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Frertaq, den 26 November 1897. 24. Jabra-mq

illdaerMZeitliius

__________»xtt Unterhaltnngs Kriiage „Sterne uns Slumen".

Ausland

X Der Airdeutsche Deröand hatte bekanntlich vor einigen Wochen eine Versammlung in Berlin I veranstalten wollen, in der einige Mitglieder der deutschnationalen Opposition des österreichi- schen Reichsrathes auftreten und in ihrem Sinne ^neden halten sollten gegen die österreichische Regierung. Die Abhaltung dieser Versammlung war vom Ber­liner Polizeipräsidium verboten worden, genauer aus­gedrückt, das Auftreten der österreichischen Abgeordneten war verboten und damit war die Veranstaltung einer solchen Versammlung zwecklos geworden. Wegen dieses Vorganges richtete im Budget-Ausschusse der Delegation des österreichischen Reichsraths der deutsch- liberale Abg. Groß am letzten Dienstag eine An­frage an den Minister des Aeußern, den Grafen von Goluchowski. Herr Groß wollte wissen, ob von Wien aus das Verbot jener Berliner Veranstaltung angeregt worden sei. Graf Goluchowski antwortete, es habe für die Wiener Regierung keine Rothwen­dig k eit vorgelegen, bei der Regierung in Berlin Schntte in dem gedachten Sinne zu thun. Die Ber-

deutend ist der Rückgang der freisinnigen Stimmen. Der sozialdemokratische und der nationalsoziale Wahl­bewerber haben jeder etwa gleich viele Stimmen erhalten.

* Luxemöurg, 25. Nov. Die Jesuiten haben dieser Tage aus dem Gebiete der Stadt Luxemburg einen größern Bauplatz angekauft in der Absicht den Schriftstellern ihrer deutschen Ordensprovinz, die sich gegenwärtig zu Exakten in Holland aufhalten, em neues Heim zu gründen. Da die Räumlichkeiten m Exaeten nicht mehr ausreichen, werden die er­wähnten Jesuiten in Luxemburg unter Ausschluß jeder Unterrichtslhätigkeit vrioate Wohnung nehmen und nur eine Hauskapelle für ihren persönlichen Ge­brauch mit derselben einrichten. Vom nächsten Jahre ab sollen demnach die „Stimmen aus „Maria-Laach", die „Katholischen Missionen" und andere Veröffent­lichungen zu Luxemburg berausgegeben werden.

* Wien, 25. Nov. Im Abgeordnetenhaus kam e§ gestern zu Szcenen, wie sie gewiß noch in keinem Parlament der Welt vorkamen. Man schlug aufein­ander mit Fäusten, packte sich an der Gurgel, stieß mit Füßen, u. s. w. Der Präsident hob die Sitzung auf und verließ den Saal; mit ihm zugleich gingen die Minister Badeni und Bilinski hinaus. Das' Fort­gehen des Präsidenten war das Signal zu der Prüge­lei. Im Faustkampfe erhielt Wolf'mit der Prästdial- glocke einen Hieb über die Stirn, der Abgeordnete Zhon (Kärnten) einen Schlag aus die Rase daß er blutete endlich der steperische Abgeordnete Lorbeer einen Hieb mit einem Stuhl, der eine Contusion am Arm verursachte. Als mehrere Abgeordnete der Rechten den Abg. Wolf von dem Platze vor dem Präsidium hinwegdrängen wollten, kam es zwischen den Abgg. Wolf einerseits und Brzlzmvsky und Potoczek anderseits zu einem Zusammenstoß, doch wurde ein tbätlicher Konsiikt von mehrern Abgeordneten der Rechten verhindert. Pfercher stürzte sich in das Ge­wühl vor dem Präsidententisch, wurde aber zurück­gedrängt und heftig bedroht, worauf er sein Taschen­messer zog und einigen Abgeordneten der Rechten zurief: „Zurück, oder ich steche jeden nieder! Ich werde Ihnen den Bauch aufschlitzen!" Pfercher er- 'lärte, er habe sein Messer gezogen, weil er im Ge­dränge so stark gedrückt wurde, daß er sich persön- lch bedroht fühlte. Die Behauptung Pfercher's, daß er derartig bedrängt worden sei, bezeichnet das Fremdenblatt als unbegründet. Abg. Schuklje faßte den Abg. Pfercher am Handgelenk, so daß er sich nicht rühren konnte, zugleich entwanden andere

