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M 281

Mittwoch den 8. Dezember 1897

24. Jahrgang

Erscheint täglich, M.»iSnahmed«r Vom- und Feier- »oae. KierteljShrl.

S»,u,»pret, ohnevnngerlohs ond Bestellgeld in «alda und auS-

Znsrrntr: Die ein­spalt. Garmond, »eile oder deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit- teile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend Rabatt gewährt

mit Anterhattungs-Anlage „Sterne und Akumenf

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LircheuKatenLer.

Donnerstag, 9. Dezember. PetrusChryso- loaus Kirchenlehrer. Er wurde um 406 zu Forocornelium in Italien (heute Imola) geboren und später von dem dortigen Bischöfe Kornelius zum Diakon geweiht. Noch sehr jung, ward er wider seinen Wunsch zum Erzbischöfe von Ravenna erhoben und genoß als Vorbild eines wahren Hirten wegen seiner Thatkraft und Frömmigkeit großes Ansehen. Als Redner gelangte er zu weitem Ruhme. Mit Wort und Schrift trat er gegen die damals auf­tauchenden Jrrthümer des Eutyches auf und entwickelte diesem gegenüber die kirchliche Lehre. Er beschloß sein Leben um das Jahr 450 in seiner Vaterstadt.

Literarische Weihnachtsschan 1897.

IV.

Dr. K. Von den Neuheiten des Verlages von Fraaz Kirchheim in Mainz hat ein bescheidenes Buch in moosgrünem Einbande unser Interesse in ganz hervorragendem Maße gefangen genommen. Es ist eine ins Deutsche übertragene Streitschrift des talentvollsten und bedeutendsten unter den jüngeren dänischen Dichtern, Johannes Jürgensen, der im vorigen Jahre zutu Katholizismus übertrat. Das vorliegende Büchlein ist kurz vor seinem Uebertritt ge­schrieben und gibt in kühnem Gedankenfluge Rechen­schaft über die Beweggründe und den ganzen psycho­logischen Vorgang dieser Umwandlung eines über­zeugten Freidenkers und Atheisten in einen katholischen Christen. Johannes Jörgensen zählt wenig über 30 Jahre, aber seine Gedichte und Novellen und Skizzen genießen in Dänemark einen bedeutenden Ruf, wenn auch der Dichter heute selbst vor manchem Werke warnt, das ec in seinen geistigen und sittlichen Ver­irrungen zum Verderb der Jugend geschrieben hat. „Lebenslüge und Lebenswahrheit" ist die kleine Streitschrift überschrieben, in welcher Jörgensen sich mit seinen früheren Freunden und Genossen, die es ihm zum Vorwurf machen, daß er, der tief einge- wurzelte Darwinist, nun ein — Christ geworden ist, in. ebenso geistvoller wie erbarmungsloser Weise aus­einandersetzt. Wer diese Bekenntnisse eines ehemaligen Freigeistes und Decadenten liest, wird sich in seiner religiösen Ueberzeugung nur gefestigt und gehoben fühlen.

Ein tiefernstes, zum Nachdenken und zur inneren Einkehr mahnendes Buch ist auch das kürzlich er­schienene dritte Bändchen der „Kreuzfahrer- Blätter" von Herm. Joseph Fu g ger-Gl ö tt, Priester der Gesellschaft Jesu, „int Deutschen Reiche geächtet". Während das erste Bändchen sich mehr auf philofophisch-theologischeni, das zweite fast ausschießlich auf geschichtlichem Boden bewegte, zieht der dritte Band, betitelt: „Natur und Gnade im Leben und Sterben, zur Beleuchtung unserer verworrenen Lage und einzigen Rettung" die Konsequenzen der ge­wonnenen Erkenntniß für das praktische Leben des einzelnen Menschen und der Gesellschaft. Die Bände find hübsch ausgestattet und eignen sich als Festgabe besonders für die gebildete Männerwelt.

