272 Samstag, den 27. November 1897. 24. Jahrgang
mit Untrrhaltungs-Keilagr „Sterne und Ktnmrn".
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Erscheint ttgkich, 6omf xnb Feiertage auSgenounn«. — vierteljährlicher «bonnement-prei» ohne Briugeriohn anb Vestellgeld in Fulda und autofati 1 Mark 50 Pfennig. Inserate koken die einspaltige Sarmandzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Prtitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
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Zweites Klatt. *
•o „Gegen die neueste Anmaßung des Papstes",
so lautet das Stichwort, unter dem die evangelische Preußische Generalsynode gegenwärtig in Berlin tagt und Beschlüsse faßt. Wie ganz anders hört sich das an, als das Wort, das am letzten Sonntag der Prior der Dominikaner, Raimundus Lentz, in der Moabiter Katholiken-Bersammlung sprach, welche die Streitaxt gegen den Meiereibesitzer Kommerzienrath Bolle begrub. Dort hieß es: „Wir begrüßen die Vermittelung des Priors und Pfarrers Lentz dankbar und freudig und freuen uns, daß damit die Quelle verstopft ist zu weiterem konfessionellem Hader" — hier in der großen evangelischen Generalsynode lautet die Losunq: „Auf zum Kampfe gegen die „neueste Anmaßung des Papstes." Dort in Moabit waren meistens nur schlichte Männer aus dem Volke versammelt, hier in der Generalsynode tagen die maßgebenden Spitzen der preußischen Landeskirche, darunter viele Männer mit hochklingenden Titeln, Geheimräthe und Exzellenzen. Dort handelte es sich nur um einen Meiereibesitzer, der seine katholischen Arbeiter an der Erfüllung ihrer kirchlichen Pflichten hinderte, hier wird dem Papste, für alle Katholiken auf dem Erdenrunde die höchste menschliche und kirchliche Autorität, der Krieg erklärt — dem „römischen Papste", wie es anfänglich hieß. Aber das Wort „römisch" hat die Generalsynode nun nachträglich doch gestrichen
Es handelt sich bei dem, was wir meinen, um einen Antrag, den der General-Superintendent Ho ltz- heuer der Generalsynode zur Annahme unterbreitet bat und der von dem Präsidenten des evangelischen Oberkirchenrathes, ExcellenzDr. Bark Hausen, warm empfohlen wurde. Der Antrag ist am Mittwoch einstimmig von der Generalsynode angenommen worden, und damit die nachfolgende Resolution, die man in ihrem ganzen Wortlaute kennen lernen muß, um sie richtig würdigen zu können:
Generalsynode protestirt gegen die vom Papst in seiner Canisius-Encyklika dem Gedächtnisse Luthers und dem gesammten Werk der Reformation zugefügten Schmähungen, indem sie dem Papste entgegenhält:
1. Was der Papst als unheilvolles Gift bezeichnet, ist in Wahrheit das seligmachende Evangelium von der freien Gnade Gottes in Christo Jesu, dem endlich Raum zugeben derPapst immmer v on Neuem gemahnt werden muß.
2. Luther, den der Papst als Aufrührer verdächtigt hat, hat in Wirklichkeit nur schlicht und recht*)
*) Zum Beleg, wie richtig Herr Superintendent Holtz- Häuer und mit ihm die ganze General-Synode Luther's Alff- treten gewürdigt haben, erinnert die .Köln, Volksztg/ an einige „schlichte und rechte" Aussprüche Luther's aus dem Anfang und dem Ende seiner „Gott die Ehre gebenden" Thätigkeit:
„Sie sind zu Rom alle toll, thöricht, wüthend, unsinnig, Narren, Stock, Stein, Hölle und Teufel worden." (Brief an Spalatin, 1520.)
«Es wäre nicht Wunder, daß Gott vom Himmel Schwefel und höllisch Feuer regnete und Rom in Abgrund versenkte, wie er vor Zeiten Sodoma und Gomorha that." (An den christlichen Adel deutscher Nation, 1520.)
