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JE 275

Mittwoch, den L Dezember 1897

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Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Vierteljährl.

Bezugspreis ohneBrmgerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 50 Pf.

Inserate: Die ein­spalt. Garmond­zeile oder deren Raum 15 Pi., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

veeaatwortlich: Für die Redaktion Ios. Lau«, für Inserate I.parzeller in Fulda.

mit Anterhattungs Beilage „Sterne und Mkumen"

Druck und vertag der Fuldaer Actiendruckerei petersgasse Nr. 2 (Harmonie).

I« likuem Gtwrnidk

erscheint heute die,Fuldaer Zeitung^ Das bisherige Gewand war ihr allmählig zu klein geworden. Kein Wunder, tritt sie doch bald in ihr 25. Lebensjahr hinein, und mit den fortschreitenden Jahren hat sie sich stets bemüht, in gleichem Schritt auch zuzunehmen an innerem Gehalt. Dadurch ist es ihr ge­lungen, sich die Werthschätzu ng ihrer zahl­reichen Freunde und die Achtung ihrer nicht minder zahlreichen Gegner zu erwerben.

In dem unermüdlichen Bestreben, nach jeder Richtung hin sich immer mehr zu ver­vollkommnen, hat die .Fuldaer Zeitung' nun­mehr ein erheblich vergrößertes Format angenommen und es dadurch möglich gemacht, die vielseitigen Wünschen der Abonnenten ihrer Erfüllung näher zu bringen. Zunächst wird die Vergrößerung der parlamenta­rischen Berichterstattung zu Gute kom­men, der fortan ein größerer Raum gewidmet werden soll, als es bisher möglich war. Ucber die Verhandlungen des Reichstages und des preußischen Landtageswerden wir gleich am folgenden Tage einen der Bedeutung des Berathungsgegenstandes entsprechend langen Originalbericht aus bester Quelle bringen Für die politischen, sozialpolitischen und sonstigen Leitartikel haben wir zu den vorzüglichen Kräften, die uns bisher fchon zur Verfügung standen, noch verschiedene hervorragende Kräfte zu Mit­arbeitern gewonnen Dem Gebiete der Kirche und Schule werden wir auch in Zukunft der Tendenz unseres Blattes entsprechend, die sorgfältigste Aufnrerksamkeit widmen.

In gleicher Weise wird der Nachrichten­dienst aus der Stadt und dem Nachbarge­biete nach Kräften erweitert und vervoll­kommnet werden. Dank der erfreulichen Mit­wirkung zahlreicher Freunde war die,Fuldaer Zeitung' schon bisher im Stande, über alle wichtigen Vorkommnisse in ihrem Verbrei­tungsgebiete rasch und zuverlässig berichten zu können. Wir dürfen wohl hoffen und er­warten, daß unsere Freunde und Gesinnungs­genossen in Stadt und Land uns fortan in dieser Hinsicht ihre Unterstützung in noch reichlicherem Maße, als es bisher geschehen ist, angcdeihen lassen werden. Der unter­haltende Theil des Blattes wird ebenfalls eine Erweiterung erfahren; insbesondere haben wir für die nächste Zukunft mehrere größere Erzählungen von den angesehensten katholischen Schriftstellern für die ,Fuld. Ztg.' erworben.

So wird die,Fuldaer Zeitung' denn mit Gottes Hilfe sich zu einem Blatte gestalten, welches der Bedeutung der Centrums­partei des Fuldaer Landes entsprechend und würdig ist.

4« Die Thronrede, mit der der Kaiser gestern den Reichstag eröffnet hat (den Wortlaut finden unsere Leser im vierten Blatte unserer heutigen Nummer), hat uns nichts gebracht, worauf wir nicht schon durch vorauf­gegangene Meldungen vorbereitet gewesen wären. Die Thronrede ist frei von Ueberraschungen.

