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Mttwoch, den 1. Dezember 1897
24. Jahrgang
nldaerW Zeitung
verantwortlich: Für die Redaktion 3«f. Statt, für Inserate I. Parzelle» i» Fuldt.
Druck und Verlag der Suldae« Actiendruckerei ' peterrgaAe Nr. 2 (Harmonie).
mit Ilnterhaktungs -Aeikage „Sterne und Mknmen"
erscheint täglich, m. Ausnahme der Konn- und Feiertage. Bierteljührl.
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Literarische Weihuachtsschau 1897.
ii.
Dr. K. Alljährlich, wenn wir beim Herannahen des Weihnachtsfestes die stattliche Schaar der neuen und neuesten Erzeugnisse der Herder'schen Verlagsbuchhandlung in Freiburg einer Musterung unterziehen, ruht unser Auge mit besonderem Wohlgefallen auf den zu immer größerer Vollendung ausgearbeiteten Weltpanoramen, mit denen Joseph Spillmann 8. J. nicht blos der Jugend, sondern auch Tausenden von Erwachsenen schon genußreiche Stunden bereitet hat. Die reich illustrirten Werke: „Rund um Afrika", „Durch Asien" (I und II), „lieber die Südsee" (Australien und Ozeanien), „In der neuen Welt" (I. und II) stehen nach ihrer Eigenart in der ganzen Literatur als unerreicht da. Selbst was Mannigfaltigkeit des Stoffes, Auswahl der Bilder, Frische und Ursprünglichkeit der Darstellung anbelangt, haben sie nicht leicht ihres Gleichen. In dritter, wesentlich erweiterter Auflage liegt der herrliche Band „Rund um Afrika" vor uns. Für die deutsche Jugend ist von besonderem Werth, daß der Abschnitt Deutsch-Ostafrika bedeutend erweitert wurde. Derselbe umfaßt nunmehr rund 100 von im Ganzen 483 Seiten. Mehr als 60 Bilder schmücken diesen für deutsche Leser hochinteressanten Abschnitt. Die Entstehung der deutschen Kolonien, die Kämpfe Wiff- mann's sind sehr anschaulich geschildert. Eine nach dem neuesten Stande der Geographiekunde und Politik revidirte, äußerst exakte und übersichtliche, kolorirte Karte (Deutsch-Ostafrika gesondert in größerem Maßstabe) schniückt auch die neue Auflage. (Preis gebunden 9.80 Mk.
Von den 12 Bänden derJllustrirten Bibliothek der Länder- und Völkerkunde (Das Wetter, Unsere Erde, Der Weltverkehr, Persien, Kanada, Assyrien und Babylonien, Aegypten, Balkanhalbinsel, Sudanländer, Amazonas, Mittelmeer) erschien „Nach Ecuador" in vierter, ergänzter Auflage. Diese von deni verstorbenen P. Joseph Kol- berg 8. J. in allzugroßer Bescheidenheit als „Reisebilder" bezeichnete Beschreibung des Landes und der Republik Ecuador wurde von dem mit P. Kolberg nahe befreundeten P. Joseph Schwarz 8. J. neu herausgegeben und nach dem heutigen Stande der Dinge ergänzt. Die neue Auflage (536 Seiten) ist mit 150 Illustrationen, einem Titel bilde in Farbendruck und zwei Karten ausgestattet und mit einer sehr ansprechenden Einbanddecke geziert. Zur warmen Empfehlung des Werkes brauchen wir wohl nichts mehr hinzuzufügen. (Preis gebunden 11 Mk.)
Joseph Spillmann 8. J. hat mit seinem zweibändigen historischen Roman „Die Wunderblume von Woxindon" berechtigtes Aussehen erregt. Auch in der Erzählung „Ein Opfer des Beichtgeheimnisses" und der Novellensammlung „Wolken und Sonnenschein" konnte man seine belletristische Meisterschaft bewundern. Viele werden daher mit besonderem Interesse zu dem in zweiter Auflage erschienenen historischen Roman „Tapfer und treu", Memoiren eines Offiziers der Schweizergarde Ludwigs XVI., greifen, in welchen Spillmann den Helden der Schwcizergarde, welche bis zum letzten Athemzuge ihrem Könige treu blieben und in den Tuilerien der Uebermacht erlagen, ein ehrendes Denkmal gesetzt hat. Die Einbanddecke des zweibändigen Romans schmückt das berühmte Löwendenkmal in Luzern von Thorwaldsen, das zu Ehren der am 10. August in den Tuilerien gefallenen Schweizer errichtet wurde. (Preis geb. 7 Mk.
