen Besitzungen dienten nun wirklich wie früher zum Unterhalt der Mönche und durften nicht wieder als Lehen vergeben werden. Es ist namentlich aufgeführt, wie viel Getreide und wie viel Zinsen die Mühlen und Güter in den noch heute be­kannten Orten Bremen (bei Geisa), Rasdorf, Setzelbach, Husen (Hausen bei Fladungen), Haselaba (Kirchhasel), Ufhausen (bei Eiter- seld), Großenbach (bei Hünfeld), Daftaha (Großentaft und Wenigentaft), Neustadt (Neu­hof), Wiesenfeld (bei Geisa), Secunderum (Schondra bei Brückenau), Sibigeld es (Sickels), Rodegastes (Rodges), Herbahteshusen (Herberts bei Burghaun), Borsaha (Barschbei Geisa), Promzella (Bronzell), Porta (Pfort bei Schlitz) und Ruhenbach (Frauenrombach)

„Und leuchtend sendet Strahl um Strahl In alle irdischen Räume,

Und säet der Lichter unendliche Zahl Der schönste Baum der Bäume".

Und welches große Durcheinander, welches Hasten und Treiben so kurz vor dem Feste! Alles ist vollauf beschäftigt, die noch wenige Zeit fleißig zu näheren Vorbereitungen zu benützen. Kein Wunder, wenn auch wir uns beeilen, unseren letzten Spaziergang durch die Fuldaer Geschäfts­welt zu unternehmen und noch einige Geschäfte besuchen, um die noch nöthigen Einkäufe zu be­sorgen.

Bei der Ausschmückung des Christbaumes haben wir entdeckt, daß unsere Krippe, die wir unter dem Weihnachtsbaum nicht fehlen lassen, defekt ist und durch eine neue ersetzt werden muß. Außer den schon früher genannten Buchhand­lungen und Buchbindereien finden wir solche in geschmackvoller Ausführung auch bei Buchbinder­meister Müller (Severiberg), Lomb (Steinweg) und Henkel (Kanalstraße), bei welchen wir auch noch etwa nöthige Gebet- und sonstige Bücher auswählen können; wollen wir etwas mehr an­

anschaffen, finden wir solche nebst fonfhgen religiösen Figuren in großer Auswahl bei Hermann Kramer. Da wir auch eine Braut in unserer Familie haben, welche sich „etwas" Küchenaus­stattung gewünscht hat, begeben wir uns, weil wir diesen Wunsch unmöglich unerfüllt lassen können, zu Konrad Wiegand (Marktstraße), M. I. Kalb Sohn (Buttermarkt), P. Kemps (Gemüsemarkt) und Andreas H a s e n p f l u g (Hinterburg) und suchen, überall große Auswahl vorfindend. Passendes aus; auch in den Ernaille- geschäften von Karl Sell (Gemüsemarkt) und Gebr. Reinhardt (Schweinemarkt) kaufen wir praktische Küchengegenstände an; dabei haben wir aber auch unsere Küche, die in diesem Jahr lewer nur zu sehr im Zeichen des „Bruchs" gestanden hat,nicht vergessen. In voller Würdigung derWorte: „Saure Wochen, fröhliche Feste", wollen wir nun auch ein Stück sozialer Frage — wir meinen die Magenfrage —, wenigstens für die Festtage, lösen. Und wahrlich, da fällt es uns schwer, zu sagen, wo wir den Anfang machen sollen. Die Hauptsache ist, daß wir genügend baare Münze haben; unsere Metzgereien, das kann man kühn behaupten, sind in der Lage, alle Wünsche, selbst die eines Feinschmeckers, zu be­friedigen. Auch an Firmen, welche Süßig­keiten in allen möglichen Formen und Be­nennungen liefern, fehlt es nicht. Ein guter Trunk soll und darf aber auch nicht fehlen, ebensowenig wie eine gute Cigarre für den Bräutigam oder lieben Ehegatten. Alle diese guten Sachen können wir am hiesigen Platze bei alt- renommirten Firmen in prima Qualität und Geschmack einkaufen. Jetzt endlich haben wir alles beisammen — doch nein, ein Griff in die Aftschs und der Knoten im Taschentuch bringt uns einen noch vor unserem Ausgehen geäußerten Wunsch in Erinnerung. Schwer ist's zwar, diesen Wunsch zu erfüllen, denn er kostet viel Geld ; aber was thut man nicht alles, wenn man die Kinder etwas lernen lassen will. Unser Fritz, der ein großer Musikfreund ist, wünscht sich nämlich ein neues Pianino und Eduard eine Violine. Ein altes Pianino ist zwar vorhanden, aber der Jammerkasten — so nennt ihn Fritz — ist in der Thal ein Instrument zum Mäuse vertreiben. Also es muß sein; besichtigen wir deshalb die Pianofortelager von A. Maier (Schulhausbau) und Th. M o l l e n h a u e r (Friedrichstraße). Allda ■ finden wir die Instrumente ganz nach Wunsch.