Der Lage entsprechend, beginnt sie mit einem ausführlichen Hinweise auf die Flotten vor- l a g e. Auch hier wird besonders betont, daß die verbündeten Regierungen die Stärke der Marine

und den Zeitraum, in dem diese Stärke erreicht werden soll, gesetzlich festgelegt sehen wollen. Die Thronrede sagt, daß die Regierungen das für „geboten" erachten. Ein Grund dafür, daß die verbündeten Regierungen dies wünschen, wird in der Thronrede nicht angegeben. Jedenfalls wird dem Reichstage die unabweisbar gebotene Pflicht obliegen, die Forderungen der Regierung ruhig und sachlich und sehr eingehend zu prüfen und seine Beschlüsse nach genauer und gewissenhafter Erwägung zu fassen. Es ist die letzte Sitzungs­periode, die dieser Reichstag heute begonnen hat, um so genauer und gewissenhafter wird er seiner Pflicht nachzukommen haben.

Nach der Erwähnung, daß dem Reichstage auch wieder die Vorlage über die Postdampfer- Subvention zugehen wird, geht die Thronrede zu dem Gesetzentwürfe über die Reform des mili­tärischen Strafverfahrens über. Man darf es wohl als bemerkenswerth bettachten, daß die Thronrede von unbedingt nothwendigen Forde­rungen für die Erhaltung der Manneszucht im Heere spricht. Denn allem Anscheine nach soll dies nichts Anderes bedeuten, als daß die Re­gierung nicht gesonnen ist, iu diesem Punkte weitere Zugeständnisse an die Forderungen der­jenigen zu machen, welche wünschen, daß das militärische Strafverfahren dem bürgerlichen Strafverfahren möglichst ähnlich gemacht werde.

Die Finanzlage des Reiches wird in der Thronrede als besonders günstig geschildert. In diesem Sinne wird besonders darauf hingewresen, daß der erhebliche Aufwand für die zeitgemäße Umgestaltung des Artillerie-Materials auf die regelmäßigen Einnahmen überwiesen worden ist und daß auch die Kosten der Verbesserung der Mannschaftskost in Heer und Marine durch die regelmäßigen Einnahmen gedeckt werden, ohne daß eine Erhöhung der Matrikularbeiträge beab­sichtigt ist. Wir werden ja aus den Etatsberathungen des Reichstags ersehen, bis zu welchem Grade diese günstige Schilderung berechtigt ist.

Trotz des kühlen Tones der Thronrede ver­hehlt sich Niemand, daß wir heißen Tagen und harten Kämpfen entgegengehen.

Deutsches gktdj.

Berlin, 30. November.

X Nach einer Pause von mehr als fün Monaten sind heute die Meichsöoten wieder in „unseren Berliner Kasten" eingezogen. Der Kastefi hat sich in der Zwischenzeit nicht wesentlich ver­ändert. Das Bismarcköenkmal fehlt vor seinem stets verschlossenen Haupteingange noch ebenso gut, wie die Inschrift über diesem Eingang. Im Innern haben wir als Neuheiten nur einige Glas­gemälde bemerkt im Schreib- und Lesezimmer und in der nördlichen Vorhalle. Jene stellen Straß- burg und ein Strandbild von Rügen dar. Das Gemälde in der Vorhalle nach der Straßenseite zeigt uns die Germania als Beschützerin von Kunst, Wissenschaft u. s. w.; das nach dem Hofe )in stellt ebenfalls eine Allegorie dar. Hier be- anden sich bereits früher zwei Glasgemälde, die „Eintracht" und die „Zwietracht" versinnbildend, ene durch ein sich zärtlich umarmendes, diese )urch ein sich grimmig gegenüberstehendes Paar. Schlechte Menschen haben behauptet, diese beiden Gemälde stellten die Freisinnige Volkspartei und die Freisinnige Vereinigung vor und nach der Trennung dar. In der Wandelhalle sind ein oaar neue Ruhebänke angebracht. Fahrräder für Abgeordnete, die in dem Bau eine Reise unter­nehmen wollen, fehlen leider noch immer. — Als ich heute gegen 2 Uhr so nach und nach eine Anzahl Abgeordneter einfand, wurde das Gerücht verbreitet, der Kölner Zug sei bei Hannover ver­unglückt. Die Befürchtung, es könnten auch Ab­geordnete verunglückt sein, wurde indeß bald zerstreut, als man erfuhr, daß bei Spandau ein allerdings schwerer Eisenbahnunfall stattgefunden habe, bei dem 17 Personen verletzt wurden, daß es sich aber nicht um den Kölner Schnellzug, sondern um einen Personenzug handelte, auf dem sich keine Abgeordneten befanden. Es war schon stark 21/« Uhr, als das Glockenzeichen die Abge­ordneten aus der Wandelhalle, wo sie sich keines­wegs etwa nur über die Marine unterhalten hatten, in den Saal rief. Am Bundesrathstische war von den „neuen Männern" noch kein ein­ziger erschienen. Nur Graf Posadowsky, der inzwischen das Ressort gewechselt hat, fand sich ein, begrüßt von vielen Mitgliedern des Hauses. Daß der Reichstag gleich in seiner ersten Sitzung wieder beschlußunfähig war, wird ihm wohl wieder die üblichen Liebenswürdigkeiten eintragen. Ein Grund l egt aber dazu nicht vor. Am ersten Tage hat die Sitzung nur eine formelle Bedeutung. Da es keine Diäten gibt, ist es ver­zeihlich, wenn Abgeordnete, die mit Glücksgütern nicht allzu sehr gesegnet sind, aber zu Hause reichlich beschäftigt sind, den Tag sparen. Die Geschäftsordnung schreibt ganz zwecklos für die

