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JE 255 Samstag, den 6. November 1897 21. Jahrgang

Md aerM Zeitung

mit Unterchaltungs-Krttage „Sterne und Ktnmen".

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# Die neuen Fenster der Kirche m Kürgel.

Erfreulicher Weise wird in neuerer Zeit wieder mehr erkannt, welch geziemender und erhebender Schmuck einer Kirche gemalte Fenster sind: gleichsam die seelenvollen Augen des Kirchenbaues und eine mächtige Unterstützung der Predigt des Priesters. Es geschieht in Folge dessen wieder mehr für die Anschaffung von Glasgemälden, was anderseits auf die Förderung und Vervollkommnung der Glasmaltechnik anf's Vor­theilhafteste einwirkt.

Von solcher Erkenntniß durchdrungen und angeregt durch die jetzt so kräftig aufblühende Pflege des hl. Rosenkranzes ist man bei Ausschmückung der neuen katholischen Kirche zu Bürgel a. M., einer früh- gothischen Basilika, verfahren, indem man 15 der zahlreichen Fenster derselben dazu bestimmte, die 15 Geheimnisse des hl. Rosenkranzes dar­zustellen und zwar, dem edlen Stile der Kirche ent­sprechend, im frühgothischen Charakter. Die drei Fenster des Hauptchors zeigen die Geburt Christi, seine Kreuzigung und die Herabkunft des hl. Geistes, während die übrigen 12 Geheimnisse in die 12 Seiten­schifffenster in der üblichen Reihenfolge vertheilt sind, so daß jedem der hl. Geheimnisse ein vollständiges Fenster gewidmet ist. Wie man sieht, stellen diese 15 Gruppenbilder einen zusammenhängenden und allen Gläubigen sofort leicht verständlichen, die ganze Er­lösungsgeschichte predigenden und dadurch zur Andacht stimmenden Cyklus dar. In Anbetracht der Rosen­kranzerlasse des hl. Vaters X1IL ist diese Wahl äußerst zeitgemäß und trägt gleichzeitig der schönen kirchlichen Sitte Rechnung, die drei christlichen Hauptsestzeilen im Chore zu repräsentiren, indem die drei in den Hauptchorfenstern dargestellten Ge­heimnisse zugleich den Weihnachts-, Oster- und Pfingst- kreis symbolisiren. Daß dementsprechend auch der erste Eindruck schon ungleich großartiger ist, als wenn nur einzelne, oft unbekannte Heilige, z. B. die Patrone der Wohlthäter der Kirche, dargestellt werden, ist klar. Das den ganzen Hauptchor beherrschende Mittel­fenster enthält außerdem im Maaßwerk über dem ge­kreuzigten Erlöser Bildnisse Gottes des Vaters und des hl. Geistes und vermehrt somit den Gedanken- reichthum des Werkes durch die Darstellung der hl. Dreifaltigkeit an der geziemendsten Stelle.

Die Bürgeler Kirche wird durch diese Bilderserie in gewissem Sinne zu einer Merkwürdigkeit ersten Ranges, denn es wird sich so leicht keine Kirche finden lassen, die den ganzen Rosenkranz in Glas­malerei enthält und dabei jedem der hl. Geheim- niffe ein vollständiges Fenster widmet; man kann wenigstens weit in die Runde gehen, ohne eine

Gin Gegenüber.

Von f. v. Neid egg.

6 ------ (Nachdruck verboten)

(Schluß.)

Der betroffene ungläubige Ausdruck seines Ge­sichtes hat etwas, das mich zur Ungeduld reizt, so sehr ich auch gewillt bin, mit ihm Nachsicht zu üben, besonders als er gedehnt äußert: „Wirklich? Sonder­bar. Nun, Marianne dachte anders."

„Was dachte Tante Marianne?"

„Das frage sie selbst. Dupimes Zeug! Liebes­geschichten und kein Ende! Die verwünschte Heiratherei!" Ungeduldig geht er mit seinem polternden Schritte im Zimmer auf und ab und brummt unverständliche Worte vor sich hin.

Eine Zeit lang laffe ich ihn gewähren; endlich frage ich:

„Deine Erlaubniß, mich an Nette zu wenden, habe ich aber doch?"

„Wenn durchaus geheirathet sein muß und das Mädel Dich will, kannst Du sie meinetwegen haben . . . aber daß sie in Dich verliebt sein soll, will mir nicht recht in den Sinn."

„Warum nicht, wenn ich fragen darf?" sage ich tief verletzt.

solche, Gott und der Königin des hl. Rosenkranzes dargebrachte Huldigung anzutreffen.

