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Dienstag, den 30. November 1897.
wit UrrterhaLturrgs-KeLlage „Sterne uns Klumen".
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X Betrachtungen über die Flotten- Vorlage.
Wenn man die Mittheilungen des ,Reichscmzeigers' über die Flottenoorlage genauer betrachtet, so findet man, daß die Forderungen, die die Regierung erhebt, recht schwach begründet sind. Denn das vor allen Dingen ist gar keine Begründung neuer Forderungen, daß gesagt wird, es seien keine neuen Steuern noth- wendig, um den Auswand zu bestreiten, den die Durchführung des Tirpitz'schen Flottenplanes machen würde. Das ist vielmehr das Allerwenigste, was das steuerzahlende Volk verlangen kann, daß solche Pläne nur dann gemacht werden, wenn das Geld für deren Ausführung bereits vorhanden ist. Und wenn auch das Geld vorhanden ist, darf es nach gesunden, staatswirthschaftlichen Grundsätzen nur dann ausgegeben werden, wenn die Ausgaben nothwendig, oder dem allgemeinen Volkswohle förderlich sind, oder wenn einzelne große Schäden dringend Hilfe er- Heischen. Für die Linderung der Roth der Ueber- schwemmungen waren nach Herrn v. Miquels Ansicht keine, oder nur sehr geringe Staatsmittel vorhanden — und die Linderung dieser Roth hätte unter Umständen sogar eine Staatsanleihe gerechtfertigt. Da muß es als ganz selbstverständlich erscheinen, daß neue Steuern nicht nothwendig sind dazu, um neue Kriegsschiffe zu bauen.
Ein zweiter, schwacher Punkt ist zu kennzeichnen durch die Frage: wenn auch im gegenwärtigen Augenblick nicht die Schaffung neuer Geldquellen nothwendig ist, um die riesengroß angewachsenen Bedürf- niffe unserer Kriegsflotte zu bestreiten, wer gibt uns die Bürgschaft dafür, daß auch in den Folgejahren die Mittel immer da sein werden, um diese Bedürfnisse auszugleichen? Die Bürgschaft kann die Regierung dem Volke nicht geben, denn Niemand kann in die Zukunft schauen. Also auf jeden Fall ist die Ausführung großer Flottenpläne ein finanzielles Wagestück, ob nun jetzt für die Ausführung solcher Flottenpläne neue Stevern nothwendig sind oder nicht.
Weiter aber bekommt die Flottenvorlage einen bedenklichen Charakter dadurch, daß sie den Reichstag in dem Umfange seiner Bewilligungen für fieben Jahre binden will, ohne gleichzeitig irgend welche Gewähr zu geben dafür, daß nun die Flottenforderungen für die sieben Jahre auch wirklich in den vorgezeichneten Grenzen sich halten werden. Würde die Vorlage so angenommen werden, wie sie ist, so würde zwar der Reichstag gebunden, die Regierung aber gar nicht gehindert sein daran, vielleicht schon nach zwei oder drei Jahren zu erklären, daß sie unbedingt noch mehr Geld für die Kriegsflotte bewilligt erhalten müsse, wenn die Flotte den Anforderungen der Zeit genügen sollte.
Genügsamkeit und kluge Einrichtung so angenehm gestatten wollte. Und er hatte sie betrogen, abscheulich angelogen!
Unter dem Eindrücke solcher Gedanken schritt er durch den Korridor und öffnete die Thür des Besuchszimmers. War es eine Geistererscheinung, die ihn so erbleichend machte? War die Vergeltungsstunde gekommen? Wie kam denn Ella Berger und ihre Mutter nach hier? Es schwindelte ihm, aber nur einen Augenblick. Seine weltmännische Gewandtheit hieß ihn auf Ella zugehen, um ihr den Begrüßungskuß zu geben. Doch Ella ließ es gar nicht dazu kommen. Ihren ganzen Muth zusammenraffend, stöhnte sie mehr als sie sprach. Nü
„Hinweg, Du Zerstörer meines Glückes, ich will Wahrheit: „Bist Du von Herzog entlassen?"
„Höre, mein Lieb!"
„Ich will „Nein" oder „Ja", anders nichts —".
„Ja, aber —".
„Es gilt Dein „aber" nicht. Du hast Schulden, große Schulden, bist Kartenspieler, hast mich betrogen; rechtfertige Dich, wenn Du kannst!"
Mit steigender Erregung hatte Ella gesprochen, wie die zürnende Gerechtigkeit stand sie hochaufgerichtet da. Georg war geknickt, er wollte alles bekennen, nur durfte sie ihn nicht verstoßen.
„Ja, ich bin schuldig, höre mich und verstoße mich nicht." Er kniete nieder und wollte ihre Hand ergreifen.