erste Sitzung den Namensaufruf vor. Irgend­welche Bedeutung hat das nicht, denn ob beschluß­fähig oder nicht, das Haus geht nach dem Namens­aufruf auseinander. Hätte auf der Tagesordnung schon die Wahl des Präsidiums gestanden, so wäre sicher die uothwendige Anzahl Mitglieder dagewesen. Die Landtage in Bayern, Baden und Sachsen halten vorläufig auch noch eine Anzahl Abgeordnete fern. Das komm namentlich dem Eeutrum zu Schaden, da so viele seiner Mitglieder im bayerischen Landtage sitzen und dort in diesen Tagen wichtige Verhandlungen stattfinden. Infolgedessen waren von bayerischen Centr'.'msmitgliedern nur 4 ober 5 erschienen, darunter der jüngstgewählte Abg. Heim, der zu­gleich das an Jahren jüngste Centrumsmitglied ist. Der Abg. Dr. Bachem dürfte in der nächsten Zeit wohl noch nicht an den Sitzungen Theil nehmen können, da er in Folge Ueberarbeitung erkrankt ist. Die Veteranen des Centrums Frhr. v. Kehler und Dieben waren pünktlich zur Stelle. Die Nationalliberalen wurden von der Kunde überrascht, daß ihr langjähriges Mitglied Dr. v. Marquardsen heute früh in Erlangen am Schlagfluß gestorben ist. Morgen soll die Wahl des Präfidiums stattfinden. Ohne Zweifel wird das seitherige Präsidium, Frhr. v. Buol, Schmidt, Dr. Spahn, wiedergewählt werden. Für Frhr. v. Buol wollen, wie schon vor zwei Jahren, auch die Konservativen stimmen. Bei der Wah des ersten und zweiten Vizepräsidenten wollen sie weiße Zettel abgeben. Reichspartei und Natio­nalliberale dürften dies in allen drei Wahlgängen thun. Es geht auch so.

* Dem Gesetz entwarf e über die deutsche Ikotte, der heute dem Reichstage vorgelegt wor­den ist, liegt eine zwanzig Druckseiten umfassende Begründung bei, und außerdem eine Denkschrift über die Seeintereffen des Reiches. Man kann nicht sagen, daß die Begründung wesentlich mehr Angaben bringe als neulich die Mittheilungen des Reichsanzeigers. Als ein neuer Gesichtspunkt, den die Regierung für die Verstärkung der Flotte ins Feld führt, wird der Schutz für unsere Ko­lonien genannt. Als alte solche Gesichtspunkte werden bezeichnet: Schutz und Vertretung des Seehandels auf allen Meeren, Vertheidigung der vaterländischen Küsten, Entwickelung des eigenen Angriffsoermögens. Merkwürdigerweise findet sich in der Begründung der Satz, daß die Fest­legung des Flottenbestandes auf die Dauer „als ein Bedürfniß nicht nur von den Regierungen, sondern auch von der Volksvertretung empfunden werde —Wahrhaftig, eine kühne Behauptung!

