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Mittwoch, den 1. Dezember 1897

24. Jahrgang

Zrscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Vicrteljährl.

Ktjugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 50 Pf.

A

Inserate: Die ein­spalt. Garmond­zeile oder deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend Rabatt gewährt

verantwortlich: Kür die Redaktion Jot. Saum, für Inserate I. parzellcr in Kaida.

mit Ilnterhaltungs -Weitage „Sterne und Akumen"

Druck und Verlag der Suldaer Acticndruckerei petersgasse Nr. 2 (Darmonie).

Wrihnachtsßrarrche in Deutschland.

Von A. Hoffmann.

Es ist ein schöner und bedeutungsvoller Brauch, der des gegenseitigen Beschenkens zu Weihnachten; und welche Freuden werden den Kindern nicht bereitet durch die Gaben des lieben Christkindleins! Und würde man die Kinder nach dem schönsten Feste des Jahres fragen, so würde wohl die Antwort einstimmig lauten: „Das ist das Weihnachtsfest." Aber nicht etwa die Bescherung allein, sondern schon die Aus­sicht auf dieselbe vermag sie in einen wahren Freudenrausch zu versetzen. Die Aeußerung der Eltern, mit dem Christkinde bezüglich der Be­scherung Rücksprache nehmen zu wollen, ist häufig schon im Stande, selbst unbändige Rangen, wenn auch nur auf kurze Zeit, einigermaßen zu zügeln namentlich, wenn den Folgsamen die Erfüllung verschiedener Wünsche zugestchert wird.

Es kommt jedoch nicht auf die Mafse und Auserlesenheit der Gaben und Geschenke an, sondern darauf, daß dieselben dem kindlichen Sinne und zugleich der Nützlichkeit ent­sprechen und im Stande sind, dauernden Ein­druck hervorzurufen. Ich kann mich recht gut erinnern, daß bei uns das Christkind immer nicht viel abzuladen hatte, da es alles Erdenkliche schon bei den Kindern unseres Nachbars losge­worden war; aber ich weiß auch, daß wir uns über die einfachen wenigen Geschenke mehr freuten, als jene über die vielen auserlesenen und häufig kostbaren, aber höchst unpraktischen Sachen. Unsere Freude war groß über einen braunen irdenen Teller mit Namen, gefüllt mit Aepfeln und Nüssen, neben dimselben ein Schreibheft mit Griffel und Feder und, wenn es hoch ging, d. h. wenn nöthig, für die Schwestern ein Tuch und für uns Jungen noch Hosen.

Eine mehr oder minder den Verhältnissen entsprechende Bescherung mit obligatem Christ­baum wenn irgend zu beschaffen, ist wohl fast im ganzen großen Deutschland üblich. Ja selbst in fernen Landen, wo diese Sitte nicht herrscht, begingen unsere Vaterlandsvertheidiger eine der­artige Feier unter dem lichterglänzenden Weih- nachtsbaume.

Der Weihnachtsbescherung gehen in verschied­enen Gegenden auch verschiedene Bräuche, welche zum Theil noch der Heidenzeit entstammen, vor­aus. Da kommt anfangs Dezember in manchen Gegenden der heilige Nikolaus und bringt artigen Kindern und denjenigen, welche beten können, Aepfel, Nüsse und Naschwerk, unartigen aber eine Ruche, ja er theilt auch wohl selbst Ruthenstreiche, oft auch recht kräftige, aus. Der Nikolaus ist auch schon häufig mit dem „Knecht Ruprecht" identisch geworden. Warum der „Nickel" umgeht und die Kinder beschenkt, rührt

der Sage nach vom heil. Nikolaus her. Der­selbe war sehr reich; da er aber als Priester wenig bedurfte, vertheilte er sehr viel unter die Armen. Eines Abends von Besuchen, die er Armen und Nothleidenden gemacht, heimkehrend, hörte er, wie ein armer Vater seine drei Töchter aus Noth zu einem sündhaften Lebenswandel be­wegen wollte. Da warf der heil. Nikolaus drei Abende hinter einander jedesmal eine bedeutende Summe Geldes durch's Fenster in die Stube und gab so dem Vater die Mittel in die Hand, seine Töchter reichlich auszustatten und anständig zu verheirathen.