Eine angenehme Ueberraschung bot uns der Herder'- sche Verlag mit der von Klara Sommer besorgten gediegenen Übertragung des berühmtesten Werkes des „spanischenHomer's". Von Jacinto Verdaguer's „Atlantis" hat man schon viel gehört. Fastcnrath nennt die Dichtung das poesievollste, gewaltigste Werk der catolanischen Literatur, das einzige spanische Epos des Jahrhunderts. Klara Sommer hat es verstanden, in schöner, packender Weise dem deutschen Leser den vollen Genuß dieses Meisterwerkes eines spanischen Priesters zu vermitteln. Eine biographische Vorrede und erklärende Anmerkungen von Lic. Fr. von Tesser- Wesierski begleiten das Merkchen, dessen Aeußeres durch ein Bild des Dichters und durch einen sehr originellen Einband gehoben wird.
Von Eduard Hlatky's großangelegter Dichtung „Weltenmorgen" (dramatisches Gedicht in drei Sandlungen) erschien der dritte Theil: „Auf der rde: Das erste Opfer", eine farbenglühende, gedankentiefe Schilderung des Erdenlebens der ersten Menschenfamilie, endigend mit dem ersten Brudermorde. Die Unthat Kains ist aus den Eingebungen Luzifers psychologisch meisterhaft entwickelt. Dem „Weltenmorgen" gebührt in der Poesie der neuen Zeit ein bevorzugter Platz. Das ganze Werk (Im Himmel, Im Paradiese, Auf der Erde) kostet in einem eleganten Goldschnittbande 5,40 Mk.
Von Josef Spillmann's rasch beliebt gewordenen „Illustrirten Erzählungen für die Jugend" (aus den Beilagen der „Katholischen Missionen" gesammelt) erschien als 13. Bändchen „Der Zug nach Nicaragua", eine Erzählung aus der Zeit der Konquistadoren. Die spannend geschriebene Erzählung ist mit vier Bildern und einem illustrirten Umschlag geschmückt. (Gebd. 1 Mk.) Man kann katholischen Kindern nicht leicht etwas Befferes schenken.
Eine Reihe ausgezeichneter Volksbücher von Konrad Kümmel verdient besondere Beachtung. Die
Sammlung ist auf sechs Bändchen berechnet und wird neben den nun vorliegenden „Ad v e ntsb ild ern", „Weihnachts- und Neuj a hrs b ild ern" noch „Fastenbilder", „Osterbilder", „Mai- und Pfingst- bilder", „Ernstes und Heiteres" umfassen. Es sind handliche Bändchen in Sedezformat von je etwa 320 Seiten. Die mit ansprechender Herzlichkeit und Natürlichkeit geschriebenen Geschichten sind dem Leben des Volkes, seinen Freuden und Leiden, seinen Nöthen nud Sorgen abgelauscht und für das schlichte Haus des Bürgers und Bauern, Handwerkers und Arbeiters, für Knecht und Magd bestimmt. Die hübsch aus- gestatteten Volksbücher kosten gebunden nur 2,20 Mk.
Antonie Jüngst, die weltbekannte westfälische Dichterin, beweist in dem Schwarzwaldmärchen „Guta von Triberg" aufs Neue ihre poetische Gestaltungskraft. Es ist ein mit ergreifender Tragik beginnendes, aber harmonisch ausklingendes Märchen mit vielen reizvollen Einzelheiten. (Preis gebd. 1,50 Mk.)