Im Querschiffe erblickt man dem wohl am meisten benutzten Eingänge gegenüber in der mächtigen Rosette von etwa 4 Meter Durchmesser die Verleihung des hl. Rosenkranzes. Es thront da die Himmels­königin, wie sie dem hl. Dominkus den Rosenkranz übergibt; dies bildet gleichsam die Einleitung zu dem daneben im Seitenschiffe beginnenden Rosenkranzcpklus. In dem gegenüberliegenden Rosettenfenster des Quer­schiffes, über dessen Eingang, ist die hl. Cäcilia, umgeben von musizirenden und singenden Engeln, als Patron in der Kirchenmusik und des Kirchen­gesanges zur Darstellung gekommen.

Die vier Seitenfenster des Hauptchors zeigen die vier eucharistischen Vorbilder (Melchisedech, jüd. Osterlamm, Mannaregen und Moses, mit dem Stabe aus den Felsen schlagend), und die zwei Fenster des Seitenchores der Evangelienseite die hl. Herzen Jesu und Mariä.

Im Tympanon des Hauptschiffeinganges und zu dessen beiden Seiten sind das Lamm Gottes, St. Joseph und St. Georg dargestellt, während die Rosette darüber heraldische Ornamente zeigt.

Was die Ausführung betrifft, die dem Atelier des Glasmalers Bernhard Kraus in Mainz ent­stammt, so war der Künstler bestrebt, die Figuren, Köpfe, Architekturen und Ornamente dem edlen Stile der Kirche, d. h. dem des dreizehnten Jahrhunderts anzupassen, was ihm nach dem Gutachten hervor­ragender Kunstverständiger auch bestens gelungen ist und ihm znr Empfehlung gereicht. Es fällt vor Allem die stilgerechte, dem Charakter der ausgebildeten Frühgothik entsprechende Zeichnung und die eigene Maltechnik vortheilhaft auf, ebenso die abgeklärte Farbenharmonie und die weihevolle Stimmung, die über dem Ganzen liegt und den Beschauer zur An­dacht anregt. Die Eintheilung und Anordnung im Sockel, Mittelbild und Baldachin ist bei den einzelnen Fenstern in Farbe und Zeichnung verschieden, wodurch auch in dieser Beziehung jede Einförmigkeit und Er­müdung vermieden und das Figurale mit dem Orna­mentalen in glücklicher Weise in Einklang gebracht wird.

Das Werk ist in musivischer Arbeit gehalten, bis auf die Pässe und die Umrahmung der Rosetten, die in Grisaille ausgesührt sind und durch diesen Gegen­satz von Ruhe und Leben die Farbengluth der Mittel­bilder um so wirksamer hervortreten lassen.

Durch die Verwendung von bestem Schlierseer Antikglas ist eine leuchtende, dem Auge wohlthuende, gesättigte Farbenwirkung erzielt, während anderseits durch die diskrete Benutzung des Schwarzloths der transparente Charakter des Glasbildes gegenüber dem Oelgemälde aus's Günstigste gewahrt wird und dem Werke zum Vortheil gereicht.

Aber nicht allein bei den Kunstverständigen findet das Werk Beifall, sondern auch in Laienkreisen ist man der Ansicht, daß die neue Bürgeler Kirche

„Ja, siehst Du. . . ein Adonis bist Du nicht."

Das sagt er! Er, der hagere, gelbe Mann mit der spitzen Nase und den dünnen Haaren! In sprach­losem Erstaunen sehe ich ihn ein paar Sekunden an; endlich habe ich mich gesammelt, und seine beleidigende Rede ignorirend, frage ich: „Darf rch Nette also auf­suchen?"

„In Gottes Namen, ja," erwidert er im bär­beißigsten Tone.

Ich trete in das Wohnzimmer; die Thür zum Nebenraume, dem nur bei festlichen Gelegenheiten be­nutzten Prunkgemache, steht offen und Stimmen tönen mir daraus entgegen . . . Wie angewurzelt bleibe ich stehen ... es ist Nette und Lieutenant Henninger, die sich miteinander unterhalten.

„Ich wiederhole, daß ich mit Erlaubniß Ihrer Frau Mutter Sie aufsuche, Fräulein Kühnemann," sagt der Lieutenant.

„So!" erwidert sie in so eisigem Tone, daß ich Mühe habe, das Lachen zurückzuhalten, wenn ich mir das verdutzte Gesicht des Herzens-Eroberers vorstelle.

„Ja. Soeben habe ich der Frau Regierungsrath ein Bekenntniß abgelegt, und sie hat mich ermächtigt, es Ihnen zu wiederholen."

„O, ich beanspruche Ihr Vertrauen durchaus nicht, Herr Lieutenant", erwidert meine brave Nette frostig.

nicht nur durch ihr edles Aeußere, sondern auch durch ihre innere Ausschmückung eine der schönsten des Untermaingaues ist, zu der man die Bürgeler katholische Gemeinde nur beglückwünschen kann.

Der Mond im Jahre 1900.

Die Hauptsehenswürdigkeit der Pariser Welt­ausstellung von 1889 war der Eifelthurm, welcher uns dem Himmel um 300 Meter näherte; der „Clou“ der künftigen Ausstellung von 1900 wird das Riesen­teleskop sein, welches uns unseren Satelliten, den Mond, auf eine Entfernung von nur 60 Kilometer nahe bringen soll.

Wenn man von Teleskopen spricht, so stellt sich der Laie in der Regel ein Fernrohr vor; er ist dem­nach sehr erstaunt, wenn er sieht, daß die Astronomen ihren Apparat mitunter auf den Erdboden richten, als wollten sie das Getäfel studiren oder als besäßen sie einen jener „Schatzgucker", dessen Besitz den Alchimisten und Schatzgräbern der verflossenen Jahr­hunderte unentbehrlich erschien. Die Erklärung dieses Phänomens besteht eben darin, daß der Astronom nicht die über seinem Haupte schwebenden Gestirne direkt, sondern deren Bild in einem eigenen Spiegel beobachtet. Ein solcher Spiegel-Apparat ist das Teleskop, das Herr Deloncle für die Ausstellung von 1900 konstruirt und welches alle bestehenden Teleskope an Größe übertreffen wird. Der linsensörmige Spiegel ist absolut fehlerfrei aus Glas gegossen und hat bei einem Durchmesser von 2,5 Metern eine Dicke von 37 (Zentimetern und ein Gewicht von 3800 Kilo. Seine Herstellungskosten belaufen sich auf 100,000 Frs., doch muß er erst noch der sogenannten optischen Ar­beit unterzogen werden, worunter man das Glätten oder Schleifen der Linse versteht. Dasselbe wird jedoch nicht wie bei den gewöhnlichen Linsen durch Händedruck erfolgen, sondern einem eigenen Polir- apparat anvertraut, über dessen Konstruktion und Anwendung der Erfinder strengstens Geheimniß be­wahrt. Nur so viel erfährt man, daß die Linse absolut gleichmäßig — ideal — polirt werden wird, so daß die Abweichungen höchstens ein Zehntausendstel eines Millimeters betragen können! Doch auch dann sollen die Jrrthümer ziemlich bedeutend sein.

Nach dieser optischen Arbeit, welche länger als zwei Jahre dauert und mehr als 150,000 Franks kosten wird, ist der Spiegel bis zur Versilberung fertiggestellt, welche relativ mühelos und billig sein soll. Wenn dies geschehen, wird er auf zwei eiserne Stützen von 10 Metern Höhe gehoben und daselbst durch einen sinnreichen Mechanismus so befestigt, daß er nach allen Seiten hin beliebig verstellt wer­den und dem Laufe der Gestirne folgen kann. Die aufgefangenen Strahlen werden durch ein Metall­rohr von 60 Metern Länge gesendet, welches auf einer Anzahl gemauerter Pfeiler aufruht, was dem Ganzen das Aussehen einer römischen Wasserleitung

„Da hast Du nun Deinen Theil, Du zudringlicher Mensch!" denke ich hocherfreut.

„Sie sollen und müssen mich aber anhören, gnä­diges Fräulein," ruft der rücksichtslose Mensch in heroischem Tone, und nun fängt et eine langatmige Erzählung an, wie er es gar nicht immer gewesen, der allabendlich über den Büchern gesessen habe. Er sei so sicher gewesen, auch ohne angestrengtes Studium seine Aufgabe durchzuführen, daß er die Abende öfter der Erholung geweiht. Durch einen Zufall habe er jedoch erfahren, daß er ihrem Vater damit Aergerniß gebe, und sich die Kriegslist erlaubt, an solchen Abenden seinen Burschen am Arbeitstische sitzen zu laffen; das sei es, was er soeben ihrer Mutter bekannt habe.

Ich denke, sie wird ihm die Thür weisen; Frauen sind aber unberechenbar, hell auflachend erwidert sie: „Das habe ich längst gewußt."

„Sie wußten es? . . . Durch wen?"

„Durch . . . durch . . . unser Dienstmädchen. Sie ist die Landsmännin und Braut Ihres Fritz; die hat mir geklagt, daß und warum er sie so wenig be­suchen könne; ... ich befahl ihr, reinen Mund zu halten — auch der Mutter gegenüber ... Ich fand dies Komödienspiel so häßlich . . . Ihrer so unwür­dig ... es hat mich recht gekränkt."