JK 268
Dienstag, den 23. November 1897.
24. Jahrgang
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Deutsches Deich.
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Wie lange noch?
Wie lange noch — so schreibt ein Mitarbeiter der .Köln. Volksztg/ — muthet man uns Katholiken zu, ruhiges Blut zu bewahren gegenüber den frechen Beschimpfungen der Kirche, des Papstthums, des Papstes und unserer Bischöfe? Wie lange noch sollen wir zusehen müssen, wie ein Pfarrer Th ümmel und andere evangelische Bundesbrüder die heiligsten Güter unserer Kirche ungestraft herabwürdigen, verhöhnen und als Götzendienst hinstellen dürfen? Wie lange noch sollen die ein starkes Drittel der deutschen Reichsangehörigen ausmachenden Katholiken sich alle und jede Beschimpfung gefallen lassen?
Solche und ähnliche Fragen wird sich jeder Leser der letzten Thümmel'schen Schmähschrift vorigen, die in der Form eines offenen Briefes an Herrn Weihbischof Dr. Schmitz in Köln abqefaßt ist. Die Schrift soll eine Entgegnung sein aus die allseitig, auch aus protestantischer Seite mit verdienter Genua- thuung aufgenommene Rede des Herrn Weihbischofs, m welcher er vor wenigen Wochen in Crefeld zum konfessionellen Frieden mahnte. Gleich in den einleitenden Worten schreibt Thümmel:
* Berlin, 22. November.
traf Samstag Abend von dem Jagdschlösse Letzlingen wieder im Neuen Palais bei Potsdam em und verweilte dort bis Sonntag r ®onnta9 Abend reiste darauf der Kaiser nach Kiel, wo er der Vereidigung der Marinerekruren beiwohnte. Er ist dort Montag früh 9'/, Uhr ein-
1 .?H^ereian9Un3 der Marinerekruten begann Mittags 12 Uhr tm Marine-Exerzierhaus. Es wohnte lsmrClv Abtheilung Matrosen vom russischen Kreuzer "d/"dlmir Monomach" bei unter der Führung ihrer Äie.re' die der Kaiserin russischer Sprache begrüßte. Rach der Vereidigung hielt der Kaiser eine Ansprache an d,e Rekruten, die mit einem Hoch auf den Zaren Nikolaus endete. Der Kaiser bleibt bis Mittwoch in Kiel.
r„ jX ®erf AokouiakratH hat seine Sitzungen vorläufig am letzten Sonnabend beschlossen und sich bis zum 1. Dezember vertagt. In dieser letzten Sitzung fftüber eine brennende Frage, nämlich über die strafrechtliche Behandlung der Eingeborenen berachen worden. Nachdem - so berichtet darüber £ n961' -?ie Versammlung sich prinzipiell
für die Aufstellung allgemeiner Grundsätze entschieden hatte, wurde in die Berathung der einzelnen, für die Festsetzung dieser Grundsätze von dem Ausschüsse gemachten Vorschläge eingetreten. Hierbei wurde insbesondere em Einverständniß darüber erzielt, daß unter Beruckiichtlgung der besonderen Verhältnisse der Schutzgebiete für jedes einzelne derselben eine besondere j Strafordnung zil erlassen sein werde. Die Berathung darüber soll am 1. Dezember fortgesetzt werden. — E» ist zu bedauern, daß die Berichte über die Be- rathungen des Kolonialrathes auch bei so allgemein interessanten Gegenständen so außerordentlich knapp gefaßt werden. Weite Kreise der Bevölkerung würden dankbar sein für genauere Unterrichtung über die Arbeiten und Beschlüsse des Kolonialrathes. Auch das allgemeine Interesse an den deutschen Kolonial- bestrebungen konnte durch eine solche ausführlichere Berichterstattung nur gehoben werden.
... Am 15. und 16. d. M. trat der wirffi- lchaslteche Ausschuß mit seinen besonderen Kommissionen, die für die Vorbereitung neuer Handelsverträge als Zollberrath der Regierung eingesetzt sind, zusammen Der Ausschuß hat am ersten Tage die Grundzuge einer Produktions-Statistik berathen, und entsprechend den Ergebnissen dieser Berathung hat nunmehr das im Reichsamte des Innern gebildete besondere Bureau die Ausführungs- arbeüen begonnen. In der Gruppe für Tertil- industne soll zunächst die Vernehmung von Sachverständigen ei folgen. In den anderen Gruppen wird mit der Versendung von Fragebogen begonnen.
X ttnb doch em Ikolten-Septeunatr — so ttmgt eß deutlich heraus aus einer längeren Kundgebung der Berliner Polit. Nachr/, einer sattsam bekannten offiziösen Zeitungs-Korrespondenz. Vom Auswärtigen Amte wurden zwar neulich die berliner Pol Nachr/ verleugnet. Aber im preußischen Finanzministerium und an anderen Stellen erfreut sich ihr Herausgeber noch immer guter Freunde genug. Und wenn es sich um Finanz-Sachen und einige andere Dinge handelt, so muß man die ,Berl. Polit. Nachr/ noch immer zu den leider zahlreichen Werkzeugen IÄ-'^k^m ^.Reg-erungskreise sich bedienen, um gewünschte Mittheilungen m gewünschter Weise in die Tagespresse gelangen zu lassen. „Der Einwand der Unvereinbarkeit mit dem Budgetrecht kann daher gegen das sogenannte Flotten-Septennat nicht ÖÄ\Tb.en‘'r-— f° fließen besagte .Berliner ttnr Engere Darlegung, die von neuem die Wahrheit dieser schon oft gehörten Behauptung beweisen soll. Als vornehmstes Beweismittel führen sie den Kaiser-Wilhelm-Kanal ins Feld, für den auch ™LeiIn? Reihe von Jahren hinaus die nothwendiqen Mittel in einzelnen Raten im Voraus bewilligt worden I ^"-?E^chstage. „Jedenfalls - so meint die osstzlose Darlegung - steht die Etatisirung der Jahresrate der Zustimmung zu einem Gesammtunter- nehmen, desten Ausführung sich auf eine Reihe von Zähren erstreckt, und zu den Kosten der Ausführung im Ganzen nichts entgegen, und es ist im Reiche I
Thümmel erklärt dann aber großmüthig, auf eine Verleumdungs - Klage gegen den Herrn Weihbischof verzichten zu wollen, er wolle Gott' richten lassen (’) A Seite 4 ruft er dann aus: „Glück zu, Herr Weihbischof! Sie können noch Papst werden, denn das schimpfen und Beleidigen haben Sie gelernt trotz einem Grafen Joachim Pecci!" Weiter heißt es auf Seite 10: 1
Schmitz! Versuchen Sie doch die Mohren- sÄ E**' X[IL veriheidigen. Hören
?“8 Ibsen eigenen Kreisen täglich und stündlich heraus, dap der Mann moralisch gerichtet ist? Datz hPlhßtt , • h h- wenn man die
beiden einst befreundeten Leo's zusammen nennt, den Drei- zehnten und den Taxil? Ist denn der Dreizehnte wirklich so beschränkt, daß er den Blödsinn seines Freundes (z B daß r^5'?br Irnmaurer-Versammlung ein Krokodil Klavier qe- fpielt hatte!) für möglich und wahr gehalten hat, oder ist der Dreizehnte so unwahrhaftig, daß er die Lügen als Wahrheiten durchgehen ließ, weil sie ihm geeignet erschienen, die Dummen rn seiner Heerde noch dümmer zu halten? Darauf antworten milernehmen @tC t>ie^en 2Kulln öffentlich zu vertheidigen . ilebertroffen werden die Schmähungen nur"noch durch die Wotte desselben Thümmel in einer Broschüre Mellage - Prozeß (Freundschaftliche Streitschriften, Heft 62): „Darum nannte Luther den Papst den Antichrist, weil Satan' der Vater der Luge ist." Diese Schrift wird noch fortwährend vom Wiemann fchen Verlage in Barmen verbreitet!
Das Maß ist zum Ueberlaufen voll. Die in Frage kommenden Faktoren des Staates und auch die beson- nenen Elemente der evangelischen Kirche haben allen Anlaß dafür zu sorgen, daß unser Vaterland nicht durch das Treiben einiger konfessioneller Hetzer immer mehr zerklüftet wird.
'Sie haben in dieser Ansprache, statt offen und sachlich gegen uns Krieg zu fuhren, Unwahrheit an Unwahrheit qe- fln? bel den meisten dieser Unwahrheiten werden Sie Muhe haben, uns glauben zu machen, daß Sie diese Unwahrheiten mcht wider Ihr besseres Wissen gesagt 9aben • , - Ich insbesondere hätte zwar Veranlassung, Sie roeße" Beleidigung und wegen verleumderischer Beleidigung nach § 18o—87 des Strafgesetzbuches vor das weltliche Gericht zu cttiren. (!) Denn Sie haben in Ihrer Ansprache mich dahin verleumdet- „Ich hätte Blasphemien gegen das allerheilrgste Bitarssakrament geschleudert." Nun habe ick aber m meiner am 4. Oktober in Crefeld gehaltenen Ansprache von dem hl. Abendmahle oder dem Sakramente des Altares Überhaupt mcht gesprochen, sondern nur von der Messe. Oder wiffenSie als römischer Bischof nicht, daß dasTridentinische Konzil zwischen Abendmahl und Messe genau unterscheidet? Sie wissen ferner so gut wie ich, daß das Abendmahl zwar eine Stiftung unseres Herrn, daß aber die Messe eine später aus dem Herdenthume herübergenommene Cere-
e 'ff- öie keinen, gar keinen Untergrund in der heil. öu)n|t yat.
öfters thatsachlich so verfahren worden/' Das Thema ber P"sse besprochen worden.
