Ja 271 _ Freitag oen 26. November 1897 21. Zahrgaitk
FiildacrWZcitilng
- mit Unterhaltungs-Keilage „Sterne und ^Ittrnnt**.
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Zweites Klatt.
L Petroleum-Treibereien.
Vor einigen Tagen hat in Mannheim eine Versammlung von süddeutschen Petroleum- Großhändlern stattgefunden, die allgemeine Aufmerksamkeit verdient. Von neuem nämlich sind die deutsch-amerikanischen und die Mannheimer- Bremer-Petroleum-Gesellschaften am Werke, den Petroleum-Handel zu monopolisiren und die Preise für das Petroleum nach eigenem Belieben festzusetzen. Die Mannheimer Versammlung hat gegen diese Monopolbestrebungen Stellung genommen, und zunächst ist eine Kommission von 5 Mitgliedern eingesetzt worden, die den Auftrag hat, die Bewegung gegen die Monopoljäger zu leiten. Die Aufgabe dieser Kommission entspricht daher dem Interesse der Volks- gesammtheit, die Petroleum kauft.
Deutschland ist aus eine außerordentlich starke Petroleum-Einfuhr angewiesen. Im letzten Jahre betrug die Petroleum-Einfuhr, die beständig steigt, 853 642 Tonnen. Von dieser Einfuhr kamen auf Rußland nur 43 000 und auf Oesterreich-Ungarn nur 2100 Tonnen, während die übrige Einfuhr den Vereinigten Staaten von Nordamerika zufällt. Deutschland selbst besitzt Petroleumquellen in der Lüneburger Haide und in Holstein. Aber ihre Ausbeute ist verschwindend gering im Vergleich zu unserem Verbrauche. Seit langen Jahren arbeiten die amerikanischen Petroleum-Gesellschaften daran, die Macht, die ihnen ihre reiche Petroleumerzeugung verleiht, für bie Schaffung eines Petroleummonopols auszunützen. Vor 25 Jahren wurde zu diesem Zwecke die Standard-Oil-Com- p an y gegründet, die mit der Zeit eine weltbeherrschende Stellung einnahm, ohne doch ihr eigentliches Ziel zu erreichen. Das Haupthinderniß für die Ziele der amerikanischen Gesellschaft bildete außer den selbstständig gebliebenen amerikanischen Erzeugern die russische Petroleumerzeugung, die auf 42 pCt. der Gesammterzeugung geschätzt wird. Vor längerer Zeit wurde berichtet, daß zwischen den amerikanischen und russischen Petroleumerzeugern ein Vertrag abgeschlossen worden sei, wodurch diese die Welt gleichsam unter sich austheilten. Jede der beiden Parteien sollte danach ihren Petroleumvertrieb auf einen bestimmten abgegrenzten Bezirk beschränken, so daß ein gegenseitiger Wettbewerb und ein Preisunterbieten wegsiel. Näheres ist über diese Abmachung nicht bekannt geworden. Jedoch hieß es, die russischen Erzeuger hätten es zur Bedingung gemacht, daß die Amerikaner erst jeden nicht zum Kartell gehörigen Wettbewerb in Deutschland beseitigen sollten.
Eine Mannheimer Firma (Roth u. Co.) und eine Bremer Firma (Rassow, Jung und Comp.) hatten sich lange Zeit hindurch gegen die Monopolbestrebungen der Standard-Oil-Company gewehrt. Schließlich haben sie es aber doch vortheilhafter gefunden, sich gleichfalls । em großen amerikanischen Petroleumringe anzuschließen. Sie bilden die Mannheim-Bremer Petroleum-Gesellschaft, die ebenso wie die Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft eine Unterablheilung des großen Petroleumringes ist. Diese Gesellschaft versucht jetzt, nach dem Muster der Standard Oil-Company, die Großhändler in Süd- und Westdeutschland in ihre Gewalt zu bekommen und so das Monopol zu vervollkommnen. Sie legt den Großhändlern dreijährige Verträge vor, wonach diese sich' verpflichten sollen, nur bei ihr zu taufen, nur in dem ihnen zugewiesenen Ringe zu ver- kausen, nicht mehr zu kaufen, als sie im Durchschnitt der drei letzten Jahre absetzten, die Bücher in vorgeschriebener Art zu führen und durch die Gesellschaft nachsehen zu lassen und sich mit dem Nutzen zu begnügen, den die Gesellschaft zuläßt.