Eine billige Volksausgabe der „Gesammelten Werke von Alban Stolz" wurde schon lange als Bedürfniß empfunden. Der Herder'sche Verlag erwarb sich ein Verdienst um das christliche Volk, daß er diesen Gedanken zur Ausführung brachte und einem immer mehr verflachenden Geschlechte die kernige, aufrüttelnde und zündende Volkspredigt eines Alban Stolz als probate Medizin darreicht. Zunächst sollen in 44 Lieferungen ä 30 Pfg. sieben Bände („Kompaß für Leben und Sterben", „Hl. Elisabeth", „Vater unser", „Spanisches für die gebildete Welt", „Wachholdergeist", „Besuch bei Sem, Eham und Japhet", „Nachtigall Gottes") erscheinen.
Tilmann Pesch's 8. J. „CHristliche Lebensphilosophie", Gedanken über religiöse Wahrheiten, dessen zweite Auflage wir vor Jahresfrist rühmend hervorgehoben, hat nun bereits die dritte Auflage erlebt, gewiß ein Beweis für den inneren Werth dieses in unserer Zeit des religiösen Jndiffe- rentismus, der geistigen Oberflächlichkeit und der materiellen Genußsucht doppelt empfehlenswerthen Werkes. Der vornehm ausgestattete Band sollte in keinem bessern katholischen Hause fehlen. (Geb. 4.50 Mk.)
Vom Jahrbuch der Naturwissenschaften, herausgegeben von Dr. Max Wil der mann unter Mitwirkung von Fachmännern, erschien der 12. Jahrgang (1896—97) mit 49 Textillustrationen, 2 Karten (Pamirgrenze und Nansen'sPolarsahrt) und 1 Separatbilde (totale Sonnenfinsternis von 8. — 9. August 1896). Der Baud enthält alle neuen Forschungen und Entdeckungen auf den verschiedenen Gebieten der Naturwissenschaften einschließlich der Gesundheitspflege, des Handels, der Industrie und des Verkehrs. Besonders interessant sind die Mittheilungen über den heutigen Stand unseres Wissens von den Röntgenstrahlen, über die Polarexpedition Nansens, Jacksons, Andres u. s. w. und über urgeschichtliche Funde. (Preis geb. 7 Mk.)
In dritter Auflage erschien das erste Buch der „Geschichte des deutschen Volkes seit dem 13. Jahrhundert bis zuin Ausgang des Mittelatters", von Prof. Dr. Emil Michael 8. J. Michael's Werk ist bekanntlich bestimmt, die deutsche Geschichte Janssens, welche mit dem 15. Jahrhundert einsetzt, in der Weise zu ergänzen, daß es dort endet, wo Janssen begonnen hat. Die berufene Kritik hat sich äußerst anerkennend über das auf breitester Grundlage aufgebaute Werk ausgesprochen. Dem 1. Bande sollen noch 5 oder 6 folgen. Format und Ausstattung sind genau die gleichen, wie bei Janssens Gesichte.
Johannes Janssen's „Geschichte des deut- schenÄolkes seit demAusgange des Mittel- alters" wird von der gegnerischen Kritik mit steigender Aufmerksamkeit verfolgt. Mancher hat sich die kritischen Zähne daran stumpf gewetzt. Man fühlt, daß die bisher erschienenen acht Bände ein Machtfaktor auf dem Gebiete der historischen Wissenschaft und Forschung sind. Professor Dr. Ludwig Pastor, der die Erbschaft Prof. Dr. Janssens antrat, hat sich bisher dem großen Meister ebenhürtig gezeigt. In der jetzt vorliegenden 18. und 19., „vielfach verbesserten und stark vermehrten" Auflage des 1. Bandes war Pastor bestrebt, durch gewissenhafte Berücksichtigung aller sicheren Ergebnisse der nie rastenden Forschung das große Werk Janssen's auf der Höht der Wissenschaft zu halten. Der neue erste Band ist sehr umfangreich geworden. (Preis geb. 8,40 Mk.
Lindemann's „Geschi chte der deutschen Literatur" beginnt nun auch in einer neuen, dem heutigen Stande der Wissenschaft nnd Forschung Rechnung tragenden Bearbeitung. Die nunmehrige 7. Auflage wurde von dem gelehrten Benediktiner Dr. P. Anselm Salzer besorgt. Wir begrüßen den neu auferstehendeu „Lindemann" mit großer Freude. Der I. Band behandelt die Literatur von'den ältesten Zeiten bis zur Kirchenspaltung. (Preis 3 Mk.) Zwei loeitere Bände werden folgen.
