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Mittwoch den 15. Dezember 1897
24. Jahrgang
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t*i Spanien, Vereinigte Staaten und Cuba.
Ende voriger Woche hat der spanische Ministerpräsident, Herr Sagasta, in einem zu Madrid abgehaltenen Ministerrathe eine Erklärung abgegeben darüber, wie er über das gegenseitige Ver- hältniß Spaniens und der Vereinigten Staaten zu der Insel Cuba denkt. Die Erklärung ist für die Oeffentlichkeit bestimmt gewesen und demgemäß durch den Regierungsdraht allgemein verbreitet worden. Die Erklärung erhält ihr Hauptgewicht durch den Satz: „Wenn die Vereinigten Staaten von Nordamerika versuchen würden, in Cuba zu interveniren, so würden sie die spanische Regierun g bereit finden, das Recht und die Ehre Spaniens zu wertheidigen.
Das lautet scharf und schneidig, und man ersieht daraus, wie trügerisch alle die Versicherungen aus New-York und Washington waren, daß alle die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten -und Spanien wegen der Insel Cuba ganz und gar freundschaftlich gewesen seien. Namentlich von den Unterhandlungen des amerikanischen Gesandten Woodfort wurde dies versichert. Aber schwerlich werden diese Beschwichtigungs-Versuche im Allgemeinen großen Eindruck gemacht haben. Jetzt zeigt die Erklärung des Herrn Sagasta, wie wenig Bedeutung ihnen zukam.
Herr Sagasta hat von der Möglichkeit ge- ffprochen, daß die Vereinigten Staaten in Cuba „interveniren" könnten. Dieses Wort läßt freilich mancherlei Deutung zu. Als in den 20er Jahren die sogen, „heilige Allianz" für sich das Recht in Anspruch nahm, die Revolution überall, wo sie auftrete, zu bekämpfen, stritt man sich ein Jahrzehnt hindurch und länger darüber, ivie weit ein solches gegen die Revolution gerichtetes Jnterventionsrecht reiche. Klär ist das niemals geworden. Und man kann auch nicht sagen, daß Herr Sagasta damit sich klar ausgedrückt hat. Aber man könnte annehmen, daß er absichtlich diesen zweifelhaften Ausdruck gewählt hat, um der Deutung desselben einen möglichst weiten Spielraum zu lassen und um anzudeuten, daß Spanien sich jeglich e Einmischung der Vereinigten Staaten in die Angelegenheit der Insel Cuba überhaupt verbittet.
Ist es so, wie sich vermuthen läßt, dann bestehen bei dem spanischen Ministerpräsidenten Sagasta und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Herrn Mac Kinley verschiedene Ansichten über diesen wichtigen Punkt. Dies geht hervor aus der sogenannten Botschaft des PräsidentenMacKinley an das nordamerikanische Parlament. Die Botschaft dort ist etwa dasselbe, wie bei uns die Thronrede. Aber sie pflegt stets bei weitem umfangreicher zu sein, als unsere Thronreden. Diese letzte Botschaft des Präsidenten, die in voriger Woche ergangen ist, erklärt die cubanische Frage für die wichtigste der auswärtigen Politik. Herr Mac Kinley ist also der Ansicht, daß es den Spaniern nicht zustehe, ihren Handel mit der aufrührerischen Insel allein auszufechten. Er steht vielmehr auf dem Standpunkt, daß die Vereinigten Staaten an dieser Angelegenheit mitbetheiligt sind, und zwar in so hohem Grade, daß die cubanische Frage die wichtigste unter allen auswärtigen Angelegenheiten der Vereinigten Staaten sei. Nachdem dann Herr Mac Kinley die Erklärung abgegeben, daß die Vereinigten Staaten keineswegs aus Spaniens Unglück Vortheil ziehen wollten, fährt er fort: Die von General Weyler befolgte Politik habe sich als Kriegsplan durchaus nicht bewährt, denn es sei daraus kein Krieg gesitteter Völker, sondern ein Vernichtungskrieg entstanden. Wenn nun der Präsident der Vereinigten Staaten die Schuld an den cubanischen Grausamkeiten dennoch einseitig dem spanischen Oberbefehlshaber zuschreibt, so könnte es doch scheinen, daß damit zu Gunsten der Aufständischen Einfluß geübt wird. Von Geveral Weyler wird in der Botschaft wörtlich gesagt: Seine brutalen Befehle brachten die öffentliche Meinung Amerikas im höchsten Grade auf und empörten die civilisirte Welt.