Man sieht, die Herren wollen die Händler unter ein Monopol von härtester Form bringen; und sie haben sich dazu gerade die jetzige Zeit gewählt, die sur solche Versuche infolge eigenartiger Verhältnisfe in der amerikanischen Petroleumerzeugung besonders
günstig ist, auch deswegen, weil der russische Wettbewerb sich fast ganz von Deutschland zurückgezogen hat.
Zunächst ist dieser Versuch gescheitert. Denn die Versammlung der Petroleumhändler in Mannheim hat einstimmig eine Resolution angenommen, in der sie protestiren gegen den Versuch, den selbstständigen Petroleumhandel zu hemmen und zu unterdrücken. Die Anwesenden waren einstimmig der Ansicht, sich nie irgend einer Kontrolle der Gesellschaften zu unterwerfen, noch in der Freiheit ihres Handels sich unterdrücken zu lassen.
Die Hoffnung ist vorhanden, daß der Widerstand der Händler gegen die versuchte Vergewaltigung Er> folg haben wird. Gegen die Standard-Oil- Company hat sich ganz neuerdings eine andere amerikanische Gesellschaft gebildet, die Pure-Oil- Company. Und außerdem erwächst ja in der zunehmenden Verbreitung anderer Beleuchtungsmittel dem Petroleum im allgemeinen, ein stetig wachsender Wettbewerb. Nichts destoweniger verdienen die Vorgänge auf dem Gebiete des Petroleum-Handels die eifrigste Aufmerksamkeit.
Literarische Weihnachtsschau 1897.
Dr. K. Seit unserer letzten Jahresrundschau über die neuesten Werke der katholischen Literatur, speziell der sog. Geschenk-Literatur, hat der Gang der Ereignisse manches beachtenswerthe Moment zu Tage gefördert, geeignet, in den weitesten Kreisen die Erkenntniß, daß die katho lisch e Literatur kräftigster Unterstützung und Förderung bedarf, noch zu vertiefen. Wir könnten an die lebhaften Erörterungen erinnern, welche die Schell'sche Broschüre „über den Katholizismus als Prinzip des Fortschritts" hüben und drüben, im Lager der Freunde und in den Reihen der Gegner ringsum hervorries. Soll der heutige Katholizismus oder — besser gesagt —' der den katholischen Glauben bekennende Bevölkerungsdurchschnitt sich in den profanen Wissenschaften und Kulturfortschritten auf der vollen Höhe halten, so ist es unbedingt nöthig, daß das katholische Volk — die Gebildeten wie die minder Gebildeten — mit, regem Eifer die gute katholische Literatur verfolgt, die ihm auf allen Gebieten Beleh- rung, Aufklärung und Unterhaltung vermittelt und eine derartigeMannigfaltigkeit aufweist, daß heute Niemand mehr mit Recht sagen kann, die katholische Literatur lasse ihn in seinem Bildungs dränge und in seinem Unterhaltungsbedürfnisse im Stich.