In zweiter, unveränderter Auflage erschien der I. Band von Alexander Saum gärtner'3 (8. J.) „Geschichte der Welt - Literatur, umfassend die Literaturen Westasiens und der Nilländer. Die hohe Anerkennung, welche das Werk des gelehrten Jesuiten auch außerhalb der katholischen Kreise gefunden hat, zeigt sich am besten in der That- sache, daß der erste Band vergriffen war, ehe der zweite zu erscheinen begann. (Preis geb. 12 Mk.)
Von dem zweiten Bande, welcher die Literaturen Indiens und Ostasiens behandelt, sind bis jetzt 5 Lieferungen erschienen. Der Band soll aber noch vor Weihnachten komplet werden. Das auf 6 Bände berechnete Werk wird eine Bereicherung der Literatur darstellen, auf welche die deutschen Katho liken mit Recht stolz fein können.
Dr. Johannes Bum üller's „Lehrbuch der Weltgeschichte" (3 Bände: Alterthum, Mittelalter, Neuzeit) erschien in siebenter Auflage, gänzlich neu bearbeitet von Direktor Dr. Simon Widmann. Das
neue Werk ist ganz in bewährtem Geiste des alten gehalten und entspricht in jeder Weise den Anforderungen des wissenfchafllichen Fortschritts. Die Geschichte der Neuzeit ist durchgeführt bis in's Jahr 1896, die Zeittafel bis November 1896. Besondere Kapitel sind u. A. dem kirchenpolitischen Kampfe in Preußen, dem Sozialismus und der Sozialreform, der Kolonialpolitik und auswärtigen Politik des deutschen Reiches gewidmet. Auch die neuesten Weltfragen, die ägyptische, orientalische und ostasiatische Frage sind am Schluffe behandelt.
Zu den vornehmsten Erscheinungen der neueren Literatur gehört unstreitig die Geschichte der christlichen Kunst von Prof. Dr. Franz XaverKraus, deren ersten Band wir im vorigen Jahre kurz gewürdigt haben. Nun liegt auch die I. Abtheilnng des zweiten Bandes, „Das Mittelalter" umfassend, in einerprächtigen Halbsaffian-Decke vor. Der 512 Seiten starke Band, dem die zweite Abtheilung (Renaissance und Neuzeit) int nächsten Jahre als abschließender Band folgen soll, ist mit 306 wirkungsvollen Bildern im Text, darunter 11 eingeschaltete Vollbilder, und mit einem Titelbilde (Freiburger Münster) in Heliogravüre geschmückt. (Preis geb.
Zum Schluffe sei noch die von der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst herausgegebene herrliche Jahres-Mappe (1896) wiederholt in empfehlende Erinnerung gebracht. Die Mitgliedschaft (10 Mk.) verleiht das Recht auf unentgeltlichen Bezug der Mappe. Im Buchhandel stellt sich der Preis auf 15 Mark. Auch darf ein kostbares Prachtwerk des Herder'schen Verlages, „Unser Lieben Frauen Münster zu Freiburg im Breisgau", 68 Lichtdrucktafeln nach Aufnahme von Karl Günther, mit Text von Fritz Geiges, herausgegeben vom Freiburger Münsterbauverein, nicht unerwähnt bleiben. Der Preis des Werkes in Groß-Folio mit Prachteinband ist 80 Mark.
Aebes Fasane.
Aus den italienischen IllustrazinnS populäre Übersetzt von A. H. in der,Niederrheinischen Volkszeitung'.
(Schluß aus dem zweiten Blatte.) nungsschimmer, sie zu gewinnen, verzichten zu können, und so fand ihn denn der Morgen des Iagdtages verzweifelt entschlossen, sein Bestes zu thun.