Die Kenlenar-Krinuerungsmedaiire kann auch an Damen verliehen werden, die im Feldzuge als freiwillige Krankenpflegerinnen thätig gewesen sind, sie wird also wohl auch an freiwillige Krankenpfleger verliehen werden können, wenn diese einen solchen Antrag stellen. Wie steht es nun aber mit den freiwilligen Feldgeistlichen? Man wird uns antworten, daß einer Verleihung der Cen- tenar-Erinnerungsmedaille auch an diese nicht nur nichts im Wege stehe, sondern diese lediglich eine naheliegende Konsequenz sei. Gut; dann aber haben auch die Jesuiten, welche als freiwillige Feldgeist­liche oder im Dienste der freiwilligen Krankenpflege den Feldzug 1870/71 mitgemacht haben (einige der­selben haben sogar in Anerkennung ihrer hervor­ragenden Thätigkeit das Eiserne Kreuz erhalten), nun auch einen berechtigten Anspruch auf die Centenar- Ecinnerungsmedaille, die für sie — denn so hat das „dankbare Vaterland" ihre Verdienste belohnt — zu­gleich eine „Jubiläums"-Erinnerung an ihre fünf­undzwanzigjährige Verbannung aus dem deutschen Vaterlande sein würde. — So tritt das Wider- . spruchsvolle und Ungeheuerliche des Je­suitengesetzes immer wieder vor die Augen. Wird der Bundesrath nun nicht endlich dem Reichstags- beschlusse auf Aufhebung des Jesuitengesetzes zustimmen ?

X Innerhalb der führenden Kreise der Sozial­demokratie tobt der Kampf weiter wegen der Be­theiligung der Partei an den nächsten Wahren zum preußische» Landtage. Herr Bebel hatte, wie berichtet, vorgeschlagen, daß die Angelegenheit zur Entscheidung nochmals vor die sozialdemokratische Reichs­tags-Fraktion gebracht werde. Dagegen wendet sich nun Herr Liebknecht gleichzeitig an drei Stellen: Er erklärt es für unmöglich, daß der Vorschlag Bebel's ausgeführt werde. Denn dieser Vorschlag setze die Fraktion des Reichstages über den Parteitag, und das gehe auf keinen Fall an . . . Der S:nn des Ganzen ist mit kurzen Worten der: Bebel und Genoffen suchen eine Diktatur über die ganz; Partei zu er­langen, und andere kämpfen dagegen an.

h. Zu den schon mehrfach gekennzeichneten Sost- reforme« wird neuerdings die altbekannte Losung ausgegeben: Nur immer langsam voran . „Der Bundesrath und andere ofsizielle Faktoren werden vorläufig noch nicht Stellung nehmen —" denn die Vorarbeiten haben ,'chei der Komplizirtheit der ein­schlägigen Verhältnisse noch nicht einen abschließenden Charakter angenomn en".

ti Wieder einmal wird offiziös für die nächste Tagung des preußischen Landtages ein Gesetzentwur f

Schutze der Mauhandwerker angekündigt. Auch über den Inhalt dieses angeblich bevorstehenden Entwurfes werden Andeutungen gemacht, leider in dem bekannten und fehr oft unverständlichen halb­amtlichen Deutsch, aus dem man so gut wie nichts entnehmen kann. Dies ist auch diesmal der Fall. Es ist ja überhaupt sehr fraglich, ob nun endlich dies­mal der schon so oft erfolgten Ankündigung auch die Thatsache folgen wird.

Deutsches Keich.

Berlin, 25. November.

lwer Regierung hat vielmehr nach der Mittheilunq des österreichischen Ministers aus sich selbst heraus gehandelt — getreu dem Grundsätze, daß kein Staat in die Verhältnisse eines anderen Staates sich ein- mischen darf. Die Tonart, in der diese Mittheilunq von der Presse besprochen wird, die die Geschäfte der deutschnationalen Opposition des österreichischen Reichs­raths besorgt, zeigt recht deutlich, daß die Mittheilunq ihren Eindruck nicht verfehlt hat. Die heißsporniqen Herren tn Oesterreich ersehen daraus, daß man auch gj Deutschen Reiche noch genau so wie zu Zeiten des Fürsten Bismarck wenig Verständniß hat für die un­zeitgemäße und wenig vaterlandstreue Liebe, die die Deutschnationalen in Oesterreich mit Gewalt dem Deutschen Reiche ausnöthigen wollen.

_ * * Auf Anregung der Primaner haben, dem ,Meckl Tagebl/ zufolge die Schüler aller Klassen des Großherzoguchen Realgymnasiums in Ludwigslust unter sich eine freiwiMge Kammkung für die deutsche Motte veranstaltet. — Im vorigen Jahre haben bekanntlich auch die „höheren Töchter" in Braunschweig eine Flottensammlung veranstaltet, deren Ergebniß jedoch sehr unbedeutend geblieben ist Will man einmal ernstlich mit freiwilligen Samm­lungen für die Flotte beginnen, so müssen nicht die höheren Töchter und die Primaner damit beginnen, sondern die Millionäre, welche einen so "großen Enthusiasmus für eine Flottenvermehrung entwickeln, das Bezahlen aber anderen, auch den Aermsten, über- lassen. Auch die Hansastädte, welche einen er­höhten Schutz ihres überseeischen Handels durch Vermehrung der Kreuzerflotte verlangen, könnten ent­weder freiwillig durch Präcipualbeiträge ihren guten Willen zeigen oder aber gesetzlich zu Präcipualleist- ungen für den Schutz der Handelsflotte anqehalten

„ werden. ......