Jetzt ist's aber genug, sonst könnte man schließlich der Meinung werden, unser Porte­monnaie sei wie der Oelkrug der Wittwe von Sarepta. Eiligst suchen wir nun unsere Wohnung auf, um die nächsten Tage vor dem Fest dazu zu benützen, die eingekauften Geschenke zu ver« heilen, hübsch zu verpacken und unter den Weih- nachtsbaurn zu legen. Inzwischen wird so ganz unverrnuthet der hl. Abend herangekomrnen sein. Schon hat sich die muntere Kinderschaar und auch die Wen, die heute den Traum der seligen Kinderzeit durchleben, in der Wohnstube ver­sammelt, alle der Dinge harrend, die da kommen sollen. Da endlich ertönt das Silberglöcklein und die bis dahin verschlossene Thüre zur „guten Stube" öffnet sich. Mit einem „Ah", als Aus­ruf der Ueberraschung, tritt man in's Zimmer, aus dem eine Lichtfluth uns entgegenströmt, und Freude und Jubel ist zu lesen auf jedem Gesichte. Haben wir dann bei Verheilung der Geschenke all' unserer Lieben und Dienstboten gedacht, o, dann wollen wir nicht vergessen, auch derer zu gedenken, die nicht so glücklich sind als wir, die aber das göttliche Kind mit derselben Siebe be­dacht hat, mit denen es im armseligen Stalle Roth und Elend geheilt hat — der Armen.

2Urt Marquard I., der Gründer der Stadt Fulda.

Vortrag, gehalten imFuldaerGeschichtsverein am 15. Dezember 1897 von Dr. Justus Schneider.

(Fortsetzung.)

Das stattliche, schloßähnliche, nun aufgehobene Kloster am Michaelsberge in Bamberg ist allen, welche diese schöne Frankenstadt besucht haben, bekannt. In dieses, damals noch nicht lange vom Kaiser Heinrich II. dem Heiligen ge­gründete Kloster wurde Marquard als Knabe von seinen frommen Eltern gebracht, damit ihm leibliche und geistige Pflege zutheil werde. Die Namen der Eltern kennen wir nicht, ebensowemg Zeit und Ort der Geburt. Marquard wurde Mönch und zeichnete sich durch Frömmigkeit und Gelehrsamkeit so sehr aus, daß er 1143 jum Abt von Tekkingen (Tebekingen) in der Dwzese Augsburg erwählt wurde. Dort beförderte er durch das Vorbild seines eigenen musterhaften Lebens die Klosterzucht und vermehrte in den acht Jahren seiner Wirksamkeit die Einkünfte und den Besitz des Klosters bedeutend. Sein Name wurde weit über die Grenzen der Augsburger Diözese bekannt und auch dem Könige Konrad empfohlen, weshalb ihn dieser als Leiter für die Abtei Fulda vorschlug. Die Wahl als Abl von Fulda nahm er aus Bescheidenheit nur nach heftigem Wider­streben an. Als er von seiner Ablsweihe zu Rom zurückkam, übernahm er mit starker Hand die Regierung des Hochstiftes und die Leitung des Klosters, wobei es die Mönche an Ehrer- erbietung und Gehorsam nicht fehlen ließen; sie waren durch die Streitigkeiten der vorhergegangenen Jahre genügend geprüft und geläutert, weshalb sie seiner reformatorischen Thäligkeit keinen Wider­stand entgegensetzten.

Die Gesta Marcuardi beginnen in den lieber«

auch das Schloß Bieberstein niemals erstürmt und eingenommen worden. Das König!. Schloß Boyneburg (Bemmelburg, Boomineburch) auf einem hohen Berge an der Werra, dessen Rmne noch heute vielfach besucht und bewundert wird, die Stammburg der jetzt noch sehr verzweigten und in der nördlichen Rhön zu Weilar und Gehaus, früher auch in Stadtlengsfeld begüterten Familie des Freiherrn und Grafen von Boqne- burg, war 1144 als offenes Lehen an das Reich gekommen. Um desto freundschaftlicher nut dem Kaiser und dessen Bediensteten verkehren und in inniger Gemeinschaft leben zu können unb bei Kriegszeiten eine Zuflucht zu haben, stellte Mar­quard diese vielfach beschädigte Burg wieder her, umgab sie mit neuen Mauern und Befestigungen, wodurch er sich den Dank des Kaisers sicherte, welcher in späteren Jahren häufig dort verweilte.

(Schluß folgt.)

Ein Spaziergang durch die Fuldaer Geschäfte.

