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24. Jahrgang
Freitag den 17. Dezember 1897
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Hanen die Petitzeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend Rabatt gewähr»
Straßentumulte vorgenommen werden missen, erstrecken sich bis in die wohlhabenden Bürgerkreise hinein!
In Paris hat in der vorigen Woche der Zw ei te katholische Nationalkongreß stattgefunden. Er war von etwa 400 Mitgliedern besucht — in Frankreich ist der Boden für solche allgemeine Katho- liken-Versammlungen noch nicht so bearbeitet wie in Deutschland. Für die Wahlen, die nächstes Jahr m Frankreich stattfinden, hat der Kongreß die nachfolgenden Grundsätze angenommen: 1. Aufrichtige Zustimmung zu der bestehenden Verfassung; 2. Aenderung der gegen die Katholiken gerichteten Gesetzen sofern dieselben gegen Gemeinrecht und Freiheit verstoßen. 3. Verständigung mit allen denen, die eine Regierung des Friedens, der Freiheit und Gerechtigkeit wollen. In allen Departements, Bezirken, Kantonen und Gemeinden sollen Wahlausschüsse eingerichtet werden, die untereinander in Verbindung stehen, und sich über die Bewerber mit dem leitenden Hauptausschuß (für ganz Frankreich) verständigen. Mehrfach wurde auf das Beispiel der deutschen Katholiken hingewiesen. Ein Redner sagte: „Unsere Lage ist der ihrigen am meisten ähnlich; wir sind ebenfalls eine Minderheit, müssen daher uns mit anderen Parteien verständigen, abfinden, Bündnisse eingehen."
Italien bat ein neues Ministerium bekommen mit dem alten Ministerpräsidenten di Rudini und dem alten Minister des Aeußeren Visconti Veno st a. Aber als neuer Justizminister ist der Führer der italienischen Kirchenfeinde in das Kabinet getreten, der Erzfreimaurer Zanardelli. Die anderen neuen Minister haben keine Bedeutung. ,
Es ist auffallend, wie geringes Interesse die That- sache erregt, daß der griechisch-türkische Friede nun wirklich und endgiltig abgeschlossen worden ist. Man fragt kaum nach dem Inhalt, über den so lange und hartnäckig gekämpft worden ist. Der Vergleich zeigt, daß das Friedensinstrument beinahe wörtlich mit dem Vorverträge übereinstimmt, den die Vertreter der Großmächte entworfen hatten. Die Türken haben in der Hauptsache ihren Willen durchgesetzt und brauchen sich nur geringe Zugeständnisse gefallen lassen.
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Wochen-Rundschau.
(Nachdruck »erboten.)
X Fulda, 17. Dezember.
Was wird mit der Flottenvorlage? Das ist die Frage, die augenblicklich die politischen Gemüther am meisten beschäftigt. Aber eS ist Niemand da, der evne bestimmte Antwort auf diese Frage geben könnte. An gutgemeinten Vorschlägen fehlt eS nicht. Aber bei Vorschlägen ist eS bisher auch noch geblieben, und wir müffen uns ruhig noch acht bis zehn Wochen gedulden, bi» wir das Schicksal der Flottenvorlage klar erkennen werden. Gern will ja Jedermann an Schiffen dem Reiche geben, was des Reiches ist. Aber woher daS Geld nehmen? DaS ist noch die Frage. In Krefeld batte am 10. Dez. der Alldeutfche Verband eine Flottenversammlung abgehalten und eine Resolution zugunsten der Marinevorlage angenommen, und diese Versammlung hatte auch ein Telegramm an den Vertreter des Wahlkreises Krefeld im Reichstage an den Abg. Herrn Dr. Karl Bachem gerichtet. Dieses Telegramm enthielt die „dringende Bitte", für daS von der Regierung vorgeschlagene Flottengesetz „rückhaltlos em- zutreteu". Auf diese Bitte hat Herr Dr. Bachem prompt eine Antwort nach Krefeld gelangen lassen, deren Wortlaut unseren Lesern schon bekannt ist. Herr Dr Bachem weist vor allem auf die Schwierigkeiten bin welche die Deckung der hohen Kosten der neuen Schiffe verursacht. Ja, die Deckung der Kosten, das ist des Pudels Kern; davon hängt in erster Reu;e das Schicksal des Flottenentwurfes ab, und das Schreiben des Abg. Dr. Bachem an die Krefelder Herren gibt die allerbeste Antwort auf die Frage: Was sagt dre Centrumsfraktion des Reichsta ges dazu? Wir sehen aus dem Schreiben des Herrn Dr. Bachem, daß die Fraktion die Augen offen hält, und mit vollem Vertrauen können wir der Fraktion tm Reichstage auch die Lösung dieser wichtigen Frage anvertrauen!