Wenn eine Klage berechtigt ist, so ist es wahrlich nicht mehr die, daß die Nachfrage stärker sei, als das Angebot, sondern im Gegentheil die, daß die Nachfrage leider vielfach weit hinter dem Angebot zurückbleibt. Taufende und Abertausende vor^atholiken wissen gar nicht, welch' ein Schatz von gediegenen, auf der vollen Höhe der Zeit stehenden Büchern undSchristen ihnen geboten ist. Wenn sie sich nur entschließen könnten, selbstständig zu prüfen und die Augen offen zu halten und sich nicht vom erstbesten kirchenfeindlichen oder wenigsten kirchlich indifferenten Buchhändler jene kourante Marktwaare aufschwätzen zu lassen, die nun einmal mit aufdringlichster Reklame ihr angepaßtes Privilegium in der ^Gesellschaft" zu behaupten sucht und den Instinkten der Menge schmeichelt, weil sie ihre Leidenschaften und Laster beschönigt, ihre schlechten Triebe knlti- virt, ihre Empfindlichkeit schont!
Der verdienstvolle Literaturkenner Heinrich Setter hat in seinem aktuellen Buche über die „Konfessionelle Brunnenvergiftung" in bett Sumpf der gangbaren modernen Uuterhaltungsliteratur hineingeleuchtet und ein abschreckendes Bild von den infamen Beleidigungen des religiösen Gefühles entworfen, den ein großer Theil auch der katholischen Lesewelt sich von akatholischen und anti- katholischen Romanschriftstellern und Novellenschreibern fort und fort bieten läßt. Dieselbe Erscheinung tritt, wenn auch nicht immer mit derselben Offenheit und Unverfrorenheit, in der sogenannten farblosen, Volks- und Jugendliteratur hervor. Wer Gelegenheit hat, sich auf diesen Gebieten näher umzuschauen, wird uns zustimmen, wenn wir sagen: In dieser farblosen, angeblich tendenzfreien Literatur sind die Bücher, welche wirklich einwandflei und von jeder bedenklichen Tendenz frei sind, fast so rar wie weiße Raben. Es giebt Ausnahmen, aber sie sind nur sehr sporadisch vertreten.
Die systematischen Bemühungen der katholischen Presse und der katholischen Generalversammlungen, die katholischen Familien zur Wachsamkeit und Vorsicht zu mahnen, sie vor schlechter Lektüre zu warnen und zur Unterstützung der gutgesinnten, auf wahrhaft christlichem Boden stehenden Literatur anzuhalten, haben in der pä pstlichen Konstitution,,0llieiorumao muneram“ Oom 25. Januar 1897 eine wirksame Bestätigung und Förderung erfahren
Und so fußte berat auch die von der 44. Generalversammlung der Katholken Deutschlands zu Landshut beschlossene Resolution ausdrücklich auf der erwähnten päpstlichen Konstitution und erklärte es daher mit verstärkter Autorität
1. als Pflicht aller Familienväter, die Unterhal- tun gslektüre»ihrer Familienangehörigen scharf zu überwachen, glaubenslose und sittlich nicht auf streng christlichem Boden stehende Bücher, Zeitschriften und Zeitungen streng aus der Familie fern zu halten wegen der oft in den Erzählungen liegenden Gefahr für den Glauben und die guten Sitten;
2. als Pflicht der Eltern, die Unterhaltungslektüre ihrer Kinder zu überwachen und dabei nicht zu übersehen, daß an literarisch guten und in religiös-sittlicher Beziehung einwandsfreien Jugendschriften von gediegenem, belehrendem und unterhaltendem Werthe jetzt schon auf katholischer Seite kein Mangel ist. Besonders werden die Eltern gewarnt vor Bilderbüchern und allerlei Jugend- schrifteu, die hauptsächlich vor dem Weihnachtsfeste von Schreibwaarenhandlungen, Buchbindereien, Spielwaaren- haudlungen, ja auch von Kurzwaarengeschäften vertrieben werden;
3. als Pflicht aller Katholiken, besonders auch der gebildeten und kaufkräftigen, aus ihrer Unterhaltungslektüre alles zu verbannen, was, sei es im Inhalte oder in den Illustrationen, unsere Anschauungen und Gefühle in Betreff des Glaubens und der Sittlichkeit verletzt;
4. als Pflicht aller Katholiken, darauf hinzuwirken, daß in allen Lesesälen der Gasthöfe, Badeorte u. s. w. auch die kathol. illustrirten Unterhaltungs-Schriften aufgelegt werden.