Der K n e ch t R u p r e ch t ist dagegen heidnischen Ursprungs, und zwar ist der Name aus einem Beinamen des Gottes „Wodan", aus „Hruod- perath", welches so viel als „ruhmglänzend" heißt, entstanden. Hieraus bildete sich nach und nach der Name „Ruprecht". Dieser Ruprecht erscheint in mehreren Gegenden Norddeutschlands als Schimmelreiter in der Zeit vor Weihnachten, fragt die Kinder, ob sie beten können, und er­kundigt sich, ob sie in Haus und Schule artig sind und gut folgen. Er läßt sie auch Gebete und Lieder auf fugen, und diejenigen Kinder, welche die Prüfung bestehen, erhalten als Lohn Aepfel, Nüsse und Pfefferkuchen, während er die faulen und unfolgsamen mit der Ruthe straft.

In vielen Gegenden, wo der Schimmelreiter nicht mehr üblich ist, erscheint nach dem Knecht Ruprecht, welcher in manchen Gegenden wieder am heiligen Abende als ein in Stroh oder Pelz­werk gekleideter, bärtiger Mann auftritt, der heilige Christ auf einem mit einem Schimmel bespannten Schlitten. Damit nun der Schimmel recht lange ruhig stehe, und so der heilige Christ recht reiche Geschenke abladen kann, legen die Kinder vor das Hosthor einen Bund Heu als Futter hin.

Aber nicht allein der Knecht Ruprecht, sondern sogar die unter den Weihnachtsbaum gelegten Pfefferkuchenmänner sind heidnischen Ur­sprungs und eigentlich Nachbildungen des Gottes Wodan gewesen. Von solch hoher Abstammung merkt man den Herren Pfefferkuchenmännern nun freilich nichts mehr an. Der alte Heldengötze muß es sich sogar gefallen lassen, in recht unter­geordneter Gestalt unter den Germanenkindern verewigt zu werden, als Schornsteinfeger, Hund oder gar Bähschaf, vermuthlich in Erinnerung an die Widder, mit denen weiland seine Frau Ge­mahlin Freya in Walhalla herumkutschirte.

Ebenfalls in einem Theile Norddeutschlands herrscht eine Sitte, welche sogar den heidnischen Namen „Julfest" beibehalten hat. Die Geschenke für Verwandte und Bekannte werden vielfach und recht umständlich eingepackt, und während die Bescherung stattfindet, werden die betreffenden Packete von anderen Personen zur Thür herein­geworfen und der Name dessen, sür welchen sie bestimmt sind, gerufen. Ein solches Geschenk heißt Julklapp und wird ungefähr ausgerufen: „Jul- klapp für den Vater!" „Julklapp für Gottfried!" „Julklapp für Marianne!"

Wie die alten heidnischen Deutschen sich nicht

Aedes-Fasane.

Aus den italienischen Illustrazwne populäre übersetzt von A. H. in der.Niederrheinischen Volkszeitung".

„Ich weiß wirklich nicht, was ich Jhneu sagen soll, Kapitän Forrest. Es ist ja nicht, als ob es sich um Sie handelte. Der Herr Meynard hat mir erst gestern ganz denselben Antrag gemacht."

„Daß der T .... l ihn hole!" brummte der Kapitän zornig.

„Jack, Sie wissen doch, daß ich diese Sprache in meiner Gegenwart nicht dulde; entschuldigen Sie sich sofort bei mir," sagte Miß Daisy Waller streng. Sie war auf einen der hohen Sitze ge­klettert, die sich in den Fensternischen des alten Schlosses von Stourminster befinden. Mit ihrer Mutter und einer Anzahl Freundinnen war sie von der Villa aus, in welcher sie zu Besuch war, hergekommen, um das alte Schloß zu besichtigen. Von ihrem hohen Sitze aus überragte sie ihren Anbeter, obschon dieser seine 1 Meter 80 Ctm. Körperlänge aufwies.

„Ich bitte Sie um Verzeihung, ich habe keinen Grund, so zu sprechen," sagte er demüthig, „aber ich kann den Gedanken nicht ertragen, daß dieser Tropf Ihnen den Hof macht."

„Aber mir gefällt es, wenn man mir den Hof macht," sagte sie neckisch.

„Doch gewiß nicht, daß er das thut?"

„Warum nicht? Eben der! Die Mamas sagen doch, dieser junge Mann sei eine ausge­zeichnete Partie. Warum sind Sie beide sich so schrecklich gleich, daß ich nicht weiß, wen ich nehmen soll. Gerade das ärgert mich am meisten."