Vom 11. bis zum 15. Dezember hat der Reichs- taa sich mit der ersten Lesung des Etats beschäftigt. Bei dieser Gelegenheit pflegt so ziemlich die ganze innere und äußere Politik durchgesprochen zu werden, und so war es auch diesmal. Natürlich spielte auch hierbei die Flottenvorlage eine große Rolle, und Namentlich wurde die Rede des Centrumsabgeordneten Fritzen mit großer Aufmerksamkeit angehört. Ans dieser langen Etatsberathung haben wir einiges Interessante gelernt. Die Duelle zwischen aktiven Offizieren haben seit dem Erlassendes Kaisers abgenommen. So theilte der preußische Kriegsminister von Goßler auf eine Anfrage des Abg. Fritzen mit. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe antwortete auf einen gegen ihn gerichteten Angriff des Abg. Eugen Richter, daß er hoffe, im nächsten Jahre mit dem preußischen Abgeordnetenhause über die Aufhebung des Verbindungsverbotes von Vereinen sich in Uebereinstimmung zu setzen. Danach glaubt also Fürst Hohenlohe, daß er auch nächstes Jahr noch im Amte sein wird. Wie eS mit der längst versprochenen Aufhebung des Verbindungs- Verbotes von Vereinen werden wird, bleibt abzuwarten. Allzu vertrauensfreudig können wir die Sache nicht ansehen, denn der Reichslag ist in dieser Sache schon einmal aufs Glatteis geführt worden. DaS Bürgerliche Gesetzbuch wäre im vorigen Jahre nicht so ohne weiteres angenommen worden, hätte man ahnen können, daß das Versprechen des Reichskanzlers ohne Eriüllung bleiben würde. Von Interesse ist ferner die Erklärung deS preußischen Kriegsministers, daß es nicht in der Absicht liegt, nach Ablauf deS Septennats an der zweijährigen Dienstpflicht etwas zu ändern; auch kommt nach der Mittheilung deS Ministers eine Vermehrung der Infanterie-Bataillone «icht in Frage, wohl aber eine Reorganisation der
launenswerthen Entwickelung seiner Handelsintereffeir einen solchen Umfang gewonnen, daß es meine Pflicht ist, der neuen deutschen Hansa zu folgen und ihr bett Schutz angedeihen zu lassen, den sie vom Reich und vom Kaiser verlangen kann. Die deutsch en Brüder kirchlichen Berufs, die hinausgezogen sind zum stillen Wirken und die nicht gescheut haben, ihr Leben einzusetzen, um unsere Religion auf fremdem Boden, bei fremdem Volke heimisch zu machen, haben sich unter meinen Schutz gestellt, und es gilt, diesen mehrfach gekränkten und auch oft bedrängten Brüdern für immer Halt und Schutz zu verschaffen. Deswegen ist die Unternehmung, die ich Dir übertragen habe und die Du in Gemeinschaft mit den Kameraden und den Schiffen, die bereits draußen sind, zu erfüllen haben wirst, wesentlich die eines Schutzes und nicht des Trutzes. Es soll unter dem schützenden Panier unserer deutschen Kriegsflagge, unserem Handel, dem deutschen Kaufmann, den deutschen Schiffen das Recht zutheil werden, was wir beanspruchen dürfen, das gleiche Recht, was von Fremden aller anderen Nationen gegenüber zugestanden wird. Neu ist auch unser Handel nicht; war doch die Hansa in alten Zeiten eine der gewaltigsten Unternehmungen, welche je die Welt gesehen, und es vermochten einst die deutschen Städte Flotten aufzustellen, wie sie bis dahin der breite Meeresrücken wohl kaum getragen hatte. Sie verfiel aber und mußte verfallen, weil die eine Bedingung fehlte, nämlich