Es war ein Tag, wie man ihn für eine Jagd int Gebüsch nicht besser wünschen konnte. Es herrschte gerade so viel Wind, als nöthig war, um die Lust klar und durchsichtig zu erhalten. Die Sonne war nicht so stark, daß sie die Augen blendete; dennoch war Jack ärgerlich, denn er mußte sich sagen, daß diese Vorzüge ebensogut seinen Rivalen begünstigten. Er wagte es nicht, Herrn Meynard ins Gesicht zu blicken, der augenscheinlich seiner Sache völlig sicher war und den der Zufall an seine Seite geführt hatte.
Miß Waller kam in den Hof, um dem Aufbruch der Jäger zuzusehen, und Jack blickte sie mit seinen blauen Augen demüthig flehend an.
„Wollen Sie mir guten Erfolg wünschen?" bat er sie flüsternd, indem er scheinbar die Flinte untersuchte.
„Was soll ich Ihnen wünschen," sagte sie eisig, „daß Sie Ihren Gegner schlagen möchten ?" Das war nicht sehr ermuthigend, aber Jack tröstete sich auch mit dieser Antwort, um einige Augenblicke später wieder zu verzweifeln, als er nämlich sah, wie Meynard sich zu ihr hinüberneigte und sie ihm lächelnd zuhörte.
Der Anfang des Tages war gewiß nicht sehr trostreich. Seine Hand zitterte nervös, so daß, obgleich auch Herr Meynard nicht „im Vollbesitze seiner Mittel" war, der letztere bei der Pause zum Frühstück um ein Dutzend Vögel im Vorsprung war.
Daisy war mit der Herrin des Hauses und einer Anzahl anderer Damen, die, wie sie, dort Gäste waren, gefolgt, und während die Jagdgesellschaft muthig eine Reihe appetitlicher Sandwichs attakirte, wandte sie sich mit ihrem herausfordernden graziösen Lächeln an Jack.
„Nu," sagte sie, „wie steht es bis jetzt?"
„Meynard ist sehr im Vortheil," war die bittere Antwort.
„O, der Tag beginnt erst. Nach dem Frühstück werde ich hier bleiben und zusehen, wie die Dinge gehen," sagte sie heiter und entschlüpfte in der Richtung Meynards, der sichtlich mit sich selbst zufrieden war. Das Frühstück war bald beendet, denn der Tag der Jagderöffnung ist nie zu lang. Als man die Jagd wieder aufnahm und die Jäger nur langsam durch die schönen Wäldereien des Herrn Westwood vordrangen, entschlossen sich viele der Damen, den Herren zu folgen. Jack erlegte in brillanter Weise einen alten, prächtigen Hahn und fast im selben Augenblick fehlte Meynard einen offenbar leichten Schuß.
„Ach, wie schade drum!" sagte Daisy mit lauter Stimme, so daß Jacks Herz sich zusammenkrampfte. Von diesem Augenblicke an begann Herrn Meynards Glück sich beständig zu verringern, so daß in dem Augenblicke, den Herr Westwood als den Schluß des Tages festgesetzt
hatte, Herr Meynard voraussichtlich gegen Kapitän Forrest im Rückstand sein mußte. „Mein Gott, Herr Meynard," sagte sie mit dem unschuldigsten Bedauern von der Welt, „hoffentlich bringt nicht meine Gegenwart Ihnen Unglück."
Meynard bearbeitete mit ungeduldiger Bewegung seinen schwarzen Schnurrbart und nahm eine zweite Flinte aus den Händen des Jagddieners. „O nein, gewiß nicht. Miß Waller, bleiben Sie noch, ich bitte; ich bin seit einiger Zeit etwas „draus". Daran muß das Frühstück schuld sein; ich habe die Dummheit begangen, Champagner zu trinken."
„Es muß wohl so sein, denn ich habe immer gehört. Sie seien ein vortrefflicher Schütze."
Man hörte das Rauschen von Flügeln. Er schoß nach rechts und nach links; ein Schuß fehlte, und was den andern betrifft, so flog ein schöner Fasan mit einem angeschossenen Bein davon. Meynard erstickte einen wilden Fluch in der Kehle und Daisy stieß einen kleinen Schrei des Erschreckens aus.
„Ach, die armen Thierchen," sagte sie, „es ist doch eine Grausamkeit, sie zu tödten."