Und schließlich kommen wir zu dem schon mehrfach hervorgehobenen Gesichtspunkt zurück, daß trotz aller schönen Worte von der Wahrung der verfassungsmäßigen Budgetrechte des Reichstages es dennoch Thatfache ist, daß durch die Annahme der Flotten- vorlage das Etatsrecht des Reichstages für die Jahre von 1898 bis 1904 in dem Punkte der Flottenbewilligungen lahm gelegt werden würde. In diesem Sinne ist auch die nationalliberale ,National- Zeitung', die wir hier absichtlich anstatt unserer selbst reden lassen, der Ansicht, daß es sich in der Hauptsache um die Vorwegnahme eines Theiles der Etatsbeschlüsse handelt, welche sonst alljährlich zu fassen sind, schon im Etatsjahre 1898/99 für die Zeit bis 1904, während ein anderer Theil dieser Beschlüsse auch künftig in den einzelnen Etatsjahren zu fassen wäre. Der jetzige Reichstag soll durch Genehmigung des Planes im Ganzen die künftigen Reichstage bis 1904 verpflichten, die zur Ausführung des Planes im Einzelnen erforderlichen Bewilligungen auszusprechen. Daß dies durch irgend ein Gesetz wirklich zu sichern ist, halten wir nicht für ausgemacht. Ebenso wenig, daß der gegenwärtige Reichstag sich dazu wird bereit finden lassen. Deshalb, und weil das Vorwegnehmen der Beschlüsse auch nicht frei von suchlichen Bedenken ist, bezweifeln wir, daß der Vorschlag des sogenannten Septennats die Bewilligung des für die Schiffsbauten und sonst erforderlichen Geldes fördern kann .... Wir bezweifeln, daß die Marineverwaltung durch irgend ein Mittel der Nothwendigkeit überhoben werden kann, den Kampf für die „jährlichen Erhöhungen in jedem Jahre vollständig durchzufechten".
Roch sind einige Worte anzusügen aus der Darstellung, die der Flottenplan über den Schisfs- bestand der deutschen Kriegsflotte gibt. In dem Gesetzentwurf wird der Sch'ffsbestand, abgesehen von Torpedofahrzeugen, Schulschiffen, Spezialschiffen und Kanonenbooten wie folgt als erforderlich bezeichnet: Verwendungsbereit sollen sein 17 Linienschiffe, 8 Küstenpanzerschiffe, 9 große und 26 kleine Kreuzer, als Materialreserve kommen dazu zwei Linrenschiffe, 3 große und 4 kleine Kreuzer. „Diese Stärke — so sagt der Entwurf — wird von den verbündeten Regierungen als ausreichend, aber auch als unerläßlich bezeichnet, wenn das Reich seine maritimen Ausgaben erfüllen soll." In Anrechnung kommen auf diesen Sollstand von den am 1. April 1898 vorhandenen und im Bau befindlichen Schiffen als Linienschiffe 12, als Küstenpanze'-schiffe 8, als große Kreuzer 10 und als kleine Kreuzer 23. Es sind also an Neubauten noch erforderlich 7 Linienschiffe, 2 große und 7 kleine Kreuzer. Die gegenwärtige Zahl der Küstenpanzerschiffe wird als genügend erachtet.
DieDauer der Brauchbarkeit derSchiffe
Nach einer Viertelstunde waren sie vom Dienstmädchen in das Zimmer geführt, um Ehrhardt zu erwarten.
Georg selbst war äußerst verstimmt erwacht. Noch hatte er den Anzug nicht beendet, als er zu so früher Stunde ins Besuchszimmer gerufen wurde. Sein Leichtsinn und dessen traurige Folgen, bedeutende Schulden, die Rüge seines Prinzipals und die Entlassung machten ihm das wenigste Kopfzerbrechen. Sun Aerger war hauptsächlich darin begründet, daß sein Schwager ihm bemerkt hatte, er müsse sich doch allmählich um eine Stelle bemühen, dieselbe zu behaupten und als Ehrenmann auszufüllen suchen. Georgs empfindlicher Stolz und große Eitelkeit waren verletzt. Er sollte nach einer Stelle suchen? Man mußte ihm entgegenkommen und ihn mit offenen Armen empfangen. Sein Schwager hatte nur mitleidig über „solch knabenhaft grüne Ideen" gelächelt, ihm dann aber ernstlich den Standpunkt, seinen Leichtsinn, wie auch dessen schreckliche Folgen klar gemacht. Wenn er, Georg, Schulden hatte, was kümmerte das den Schwager? Und Stellen! Nun, deren gab es so viele! Aber wenn Ella das wüßte! Wie ein Blitz durchzuckte es ihn. Wenn sie erst eine unangenehme Thalsache erfuhr, würde die zweite auch bald ans Tageslicht kommen. Und eigentlich hatte er ihr so viel verheimlicht! Er hatte sich häufig geschämt, dem offenen, ehrlichen Blick ihrer treuen Augen zu begegnen, besonders wenn sie ausmalte, wie sie die Zukunft durch
Schein und Sein.