X Auch einen staatsrechtliche« MertHei- diger des ZÄari«e-Sep1en«a1s hat die Reichs­regierung gefunden. Es ist derselbe Professor des Staatsrechtes, der in der lippeschen Erbfolgefrage die Sache des Prinzen von Schaumburg-Lippe verfolgte, bekanntlich ohne einen Erfolg für diesen zu erzielen: Herr Professor Paul Laband in Straßburg. Aber der Herr Professor behandelt die Frage weniger in dem ruhig und kühl ab« wägenden Tone des Staatsrechtes, als vielmehr in der Tonart eines berufsmäßigen Agitators. „Den Bestand der Marine — so meint Professor Laband — auf die unsicheren und dem Belieben der Reichstags-Majorität überlassenen Jahres­bewilligungen zu stellen, heißt, ihn zum parla­mentarischen Zankapfel machen, ihn mit Fragen der inneren Politik verquicken und die Marine- verwaltung der Ruhe und Sicherheit berauben ..." Das heißt ungefähr so viel, wie: die heilige Sache der Kriegsflotte nicht dem beschränkten Unterthanen- verstande der Volksvertreter ausliefern! Aber je heftiger die Flottenschwärmer für die Marinevor­lage agitiren, und je mehr deren werden, die diese Agitation laut und geflissentlich betreiben, desto kühler und sachgemäßer wird von den wahren Freunden des Reiches und des Volkes diese Marine­vorlage geprüft und behandelt werden.

* Der Gesetzentwurf über die Kvtschädigung ««schuldig Dernrtheitter oder, wie der amt­liche Ausdruck lautet, über die Entschädigung der im Wiederaufnahme - Verfahren freigesprochenen Personen ist von dem Bundesrathe angenommen worden und wird dem Reichstage demnächst zugehen. Ebenso verhält es sich mit dem Gesetzentwurf über die freiwillige Gerichts­barkeit.

* Die ,Freis Ztg/ schreibt: Heber den Zeit­punkt der Aeuwatzle« für den Meichstag werden in den,Berl. Polit. Nachr." wieder An­sichten laut, die wir nicht für richtig halten. Es wird dort behauptet, die Reichstags-Session könne bis zum Schluffe des Gesetzgebungs - Abschnittes fortbauern und die Regierung brauche erst nach diesem Zeitpunkte Reichstag-Wahlen vornehmen zu affen. „Den äußersten Zeitpunkt, bis zu welchem )ie Wahlen verschoben werden dürfen, begrenzen die Vorschriften der Reichsverfaffung über die alljährliche Berufung des Reichstages und die Festsetzung des Reichshaushalts-Etats. Innerhalb dieser Schranken sind für die Wahl des Zeitpunktes

der Reichstagswahl nicht sowohl Rechts- als Zweck­mäßigkeits-Gründe entscheidend." — Das ist un­richtig. Verfassungsmäßig muß immer ein zuständiger Reichstag vorhanden fein, und zwar nicht bloß für die regelmäßige Jahres-Feststellung des Etats, sondern für alle Fälle, welche die Mit­hilfe der Gesetzgebung erfordern könnten. Man denke nur beispielsweise an den plötzlichen Aus­bruch eines Krieges wie im Juli 1870. Da das Mandat des Reichstages mit dem 10. Juni 1898 abläuft, so muß vom 11. Juni ab bereits ein neugewählter Reichstag zur Stelle sein können. Daraus folgt, daß die Wahlen spätestens An­fang Mai ausgeschrieben werden müssen. Un­serer Meinung nach wird die Ausschreibung that- sächlich noch früher erfolgen und sind solche offiziösen Erörterungen nur dazu bestimmt, auf die Wahlvorbereitungen hemmend einzuwirken.

* Ein WiMonen-Ionds für Dänemark wird im.Hamburger Korrespondent" vorgeschlagen; man solle die dänisch-gesinnten Nordschleswiger auskaufen, wozu etwa 20 Millionen noch wendig seien. Mit Recht nennt die.Volkszeitung" einen derartigen Vorschlag die Bankerott-Erklärung nationaler Politik. An den Erfahrungen mit dem 100 Millionen-Fonds könnte man wohl genug haben.