„Gleich!" wiederholte Jack wie ein Echo mit gedrückter Stimme. Er hatte keine zu große Meinung von sich selber; aber er schmeichelte sich

denn doch etwas mehr zu sein, als dem Herrn Lyonel Meynard „gleich".

„Nun ja. Denken Sie nur etwas darüber nach, dann werden Sie schon selber sehen," fuhr die unerschütterliche Miß Daisy fort. „Sie sind aus besserer Familie, er dagegen ist reicher als Sie; das sind in der heutigen Zeit Dinge, die einander auswiegen. Sie reiten besser als er; Herr Meynard dagegen hat einen bewunderns­würdigen Scharfblick für Börsengeschäfte. Sie find beide jung, ein hübsches Gesicht haben Sie auch beide; Sie sind zwar größer als er, dafür aber hat Herr Meynard krauses Haar. Er tanzt besser als Sie (Sie wissen ja. Sie sind etwas zu lang). Sie hinwieder singen hübsch: „Komm in den Garten, Magdalena" nach der Mahlzeit, d. h. nach Ihrer Mahlzeit, nicht nach der Mag­dalenens. Sie sehen also, daß Sie so vollkommen gleich sind, daß es schwierig ist, eine Wahl zu treffen."

Sie sprach mit unbefangener und ruhiger Stimme und ihr Gesichtchen war eine reizende Mischung von Schelmerei, komischem Ernst und Unschuld.

„Und auch nach dieser ganzen Reihe von guten Eigenschaften können Sie, Sie persönlich, nicht den geringsten Vorzug einem von uns beiden geben?" sagte Jack, dunkelroth im Gesicht.

„Nun . . . ja, den Vorzug erhält der, welcher . . . ihn am meisten verdient! und ich weiß ja nicht, wer das ist!

Sie war klein und schlank, mit einem feinen Prosit, einem überaus zarten, etwas blassen Teint und zwei herrlichen, dunklen Augen. Mehr verführerisch als schön, war sie voller Launen und toller Einfälle, und schon gar Viele hatten das erfahren müssen. Ihre Mutter, eine liebens­würdige, wenngleich schon etwas von den Jahren mitgenommene Frau, war eine der ersten Schön­

allein auf die Erzählungen der Umzüge ihrer Götter beschränkten, sondern auch derartige Um­züge ausführten, so begnügten sich die zum Chriften- thume bekehrten Deutschen nicht mit der bloßen Erzählung der Geburt ec. des Weltheilandes, sondern es machte sich das Volk auch bald daran, diese Geschichte selbst darzustellen. So entstanden nach und nach verschiedene solche Darstellungen.

Besonders hat sich der Gebrauch der Krippen ausgebildet. Die erste hat wohl die Kaiserin Helene, Mutter des Kaisers Konstantin, in der über der Geburtsstätte Christi zu Bethlehem er­bauten Kirche, aus kostbarem Marmor, errichten lassen. Der heil. Franziskus von Assisi ließ im Jahre 1221 mit Erlaubniß des Papstes in seiner Kirche ebenfalls eine sehr kostbare Krippe auf­richten. Um den Stall, in welchem dieselbe in Bethlehem stand, anzudeuten, stellte man Ochsen, Schafe, Ziegen usw. daneben auf. Heute kommt die Aufstellung der Krippen noch häufig vor (mit Ausnahme der ländlichen Ortschaften des linken Rheinufers). In einigen Gegenden der Rheinlande findet man in jedem Hause eine Krippe und noch eine große in der Schule oder in der Kirche, zu der die Heranwachsenden Burschen des Ortes die Fi­guren schnitzen, während die Mädchen für die Kleider der Figuren sorgen müssen Es gibt solche Krippen mit mehr als 100 Figuren, die oft lebensgroß find. Der Platz, worauf die Krippe erbaut wird, ist entweder wagrecht oder von der Seite des Beschauers nach hinten sanft aufsteigend. Im Hintergründe befinden sich Häuser, Bethlehem darstellend, im Vordergrund ist ein freier, vier­eckiger, mit Moos belegter Platz, die Weide an- deutend, worauf sich, die Heerden vertretend, Schafe, Rinder, Ziegen usw. befinden. Manch­mal werden auch vereinzelt Bäume mit ausgestellt. Das vorderste Haus ist der Stall, die Geburts­stätte; derselbe hat eine weite Oeffnung, die einen Einblick in das Innere gestattet. Daselbst sehen wir in einer Krippe das Christkind, zu beiden Seiten Maria und Joseph und, sich hinzudrängend, um das Kind zu sehen, die Hirten, und außer­dem einzelne Stück Vieh, wohl den Stall etwas wärmend, lieber dem Stalle steht der wunder­bare Stern, welcher den drei Weisen die Ankunft des neuen Judenkönigs anzeigte.