die des Kaiser!. Schutzes. Jetzt ist es anders geworden;^ die erste Vorbedingung: das Deutsche Reich ist geschaffen, die zweite Vorbedingung: der deutsche Handel blüht unt entwickelt sich, und er kann sich nur gedeihlich und sicher entwickeln, wenn er unter der Reichsgewalt such sicher fühlt. Reichsgewalt bedeutetSeegewalt, und Seegewalt und Reichsgewalt bedingen sich gegenseitig so, daß die eine ohne die andere nicht bestehen kann. Als ein Zeichen der Reichs- und Seegewalt wird nun das durch Deine Ti i;;o;i verstärkte Geschwader aufzutreten haben, mit allen Kameraden der fremden Flotten draußen im innigen Verkehr und guter Freundschaft, zu festem Schutz der heimischen Interessen gegen Jeden, der den Deutschen zu nahe treten will. Das ist Dein Beruf und das ist Deine Aufgabe. Möge einem jeden Europäer draußen, dem deutschen Kaufmann draußen und vor allen Dingen dem Fremden draußen, auf dessen Boden wir sind oder mit dem wir zu thnn haben werden, klar sein, daß der Deutsche Michel seinen mit dem Reichsadler geschmückten Schild fest auf den Boden gestellt hat, um dem,, der ihn um Schutz angeht, ein für alle Mal diesen Schutz zu gewähren; und mögen unsere Landsleute draußen die feste Ueberzeugung haben, seien sie P r i e st e r, oder seien sie Kaufleute, oder welchem Gewerbe sie obliegen, daß der Schutz des Deutschen Reiches, bedingt durch die Kaiserlichen Schiffe, ihnen nachhaltig gewährt werden wird. Sollte es aber je irgend Einer unternehmen, uns an unserem guten Recht zu kränken oder schädigen zu wollen, dann fahre darein mit gepanzerter Faust! und so Gott will, flicht Dir den Lorbeer um Deine junge Stirn, den niemand im ganzen Deutschen Reiche Dir neiden wird!
In der festen Ueberzeugung, daß Du, nach guten Vorbildern handelnd —' Vorbilder sind, Gott sei Dank, in Unserem Hanse genügend vorhanden —, Meinen Gedanken und Wünschen entsprechen wirst, erhebe ich Mein Glas und trinke es auf Dein Wohl, mit dem Wunsche für eine gute Fahrt, für eine gute Ausrichtung Deiner Aufgabe und für eine fröhliche Heimkehr: Seine Königliche Hoheit der Prinz Heinrich lebe! Hurrah! Hurrah! Hurrah!"
Prinz Heinrich erwiderte:
„Durchlauchtigster Kaiser! Großmächtigster König und Herr! Erlauchter Bruder! Als Kinder wuchsen
Überschwemmt, und wenn uns Gott nicht hilft, gehen wir den furchtbarsten Drangsalen entgegen."
„Ich weiß das alles, Freund! Laßt uns darum eilen, dem armen Volke wenigstens geistige Hilfe zu bringen."
„Ihr wißt, es besteht noch das Gesetz Heinrichs VIII. in Kraft, wonach jeder Priester, der im Lande ergriffen wird, gehängt werden soll."
„Freund, Ihr wisset das nicht genau. Uns Jünger Loyolas, die man nach Irland sendet, um aller Welt zu beweisen, daß Gottes Wort, hinauszugehen und allen Völkern die frohe Botschaft zu bringen, höher steht, als ein Gesetz Heinrichs Vlil. — uns, Freund, lehrt man das genauer. Nicht gehängt werden wir, sondern halb gehängt; noch lebend werden wir abgeschnitten, um dann enthauptet zu werden; bann sollen auS dem tobten Leibe die Eingeweide herausgerissen und mit dein Leibe verbrannt werden; der Kopf aber soll auf einen Spieß gesteckt und öffentlich ausgestellt werden. Ihr seht, lieber Freund, ich weiß das ganz genau. Aber jetzt wollen wir überfahren."