Spanien hat bei den Vereinigten Staaten bereits Beschwerde erhoben darüber, daß die cubanischen Rebellen Unterstützungvon Nordamerika erhalten hätten. Und darauf sagt der Präsident: „Keine militärische Expedition oder ausgerüstetes Fahrzeug hat die Küsten der Vereinigten Staaten verlassen!" Aber er kann dies ganz gut der Wahrheit gemäß sagen, und es können doch Freibeuter-Schiffe aus Nordamerika.nach Cuba abgegangen sein.
Die große Masse des Yankee-Volkes würde eine Demüthigung Spaniens mit ausgesprochener
Befriedigung aufnehmen. Und noch kurz vor Erlaß der Botschaft gingen beunruhigende Gerüchte um; es hieß, Mac Kinley werde den Spaniern das Ultimatum stellen: innerhalb Jahresfrist Frieden und Ordnung auf Cuba zu schaffen, oder die Vereinigten Staaten würden eingreifen. Davon sagt nun die Botschaft nichts, und in diesem Sinne konnte der spanische Ministerrath trotz der Warnung, die Herr Sagasta aussprach, schließlich dennoch von der nordamerikanischen Botschaft „im allgemeinen für befriedigt" sich erklären. Leider hängt für Spanien sehr viel davon ab, wie die amerikanischen Ausführungen außerhalb derRegierungskreife aufgenommen werden. Und gewisse Elemente in Spanien selbst erhoffen Stärkung für sich aus einer Niederlage der Regierung auf dem Gebiete der auswärtigen Politik. Herr Sagasta hat also allen Grund, alle seine Kräfte anzustrengen, wenn er aus diesem Kreuzfeuer unversehrt hervorgehen will. _________
K> Me Heimkehr.
Eine nordische Weihnachtsgeschichte von Paul KIrranScr.
(Nachdruck nichl gestattet.)
„So, Kathi, nun gib mir einen Fidibus," sagte Knut Larsen, der Lootse, zu dem mit dem Schmücken des Christbaums beschäftigten blauäugigen frischwangigen Mädchen. Er hatte sich soeben sein Pfeifchen mit neuem Kanaster gestopft und lehnte nachlässig in der Sophaecke, indem er behaglich ein Bein über das andere schlug.
Kathi reichte dem Alten, aus dessen wetterharten, entfchlossenen Zügen ein Zug der Zufriedenheit hervorleuchtete, das Gewünschte, und bald paffte Knut Larsen große Ringelwolken in die Luft.
Es war wirklich recht traulich in dem von harzigem Tannenduft erfüllten Stübchen. Das Feuer prasselte lustig im Kamin, der große graue Kater schnurrte und surrte auf dem Schooße der alten Frau, die dort in der sEcke, mit einem Strickzeug beschäftigt, im alterthümlichen Lehnstuhl saß, schweigend, wie es ihre Gewohnheit war.
Draußen aber war ein Höllenwetter. Der Sturm peitschte gegen die Fensterscheiben, daß sie klirrten, und fegte große Schneewolken über die Ebene. Aus der Ferne herüber war das Tosen und Branden der aufgeregten See unheimlich vernehmbar.
„Ein wahres Hundewetter wieder," sagte Knut Larsen, „ein richtiges Christwetter auf See. Wer da jetzt mit der Wuth der Elemente zu kämpfen hat, dem gnade Gott!"
„Ach ja," nickte Mütterchen Larsen zustimmend, „wenn's nur bei uns nicht wieder was zu retten gibt."
„Daß Gott verhüte! Nein! heute setze ich keinen Fuß vor die Thüre, mag kommen, was wolle. Geh, Kathi, mache den Grog an."
Gehorsam verließ das junge Mädchen das Zimmer.
„Hör' Alte," sagte der Lootse, als er mit seiner Frau allein war, „weißt Du auch, daß wir heute ein Jubiläum feiern? Sind es doch schon zehn Jahre, daß unsere gute Kathi uns nun pflegt — das Prachtmädel!"