„Wenn wir Diebe mit dem Strang, Mörder mit dem Schwert, Ketzer mit dem Feuer bestrafen, warum greifen wir nicht vielmehr mit allen Waffen diese Lehrer des Verderbens an, diese Kardinäle, diese Päpste und das ganze Geschwürm des römischen Sodoma, welche die Kirche Gottes ohne Unterlaß verderben, und waschen unsere Hände in ihrem Blut." (Glossen zu Sylvester Prierias, 1520.) \
»Die Päpste find verzweifelte, durchtriebene Erzspitzbuben, Mörder, Verräther, Lügner und die Grundsuppe aller bösesten Menschen auf Erden . . . Wäre das Beste, Kaiser und Stände des Reichs ließen die lästerlichen, schändlichen Spitzbuben und die verfluchte Grundfuppe des Teufels zu Rom immer fahren zum Teufel zu . . . Man sollte den Pavst, Kardinäle und was seiner Abgötterei und päpstlichen Heiligkeit Gesindel ,st, nehmen und ihnen als Gotteslästerern die Zungen hinten zum Halse herausreißen und an den Galgen annageln an der Reihe her, wie sie ihr Siegel an den Bullen in der Reihe herhangen. Darnach ließe man sie em Konzilium halten am Galgen oder iit der Hölle halten unter allen Teufeln." (Wider das Papstthnm zu Rom, vom Teufel gestiftet, 1545.)
„Schlichter" kann man unmöglich „Gott die Ehre geben". Und nun wollen wir abwarten, ob die Kämpen der General-
Gott die Ehre gegeben, indem er der auf menschlichen Satzungen begründeten päpstlichen Autorität mit der Autorität des göttlichen Wortes Trutz bot.
3. Die weltliche Obrigkeit ist als selbstständige Ordnung Gottes erst wieder erkannt, seit die angemaßte Oberherrlichkeit des Papstes über das staatliche Regiment bei den Evangelischen keinen Glauben mehr fand. Die Geschichte bezeugt, daß das unheimliche Feuer der Revolution in den katholi schen Ländern mehr Nahrung gefunden und größere Verheerungen angerichtet hat, als unter den Völkern evangelischen Bekenntnisses.
4. Gegenüber dem behaupteten Zusammenhang der Reformation und Sittenlosigkeit rufen wir Gott zum Zeugen an. Die Reformation hat durch ihre lautere Predigt des Wortes Gottes die Gewissen geweckt, und ist für den Einzelnen, wie für Familie und Volk je Änd je die Quelle christlicher Bildung und Gesittung gewesen. DerMensch gewordene Gottessohn, der unser alleiniger Mittler ist, bleibt unsere feste Burg. Das Feld wird er behalten.
So der Wortlaut der Resolution, mit der die oberste Vertretung der preußischen evangelischen Landeskirche dem Oberhaupte der katholischen Kirche und nach historischem und kirchlichem Rechte dem kirchlichen Oberhaupte der gesammten Christenheit den Fehdehandschuh hinwirft — ohne freilich die geringste Hoffnung darauf zu haben, daß dieser Fehdehandschuh ausgenommen wird. Und noch herausfordernder als die Resolution selbst klingen die Worte, mit denen der Herr General- Superintendent Holtzeuer seinen Antrag zu begründen suchte. Da eben fielen die unerhörten Worte: „Und dies sei aus dem, was wir dem Papste zu sagen haben, besonders hervorgehoben, daß die Generalsynode der preußischen evangelischen Landeskirche sich gedrungen fühlt, auf diese Anmaßung (gemeint ist die Canisius-Encyklika! Die Red.) den Papst zu mahnen, daß er endlich dem Worte Gottes Fianm geöe!" Lebhafter Beifall folgte den Ausführungen des Antragstellers, und nach ihm sprach noch der Präsident des evangelischen Oberkirchenrathes, Wirkt. Geheimrath Excellenz Dr. Barkhausen, der seinerzeit bei Gelegenheit der 50. Hauptversammlung des Gustav-Adolf-Vereins im letzten Sommer in Berlin den Feldzug gegen das Oberhaupt der katholischen Kirche mit seinem sogen. „Evangelischen Bekenntnisse" eröffnet hatte. Excellenz Barkhausen versicherte am letzten Mittwoch nochmals ausdrücklich, daß er nicht etwa aus Leidenschaft oder Groll, sondern nach „ruhiger, reiflicher Ueberlegung" gehandelt habe, um „einen Weckruf in die evangelische Kirche hineinzuschleudern".