„Man nahm's aber nicht so genau. Jetzt ist das anders. Die Engländer sind wüthend."
„Und leider nicht mit Unrecht. Der Aufstand war ein Verbrechen. Die Ermordung von so vielen Engländern war eine Blutlhat, die den Zorn des Himmels auf diese Insel ruft. Das Blut der Märtyrer möge die Barmherzigkeit Gottes erwecken, daß er nur mit Strafen dieser Welt das arme Land Heimsucht."
Inzwischen war ber Priester in ben Kahn gestiegen und hotte auf einer Bank in ber Nähe ; des Ruders Platz genommen. Egbert ergriff das
Feldartillerie. Ebenfalls werthvoll war eine Andeutung deS Staatssekretärs Grafen von Posadowsky über die handelspolitischen Anschauungen der Regierung. Der Staatssekretär hob die Nothwendigkeit hervor, einen neuen, spezialisirten Zolltarif als Grundlage künftiger Vertragsverhandlungen zu schaffen und betonte, daß jedes berechtigte Jntereffe Gehör finden werde. Unter lebhaftem Beifall der Rechten und wiederholtem: Hört! hört! der linken Seite erklärte der Staatssekretär, daß auch die Frage geprüft werden solle, ob die Landwirthschast eines höheren Zoll schütz es bedürfe. Er fügte hinzu, daß die Erhöhung der landwirthschaftlichen Zölle vorgeschlagen werden würde, ivenn dies als nothwendig sich erweisen sollte. Derselbe Staatssekretär erfreute den Reichstag mit der Mittheilung, daß die Regierung mit der Frage der gewerblichen Ausnützung von Schulkindern sich beschäftigt und auf geeignete Maßregeln zum Schutze gegen Mißbräuche auf diesem Gebiete bedacht sein wird. Diese Frage ist, wie man weiß, brennend, und deswegen brachten die Centrumsabge- ordneten Pros. Hitze, Dr. Lieber und Pros, von Hert- ling auch bereits einen Antrag in diesem Sinne im Reichstage ein: Die Regierung wolle Erhebungen darüber veranstalten und geeignete Vorschläge zur Abhilfe von Mißbräuchen in der gewerblichen Thätigkeit von Schulkindern machen, wenn solche aus den Erhebungen sich ergeben sollten. Daß dies der Fall sein würde, ist nicht zu bezweifeln. Nach Mittheilungen von Regierungsblättern bestehen die Maßnahmen der verbündeten Regierungen zunächst in einem Rundschreiben, das der Reichskanzler an die Regierungen in diesem Sinne erlassen hat.
Die bayerische Abgeordnetenkammer hat nun den neuen Präsidenten bekommen, den liberalen Abgeordneten von 61 em m. Und nachträglich ist es herans- gekomrnen, daß der Centrumsabgeordnete Dr. Heim das Wort „Protz" gar nicht gebraucht hat. Im stenographischen Bericht steht nichts davon, und doch sollte wegen dieses Wortes die Präsidentenkrise ausgebrochen fein. — Besonders stellten sich während der letzten Tage in der bayerischen Kammer die B a n e r n b ü n d l e r an bei den Debatten über die Bodenzinssrage. In dieser wollten die Bauernbündler ihre ganz besonderen Wege gehen. Da ihnen ab.r nachgewiesen worden ist, daß diese Wege in der That ungangbar sind, sind sie in Ausregung gerathen uns offenbaren sich nun in ihrer wahren Natur. Herr Wieland, der Präsident des Bauernbundes, hat es rund heraus gesagt: Dem bayerischen Bauernstände sei es unter solchen Umständen gleich, ob fein Vaterland heute oder morgen eine preußische Provinz werde. Als er deshalb zur Sache gerufen worden war, fuhr er fort: „Wenn man früher gesagt hat: Lieber bayerisch sterben, als österreichisch verderben, so könne es heute heißen: Lieber preußisch sterben, als bayerisch verderben." Der' bayerische Bauernstand, in dessen Namen Herr Wieland sprechen will, mag sich das recht genau merken, wohin die Wege des Bauernbundes führen!