* Der Kaiser ist gestern Abend wieder im Neuen Palais bei Potsdam eingetroffen. Heute Vormittag «ahm der Kaiser militärische Vorträge entgegen.

* Die protestantische Oeueratsyuode, welche gegenwärtig tn Berlin tagt, zieht weniger wegen der Regierungsvorlagen, als wegen der von anderer Seite vorliegenden Anträge die allgemeine Ausmerk- lamkeit auf sich. Von den Provinzialsynoden sind allein 24 Anträge gestellt worden, darunter auch der Antrag der brandenburgischen Proinzialsynode wegen Berufung von Professoren der Theologie . Die liberale Presse machte schon im Voraus Lärm gegen diesen Antrag, weil sie den liberalen Professoren das Monopol auf den Universitäten verschaffen möchte. Em anderer Antrag, der ja zu erwarten war, ent­halt den üblichen Protest gegen die Canisius-Encyklika. del der heutigen Verlesung wurde er bereits mit Bei­fall angenommen. — In einer Denkschrift über ote äußere Mission wird gejammert über die Begünstigung der „römischen" Mission in den Kolonien durch die „deutschen Kolonialkreise". In sehr durchsichtiger Absicht wird von dem „Zusammen­hänge der katholischen Missionsthätigkeit" in den Kolonieen „mit der Politik des Centrums" geredet, e$ au$ gar nichts heißt (oder haben die JJiqftonäre denn unter den Negern eine Centrums- ^bildet!), und geklagt, daß die katholischen Mlsftonskrelse alles aufbieten, damit der Katholizis­mus tn den Kolonieen dominire, und daß es fast überall zu störender Eindrängung in evangelische Arbeitsgebiete komme, — der gewohnte Konkurrenz­neid. Alle unparteiischen Beobachter sind über den größeren Erfolg der katholichen Missionen einig; jetzt wird der Staat gegen sie zu Hilfe gerufen, weil die proteftanttfd’en Missionen mit eigener Kraft gegen bte Konkurrenz nicht aufkommen können.

Die Kenerakfynode hat heute den Antrag die Protesterklärung gegen die päpstliche Canlftus-Encyklika von allen Kanzeln zu verlesen, angenommen. Der ,Reichsbote' ist ent- über den Protest und rühmt besonders die „Würde" mit der er erhoben worden fei; man habe ""Hi wieder gescholten, wie der Papst gescholten habe, und eme Polemik gegen den Papst vermieden. In solchen Dingen ist es dem Blatte leicht recht zu machen: wird geschimpft ä la Thümmel, so war dies durchaus nothwendig, da die Angriffe „kräftig" zurückqewiesen werden müßen; enthält man sich der 'wahren Schimpfereien, so ist das „groß und würdig". Daß „der römische Fanatismus für solche sittliche Größe fern und „man im Vatikan ein Ver- standniß dafür haben und die ganze Schwere der Niederlage fühlen wird", bezweifelt der .Reichsbote' selbst und wir mit ihm. Nun aber hat er noch einen weiteren Wunsch: daß nämlich „die Synode es eben­falls als einen gottesdienstlichen Akt betrachtet, für das Evangelium einzutreten gegenüber den Anfech­tungen, die es von anderer Seite zu erfahren habe"- denn die beste Waffe gegen Rom sei die Stärkung des Glaubens und der Sittlichkeit in der evangelischen rieche. Ja, da wird es wohl hapern. Gegen „Rom" ist man ja einig, aber dem Unglauben im eigenen juiger emmüthig entgegenzutreten, daran denkt keine «ynode und kein „Kirchenregiment". Man ist einfach ohnmächtig gegen ihn; das fühlt man und deshalb laßt man ihn tm Grunde gewähren. Das wird auch f der hier ein ausreichendes Arbeits-

seio hatte, nicht ändern, ebensowenig, wie er mit allem @ct,ern an „Rom" etwas ändert.

h. Entgegen den meisten anderen Nachrichten ist heute in Bestätigung unserer ersten Meldung zu be- Ä"' ?aß 'm Wahlkreise ^köu-chkdenvurg der Kandidat der Konservativen und des Bundes der Lundwirthe, Herr von Tungeln, gleich int ersten Wahlgange gesiegt hat. Tungeln hat mehr als 8000 stimmen erhalten, alle anderen Kandidaten zu- fammengenommen noch nicht ganz 8000. Sehr de- |

Erstes Klatt. ---------------------U