Erzählung aus der Gegenwart von A. G.
$ ------ (Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Als der erste Morgenzug sein Signal gab, bestieg Ella mit ihrer Mutier den Eisenbahnwagen und fuhr nach H., unterwegs tausendmal die Langsamkeit des Zuges, die Saumseligkeit der Führer ec. beklagend. Fieberhaft glänzten ihre Augen, hastig waren ihre sämmtlichen Bewegungen, kurz und unzusammenhängend kamen die Worte von ihren Lippen, bisweilen erschütterte sie ein konvulsivisches Zittern.
Frau Berger wußte kaum, wie ihr geschah; schon ciele schwere Gänge hatte sie im Leben gemacht, von allen schien ihr dies jedoch der schwerste. Ella schien sich der Gegenwart, ihrer armen Mutter gar nicht bewußt; sie überlegte bei sich, wie sie ihre Fragen ohne Umschweife einrichten wollte, damit die erste . Ueberraschung und Verlegenheit ihr sofort reine Wahrheit bringe und keine Zeit zu Ausflüchten und Deutungen blieb.
Ein schriller Pfiff. „Kind, wir sind da!" — „Schon?" gab Ella erbleichend zurück. Sofort jedoch ermannte sie sich und sprang aus dem Wagen, um alsdann ihrer Mutter die Hand zur Hilfeleistung zu bieten.
„Willst Du nicht erst etwas genießen?" fragte Frau Berger.
„Nein, ich will nur Wahrheit!"
| wird von der Marineverwaltung für Linien- und Küstenpanzerschiffe auf 25 Jahre, für große Kreuzer auf 20 und für kleine Kreuzer auf 15 Jahre bemessen. Der Gesetzentwurf fordert, daß die Mittel für die nolhwendigen regelmäßigen Ersatzbauten rechtzeitig in den Etat ausgenommen werden.
Ueber die Jndiensthaltung von Schiffen wünscht die Vorlage bestimmt zu sehen, daß dauernd im Dienst gehalten werden können: 1. zur Bildung von aktiven Formationen 9 Linienschiffe, 2 große und 6 kleine Kreuzer; 2. als Stammschiffe von Reserve- Formationen 4 Linienschiffe, 4 Küstenpanzerschiffe, 2 große Kreuzer und 5 kleine Kreuzer; 3. für eine Reserveformation auf die Dauer von zwei Monaten 2 Linienschiffe oder Küstenpanzerschiffe.
M Klcine Revolution in Oesterreich.
Der Versuchs der Opposition im österreichischen Abgeordnelenhause durch Gewaltmaßregeln Herr zu werden, hat mit einem argen Mißerfolge geendet. Der Revolution im Parlamente ist die Rev olution auf der Straße gefolgt. Und jetzt ist Graf Badeni nicht mehr österreichischer Minister, und Herr Abra- hamowitsch hat aufgehört, Präsident des österreichischen Abgeordnetenhauses zu sein. Der Reichsrath aber ist vorläufig auf unbestimmte Zeit vertagt worden.
Kaiser Franz Joseph hat, wie schon gemeldet, den bisherigen Kultusminister Dr. Gautsch von Frankenthurn mit der Bildung eines neuen Kabinets beauftragt. Dieser trat 1885 in das Kabinet Taaffe als Unterrichtsminister ein. Er ist also bereits seit 12 Jahren österreichischer Minister. Im Ansange hatten die Deutschnationalen die Hoffnung gehegt, der neue Minister werde ein Vertreter ihrer Forderungen im Ministerium fein. Aber diese Hoffnung ist schnell genug getäuscht worden. Dr. Gautsch v. Frankenthurn hat sich stets so recht als ein Beamtenminister gehalten, und dem entsprechend steht auch zu erwarten, daß er sein Kabinet in der Art eines Beamtenministeriums zusammensetzen wird. Vertrauen bringt also die deutsche Opposition dem neuen Ministerpräsidenten schwerlich entgegen. Aber nichtsdestoweniger wird sie Herrn v. Gautsch bei der Lösung seiner Aufgaben zunächst unterstützen müssen. Zunächst, so wird berichtet, will der neue Ministerpräsident mit den Deutschen und den Tschechen über die Sprachenverordnungen verhandeln, und das ist ein Zugeständniß, das er von vornherein den Forderungen der Deutschnationalen macht, die zu allererst die Sprachenoerordnungen beseitigt oder diese Frage sonstwie zu ihrer Zufriedenheit geregelt haben wollen, ehe sie ihre Obstruktion aufgeben.
Ohne Zweifel wurde der Wendepunkt herbeigeführt durch den Gewaltstreich, den am Donnerstag der
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