Freitag, den November 1897.
Wochen - Rundschau.
(Nachdruck verboten.!
"E Dlnterhaltnngs-Keilagr „Sterne un- Slumen"
Srschemt täglich, Son»- und Feiertage au-genomm«.
Gin Zunftgenofle.
Es war im August 1881, als in dem kleinen bayerischen Landstädtchen Friedberg ungewöhnliches Leben und Treiben herrschte. Vor seinen Mauern bwakwten die Truppen des 1. bayerischen Armee! 2rf"’ v %“r Generalinspektion, das Höchste, was ™ fur se c?rUpp,n tm Mieden geben kann. Von Nah und Fern hatte sich die neugierige Landbevölkerung eingestellt, um sich an dem ungewohnten
Eines kriegerischen Schauspiels satt zu schauen.
? Flete" gehörte auch ein armer Handwerksbursche, der etwas abseits von der festlich gekleideten Menge auf einem Hügel saß. Es schien ihm gar
oib??/«§^/^Eampfslüfte wehen und wieder gibt es Scharfmacher, die die Lüfte gern zum Sturm- rmnd anfachen mochten. Bisher waren es nur Körper-
Et ausgesprochen protestantisch-konfessionellem Charakter, die die Canlsius-Encyklika des hl. Vaters cm! P°«ro’rn^e nahmen, um eine Hetze gegen katho- lisches Wesen und gegen die katholische Kirche zu veranstalten. Neuerdings finden sich auch schon Zungen, die dieses Gebühren in der Form amtlicher Maßregeln unterstützen. Die Regierung von Elsaß-Lothrmgen hat die Ausgabe der ganzen Auflage des bischöflichen Diözesanblattes verboten, weil dieses den lateinischen Wortlaut der Canistus - Encyklika enthielt. Nun ist Elsaß- Lothringen gerettet! 1 '“P
Scharfmacher dort - Scharfmacher hier Dort gegen Alles, was katholisch ist. hier auf politischem Gebiete gegen die Meform des militärische« n/chft£S3?fCSf/ ÜbeLbie lich gewisse Leute immer noch nicht beruhigen können. Man fängt das alte mie.b "E vorne an, nämlich bei dem" bayerischen Reservatrecht auf einen obersten militärischen Gerichts- uunmehr glauben zu machen daß die Gewährung dieses Reservatrechtes bei den mittleren Di-Staaten auf ernsten Widerstand stoße. MnpSOsn,-^ett ^^ verbündeten Regierungen zeige bisher keme Neigung, ihre ablehnende Haltung gegenüber sI"^^pE"fchen Forderungen aufzugeben. Die Fortschritte, welche der bayerische Gesandte in dieser Be- Zung bei den Bundesraths-M.tgliedern der Mittel- usw ufwf “ a" Ead)t sEm gleich Null sein Offiziösen' nÄ J * 1* un§ bie Berliner ^sstzwjen glaubhaft zu machen — „die Aenderuna tn feer Haltung Preußens, dessen Bundesrathsbevoll? machtlgte beauftragt sind, für eine spätere Erledigung qefeF™6 sttmm-n ^Bestimmung im Einführungs? Loünii! ß ' s°ll gar im Bundesrathe eine ungunftige Stimmung gegen Preußen -rr-n^ haben." Lächerlich: wenn Preußen, Bayern und Baden lsl ja dadurch allein eine große Mehrheit tm Bundesrathe gegeben. Warum ist man denn auf einmal o ausnehmend zartfühlend geworden *
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lr^ers der Kirche, aber nicht etwa das Ergebniß politischer,.>sntriguen und diplomatischer Manöver, was beweist, daß die christlichen Prinzipien, wenn sie b/^rechten Wesse auf das politische Leben und e sozialen Bedürfnisse der Völker angewandt werden rl,rn.a.uc^.der sozialen Beruhigung und hinsichtlich des irdischen Nutzens erheblich förderlich sind . So wird uns von Neuem in einem römischen Blatte, dem Osserva ore Romano", die Politik fees Papstes ausgelegt. Und feer Charakter des Blattes bürgt uns dafür, daß die Darstellung richtig ist — ganz abgesehen davon daß wir Katholiken ja wissen, wie die Politik des hl. Vaters gemeint ist! Aber es ist sehr gut, wenn dies ab und zu auch den Gegnern wieder einmal dargelegt wird. 9
Gleiche Entstellungen, wie die Politik des Papstes tm Allgemeinen, hat auch sein Verhalten in einem besonderen Falle erfahren, mit dem wir uns in unliebsamer Weise schon mehrfach beschäftigen mußten- /er Frage der Neubesetzung des erzbischöflicher»