„Ich habe sonst nicht die Gewohnheit, meine Vögel zu quälen," sagte Meynard, „ich weiß nicht, was mich heute nur ankommt." Er schoß nochmals, und der Vogel fiel, während der nächste Schuß wiederum ein Fiasko war. Er wandte sich wüthend an den Jagddiener, welcher gerade von Neuem für ihn lud: „Pest über Dich, Du verd.....r Schafskopf! Ist die Flinte noch
nicht fertig?"
Der Diener, ein hübscher, junger Schotte, wurde feuerrot!) vor Zorn, sagte aber nichts, sondern begnügte sich, ihm die Flinte zu reichen. Meynard entriß sie ihm und hatte mit dem nächsten Schuß wieder Glück.
„Jetzt will ich einmal sehen, was Forrest macht; wie viel Stück haben Sie doch?"
„Vierzig," sagte Meynard mürrisch, und als er sicher war, daß Daisy ihn nicht mehr hören konnte, machte er seiner Wuth Luft in Ausdrücken, wie „verflixte Geschichte" und „eseliges Dienstgesindel", wie der junge Schotte später erzählte.
„Der arme Meynard hat wirklich Unglück," sagte Daisy zu Forrest mit der gleichgiltigsten Miene. „Nur vierzig Stück! Wie viel haben Sie?"
„Fünfundvierzig," sagte Jack, indem er gerade durch einen wohlgezielten Schuß die Zahl um eins erhöhte. Dann blickte er Miß Waller mit glückselig lächelndem Blick an.
„Ei, und da sagen Sie, daß Meynard besser schieße als Sie?" rief Daisy, als wenn die Sache sie nicht im Mindesten anginge.
„Ja, sehen Sie, die Menschen ändern sich manchmal," erwiderte er schnell und fehlte gleich nachher einen Schuß. „Ja, ja, die freudige Bewegung!" Alles in Allem jedoch hatte er am Schluffe der Parthie 10 Stück mehr geschossen als Herr Meynard.
Es begann schon zu dämmern, als man aufbrach; imnierhin aber war es noch hell genug, um das ganz und gar nicht glückstrahlende Gesicht Meynards zu sehen. Er wandte sich an Miß Waller, welche plaudernd bei Herrn Westwood stand, und sagte mit halblauter Stimme: „Miß Waller, bitte auf ein Wort."
Sie sagte kopfnickend zu, und als die Gesellschaft sich in Bewegung setzte, brachte eine weiblich-geschickte Bewegung sie an seine Seite.
„Dars ich fragen, ob sie die Absicht haben, diese lächerliche Bedingung zu achten?", sagte er mit heftiger Ungeduld.
Daisy sah ihn an mit jener aufrichtigen Verwunderung, die ihre Freunde so oft in Verwirrung brachte. „Jawohl, natürlich! Ich kann mich doch jetzt nicht zurückziehen," erwiderte sie mit vollendeter Einfalt. „Wie? Entschuldigen Sie, ich habe nicht recht gehört!" sagte sie dann, weil Meynard etwas zwischen den Zähnen murmelte, was sie nicht recht verstand. „Aber lassen Sie sich nicht zurückhalten, ich sehe, Sie haben Eile." Mit diesen Worten blieb sie zurück und befand sich bald an der Seite von Miß Westwood.
An diesem Abend kleidete sie sich in ziemlicher Eile um zum Speisen, und war dann gar nicht überrascht, als sie, den langen Korridor passirend, eine Stimme mit Wärme ihren Namen flüstern hörte und Jack Forrest aus dem Schatten eines Fenster-Vorhanges treten sah.
„Nun, was gibt es denn, Jack," sagte sie, stehen bleibend. Sie erschien ganz in weiß. Ihr Kleid war eine einzige duftige Wolke, aus welcher als farbiger Punkt nur ein Sträußchen Theerofen in ihrem Gürtel hervortrat. Sie war ein wahres Wunder von Zartheit und Eleganz.
„Also — also, alles ist gut?" fragte er beinahe furchtsam.
„Ob alles gut ist? Gewiß! O, ich halte stets mein Wort," erwiderte sie ruhig.
„Aber Daisy, jetzt .... sage mir, ob Du