In beklagenswerthem Zustande befindet sich das österreichische Staatswesen. Der Staatskarren ist festgerannt und läßt sich vorläufig weder vorwärts noch rückwärts bewegen, es sei denn, daß eine ungewöhnlich starke Hand mit kräftigen Ruck die Hinder- niffe aus dem Weg räumte. Der neue Ministerpräsident Baron v. Gautsch besitzt diese starke Hand nicht, das haben die Verhandlungen bei den Parteien bewiesen, die ohne jedes greifbare Ergebniß verlaufen sind. Auf'S tiefste zu beklagen sind die Ausschreitungen, die sich die tschechischen Heißsporne in Prag leisten: Den Straßeuverwüstungen ist ein Bombenattentat gegen das Deutsche Theater gefolgt. Zum Glück ist die Sprengbombe noch zur rechten Zeit entdeckt worden, — sonst würde namenloses Unglück die Folge gewesen sein. Die Verhaftungen aber, die wegen der
Der Ire stand regungslos wie aus Marmor gemeißelt da und betrachtete den vor ihm knieen- den Priester. Endlich erhob sich dieser, und im Augenblicke, da er sich erhob, brach ein Strahl der untergehenden Sonne durch eine Fensteröffnung der Hütte und übergoß das Bild und die Gestalt des Priesters mit feinem hellen Glanze.
Der Priester'kehrte sich um, griff nach einem ähnlichen Stabe, wie ihn der Ire trug, und sprach mit einer überaus sanften, wohlklingenden Stimme:
„Ich bin bereit, Laird von Killarney."
Bei diesen Worten schien der Ire wie aus einem tiefen Traume zu erwachen. Er reckte sich und setzte dann ein mit Fuchspelz verbrämtes kleines Barett auf sein wallendes, dunkelbraunes Haar, durch welches sich bereits verschiedene graue Fäden zogen.
„Ich habe auf diesen Titel keinen Anspruch, Hochwürdiger!" sagte er. „Meine Verwandten in Schottland führen ihn."
Um die Lippen des Priesters spielte ein leises Lächeln.
„Laßt uns darum nicht streiten. Ich weiß nicht, welchen Titel ich Euch sonst geben soll."
„Ich bin der Cean - Cinneth unseres Sept! Wenn Ihr mich aber Egbert O'Drentor nennen wollt, so weiß ich, daß Ihr Euch würdigt, an mich das Wort zu richten."
„Wohlan, Egbert O'Drentor, so führt uns unserer Bestimmung entgegen "
Behende stieg der Ire den manchmal schlüpse- rigen Bergweg hinunter, zuweilen reichte er dem Priester die Hand, um ihn zu führen; dann wand er sich zwischen Gestrüpp durch und stand endlich
« Btt letzte fiitiplling ton M-mny.
Eine historische Erzählung von Philipp Wasserburg (Laieus).
H ------ (Nachdruck verboten.)
An der Thür der Hütte lehnte, die Arme übereinandergeschlagen, ein Ire ; ein starker, kräftiger Mann/ Sein Gesicht wies edle Züge auf, buschige Augenbrauen beschatteten ein paar dunkele, glänzende Augen, und ein dunkler Bari fiel bis auf die Brust herab. Seine Kleidung schloß knapp an die Formen seines Körpers. Er trug ein Koller von Hirschleder, daS um die Hüften mit einem breiten Lederriemen gegürtet war und an den Säumen eine feine Stickerei von grünen Kleeblättern, der symbolischen Pflanze Irlands, aufwieS. Statt der damals üblichen Pluderhosen trug er anliegende Beinkleider von grauem Tuche, welche zugleich als Strümpfe dienten. Die Füße steckten in einem Paar derben Schuhen mit mächtigen, nägelbeschlagenen Sohlen.