Die Weihnachtsfpiele dagegen, die Darstellung der Weihnachtsgeschichte, sind immer feltener ge­worden und werden wohl nur noch bruchstück­weise aufgeführt. In Schlesien und vielleicht auch noch sonstwo in Deutschland ziehen nämlich um die Weihnachtszeit mehrere Gesellschaften aus der Stadt auf die myliegenden Dörfer, und fragen, ans Fenster klopfend, an, ob das Christkind ein­treten kann. Auf eine bejahende Antwort treten nacheinander Engel, ein rother und ein weißer, und hierauf das Christkind ein. Das sind Frauen oder Mädchen in entsprechenden lichten Kleidern, verschleiert, und sie singen ein auf die Geburt Christi bezügliches Lied. Das Christkind trägt einen Korb mit den Gaben, welche es dann spendet, am Arm und ruft zuletzt den „alten Joseph" — den Pflegevater Jesu — herein,

welcher eine kleine Wiege mit einer Puppe vor sich auf die Dielen setzt und so das Kind fnieenb wiegt. Ist der Gesang beendet, so erhebt sich der „alte Joseph" und waltet desselben Amtes, wie der Knecht Ruprecht, den er wohl auch dar- stellen soll. Hierauf theilt das Christkind die Gaben aus, die es jedem zugedacht hat, und er­hält eine Gegengabe. Häufig sah ich auch, daß bei derartigen Aufzügen noch der Vertreter der Hölle seine Rolle spielte, indem er zuletzt, ent­sprechend gekleidet, mit einem lederbezogenen Dreschflegel bewaffnet, hereinstürmte und umher- tobte. lieber die Bedeutung desselben aber ist mir leider keine Aufklärung zutheil geworden; vielleicht läßt er seinem Unmuthe über die Geburt dessen, der seine Macht zerstörte, in dieser Weise die Zügel schießen.

Eine andere Sitte ist der Umzug der heiligen drei Könige, die besonders in Westfalen und in Schlesien üblich ist. Es ziehen dann Kinder, meist Knaben, in buntem Flitterstaate, mit eben­solchen Kronen geschmückt, oft in einem Umkreise von zwei Stunden umher, treten in die Haus­flur oder in die Stube und fingen ein Weih­nachtslied. Zu diesem Gesänge drehen sie einen Stern aus Pappe, in welchen verschiedenfarbige Glasscheibchen eingefügt sind und der an einem Stabe befestigt ist. Hinter dem Sterne ist ein brennendes Licht angebracht, sodaß durch die Drehung ein lebhaftes und recht hübsches Farbenspiel hervorgebracht wird. Auch diese Kinder erhalten hierauf ein Geldgeschenk.

Zum Schluß sei nur noch bemerkt, daß auch die Aufführung der eigentlichen Weihnachtsspiele in ursprünglicher Gestalt noch vereinzelt statt- ftndet. Diese Spiele sind aber dann der Gegend und dem Volke angepaßt; denn obwohl der Text sich an den Wortlaut der Bibel anlehnt und hält, so wurde doch häufig mancherlei mehr oder weniger Passendes hinzugedichtet, wobei allerdings sogar manches Spaßhafte oder wenigstens spaß­haft fein sollende sich einschleicht. So kommt in dem einen ein armer Hirt zur Anbetung, und da er nichts hat, um dem Kinde etwas zu schenken, so reicht er ein Stückchen hartes Brod dem Joseph mit den Worten: „Da, Alter, iß Du's!" In einem zweiten weckt ein Hirt den andern mit den Worten: „Du, steh' auf, es ist uns ein Kind geboren!" worauf jener schlaftrunken fragt: „Was, ein Kind ist erfroren?"