Die jüngste Generalversammlung empfahl auch auf das Angelegentlichste die Einrichtung vonBolksbibliotheken zur Verbreitung guter Bücher und fügte noch hinzu: „Auch als Geschenke und Prämien an Dienstboten usw. empfiehlt die 44. Generalversammlung der Katholiken Deutsch- lanvs gute katholische Unterhaltungsbücher, damit auf diese Weise der Grund zu einer kleinen einwandsfreien Familienbibliothek gelegt werde."
Diese Beschlüsse enthalten ein förmliches Programm, das in der beginnenden Weihnachtszeit, in der erfahrungsmäßig der deutsche Buchhandel mehr als neun Zehntel seines ganzen Jahresabsatzes verschleißt, nicht eindringlich genug in Erinnerung gebracht werden kann.
Wie im vorigen Jahre, so beginnen wir auch heute unseren Rundgang mit einem Prachtwerke ersten Ranges. Vor Jahresfrist war es die im Verlage von Ferd. Schö- ningh in Paderborn erschienene Künstlerausgabe von Weber's „Dreizehnlinden", der wir einen bevorzugten Ehrenplatz auf dem Weihnachtsbüchertische einräumten. In diesem Jahre gebührt diese Auszeichnung einem Werke, von welchem in den letzten Wochen schon wiederholt die Rede war, und das auch in der That das Interesse der Katholiken der ganzen Welt in hohem Grade beanspruchen darf. Wir meinen das großangelegte Prachtwerk „Die katholische Kirche unserer Zeit und ihre Diener in Wort und Bild", durch dessen Herausgabe die Leo-Gesellschaft in Wien sich ein bleibendes Verdienst um die katholische Literatur und um die katholische Kirche erwarb und dessen Verlag die Allgemeine Verlagsanstalt in Berlin übernommen hat. Das ganze Werk wird in den drei wichtigsten Kultursprachen, deutsch, französisch und englisch, erscheinen und ist auf drei Bände berechnet. Dem ersten Bande „Rom" sollen zwei weitere folgen, von denen der zweite das heutige Leben des Klerus und die Verhältnisse der Kirche in jenen Ländern behandeln wird, in deren Sprache die betreffende Ausgabe erscheint, während der dritte Theil in gedrängter Darstellung den ganzen europäischen, asiatischen, afrikanischen, amerikanischen und australischen Klerus vor Augen führen soll.
Vorläufig liegt der Schwerpunkt auf dem ersten, in sich abgeschlossenen Baude, welcher betitelt ist: „Rom, das Oberhaupt, die Einrichtun g und die Verwaltung der Gesammtkirche." Dieser Prachtband wird 720 Textseiten umfassen und mit 60 Tafelbildern und etwa llOOtheils ganzseit. theils in den Text eingedruckten Illustrationen geschmücktsein. Der Preis von 30 Mk. (jede Lieferung 1 Mk) darf angesichts der kostbaren und gediegenen künstlerischen und typographischen Ausstattung, der Bilderfülle und des werthvollen Schrifttrextes als mäßig bezeichnet werden. Eine künstlerisch ausgeführte Einbanddecke wird dem herrlichen Kern auch eine würdige, glänzende Schale verleihen. Ein großes Porträt des Papstes in mehrfarbigem Drucke nach einem Gemälde Ugolini's, zu welchem der hl. Vater dem Meister eigens gesessen hat, wird jedem Abonnenten des Werkes eine willkommene Gratis-Zugabe fein. Das großartig angelegte Werk stellt sich als ein Monument dar, welches die be- theiligten Schriftsteller und Künstler der katholischen Kirche und dem Papstthmn an der Neige des Jahrhunderts errichten möchten, ein Monument, das vor anderen Denkmälern in Stein und Erz den großen Vorzug hat, daß es, universal wie die katholische Weltkirche selbst,