H. H. Mönch, Oberlehrer in Boppard, der sich als feinsinniger Dichter einen Namen gentacht hat, bietet in einer Sammlung von Tagebuchblättern ein ansprechendes und lehrreiches Bild eines Heimgegangenen Musterpädagogen. Das Merkchen sührt den Titel: „Der Iubilar von Friedenau und seine Ge­danken über die christliche Erziehung." In einer Zeit, da der stille Schulkampf überall die Geister bewegt, sei das elegant ausgestattete Bändchen allen Freunden der christlichem Schule ans Herz gelegt.

Eine ergreifende Erzählung des amerikanischen Jesuitenpaters F r a n z F i n n, für die deutsche Jugend bearbeitet von P. Franz Betten, „Ada Merton oder Mein Himmel auf Erden" führt den Kampf des Glaubens gegen den Unglauben, indem sie den Glauben als einzigen wahren Trost in jeder Nothlage schildert. Im Mittelpunkte der Erzählung steht eine Erst­kommunikantin, die Tochter ungläubiger Eltern, die schließlich den Glauben und den Frieden wieder finden. Das sehr geschmackvoll ausgestattete Bändchen ist eine Paflende Lektüre nicht nur für junge Mädchen, sondern auch für Erwachsene.

Eine Perle unter den heurigen Novitäten der Ge­schenkliteratur ist „D as L ie d v o n S t. E l i s a b e l h", epische Dichtung, der lieben Heiligen gewidmet von Al in da Jacoby. Dem geschmackvollen Einbande mit dem Miniaturbilde der Wartburg entspricht der köstliche Inhalt. Wahre Poesie uud ein glaubens­starkes, begeisterungsfähiges Gemüth schufen in tadel­losen, wohlklingenden Versen und sorgfältig geglätteter Sprache einen Pceisgesang auf die hohe Heilige, der des höchsten Lobes würdig ist.

Konrad von Bolanden, der unermüdliche Meister des historifchen Romans, bietet seinen vielen Freunden und Verehrern in der historischen Erzäh­lung „Otto der Große" eine neue willkommene Gabe. Den geschichtlichen Hintergrund bilden die Kämpfe des deutschen Königs mit seinem Sohne Ludolf von Schwaben und seinem Schwiegersöhne Konrad von Lothringen, sowie seine Feldzüge gegen die Un­garn. Niemand wird den stattlichen Roman, dem als Anhang historische Erläuterungen beigefügt sind, unbefriedigt aus der Hand legen.

In sechsterAuflage erschien das rasch beliebt geworbene vortreffliche „Tasch eubüchlein des guten Tones" von Sophie C h r ist, eine praktische Anleitung über die Formen des Anstandes, die wir in den Händen

eines jeden katholischen jungen Mädchens sehen möchten. — In zweiter Auflage liegt das kleine, vielbegehrte „Erstkommunion-Glöcklein" von Prof. G. M. Sommer, Gymnasiallehrer in Bensheim, vor, ent­haltend fromme Erwägungen, Belehrungen und An­dachtsübungen für Erstkommnnikanten.

Zwei Prachtwerke desKirchheim'schen Verlages, welche wir im vorigen Jahre zu den glänzendsten Er­scheinungen des Weihnachtsmarktes zählten, seien wieder­holt in empfehlende Erinnerung gebracht. „Durch Armenien, Kurdistan und Mesopotamien" von Dr. Paul Müller-Simonis, aus dem Fran­zösischen von Al. Knüppel (mit 7 Vollbildern, 104 Textillustralionen und einer großen Karte) und „West­lich!" oder „Durch den fernen Westen Nordamerikas" von Dr. Otto Zardetti, Titularbischof von Moziffus (mit 12 Vollbildern) gehören zu den gediegensten und bestausgestatteten Werken ihrer Art.