* Der Hrnnd der Säuerliche« Wothkage ist jetzt glücklich entdeckt. Einer, dem's zu Herzen ging, daß Alle, die dem Bauernstand helfen wollten, bisher ganz falsche Wege eingeschlagen haben, rückt in der liberalen .Augsb. Abendztg." mit dem eigentlichen Grund, warum es dem Bauernstand so schlecht geht, heraus. Nicht die große Steuerlast, nicht die niedrigen Getreide- und Viehpreise, die hohen Dienstbotenlöhne rc. sind die Hauptschuld ander bäuerlichen Noch, son­dern — man höre und staune — die großen Opfer der Bauern für fromme Zwecke. Er erwähnt die „luxuriös ausgestatteten Lourdes- Kapellen", die „gold- und silberstrotzenden Ge­wänder, prunkvollen Fahnen" rc., wofür viele Tausende ausgegeben werden. Außerdem zieht er heran den Bettel der Klöster, die Sammlungen für den Misstonsverein, Kindheit-Jesuverein u. f. w., die Primizen und — die vielen Seelengottes­dienste und Seelenmessen für die Verstorbenen. „Wenn wohlhabende Leute", meint er, „an ihrem Ueberfluffe auch die Kirche theilnehrnen lassen, so ist das eine schöne und lobenswerthe Sache." Aber es ist ihm klar, daß die immensen Summen, die alljährlich für fromme Zwecke gegeben werden, fast ausnahmslos von tief verschuldeten Bauern­höfen und aus den Taschen der Nothleidenden kommen. — Wir möchten den geistreichen Artikel­schreiber zunächst daraus aufmerksam machen, daß auch in den großen Städten noch, Gott sei Dank, alljährlich viele Tausende für sog. fromme Zwecke gegeben werden, und sind gerne erbötig, ihm das Beweismaterial zu verschaffen. Vielleicht liefert er dann in einem weiteren Artikel den Nachweis, daß die Verschwendung für „fromme Zwecke" Ursache der herrschenden Noth der Arbeiterklasse ist. Im übrigen haben wir in Stadt und Land wiederholt gefunden, daß ene Leute, die neidisch nach den Schätzen der Kirchen und Klöster hinüberschielen und dabei beständig das Judassprüchlein wiederholen: „Wäre es nicht besser, das Geld für die Armen zu verwenden?", daß diese auch dann nicht in die eigene Tasche greifen mögen, wenn es gilt, remde Noth zu lindern, während gerade aus enen Taschen die meisten Almosen fließen, deren Besitzer für den Bau und Schmuck der Gottes­häuser Sorge tragen. Wer wissen will, was die Bettelorden mit dem „Gold und Silber, Butter und Schmalz", so sie auf dem Lande zusammen­tragen, anfangen, der braucht sich nur an solch eine Klosterpforte zu begeben, um zu sehen, wie ie täglich von Hungernden belagert ist.

h. Die sächsische« Konservativen wollen nach dem Muster der preußischen Konservativen in die Aufhebung des Verbindungs-Verbotes für politische Vereine nur dann willigen, wenn gleich­zeitig ein Verbot der Theilnahme Minderjähriger an politischen Versammlungen gesetzlich festgelegt wird. Die sächsischen Konservativen find also noch viel „konservativer" als die sächsische Regierung. Es wird intereffant sein, zu beobachten, wie diese ich zu dem Verhalten ihrer sonst besten Freunde testen wird.

* Der .Reichsanzeiger" veröffentlicht die durch einen Beschluß des Staatsministeriums festgesetzten Grundsätzefür das gefundheitspolizei- liche Verfahren bei finnige« Minder« u«d Käkver«. Dieselben entsprechen den Maßregeln, welche für die Behandlung der finnigen Schweine bereits 1876 angeordnet sind, und beruhen auf eingehenden Untersuchungen, durch welche die Be­dingungen für das Absterben der Rinderfinnen genau festgestellt worden sind. Wir erwähnen be- onders die Bestimmung, daß das zur mensch- ichen Nahrung nutzbar gemachte Fleisch der schwachsinnigen Thiere nur zum Verkauf an Selbst-