L Br. Der hl. Stuhl? so rst in der Presse behauptet worden, habe, um der langen, traurigen Verwaisung der Freiburger Erzdiözese ein Ende zu machen, das Domkapitel in Frei- burg gebeten, aus sein Wahlrecht zu verzichten, und emeSJe“en Erzbischofs Rom anheim L ltellen Vermuthlich werde der hl. Stnhl den Abt des Benediktinerklosters Seckau, Schober, zum Erzbischof ernennen. Auch diefe Meldung ist voll- kommeu unrichtig. Der hl. Stuhl hat in keiner Form an das Domkapitel in Freiburg das Ansinnen qestelll es solle auf fein Wahlrecht verzichten und die Er- nennung eines neuen Erzbischofs Rom anheim stellen, p™ Gegentheil: das Domkapitel läßt sich auch durch olche Ausstreuungen in seinem Vertrauen nicht er- chuttern, daß der hl. Stuhl, der sich auch in dieser ^ra9e "/s empört des Rechts erwiesen hat, das scküllen^wll-d Wahlrecht des einigen Domkapitels
afö Reichskommlssar ein Ende gemacht: Herr Dr. Peters ^ .Esvurdig erkannt worden, Beamter des deutschen
Letn- L®te Disziplinarkammer hatte die . Peters erhobenen Anklagen nur zum Theil rStl9\9Äen' sie hatte ihn Wege? L Hin- Llung des Negers Mabauk und wegen falscher S an feine vorgesetzte Behörde des enthoben. Die Anklagebehörde, sowie feer
Verurtheilte erhoben Berufung gegen dieses Urtbeil W we-l sie auch einen Schiedsspruch wegen anderer ^- ?gepunkte forderte dieser, weil er die letzte Mög-
T F^Iprechung nicht unversucht lassen wollte. Aber Peters mochte wohl schon ahnen daß seiner nichts Günstiges warte, er hatte sich nach Em? begeben und erschien nicht persönlich vor dem
Dafür bemühten sich seine Vertheifeiger E^lfrtgste, seine Sache zu führen; doch der Ge- rlchtshof hat eine solche Moral nicht gelten lassen: er hat auch wegen der Auspeitschung feer Neqer- metfeer und wegen feer Hinrichtung eines dieser Weiber nut der Peters intimen Umgang gehabt hatte ihn ®amit ^si bem öffentlichen Rechts- bFuhl soweit Genüge gethan, als festgestellt worden Sa mVa™ Persönlichkeit wie Peters ein Beamter s- n‘? fein darf, Ob Verbrechen wie die- t. noch vor einen andern
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In Irankreich ist die Dreyfus-Angelegen- ^"weiteres Stadium getreten, das, wenn hü? klar, doch etwas mehr Licht in
das gehelmnlßvolle Dunkel bringt, das ganz Frank- reich seit einiger Zeit in Spannung hält. Der Senats- prajidmit Scheurer-Kestner will beweisen können daß die Schriftstücke, feie feie Verurtheilung des nach feer "erkannten Hauptmanns Dreysus herbei- gefuhrt haben, von einem bestimmten andern Offi- L?^^n, und stützt seine Verdachtsdokumente unter anderem darauf, daß dieser bestimmte Offizier s?^E^er Zeit angeblich wegen verdächtiger Bekannt- schaften aus dem Dienste entlassen worden sei. Den Namen dieses Offiziers nennt Scheurer-Kestner nicht 9^ afeer fo genaue, ms Einzelne gehende Andeutungen' S gr7/sifEche Meinung bestimmte Persönlichkeiten ms Auge faßt. So wurde ein Hauptmann Denis fee Rougemont gefragt, ob er sich durch die Anschuldigungen Scheurer-Kestners sich nicht getroffen fühle worauf etn Brief Scheurer-Kestners diesen Herrn seiner größten Hochachtung versicherte. Auch noch ein anderer Osstzier hat sich auf die Perfonalbeschreibuna " her Denkschrift Scheurer-Kestners für getroffen qe? •
Ulgr ; eLne; Entrüstung darüber Ausdruck gegeben. Auf diesen Herrn soll sich, wie die Libre Parole glaubt, der ganze Verdacht konzentriren wenn er auch nach der Ansicht dieses Blattes zum Verratb zu wenig Jrstelligenz besitze. Auf jeden Fall scheint h^auf die Möglichkeit vorhanden, daß der Prozeß zur Revision gelangt, zumal Scheurer-Kestner jetzt sein geordnetes Material dem Justizminister übermitteln EK^Dlegesammte französische Presse fordert nun aufs energischste Scheurer-Kestner auf, diesen bestimmt bezeichneten Offizier mit Namen zu nennen Auch fiÜLEth,nen Geheimnißthuerei in einer so roic^ gen, die ganze französische Nation betreffenden Sache roen^ vertrauenerweckend bezeichnen Wenn Scheurer-Kestners Material so klar ist wie er alauM roarum hüllt er sich dann der Oeffentlichkeit ^geqen- MeLmJ0 gehermnißvolles Dunkel. Auf jeden Fall
»di- S°ch. „ÄS
X Fulda, 17. November.
Die Nolilik des Papstes ist in den letzten Tagen in vielen Blattern der Gegenstand von Besprechungen gewesen Der neue deutsche Staatssekretär des auswärtigen Amtes, Herr v. Bülow bisber deutscher Botschafter in Rom, hatte eine Abschieds- Slubtenj beim Papste, ehe er die Siebenhügelstadt ,rUn? htefe recht leicht erklärliche rn.s/Üs?!#? ollerhanfe politischen Vermuthnngen ausgedruckt worden, obwohl nicht nur Herr v. Bülow ÄL anVe!?en 9rau üom hl- Vater und nachher ebenso alle Beide vom Kardinalstaatssekretär ^Pfangen wurden. Nach der einen Meldung sollte es sich um die Wiederzulassung der Jesuiten s^Eutschlanl, gehandelt, nach einer anderen Meldung sollte sogar Herr v. Bulow dem Papste gedroht haben: s^EE.her Vatikan nicht abließe von seiner dreibund- femdlichen Politik, so werde in Deutschland als Ver- Se tung ein Druck ausgeübt werden auf die Katholiken. Es stk-m nothig zu sagen, daß das Unsinn ist. Ä" mre her für solche politische Kundgebungen tzEsu^e Mann der andere Herr v. Bülow, der preußischer Gesandter beim Vatikan ist; und zweitens empsangt man nicht Damen bei solchen Gelegenheiten LS 'ssacht man dabei Damen kunst-
volle Abschledsgeschenke, rote der hl. Vater an Frau Als? nCr * ein Mosaikbild überreichen ließ, -lllso damit brauchen wir uns nicht weiter ernsthaft zu beschäftigen — diese Meldungen waren eben einfach Unsnm. Aber wohl lohnt es sich, bei dieser Geleaew heit der Politik fees Papstes überhaupt ein paar Worte ^fbmla ®er $apft 'st fein besonderer Freund Frankreichs gegen Deutschland, der Papst ist kein be- sonherer Freund Deutschlands gegen Frankreich. Der Popst Pocht als der gemeinsame Vater aller Gläubiaen keinerlei Unterschied zwischen dem einen und brat anberen Volke. Er liebt Alle mit derselben Liebe unö erstrebt nichts Anderes, als das größte Glück und Wohlergehen Aller, auch in in irdischer und Pzialer Beziehung. Demgemäß bemüht er sich nach Äiaften, dahin zu wirken, damit der Friede bei Allen herrsche und die Einigkeit Alle wie Brüder umfasse
Fneben in den Herzen und Geistern zu festigen,' aus dem der Friede der Staaten und das Wohlergehen der Nationen hervorgeht. Der regierende Hohepriester schärft mit unermüdlichem Eifer feie rehgioje Friedfertigkeit ein, damit jene Streitigkeiten auf dem Gebiete des Glaubens und der Moral be- werden, welche dann die Zwietracht und das feindliche Ringen auf dem Gebiete feer Politik und °er Regierung erzeugen. Leo XIII. hat feen Wea tber?ie Boller und Stationen zum Frieden, zur Ein- tracht, zur Ordnung und zum Wohlergehen führen kann vielen Volkern genannt und vorgezeichnet. Er
-has für Spanien gethan, für Deutschland, für ^r Brasilien; letzt ist er dabei, nicht mehr und nicht weniger für Frankreich zu thun. Welchen vernünftigen Grund gibt es daher, oder kann es daher ßEven, zu jagen, wie es der Eine pflegt, der Papst Deuts^n^'ch me^ und zum Schaden meinetwegen SS ?ä\cr ^Ehe, rote auch schon einmal gesagt Jramm'-nd n“ vor, zum Nachtheil der
S Us.m auf irgend eine Art diesen ungerecht», 2 mS9thUnbeten Borrours glaubhaft zu machen, hebt man hervor, daß dank der Politik fei- mnn %anfree?Aan biefc^0.litif Leos XIII. nennen will, lt?2Serran?enrhmnesP°Iitifd)e unb internationale Qieuung errungen hat, die es vordem nicht besaß ?ßhh*e es vlelleicht ans sich allein nicht hätte^erreichen
Aber wenn das Wohlwollen und der Etter h^,Pop,tes oorthellhafte Wirkungen auch in der politischen Sphäre und in den internationalen Be- ^hungen von Volk zu Volk, Regierung zu Regierung äußern, so ist das der moralische und loaficke ffrW? der wohlthätigen Fruchtbarkeit des religiösen HaWs und der weijen Rathschläge des obersten Würden-
- , —------------------ _24. Jahrgang
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