Der rühmlichst bekannte Konvertit L. v. Hammer­stein, Priester der Gesellschaft Jesu, dessen zahlreiche Werke zur Begründung und Vertheidigung des Christen- thums und des kathol. Glaubens auch in gegnerischen Kreisen große Beachtung fanden, ließ im Verlage der Paulinus-Druckerei in Trier wieder zwei neue be­deutsame Schriften erscheinen, eine größere und eine kleinere. Im Gewände eines Prachtwerkes und auch deshalb schon so recht als Weihnachtsgeschenk geeignet, präsentirt sich der stattliche Band „Charakter­bilder aus dem Leben der Kirche", vertheilt auf die Sonntage des Kirchenjahres. (586 Seiten Groß-Oktav mit sechs Illustrationen.) P. Hammerstein erweist sich in diesem Werke als ein begeisterter Be­wunderer der Einheit und Universalität der kathol. Kirche, die zu allen Zeiten und in allen Ländern der beiden Hemisphären stets die gleiche war und geblieben ist. Diese Einheit der katholischen Kirche illustrirt der Verfasser an Charakterbildern hervorragender Bekenner und Helden des kathol. Glaubens aus den verschiedensten Zeitepochen und Lebensstellungen. Die 52 Charakter­bilder stellen in der That eine Ahnengallerie dar, die allerdings nur eine beschränkte Auswahl unter den Besten aller Zeiten treffen konnte. Hammerstein hat natürlich nicht nur einfache Lebensbeschreibungen, sondern wirkliche Charakterbilder geschaffen und knüpft bei Gelegenheit treffende Nutzanwendungen unb Lehren für die Gegenwart an, oft auch Klagen gegen den Un­verstand und die Vorurtheile der Kirchenfeinde. Das Buch ist, wie schon bemerkt, glänzend ausgestattet. Die sechs Porträttafeln stellen den hl. Thomas von Aquin, Daniel O'Connell, Graf Friedrich Leopold zu Stolberg, Bischof Ketteler, v. Mallinkrodt und Garcia Moreno dar. Die prachtvolle Einbanddecke zeigt auf weißem Grunde von Lorbeer und Palmen umrahmt den Petersdom, hoch oben von den beiden Erdhalb­kugeln flankirt die im Strahlenkränze glänzenden In­signien des Papstthums. Ein Spruchband enthält die Worte: „Credo in unam sanctum“ u. s. w. (Preis gebunden 6.50 M )

Das gleichfalls von P. L.v. Hammerstein heraus- gegebene 168 Seiten starke Merkchen „Das Glück, katholisch zu sein!" (Preis gelegant gebunden in Leinen-Relies-Decke 2 Mk.) bietet in der unmittelbar packenden Form von Gesprächen und wechselseitigen Briefen eine wirkiame Apologetik des Katholizismus und eine begeisterte Würdigung des Glückes, das gerade der kathol. Glaube gewährt. Der Verfasser darf um so mehr als ein kompetenter Beurtheiler dieses Glückes gelten, als er aus seiner Ueberzeugung mit Ueber- windung von Hindernissen vor mehr als vierzig Jahren von der Stellung eines praktischen Juristen den Pro­testantismus verließ, also mit geschärftem, kritischem Blick, aber auch mit klarem Bewußtsein, das Glück, katholisch zu sein, an sich selbst erfahren konnte.

Von Dasbach's No v elle nk r anz sind im ganzen 30 Bändchen erschienen. Die ältere Ausgabe wird jetzt zu billigeren Preisen verkauft, von der neuen Ausgabe kosten die Bändchen broschirt 75 Pfg., elegant gebunden 1 Mk. Die neue Ausgabe ist bis jetzt in vierzehn Bändchen erschienen, zu deren Lob kaum mehr etwas zu sagen bleibt. Das neueste Bändchen, das 30. der ganzen Sammlung, enthält eine spannende Novelle von Marga Brechten: „Franz v. Menden." Wir empfehlen Dasbach's Novellenkranz wiederholt auf» Wärmste. Die Erzählungen sind vorsichtig und mit bestem Geschmack ausgewählt.

Weihnachten im FeMazareth.

Einer der strammsten Musketiere unserer Kom­pagnie war der Gesreite Hüne. Der hoch aus- geschoffene breitschulterige Mann trug den Namen in der That. Vom Hauptmann herunter bis znm letzten Trommler mochten sie ihn alle gleich gern leiden; denn er war ein ebenso tüchtiger, pflicht­treuer und pünktlicher Soldat, wie stets verträg­licher und gefälliger Kamerad. Wenn er einem helfen konnte, that er es immer gern.