IV. (Schluß.)

Aus den vielen langen, dunklen und kalten Winternächten leuchtet eine Nacht in Hellem Lichter­glanze, erwärmt durch die Gnadensonne des die Welt erlösenden Heilandes, hervor, die jedes Christenherz höher schlagen macht und festlich stimmt: es ist die hl. Weihnacht. Nur noch wenige Tage sind es, die uns von jener seligen Nacht trennen. Ihr voraus geht der hl. Abend, an welchem es eine schöne Sitte ist, eingedenk der allerbarmenden Liebe des Sohnes Gottes sich gegenseitig, seinen Untergebenen und, nicht zu vergessen, auch den Armen Geschenke zu machen. Dieser hl. Abend mit seinem geheimnißvollen Zauber ist es, der vor allem unsere lieben Kleinen schon lange Wochen vorher in Erwartung des lieben Christkindes mit Sehnsucht erfüllt.

Und mitten in diese Christfreude hinein leuchtet hellstrahlend der immergrüne Weihnachtsbaum als Symbol der ewigen Lebenssonne, die in der hl. Nacht von Bethlehems Fluren aus ihren Aus­gang nahm zur Rettung des tiefgefallenen Menschen­geschlechtes. — Auch wir haben soeben den Schmuck des Weihnachtsbaumes vollendet, würziger Tannen­duft durchzieht die Räume unserer „guten Stube". Bald wird er - Lieschen sagte: „jetzt schlafen wir nur noch dreimal und dann kommt das liebe Christkind" — in Hellem Lichterkranz erstrahlen:

Lrjchrint täglich, «. Ausnahme der Komi- unb Feier­tage. Merteljährl.

K»,ag,preis ohaevringrrloh» unb Bestellgeld in stulda und auS- «irtSlM.SVPf.

liefern mußten.

Zur Wiederherstellung der beschädigten Kloster­gebäude und zu verschiedenen Neuanlagen wandte Marquard große Mühe an. Das früher aus Blei gefertigte Dach des Klosters wurde in voll­kommener Weise erneuert. Im Fahre 1120 war der südliche Thurm der Stiftskirche eingestürzt, der Ostchor mit mehreren Altären und die Gruft darunter arg beschädigt worden. Abt Udalrich hatte bereits 1123 mit der Ausbesserung be­gonnen, durch die Ungunst der Zeiten war die­selbe nicht vollendet worden, was nun Marquard in ausgezeichneter Weise gelang; der Ostchor wurde wieder aufgerichtet und mit neuen Altären und einem viereckigen Glockenthurm versehen. Die Einweihung der neu hergestellten Kirche geschah 1157 mit großer Feierlichkeit durch die Bischöfe Eberhard von Bamberg und Hermann von Verden in Gegenwart des Kaisers Friedrich Barbarossa.'-) Die beschädigte Wasserleitung des Klosters wurde ebenfalls von Marquard hergestellt. Eine neue Quellwasserleitung wurde mit Bleirohren in das Kloster eingeführt, ein besonderer Arm speiste einen großen steinernen Kumpf im Refektorium, welcher so groß war, daß der Transport durch die Thore nur schwierig bewirkt werden konnte.

Auch in kriegerische Unternehmungen wurde Marquard verwickelt. Die Vasallen hatten sich, wie schon früher erwähnt, auf Burgen verschanzt und trotzten wiederholt dem Abte bei seinen Be­mühungen, die alten Besitzthümer für das Kloster wieder zu erlangen. Aus einem steilen Bergkegel im nordwestlichen Vorgebirge der Rhön lag die Burg Haselstein. Wegen räuberischer lieber« fälle hatte schon Abt Erlolf 1119 diese Burg erstürmt. Doch söhnten sich die Haselsteiner Ritter mit dem Abte ans und bekamen dieselbe 1135 wieder. Marquard kam aber mit Gerlach von Haselstein aus obigen Gründen aufs neue in Fehde und eroberte die Burg 1156 abermals. Er setzte nun getreue Dienstmannen ein, gründete ein Amt in dem am Abhang des Berges ge­legenen Dorf Haselstein, welchem er Märkte abzu­halten gestattete. Da viele Ritter und Vasallen im Rhöngebirge die Abtei bekämpften, deren Güter sie sich angemaßt hatten, entschloß sich Marquard, um diesen wirksam entgegen zu treten, auf dem gegenüber der den Herren von E b e r ft e i n gehörigen Milseburg, am rechten Ufer des Bieberbaches ge­legenen steilen Hügel ein festes Schloß anzulegen, welches Bieberstein genannt wurde. Es be­setzte dieses mit treuen Mannen (Milites), welche schwören mußten, stets das Interesse der Fulda- ischen Kirche zu schützen, die ihnen anvertraute Burg bis zum Tode zu vertheidigen und niemals den Feinden der Abtei zu übergeben. Es ist

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