Mit solchen Abgeschmacktheiten, wie derartige Zusätze, muß man es indeß nicht zu strenge nehmen. Sie sind nicht böse gemeint, sondern nur ein Auswuchs harmlosen natürlichen Volks­humors, Abkömmlinge jenes Humors, der schon in die ernsten Mysterienspiele des Mittelalters als „lustige Person" sich einschmuggelte, indem er aus dem Judas einen Hanswurst machte und namentlich den Höllenfürsten gern als dummen Teufel verlachte. Den religiösen Kern jener Ge­bräuche beeinträchtigt ein gelegentlicherSeitensprung der Volkslaune nicht.

heiten New-Aorks gewesen, ehe sie Sir James Waller heirathete. Es schien jetzt, als wenn sie sich um das Thun und Lassen ihrer Tochter absolut nicht kümmerte. Von den Damen des Hauses wurde Miß Daisy sehr gern eingeladen, weil sie dieselbe als ein erheiterndes Element in der Geselschaft der Gäste betrachteten, während die jungen Mädchen sie meistens kritisirten, in­dem sie sagten: „O mein Gott! Wie amerikanisch die ist!"

Kapitän Forrest sah zu ihr hinauf, halb ärgerlich, halb belustigt. „Es ist doch^ schade," sagte er, „daß wir uns nicht in die Schranken fordern können, wie die Ritter aus alter Zeit, um mit der Waffe in der Hand uns Ihre Hand zu erkämpfen. Daisy, sind Sie mir denn ein klein wenig gut? Ich dachte doch . . ."

„Ah! Ich habs's gefunden!" unterbrach sie den Kapitän, und ihr blaffes Gesichtchen färbte sich plötzlich höher, „jetzt hab ich's! Ich werde denjenigen heirathen, der am Tage der Jagd- eröffnung die meisten Fasanen schießt."

„Ich hoffe doch. Sie scherzen," sagte er, etwas getroffen durch ihre unbarmherzige Art, in der sie feinen Redestrom unterbrochen hatte.

> „Nicht im Geringsten! Ich werde denjenigen von Ihnen heirathen, der am Donnerstag Abend die schwerste Jagdtasche heimbringt, natürlich, ohne

ie Jagd Hüter und Hunde mitzurechnen."

„Das ist absurd, rein absurd! Eine solche Bedingung ist noch nicht dagewesen."

„In der That hoffe ich auch, daß es ein wenig originell fei. Es ist heutzutage nicht leicht, etwas Neues, Pikantes zu ersinnen, wie zum Bei­spiel einen Handschuh in die Löwen-Arena fallen zu laffen, damit der Ritter ihn heraufhole, wie es die Dame in der Ballade von Schiller that."

„Eine solche Bedingung ist eine Beleidigung

für die Siebe eines Mannes," erhitzte Kapitän Forrest sich von Neuem.

Miß Daisy öffnete weit ihre herrlichen Augen. „O, es steht Ihnen ganz frei, Herr Kapitän, Ihren Antrag zurückzunehmen, wie es Ihnen gefällt."

„Daisy, Sie wissen nur zu gut, daß ich nicht ohne Sie leben kann, wie sehr Sie auch Ihr Spiel mit mir treiben; aber ich werde es dennoch fertig bringen, wenn Sie auf dieser Idee bestehen. Und dann, Meynard ist ein viel besserer Schütze als ich," setzte er trostlos hinzu.

Wieder leuchtete ein flüchtiges Roth auf ihrem Gesichtchen. „Wahrhaftig? Nun, das ist wirklich intereffant; man liest immer in den Büchern, daß die Liebe Wunder wirkte, nun will ich doch sehen, ob Ihre Siebe Sie besser schießen lassen wird."

„Sie sind geradezu herzlos," sagte der junge Mann; „ich bin ein Narr, mich so mit Ihnen zu beschäftigen."

„Allzu galant sind Sie nicht, Herr Kapitän, indessen glaube ich doch, daß Sie wohl Recht haben," sagte Miß Waller, indem sie sich von ihrem hohen Sitze heruntergleiten ließ. „Wenn Sie Jhre Thorhett selbst einsehen, warum suchen Sie denn nicht von ihr zu genesen?" Und ihren Mund zu einem bezaubernden Lächeln verziehend, lief sie davon, Jack allein stehen lassend. Er schaute ihr nach in einem Zustand, in welchem sich ihre Anbeter so oft befanden: in ohnmäch­tiger Verzweiflung.

Während der beiden folgenden Tage sagte Jack sich noch öfter, daß er ein „Esel" fei, sich so von ihr behandeln zu lassen; war es doch nicht möglich, daß sie ihn lieb hatte, sonst würde sie ihm nicht eine derartige Bedingung auferlegt haben. Aber der arme Bursche war so verliebt, daß er glaubte, auch nicht auf den leisesten Hoff- (Schluß im dritten Blatte.)