„Ein gutes Ding!" nickte Frau Larsen.
„Und weißt Du, da wollt' ich ihr eine besondere Freude machen. Schau her!"
Er nahm aus einem Schächtelchen einen prächtigen Goldschmuck und reichte ihn der alten Frau hin, indem seine Augen vor Freude funkelten.
In diesem Augenblick trat Kathi wieder ein.
„Komm' her, Kathi," sagte Knut Larsen, indem er ihr die Hand entgegenstreckte. „Bist doch ein liebes, liebes Ding. Zehn Jahre hast Du nun heute mich und meine Alte treu gepflegt. Das ist ein Jubiläum. Das müssen wir feiern ... Ach so glücklich, wie heute, bin ich lange Jahre nicht mehr gewesen!"
Voll Vergnügen klatschte er in die Hände.
„Geh' Vater," antwortete Kathi, bescheiden erröthend. „That ich doch nur meine Pflicht. Was hätte ich auch auf der Welt allein machen sollen, nachdem die Mutter gestorben war. Da war's doch gut von Euch, daß Ihr mich in Euer Haus aufnahmt . . . Und dann — als — ja als der Jan ging — das war ja auch grab’ heute vor zehn Jahren — da war sein letztes Wort zu mir: Bleib treu und verlaß meine Mutter nicht."
Ein tiefer Seufzer stahl sich von ihren Lippen.
Auf Knut Larsen übten indessen die schlichten Worte eine unheimliche Wirkung. Die Zornes- ader auf seiner Stirne schwoll an, dunkle Röthe bedeckte sein Gesicht, und hastig aufspringend durchmaß er das Stübchen mit langen Schritten.
„Daß man nicht an das Eine denken kann, ohne auch an das Andere denken zu müssen," knurrte er in sich hinein. „Der Bube! Weiß der Himmel — wenn ich an den nicht mehr zu denken braucht' — ich gab' was drum!"
Die Mutter im Lehnstuhl ließ einen schwachen Seufzer hören.
„Vater," sagte Kathi, „wenn Du mir eine Herzensfreude am heiligen Christabend machen willst, dann sprich nicht mehr so lieblos von Jan. Hast ihn doch durch Deine Härte aus dem Hause getrieben. Und wenn — sie stockte ein wenig — ja wenn er nun wiederkäme und 'was Tüchtiges geworden wär', und vor Dich hinträte und sagte: „Vater, sei gut! könntest Du ihm dann noch gram sein?"
„Der?" lachte Knut Larsen rauh auf. „Der? Stein, Kathi, der kommt nicht wieder, und aus dem wird auch Nichts. Ein Kind, das Vater und Mutter nicht ehrt, dem kann's nimmer gut geh'n auf Erden. Und kannte ich denn nicht den leichtsinnigen Burschen besser, als ich meinen Segen zu Eurem Treubund nicht geben wollte, bevor er was Rechtes geworden? Wußte ich denn nicht gleich, daß er meiner braven Kathi bloß den Kopf verdrehen und sie ins Unglück stürzen würde? Nein, Kind, dazu hatte ich Dich zu lieb, um Dir das anzuthun."
„Er wäre aber nicht gegangen, wenn Du ihn nicht hinausgestoßen hättest. Und er ging doch, um was Rechtes zu werden."
„Dazu hat er nun Zeit genug gehabt. Zehn Jahre — und noch kein Lebenszeichen von ihm. Damals, als er Dich und uns verließ, warst Du siebenzehn Jahre alt, jetzt bist Du siebenundzwanzig. Nein, mein Kind! So wahr heute Christnacht ist, so wahr ist's, daß der Jan verschollen bleibt."
„Und wenn er doch wiederkäme?"
„Ich sage Dir, er kommt nicht."
„Ich sage Dir, er wird kommen, und wenn's noch zekn lange Jahre dauern sollt!"
Kathi bedeckte ihr Antlitz mit beiden Händen.
Der Alte aber richtete sich hoch auf und ballte die Fäuste in überwallendem Zorn.