Der ganze Feldzug, zu dem die Canisius-Encyklika den Vorwand hergeben muß, ist zu dem Zwecke unternommen, alle Protestanten mobil zu machen „gegen Rom". So hat es Excellenz Barkhausen selbst in der Generalsynode verkündet. Und aus der Generalsynode heraus wurde der Wunsch geäußert, den Wortlaut der Resolution von sämmtlichen Kanzeln der evangelischen Landeskirche verlesen zu lassen. Auch dieser Antrag ist angenommen worden, und wir stehen damit vor der traurigen Thatsache, daß die evangelische preußische Landeskirche als solche in offizieller Form „nach ruhiger und reiflicher Ueberlegung" in ihrer Generalsynode und von allen ihren Kanzeln herab einen konfessionellen Kampf eröffnet gegen das ehrwürdige Oberhaupt der katholischen Kirche und damit auch gegen diese Kirche selbst. Die Verantwortung dafür tragen allein Diejenigen, die diesen Hader heroorge- rufen haben. Wir wünschen ihnen aufrichtig, daß ihnen diese Verantwortung einst nicht zu schwer werden möge!
-u- Denkwürdige Tage
der Mache vom 28. Ao»em0er 6i« 4. Pezemver.
28 1814 wurde die erste Zeitung, die in London erscheinende .Times', mit einer Dampfpreffe gedruckt. — 1857 wurde König Alfons XII. von Spanien, der einzige Sohn der Königin Isabella I!., der Vater des jetzigen Königs, geboren. — 1870 wurde Amiens von den Preußen besetzt und zwei Tage später erfolgte die Kapitulation der C tadelle.
29 1114 starb Wolfhelm, Fuldas 29. Abt; derselbe hinterließ als Denkmal die Kapelle des hl. Alexander in Fulda und die im Jahre 1111 eingeweihte Kirche auf dem
Synode es wagen werden, gegen diesen Thatbestand den Mund aufzuthun. Wir werden ihnen dann mit Citaten dienen, bei denen sie wünschen möchten, sie hätten geschwiegen.
Volkersberg. — 1780 starb Maria Theresia, die Kaiserin von Oesterreich. — 1802 wurde zu Stuttgart der Schriftsteller Wilhelm Hauff geboren. — 1811 feierte Adalbert III. vonHarstall, der 84. und letzte Abt von Fulda, sein 50jahriges Priesterjubiläum; die Illumination am Abend war großartig. — 1830 Ausbruch der polnischen Revolution zu Warschau. — 1850 wurde der Vertrag zu Olmütz geschloffen, welcher die Wirren zwischen Preußen, Oesterreich und Rußland schlichtete. — 1863 feierte der Arbeiterfortbildungs- verein in Fulda sein erstes Stiftungsfest. — 1870 wurde der Ausfall der Franzosen aus Paris gegen das 6. Korps bei Le Hay siegreich zurückgeschlagen. — 1895 starb Graf Taaffe, der frühere österreich sche Ministerpräsident.
30.723 wu'de der hl. Bonifatius von Papst Gregor II. zum Bischof geweiht. — 1700 war die Schlacht bei Narwa im nordischen Krieg. Die Russen zogen mit 40,000 Mann gegen die 8000 Mann starken Schweden. Der 18jährige Schwedenkönig Karl XII. schlug trotz der Uebermacht der Feinde dies-lben in die Flucht. Am folgenden Tage streckten 18,000 Russen das Gewehr. — 1759 lagerten 12,000 Württemberger und 1500 Mann französische Reiterei im Münsterfelde bei Fulda; der Stab lag in Fulda. — 1817 wurde zu Garding der Alterthumsforscher und Geschichtsschreiber TheodorMommsen geboren. — 1829 Geburtstag des Komponisten und Klaviervirtuosen AntonRubinstein.—1830 Todestag Pa pst Pius VIII.
1.1640 riefen die Portugiesen den Herzog von Braganza als Johann IV. zum Könige von Portugal aus. — 1709 starb der Augustinermönch AbrahamaSanctaClara, berühmter Kanzelredner und Hofprediger in Wien. — 1870 Gefecht bei Villepion und Nonnwille. — 1871 begann das Aichamt in Fulda seine Thätigkeit. — 1876 wurde die Berliner Rohrpost dem Betriebe übergeben. Die erste Anlage kostete 23« Millionen Mark. Tas Rohrpostnetz umfaßt 52 Betriebsstellen m. 91 Apparaten.