In dem heißen Gefechte, das die beiden auf Vorposten befindlichen Infanterie-Bataillone am 30. November 1870 gegen eine bedeutend stärkere Uebermacht zu bestehen hatten, zeichnete sich Hüne als einer der Tapfersten aus. Unerschrocken stand er aufrecht hinter der kaum drei Fuß hohen Kirch­hofsmauer in der vordersten Reihe und handhabte sein Gewehr mit einer Ruhe und Sicherheit, als handelte es sich um Sektions-Schnellfeuer daheim auf dem Schießstande; kaltblütig, wie er war, kümmerte er sich wenig um die Flintenkugeln, die dicht an seinem Kopfe vorbeipfiffen. Es genirte ihn auch anscheinend gar nicht, als eine Vollgra­nate dicht in seiner Nähe die schwache Lehmmauer zertrümmerte und seinem Nebenmanns den Kopf vom Rumpfe riß.

So war Hüne.

Da geschah es auch am selbigen Tage, daß ein tückischer Granatsplitter dem wackern Gefreiten beide Oberschenkel ziemlich stark verletzte. Leichen­blaß und von unsäglichem Schmerze die Lippen fest zusammenpreffend, taumelte Hüne aus der Gefechtslinie heraus. Ich kam gerade rechtzeitig herbeigesprungen, ihn zu stützen, ehe er entkräftet zusammenbrach. Mit meinem fast noch neuen weißen Taschentuche, sowie unter Aufwendung meines ganzen Verbandzeuges umwickelte und ver­band ich die stark blutende Wunde, so schnell und gut ich es eben konnte. Andere hielten schon eine Tragbahre bereit, auf welcher sie den Schwer­verletzten schleunigst aus dem Feuer heraus nach dem eigentlichen Verbandplätze resp. in das nächste Feldlazareth schaffen wollten.

Hüne reichte mir stumm die Hand und Thränen perlten in seinen Augen. Mich ergriff das seltsam.

„Leben Sie wohl, Herr Feldwebel, auf immer," sprach nach einer Weile der Gefreite. „Sie waren immer so gut mit mir."

Es durfte keine Zeit verloren gehen. Die Kugeln schlugen um uns herum ein, und die Wunde erheischte schnellste sachgemäße Behand­lung. Darum nahm ich kurzen, herzlichen Ab­schied von dem Blessirten und winkte den Kranken­trägern zu, ihres Amtes zu walten.

Da erhob Hüne noch einmal die Stimme und bat mich fast flehend:

„Wollen Sie mir noch einen letzten, großen Gefallen thun, Herr Feldwebel?"

Selbstredend war ich gern dazu bereit und versprach dem Gefreiten, seine Eltern privatim und schonend von dem Geschehenen zu unterrich­ten und sie zu versichern, daß er immer dankbarst an sie denken werde — „bis zuletzt". Der Braut, der Tochter eines reichen Oekonomen, sollte ich das Wort zurückgeben. Ein armer Krüppel könne ihr nichts nützen.

Die Trage ward behutsam emporgehoben und bald entschwand Hüne unseren Blicken.

Das Gefecht nahm inzwischen in gleich erbit­tertem Maße seinen Fortgang. Endlich jedoch kam die ersehnte Hilfe und entschied den Sieg zu unseren Gunsten. Freilich war derselbe um einen theuren Preis erkauft. Mancher brave Kamerad hatte in's Gras beißen müssen, viele waren mehr oder minder schwer verwundet worden.

Des Hüne gegebenen Versprechens entledigte ich mich sofort am andern Tage. Wochen ver­gingen seitdem, und weil der wechselvolle Kriegs­trubel uns fast täglich ein anderes ernstes oder heiteres, immer aber interessantes Bild ^brachte, so schwand mir der im Feldlazareth für Schwer­verwundete liegende Gefreite bald aus dem Sinne.

Da kam der 24. Dezember 1870.

Es war 9 Uhr früh, und ich saß in meinem Quartier und rechnete und zählte Gelder nach und theilte kleine Beträge ab, die ich weiter je in ein Papier wickelte und mit Aufschrift versah. Ich gedachte an diesem Tage rückständige Löh­nungen an im Lazareth liegende Verwundete ab­zuführen.

