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JK 254 Freitag, den 5. November 1897. 24. Jahrgang

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mtt Unterhaltnngs-Keilage „Strrur nur Klumru".

Sonn- «ab Stttrtaoe anSgenontmaL — «icrteljährlich« AboauementSpreiS ohne Briugerlohn und Bestellgeld in Fn»a «ck aa^Sr» 1 Mark 50 Vst«««. fo|« bte «annoadzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petttznle SS Pf., bn Wrederholungen entfvrechender Rabatt.

Deutsches R^ich»

Berlin, 4. November.

* Vor der letzten Rückkehr des Reichskanzlers Iürste« z« KohentoHe nach Berlin war berichtet worden, daß er sich in besonderem Auftrage des Kaisers zum Großherzog von Baden begeben habe. Es sollte sich dabei um eine „innerpolitische Angelegenheit" handeln. Jetzt stellt die ,Postt in Bestätigung voraufgegangener Vermuthungen fest, daß diese gewisse innerpolitische Angelegenheit die Frage von der Reform des militärischen Strafprozesses ge­wesen ist. Die Vermuthung lag nicht gerade fern! Interessanter ist schon die Mittheilung, die von anderer Seite gemacht wird, daß man dem Einflüsse desselben deutschen Bundesfürsten die Beseitigung der Hemm­nisse zu verdanken habe, die der Einbringung einer zeitgemäßen Vorlage im Bundesrathe und später hoffentlich auch im Reichstage entgegenstanden.

* Der ZL»«desra1h hat am letzten Donnerstag eine Vollsitzung abgehalten. Vorher berieth der Aus­schuß für Rechnungswesen.

* Herr Mud. vo« ZSeuurgsen scheidet, wie man weiß, am 1. Januar 1898 aus dem Amte des Oberpräsidenten der Provinz Hannover aus. Erneut wird in der Presse als sein muthmaßlicher Nach­folger Graf zu Stolberg-Wernigerode genannt, jetzt Regierungspräsident in Merseburg.

* Herr Reichstags- und Landtagsabgeordneter Dr. Kieöer hat dieser Tage in Aachen in einer Versammlung eine längere Rede über die gegenwärtige politische Lage gehalten. Der ,Aachener Volksfr/ berichtet darüber: Er stellte zunächst klar, daß sein jüngster Besuch beim Herrn Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe nicht mit Finanzangelegenheiten im Zusammenhangs stand, sondern mit dem Anträge des Centrums auf Aufhebung des Jesuitengesetzes. Das Centrum wird diesen Antrag in der nächsten Session des Reichstages wiederholen. Herr Abg. ®r’ Lieber machte kein Hehl daraus, daß nach seinen Wahrnehmungen in Berlin zur Zeit wenig oder keine Hoffnung besteht, daß die Reichsregierung dem Anträge näher treten werde, oder daß der Bun­desrath den schon dreimal vom Reichstage angenom­menen Antrag auf Aufhebung des Jesuitengesetzes gutheißen werde. Die Spektakelkomödie, welche die „Mannen" des „Evangelischen Bundes", die Thümmel und Genossen, wieder einmal aufführen, ist ganz danach angelegt und darauf berechnet, Stim­mung an maßgebenden Stellen gegen die Katholiken und ihre Sache zu machen, insbesondere auch gegen die Jffuiten und den hl. Vater, dessen Encyklika über die Canisiusfeier so dargestellt und mißdeutet wird, als sollte damit eine „Kriegserklärung" gegen

Gin Gegenüber.

Von $. o. Uridrgg.

5 ------ (Nachdruck verboten.)

Mittlerweile haben wir die Kühnemannsche Woh­nung beinahe erreicht, der Lieutenant bleibt mit Tante Marianne etwas zurück und redet eifrig in sie hinein. Nette zieht den Hausschlüssel aus der Tasche, und eilt dem Hause zu.

„Nette, ich habe eine Frage an Dich."

«Jetzt, zu nachtschlafender Zeit? Ich bin so müde . . . und obendrein bringe ich den dummen Schlüssel gar nicht ins Schloß."

„Aber heute möchte ich noch Antwort auf die Frage."

„Wirft wohl bis morgen Dich gedulden können, Friedel ... Da nimm den Schlüssel, sperr lieber die Thüre auf."

Sie schiebt mir den Schlüssel in die Hand; er geht thatsächlich schwer ins Schloß, und solange ich mich damit abarbeite, kann ich sie nicht wohl fragen, ob sie mich heirathen will: auch steht Tante Marianne mit ihrem Lieutenant schon wieder hinter uns.

„Ich habe die Ehre, mich zu empfehlen, