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Samstap, den 20. November 1897

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mit Nnterhaltnngs-Keilage „Sterne und Klumen^*.

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Deutsches R^ch.

Berlin, 19. November.

* Der Reichstag wird am 30. Nov., Mittags 12 Uhr, im Weißen Saale des königl. Schlosses durch den Kaiser eröffnet werden. Der Eröffnung geht in alter Weise ein Gottesdienst voraus, für die ka­tholischen Mitglieder des Reichstages in der Hedwigs- kirche, für die protestantischen im Jnterimsdom.

* Neuerdings tauchen Gerüchte auf, daß der preuß. KiseuvaHumiuiKer Wieke« die längste Zeit in seinem Amte gewesen sei. Herr Thielen, so wollen diese Gerüchte wissen, werde in seinem Amte kaum die bevorstehende Tagung des Landtages überdauern. — Wer von den preußischen Ministern vermag zu wissen, ob er im nächsten Sommer noch im Amte sein wird! Aber im gegenwärtigen Augen­blicke dürfte nichts vorliegen, das auf bald bevor­stehenden Rücktritt des Ministers Thielen mit irgend welcher Sicherheit schließen lassen könnte.

* Der neue Wikiläretat wird seinen Vorgänger um 11 Millionen übertreffen. In einer halbamtlichen Mittheilung, die dies ankündigt, wird zur Begrün­dung der Mehrforderung darauf hingewiesen, daß die Getreidepreise höher geworden sind, und ferner auf die Einführung warmen Abendessens im Heere, die vom Reichstage als wünschenswerth bezeichnet worden war. Die etatsmäßigen Forderungen für die M a r i n e, namentlich auch für neue Schiffsbauten, sollen „nicht erheblich über das hinausgehen, was für das laufende Jahr bewilligt worden ist". Also in der That sollen auch die etatsmäßigen Forderungen für die Kriegs- ffotte wiederum höher sein, als im Vorjahre. Und dann kommt noch die „besondere Marine-Vor­lage", in der „der Schwerpunkt der Flottenvorlage liegen soll". In der äußerlichen Bezeichnung des Reichs-Etats ist eine Aenderung eingetreten. Er ist nicht nach bisher üblichem Brauche als der Etat 1898/99, sondern als der Etat „für 1898" bezeichnet worden.

* Nunmehr ist auch das Ki«füHru«gs Gesetz zur Mikilär-Strafprozeß-Grdnung vom Bnndes- rathe in dessen letzter Sitzung angenommen worden, und zwar in der Form des Vorschlages, den der zu­ständige Ausschuß des Bundesrathes gemacht hatte. Damit bleibt die Frage des Obersten Gerichtshofes für B ayern einer spätem Lösung vorbehalten, so wie Preußen es im Bundesrathe angeregt hatte. Allem Anscheine nach ist also, wie unschwer vorauszusehen war, der angeblich vorhanden gewesene „Widerstand

An einem Saar.

Erzählung eines jungen Amerikaners.

Ich hatte eine fromme Mutter. Wie viel tausend­mal bat sie mich nicht gefragt: „Franz, hast Du zu Morgen gebetet?" . Und wie oft hat sie sich zu mir in die Kammer geschlichen, und wenn ich noch wach war, mußte ich ihr helfen, ihren Rosenkranz zu beten! Gewiß hätte ich nicht versäumt, des Jahres zweimal zu den hl. Sakramenten zu gehen —, aber meine Mutter schickte mich alle 6 Wochen dazu, und ich ging, und es war gut für mich.

Ich hatte in Geschäften mit einem Freunde eine Reise in das Innere von Texas zu machen — natür­lich zu Pferde. Der Hin- und Herweg mochte etwa 6 Tage in Anspruch nehmen'; es ging durch weglose Ländereien und Wälder, und bekanntlich gibt es Räuber und auch Bestien in Texas zur Genüge. Meine Mutter war in großer Sorge; sie bat mich, noch vorher zu beichten, ehe ich abreise. Ich hatte keine Neigung und auch fast keine Zeit mehr, und ritt eben so ab. Dem Mütterlein mußte ich in die Hand versprechen, pünktlich und andächtig zu beten; ich versprachs und hielt es auch. In Cnero hatten wir zum erstenmal übernachtet. Wir hatten von da noch zwei Tage zu reiten bis Luling, wohin wir sollten. In der zweiten Nacht lagerten wir im Walde, und da wir müde waren, schliefen wir trotz

der Mittlern und kleinen Bundesstaaten" recht schnell überwunden worden.

• Die konservative Partei wird auch bei der bevorstehenden Wahl des Reichstags-Präsidiums keinen Anspruch darauf erheben, in demselben ver­treten zu sein — so erklärt die ,Kons. Korr/ Eine Erklärung im gleichen Sinne brachte vor einigen Tagen für die Nationalliberalen die ,Natl. Korr/ Also wird es mit der Zusammensetzung des Reichs­tags-Präsidiums beim Alten bleiben, wenn nicht etwa die Sozialdemokraten Anspruch auf Vertretung im Präsidium erheben. In der sozialdemokratischen Parteipresse ist neuerdings mehrfach die Anschauung vertreten worden, daß die Sozialdemokratie diesen Anspruch erheben müsse.

X Zum Schutze der deutschen Interessen auf der Insel Haiti wird der Kreuzer I. Klaffe „Deutschland" sofort in Dienst gestellt werden. Das Schiff gehört, worauf die ,Postt hinweist, zur Reserve und steht für den sofortigen Gebrauch zur Verfügung. Die Besatzung des Panzers „Sachsen", der einer genauen Revision unterzogen werden soll, tritt auf den Kreuzer „Deutschland" über. Es ist zu erwarten, daß der Kreuzer in zehn bis vierzehn Tagen zum Auslaufen bereit fein wird. Die .Norddeutsche Allgem. Ztg/ schreibt am Schluffe eines Leitartikels über den Zwischenfall auf Haiti: „Sollte die haiti­anische Regierung ihre Weigerung, den berechtigten Wünschen Deutschlands nachzugeben, sortsetzen, so wird die kaiserliche Regierung ihren Forderungen auf anderem (als diplomatischem) Wege Nachdruck verleihen müssen."

* Das zwischen Preußen und Belgien gelegene neutrale Grenzgebiet Moresnet wird in letzter Zeit wieder vielfach genannt, 'weil belgische Zeitungen die Nachricht verbreiteten, die preuß. Regierung habe die Theilung dieses Grenzgebietes von neuem und in ein­dringlicher Weise in Brüssel angeregt, weil der Schmuggelhandel immer mehr anwachse und eine solche Maßregel gebieterisch erheische. Seit 80 Jahren schwebt diese Frage zwischen beiden Landern, und wiederholt ist die Theilung schon in Anregung gebracht worden, ohne daß eine Einigung erzielt worden wäre. Auch dieses Mal scheinen, nach den Auslassungen der belgischen Zeitungen, die Aussichten auf eine Ver­ständigung nicht die besten zu sein, obschon die Haupt­schwierigkeit dadurch beseitigt ist, daß die Mine in Moresnet, welche die belgische Zink-Gesellschaft Vieille Montagne ausbeutete, und die man nicht theilen konnte, nunmehr ihre Bedeutung verloren hat. Wie nun auch die Verhandlungen sich gestalten mögen, immerhin wendet sich die allgemeine Aufmerksamkeit dem Fleckchen Erde zu, welches den Namen Moresnet führt. Die Bevölkerung ist etwa 2800 Köpfe stark, darunter rund 1000 Belgier, 900 Preußen, 300 Holländer, der Rest Eingeborene. Die Regierung des harten Bodens doch recht fest. Ich vermochte vor Müdigkeit kaum mehr die Hände zu falten, betete aber doch noch meine 3 Ave, das Schutzengelgebet und das Salve Regina. Dann schlief ich ein. Als wir aber am Morgen bei Tagesgrauen erwachten, sahen wir ein ganzes Arsenal, bestehend aus sechs Kugelbüchsen und vier Revolvern, auf uns gerichtet, und am Hintern Ende einer jeden dieser Waffen stand ein unheimlich aussehender Bursche.

„Hände in die Höh'!" tief der Anführer, ein kleiner unheimlich wüster Kerl mit einer langen Vogel- fiinte an der Schulter, „rasch!"

Hätte er uns aufgefordert, uns auf den Kopf zu stellen und die Beine in die Höh' zu strecken, es würde unbedingt sofort geschehen fein.

„Hat uns Mühe gekostet. Euch zu fangen," sagte er jetzt. „Ihr wißt ja, was Euch bevorsteht. Wir gedenken. Euch auf eine längere Reife zu schicken, als die, zu der Ihr auszogt!"

Wir baten die Leute voll Erstaunen, uns doch zu erklären, was sie eigentlich wollten.

„O ja, so macht ihr es Alle! Ihr wißt nie, wovon die Rede ist. Ihr seid zu gut, um in ehr­licher Gesellschaft zu leben, deshalb habt Ihr immer so große Eile, sortzukommen, daß Ihr gezwungen seid. Euch Pferde zu borgen und Euch damit auf und davon zu machen, ohne vorher zu fragen, ob es erlaubt sei!"

lag bis zum Jahre 1841 in den Händen eines preu­ßischen und eines belgischen Kommissars, seitdem aber in denen eines von beiden Staaten gemeinsam ernannten Bürgermeisters, dem zehn Räthe zur Seite stehen. Bei bürgerlichen Streitigkeiten oder in Kriminal-Füllen können die Betheiligten selbst entscheiden, ob sie einem preußischen oder einem belgischen Gerichte sich stellen wollen; als Bürgerliches Gesetzbuch gilt der Code Napoleon. Notare und Gerichtsvollzieher beider Staaten können in Moresnet ihr Amt ausüben. Standesamt ist Aachen, dagegen liegt die Aufsicht über die Seelsorge in den Händen des Bischofs von Lüttich. Die in Moresnet wohnenden Preußen müssen feit 1874 Militärdienste leisten, die belgischen aber schon seit 1854. An Steuern bringt der kleine Landstrich 2800 Fr. auf, die zur Hälfte an Preußen zur Hälfte an Belgien fallen. Preußische, wie belgische Maaren genießen in Moresnet Zollfreiheit.

Ausland.

X Wie«, 19. Nov. Bei dem Empfang der österreichischen und der ungarischen Dele­gation am letzten Mittwoch in der Wiener Hof­burg hat sich Kaiser Franz Joseph mit jedem ein­zelnen der Abgeordneten in freundlicher Weise unter­halten, auch mit den Helden der Obstruktion im österreichischen Abgeordnetenhause. Nur hat der Kaiser vermieden, mit diesen Herren über Politik zu sprechen. Interessant ist die Art und Weise, in der der Kaiser eine Aeußerung des Jungtschechen Kaftan aufgenommen hat, daß die Kompetenz der ein­zelnen Landtage erweitert werden müßte, um den Reichsrath zu entlasten. Das heißt also, der Charakter Oesterreichs müßte noch weiter verändert werden in dem Sinne eines Staatswesens, das mehr aus lauter einzelnen Ländern mit hoch entwickelter Selbständigkeit besteht, als aus einem einzigen Staate mit festem Gefüge. Die Jungtschechen sind es unter den Völkern Oesterreichs ganz besonders, die nach einem möglichst selbständigen Königreich Böhmen streben, und gerade dem genannten Jungtschechen Kaftan hat der Kaiser auf diese seine Bemerkung ge­antwortet: „Ja, das würde sehr von Vortheil sein!" So wenigstens berichtet ein Wiener Blatt. Inzwischen hat übrigens der Budgetausschuß des öster­reichischen Abgeordnetenhauses das Ausgleichs- Provisorium angenommen, und dadurch ist man um einen weiteren Schritt der Hoffnung näher gerückt, daß das Ausgleichs-Provisorium doch noch trotz aller Obstruktion auf ordnungsmäßigem parla­mentarischem Wege zu Stande kommt.

* Warschau, 19. Nov. Wie verlautet, wurde in Folge der Unterhandlungen der römisch-katholischen Ordinariate mit dem Ministerium ungeordnet, daß die katholische Schuljugend in neun Gouvernements

Nun begriffen wir auf einmal unsere Sage — man hielt uns für Pferdediebe! Das aber bedeutet im Staat Texas so viel als den Tod durch den Strang. Wir erboten uns, unsere Unschuld durch Papiere beweisen zu wollen.

„Der Henker hole Euere Papiere!" schrie er. „Natürlich habt Ihr Papiere! Solche Kerle haben immer Papiere bei sich, scheffelweise! Genug, Ihr wißt, wohin es mit Euch jetzt geht. Bring die Stricke, Alex!"

Alex brachte einen etwa dreißig Fuß langen Strick herbei. Das Alles war für mich fo über­raschend, daß ich gar nicht glauben konnte, man werde mich und meinen Reisekameraden wirklich binnen wenigen Minuten „in die Ewigkeit befördern", wie die Zeitungen sich ausdrücken, wenn sie das Hängen eines Verbrechers beschreiben. Es fiel mir unwill­kürlich die Frage ein, ob ein neuer Strick nicht viel unbequemer fein würde, als ein alter, und ob man uns nach der alten Methode vom Boden in die Höhe ziehen, ober nach der neuen Methode aufs Pferd setzen und dieses dann durch einen Peitschenhieb unter uns wegtreiben würde.

Die Männer unterredeten sich aber, ob man uns zehn Minuten gewähren sollte, um zu beten, ober nicht, unb einer schlug vor, uns ein Stück weit mit­zunehmen, bis eine zweite Gesellschaft eingeholt wäre, bie einen anderen Weg eingeschlagen hätte, um, wie