„Der Elende!" stieß er bebend hervor. „Er soll mir nur kommen! Und tarn’ er just heute — den Weihnachtsfrieden thät ich nicht schonen, hinausjagen thät ich ihn in die Nacht, wie einen Hund!" . . .
Der Lootse war, wie er in seinem Jähzorn dastand, schrecklich anzusehen. Seine herkulische Gestalt zitterte und sein Antlitz zeigte eine so abstoßende Härte, daß Kathi angstvoll an die Seite der Mutter Larsen sich flüchtete, ihr Haupt schluchzend an deren Busen verbergend.
„Nun wollte ich einmal recht glücklich sein," knirschte Larsen, „und nun ist's wieder mal aus. Ist der Grog noch nicht fertig, Kathi? Grog will ich haben. Her damit!"
Der Befehl war kaum ertheilt, als von der Ferne her Stimmengewirr und Rufe hörbar wurden. Und da tutete auch schon das große Alarmhorn mit seinen langgezogenen, unheuerlichen Tönen herüber. Knut Larsen horchte auf. Eine kleine Weile, und von draußen wurde mit kräftigen Fäusten gegen die Thür geschlagen.
„Gott sei mit uns!", stöhnte die alte Frau, indem sie zusammenschreckte. In der Thür aber zeigten sich mehrere verwitterte Seemannsgestalten.
„Auf, Lootse! Ans Werk! Auf hoher See Schiff in Noth! Hurtig voran, es ist die höchste Zeit!"
Wie der Blitz war Knut Larsen verschwunden. Und ebenso schnell stand er wieder vor den Seinen, angethan mit der steifen Oeljacke, den Südwester auf dem Haupt, eben noch die Schnallen der Lederriemen befestigend.
„Lebt wohl! Und Haltemir den Grog warm, Kathi!"
In der Thüre drehte er sich noch einmal um.
„Noch Eins, Kathi, mußt Du mir versprechen: Daß Du mir bei diesem Hundewetter heute Nacht nicht zur Christmette gehst! Hörst Du? Lege Dich in Dein Nest und schlaf' aus, das ist ge- scheidter, als der Firlefanz!"
„Vater, o bitte, laß ab! So alt ich geworden bin, hab' ich noch nie die Christmette versäumt, 's wär' heute das erste Mal!"
„Es bleibt dabei, Kind, ich will's nicht haben. Wirst Dir gar wohl dummes Zeug in den Kopf setzen!"
.... Und weg war er. Noch ein Weilchen hörten die zurückgebliebenen Frauen die schweren Tritte der Männer, dann ward es still . . .
Und eintönig bewegte sich der Pendel der alten Uhr an der Wand — tick — tack — tick — tack — * *
In beängstigender Trägheit schleichen die Minuten, die Stunden dahin. Der Zeiger der Uhr neigt sich zur Mitternacht.
Langsame, schwere, schleisende Tritte . . . . Flüstern draußen vor der Thüre des Lootsen- hauses.
Voll banger Ahnung erhebt sich die Alte von dem Lehnstuhl, den sie bis jetzt nicht verlassen. Angstvoll reißt Kathi die Thüre auf.
Herein traten zwei starke Männer, einen leblosen Körper tragend und auf das Bett nieder
legend, das in der Ecke des Stübchens neben dem Kamine steht.
„Knut!" flüstert die Alte bebend. „Herr Jesus Dank! da bist Du wieder!"
Der Lootse scheint auf nichts zu achten. Stumm beugt er sich über den Körper des Fremden, öffnet ihm die schwere Kleidung und beginnt ihn zu reiben und zu bearbeiten — unaufhörlich, während die hellen Schweißtropfen ihm von der Stirne rinnen.
Geschwind ist Kathi bei der Hand, wollene Decken und Tücher und warmes Getränk hinreichend.
Nicht lange, und der schKffe Körper beginnt sich zu regen. Der Mann ist gerettet . . .