Nach der Sitte der damaligen Zeit, welche jedoch in Irland ein englisches Gesetz verpönt hatte, trug der Ire Waffen; aber er schien da- mit vielmehr andeuten zu wollen, daß er sich dar Recht eines freien Mannes nicht nehmen laste, als daß er wirklich einen Gebrauch derselben in Aussicht genommen, denn sie waren nur sehr leicht. In feinem Ledergurte steckte ein kleines Beil, ähnlich geformt, wie wir solches schon bei Robert een haben, und an seiner rechten Seite hing ein „ s Jagdmesser. Ein derber, unten mit Eisen beschlagener Stock, der im Arme der mächtigen Gestalt lehnte, war bei der Kraft dieser Muskeln weitaus die am meisten zu fürchtende Waffe.
Deutsches Deich.
Berlin, 16. Dezember.
* Heute Abend 63/« Uhr wurde der Kaiser auf seiner Rückfahrt von Kiel als Gast des Fürsten Bismarck in Friedrichsruh erwartet. Gestern Abend hat der Kaiser bei der Festtafel im Königlichen Schlosse zu Kiel öffentlich von seinem Bruder, dem Prinzen Heinrich, Abschied genommen ,mit nachstehendem Trinkspruch:
„Mein lieber Heinrich! Da ich heute nach Kiel hineinfuhr, überdachte ich, wie ich schon so oft mit Freuden diew Stadt betreten habe, sei es, um dem Sport obzuliegen, sei es, um irgend einer militärischen Unternehmung an deiner Seite und auf meinen Schiffen beizuwohnen. Bei dem heutigen Eintritt in die Stadt hat mich ein ernstes Gefühl bewegt, denn ich bin mir vollkommen bewußt der Aufgabe, die ich Dir gestellt habe, und der Verantwortung, die ich trage.. Ich bin mir aber zugleich bewußt, daß ich die B e r p f l i ch- tung habe, das auszubauen und weiterzuführen, was meine Vorgänger mir hinterlassen haben. Die Fahrt, die Du antreten wirst, und die Ausgabe, die Du zu erfüllen hast, bedingen an sich nichts Neues; sie sind die logischen Konsequenzen dessen, was mein Hochseliger Herr Großvater und sein großer Kanzler politisch gestiftet und was unser herrlicher Vater mit dein Schwerte auf dem Schlachtfelde errungen hat; es ist weiter nichts wie die erste Bethätigung des n eugeeinten und neuerstandenen Deutschen Reiches in seinen überseeischen Aufgaben. Dasselbe hat in der
am Ufer des Meeres, auf dessen Wellen sich ein Boot schaukelte, Das Sezsl war an dem kleinen Mast znsammengerollt und gebunden, ein Mann lag der Länge nach im Stern, wäbrend ein anderer auf einem Steine am Ufer faß und die Ketten de- BooteS hielt, damit dasselbe nicht abtreibe. Es war ein Stillleben tiefsten Nichtsthuns, nur unterbrochen durch langsam und träumerisch hingeworfene Bemerkungen deS Einen und des Andern Über die alten Zeiten, und was Ahne und Muhme am Torffeuer deS Herder von jenen alten Zeiten erzählt halten.
Als der Häuptling mit denyPriester am Strande erschien, sprangen die beiden Iren auf.
„Hochwürdiger," sagte Egbert, „ich wiederhole Euch vor diesen beiden Septleuten, es thut eben nicht gut, daß Ihr in's Land gehr."
„Ihr habt mir das schon sechsmal gesagt, mein Lieber, während Ihr mich an den Strand führtet; und ich habe Euch immer darauf erwidert, daß ich dem Befehle meiner Oberen gehorche; und da Ihr mir das nun vor Euren beiden Septleuten sagt, so erlaubt, daß ich vor ihnen auch meine Antwort wiederhole "
„Eure Oberen haben aber nicht gewußt, was inzwischen geschehen ist. Der Lordlieutenant ist mit oierzigtausend Mann in Dublin gelandet."
„Es sollen keine zwanzigtausend fein; aber sie werden noch nachkommen, ich zweifle nicht daran. Das Parlament hat fünfzigtaufend bewilligt, und er wird sie haben."
„Einerlei. Die Königlichen sind geschlagen worden. G-rüchte gehen, daß Drogheda nach heldenmüthiaer Gegenwehr gefallen ist. In wenigen Mocken ist die ganze Insel von den Rundköpfen