Jetzt handelt es sich zunächst darum, daß wir die Flottenvorlage tn ihrem eigentlichen Inhalte genau ™nnIn ^etnen' un^ bann haben die Abgeordneten im Reichstage die Antwort auf die Frage zu geben ob ein Flotten-Septennat mit dem Budgetrechte unver- Ä °b^ uW. Alle Auseinandersetzungen 7n ire’Ie?aru6e^ ^aben iange keinen praktischen
Srer5' fbt§ E der Bekanntschaft mit dem Inhalte der Vorlage gewürdigt worden sind.
H Eine Schukkouferenz hat, wie berichtet, im Laufe der vergangenen Woche unter dem Vorsitze des preußischen Kultusministers in Berlin getagt Es handelte sich daher hauptsächlich von den Ent- wurs zu einer neuen Ordnung der Prüfung für das Lehramt an den höheren Schulen. Allgemein ist bei dieser Berathung der Wunsch laut geworden, es ,!nogeemegroßere Anzahl von praktischen Schulmännern in die Prüfungskommissionen berufen werden. Ferner wurde eine Verständigung darüber erzielt, daß ein der Studienzeit für Mathematik und Naturwissenschaften auch auf technischen Hochschulen zuqe- bracht werden kann daß unter die Prüfungsfächer (für gewisse Fachschulen) die angewandte Mathematik ausgenommen und daß nur ein einheitlich gestaltetes Zeugmß ausgestellt werde. a
-* Ueber die ffrafrechttiche AeHandtuug der DttelkvergeHe» und der Nekeidignnge« hat ber p.reuß- Justizmmister unter dem Datum des 16 Nov eine allgemeine Verfügung erlassen, die in ?.?eieu Punkten sehr erfreuliche Anschauungen zutage fordert. Die Verfügung geht von dem Satze aus, daß „die zahlreichen, in den letzten Jahren vorge- kommenen Duelle mit theilweise tödtlichem Ausgange m weiten Kreisen der Bevölkerung eine tiefgehende Erregung hervorgerufen haben und vielfach das Verlangen nach einer Verschärfung der den Zweikampf betreffenden Strasge,etze laut werden lassen". Der justizmmister ist der Ansicht, daß der Vorwurf ungenügender Ahndung des Duells weniger das gel tende Gesetz treffe, als vielmehr dessen Handhabung. Denn von den Gerichten werde in S „^ttans meisten Fällen nur auf die zulässigen
-Pt? t tJ-afen erkannt, und es könnte nicht bezweifelt werden, daß diese milde Praxis zu der Ver- Mehrung der Duelle beigetragen habe. Alsdann weist ^er ^(p^'mmster auf den einstimmigen Beschluß def Reichstages vom 21. April 1896 hin. Durch diesen Beschluß ersucht der Reichstag die verbündeten Regierungen, nut allen Mitteln dem Duellwesen ent- - siegenzutreten; und int Namen der verbündeten Regierungen hatte der Reichskanzler die Erklärung abgegeben , daß es eine selbstverständliche und uttab- weisbare Pflicht fet, den Gesetzen auf dem Gebiete des Duellwesens tn allen Kreisen der Bevölkerung ohne Unterichled des Standes und Berufs Achtung und Befolgung zu sichern. Den Beamten der Staat§- anroaltfcljaft macht es die Verfügung des Juftiz- mmlsters zur Pflicht, auf eine nachdrückliche
9s,b<Duellgesetze hinzuwirken. Hoffentlich bleibt die Verfügung nicht ohne Wirkung °uf d-e Civilgerichte. Wie aber steht es mit den Militärgerichten? Das geheimnißvolle Dunkel, in das unsere Militärgerichtsbarkeit jetzt auch in solchen Angelegenheiten gehüllt ist, entzieht uns jegliche Kennt- Gruber, ob auch für die Militärgerichte eine ent- sprechende Verfügung ergangen ist. Dort ist eine solche noch nothwendiger, als bei den Civilgerichten unb es ist höchste Zeit, daß ein Reformgesetz über bte militari,che Strafgerichtsbarkeit Licht über diese letztere verbreitet! „In engem Zusammenhänge mit dem Umsichgreifen des Duellwesens - so fährt die Verfügung des Justizministers fort — steht die H-rage, ob die bestehenden Einrichtungen genügen, gegen Ehrverletzungen einen wirksamen Schutz irn Wege des gerichtlichen Verfahrens zu gewahren. Auch diese Frage ist bei den Verhandlungen tm Reichstage erörtert und von den Ver- ttetem fast aller Parteien verneint worden . .. Dem Berufe der Staatsanwaltschaft entspricht es, innerhalb ihres Wirkungskreises .... dahin zu wirken, daß Beleidigungen nach Maßgabe ihrer Schwere ein er afcheundempfindlicheSühne finden.." Jtiemanb wird den Anschauungen, die durch diese Ver-
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