Da meldete ein Soldat „drei Civilisten" an, die mich zu sprechen wünschten.

Ehe ich noch fragen konnte, ob es Franzosen oder Deutsche wären, traten die Angekündigten schon ein. Es waren eine ältere und eine jün­gere Dame in Begleitung eines gleichfalls älteren Herrn.

„Endlich find wir da!" redete der letztere mich an, streckte mir seine Rechte zum Gruße entgegen und fuhr dann fort:

„Entschuldigen Sie, Herr Feldwebel, daß wir schon so srüh stören. Ich bin der Oekonom Hüne aus B, dies hier ist meine Frau und hier Fräu­lein Emma S., unsere zukünftige Schwiegertochter."

Jetzt begriff ich Alles, und mir ward bange um's Herz herum; denn ich sah im Geiste eine erregte Scene heraufsteigen.

„Ja," bestätigte die ältere Dame, „als wir Ihren Brief empfingen, Herr Feldwebel, da haben wir uns nach dem ersten Schrecken gleich auf die Bahn gesetzt, um unseren Wilhelm, wenn's geht, nach Hause zu holen und dort zu pflegen!"

Ich befand mich in großer Verlegenheit. Die guten Leute mochten glauben, ihr Sohn befände sich leicht verletzt im Revier der Kompagnie. Nun wußte ich nicht, wie ich es ihnen beibringen sollte, daß der Betreffende schwer blessirt im Feldlazareth läge und der schädlichen Erregung wegen viel­leicht nicht einmal Besuche empfangen dürfte.

„Ja, Madame," entgegnete ich daher zögernd, „das ist nun so ’ne Sache — ich weiß nicht —"

„Was — was wiffen Sie nicht?" unterbrachen mich alle drei fast zugleich, und Schrecken spiegelte sich auf ihren Gesichtern ab.

„Können wir nicht gleich zu meinem Sohne kommen?" fragte der Herr und meinte, daß sich das Andere mit dem Doktor dann fchon besprechen ließe.

„Ach ja," sekundirte nun auch das Mädchen, „wenn mein Bräutig —, wenn Herr Hüne erst

weiß," verbesserte sie sich erröthend, „daß wir da sind, dann wird's mit ihm auch beffer."

„Oder auch nicht, Fräulein," konnte ich mich nicht enthalten, hinzuzufügen.

„Ist mein Sohn denn wirklich so gefährlich krank?" fragte überrascht der Mann und packte mich am Arme. Am Drucke seiner Hand aber merkte ich, daß er eine innere Erregung kaum zu bewältigen vermochte. Ausweichend entgegnete ich :

„Ihr Sohn befindet sich drei Stunden von hier in einem Feldlazareth!"

„Also ist er doch schwer verwundet!?" fragte der Mann wieder mit halberstickter Stimme.

Schweigend zuckte ich nur mit den Achseln und machte mir am Fenster zu schaffen. Als dann aber die Damen sich je in eine Sophaecke fallen ließen und laut zu schluchzen begannen, da verließ ich geräuschlos und schnell das Zimmer. Auch dem Herrn zuckte es schmerzlich übers Ge­sicht, und ich sah noch, wie er dasselbe tief in sein Taschentuch barg.

Thränen sind immer ein Balsam für Kummer und Seelenleiden, und darum hielt ich es für gut, wenn die drei sich ungestört ausweinten.

Ein bequemer, großer Wagen war schnell bereit; auch wollene Decken gegen die rauhe Wit­terung und Stroh unter die Füße war zur Stelle. Ein Trainsoldat als Kutscher und ein Mann zur Bedeckung hatten sich schon auf dem für sie be­stimmten Brette plazirt.

Als ich das Zimmer wieder betrat, trockneten die Damen ihre Thränen und waren sofort bereit, mit nach dem Lazareth zu fahren. Ich hielt das fürs beste, ein weiteres konnten dann die Aerzte bestimmen.