2.1547 starb Ferdinand Cortez und 1594 der berühmte Kartograph G. Merkator. — 1805 fand die Dreikaiserschlacht bei Austerlitz statt; Napoleon siegte über das russisch-österreichische Heer. — 1817 wurde der Geschichtsbauineister Heinrich v. Sybel geboren. — 1852 wurde Louis Napoleon durch einen Staatsstreich Kaiser dec Franzosen. — 1879 großes Grubenunglück bei Zwickau; 80 Todte wurden heraus- geschafft^ —f 1888 starb der Reformator der Kirchenmusik
3.1137 starb auf der Rückkehr vom Zuge nach Italien der der römische Kaiser und Herzog der Sachsen Lothar II. — 1552 starb der h l. Franz von Xaver, der große Missionär und Apostel der Indier. — 1818 wurde der Chemiker Pettenkofer geboren. — 1857 starb zu Dresden der ausgezeichnete Bildhauer Christian Rauch.
4.1409 wurde die Universität Leipzig gestiftet. — 1563 wurde nach vielen Unterbrechungen das triden- tinische Konzil geschlossen. — 1642 starb der große Staatsmann Kardinal Richelieu, welcher in der Geschichte Frankreichs eine hervorragende Rolle spielte. — 1756 verschied der 81. Abt von Fulda, Fürstbischof Amand von Buseck. Ec berief 1743 die Kapuziner iu.) F für welche er Kirche und Kloster (das jeyin 'andt.n>i.e>yaac-) erbrüte, erweiterte das Schloß Abolfstck und d.r uß:nw:rke von Bieberstein, ferner erbaute er das Schloß Fürsteneck und die Hornungsbrücke bei Fulda. Auch die Fassung der Heilquellen in Bad Brückenau, die Badegebäude und Gartenanlagen daselbst sind seine Werke. Während seiner Regierung wurde die Fürstabtei Fulda zu einem Fürstbisthum erhoben und wohl deshalb ließ er kostbare bischöfliche Ornate anfertigen. Im Jahre 1755 konnte der Fürstbischof das tausendjährige Jubiläum des hl. Bonifatius feiern. — 1789 starb der Physiker Galvani. — 1808 zog Napoleon I. siegreich iu Madrid ein und setzte seinen vertriebenen Bruder von Neuem als König ein.— 1865 starb der unvergeßliche Gesellenvater AdolfKolping, der Gründer der katholischen Geseüen- vereine. — 1870 nahm König Wilhelm I. von Preußen den Titel „Deutscher Kaiser" an. — 1889 kehrte Stan lesy und Emin Pascha nach Bagamoyo zurück. — 1893 furchtbare Dynamitexplosion im Hafen von Santander, bei welcher mehrere Hundert Menschen tobt blieben.
Gottesdierrstordnnrrg in Fulda.
Sonntag, 28. November, yam. 5‘», 6, 6’/» und 7* • Uhr hl. Messen, 9 Uhr Hochamt mit Predigt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr hl. Messe, l1/« Uhr Andacht und Predigt, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 U. Andacht in der Marienkapelle. — Ktadtpkarrktrche. 5*/< Uhr hl. Messe und Predigt, 6 Uhr hl. Messe und Kommunion des Müttervereins, 7Uhr hl. Messe und Kommunion derchristenlehrpfl. Jungfrauen, 8 Uhr hl. Meffe und Predigt, 9‘ « Uhr Hochamt und Predigt, 11 und 1 Uhr Christenlehre, 2 Uhr Predigt und Andacht für den Mütterverein, 3 Uhr Michaelsbruderschaft. — Michaelskiechr 10 U. hl. Messe mit Segen, 2 U. Predigt und Bruderschaftsandacht von den 7 Schmerzen Marias. An jedem Werktage des Advents mit Ausnahme der Montage ist Morgens 7 Uhr Roratemesse. — psarcrktrche jnm hl. <6eiste. 8 Uhr Amt und Predigt, 4 Uhr Andacht mit Segen. — J.-S. 63« und 23« Uhr. — Frauenberg 5 und 6*/i Uhr hl. Messen, 8 Uhr Bruderschaftsmeffe, 9 Uhr Hochamt, 2 Uhr feierliche Vesper. Donnerstag (Gedächtniß aller Verstorbenen des Ordens). 8 Uhr feierliches Requiem. Freitag. 12stündige Aussetzung des AÜerheiligsten.