Der Begleiter Knuts aber berichtet flüsternd:
„Der Kapitän!" sagt er, indem er auf den noch immer ohnmächtig Daliegenden zeigt. „Das war ein Kampf! Denkt Euch — das Schiff war nicht mehr zu halten. Zehn Mann in Booten untergebracht. Nur er — er wollte seinen Posten nicht verlassen — denn noch waren ihrer achtzehn an Bord. »Erst die andern, bann ich!« rief er einmal über das andere. »Fahrt wohl und betet ein Vaterunser für Euren Kapitän!«"
„Es war ein schrecklicher Auge iblick. Und der Lootse auch noch an Bord! — Wir unten im Boot werfen ihm die Seine zu: Hoiho, Lootse! Es ist Zeit! — der aber, als er den Kapitän sieht, stürzt sich wie wahnsinnig auf ihn. Sie kämpfen, sie ringen . . . Aber Knut war der Stärkere. Er packt den Kapitän und reißt ihn mit sich, und mit Jubelgeschrei empfangen wir beide im Boot. — Kaum sind wir beide abgestoßen, da sinkt das Schiff. Unser Boot kommt in den Strudel — schlägt um — doch Larsen und ich halten den erschöpften Kapitän über Wasser. Das war eine Arbeit! . . . Jesus, Maria — der Kapitän wurde schon schwer und begann zu sinken. Und auch meine Kraft war hin, und ich empfahl meine Seele meinem Herrgott ... Da — da kommt das zweite Rettungsboot in Sicht und nimmt uns auf — und da sind wir! Sapperment! Der eigensinnige Kapitän hätte uns beinahe das Leben gekostet. Hat der aber Wasser geschluckt! Hu ..."
Der Brave nimmt einen warmen Trunk, und da er sieht, daß er jetzt hier überflüssig ist, wendet er sich zum Gehen.
* * *
Heilige Stille in dem Weihnachtsstübchen be8 Lootsenheims ....
Knut Larsen hört nicht auf, den Kapitän zu behandeln und zu bearbeiten. Die alte Frau ist vor Schreck und Aufregung wie gelähmt auf ihren Sessel zurückgesunken.
Kathi schleicht auf den Zehenspitzen heran an das Lager — ihr Lager — aus dem der Kapitän ruht. Wie mag er aussehen, der edle Mann, der nicht leben wollte, ohne alle die Seinen in Sicherheit zu wissen? O mädchenhafte Neugier!
Da — jetzt kann sie ihn sehen — „Barmherziger Gott!"
Ein Schrei — „Jan, mein Jan — bist Du da — mein Geliebter —"
„Alle Kraft zusammennehmend erhebt sich nun auch das Mütterchen und wankt nach dem Lager hin.
„Mein Sohn! Jesus Maria — mein Sohn—"
Und der Ohnmächtige schlägt die Augen auf. Die süßen Mutterlaute haben ihn zum Leben erweckt. Mit mattem, doch glückseligem Blick schaut er auf Mutter und Brant. Und da — da erblickt fein Auge auch die Gestalt des Vaters, der sich in übergroßem Schmerz abwendet.
„Vater!" — „Mein Sohn!"
Und der Alte ergreift die Hand des Wiedergewonnenen, und über das trotzige, harte Antlitz rinnen zwei dicke Thränen herab... . Und wieder schließt der Erwachte die Augen und versinkt in woblthuenden Schlaf. Die Mutter sitzt am Bettrande und zählt in ängstlicher Zärtlichkeit jeden Athemzug. Kathi schleicht sich still beglückt davon. Eine Kerze nach der andern zündet sie an, und bald strahlt der Christbaum in Hellem Lichterglanz. Und Knut Larsen hat geräuschlos das Stübchen verlassen. »
.... Kein Laut. Nur die schweren Athem- züge des Schlafenden und das Ticken der alten Uhr unterbrechen die heilige Christnachtstille.
Das Unwetter draußen ist vorübergezogen. Der Sturm hat sich gelegt. Am Himmel blinken freundlich die Sterne. ~
Da tönt mit ihren großen vollen Schlägen die Glocke vom Kirchthurme herüber.
Und zugleich tritt der Lootse ins Weil nichts- stübchen wieder ein. Die Kerzen des Christbaumes beleuchten hell fein verklärtes Antlitz. Er hat feinen vollen Sonntagsstaat angelegt.
Ueberrascht und erstaunt blickt Kathi zu ihm auf.
„Hörst. Du nicht die Glocke läuten, Kathi? Eile und mach' Dich fertig! Es ist Zeit zur Christmette!" ....