Die Unterhaltung während der Fahrt war einsilbig. Sie erstreckte sich nur auf kurze Fragen und Antworten. Sonst ging ein jedes seinen eigenen Gedanken nach, die um so trüber waren, als eisige Regenschauer uns entgegenpeitschten und ein jeglicher so gezwungen war, sein Gesicht so weit wie möglich zu verhüllen.

Nach dreistündiger Fahrt erreichten wir das Feldlazareth. Wie die übliche große weiße Flagge schon von weitem erkennen ließ, war dasselbe in einem luftigen, schönen Schlosse aufgefchlagen. Die Besitzer desselben waren, wie fast alle Ein­wohner des Ortes, aus Furcht vor den Preußen geflohen.

Der dirigirende Arzt des Lazareth? gestattete mir bald behufs Erledigung meiner dienstlichen Angelegenheil den Zutritt zu den Krankensälen. Mehr Hindernisse fanden die „Civilisten". Der abgehärtete Stabsarzt blieb unerbittlich; denn ge­rade Hüne war einer der gefährlichsten Patienten, dem die geringste Aufregung todtbringend fein konnte. Ein Lazarethgehilfe, der mir als Führer beigegeben worden, flüsterte mir auf der breiten, schönen Freitreppe schon zu, daß der „große, stramme Kerl" nicht davonkäme; das Wundfieber stelle sich immer häufiger und hitziger ein.

Mir graute vor einer Katastrophe, gleichwohl nahm ich mir doch vor, den Erfolg eines etwaigen Rekontres zwischen Eltern und Sohn abzuwarten, sobald ich mein Geschäft erledigt hatte.

(Schluß im vierten Blatte.)

Kilerarisches.

Di« Äanptftäbte der Wett. Schlesische Buchdruckerei, Kunst- und Verlags-Anstalt von S. Schottlaender, Breslau.

Dieses Prachtwerk liegt jetzt, nachdem die Lieferungen 19 und 20 erfcbienen sind, vollständig vor. lieber das ursprüngliche Programm hinausgehend, hat die Verlags­handlung die Schilderung Budapests von dem be­währten Romanschriftsteller und Novellisten Max Viola hinzugefügt, womit sie gewiß den Wünschen vieler Sub­skribenten und späterer Käufer des Prachtwerkes ent­gegengekommen ist. — Die letzten beiden Hefte enthalten außerdem den Schluß der Beschreibung Pekings von Maurice Palöolvgue und die Schilderung der Stadt des Mikado: Tokio. Ueberaus reich ist die Illustration. Wir zählen in den zwei Heften allein 9 Vollbilder, nämlich: Buddha-Tempel in Tokio; Japanischer Tempel; Ein japanisches Brautpaar; Japanischer Kirchhof; Die königliche Burg (in Budapest); Die Kettenbrücke; Das neue Parlamentsgebäude; Die Andraffhstraße; wozu noch das hübsche Doppelbild: „Csardas" kommt; von den zahlreichen Textbildern seien die Porträts des Kaisers und der Kaiserin von Japan besonders hervorgehoben. — Zu dem nunmehr vollständig vorliegenden Prachtwerk, dessen Gesammtpreis sich ungebunden auf nur 10 Mark stellt, hat die Verlagshandlung eine sehr geschmackvolle, künstlerisch ausgestattete Einbanddecke nach einem Ent­wurf von Prof. M. Honegger herstellen lassen, die zum Preise von 2 Mark durch die Buchhandlung, durch die das Werk bezogen werden kann, oder direkt von der Verlagshandlung, unter Hinzufügung von 50 Pfg. für Porto, erhältlich ist.____________

Zur Beachtung!

Er wird im Zrt'riffi deS Pvb- ikumS darauf oufmetliam ge­macht, daß die ächte», seit 15 Jah- :ea im Be> kehr befiidl chen, ooa •tner aroßea A-zarl angelegener Prozessoren und Aerzt: geprüften »potyrk-r Richard Braalt'S Schweizerpillen infolge deS neuen De t,chen Äarkenschu-gesetzeS da

Stiq«tt w.e nebenstehende Atbuduug tragen.

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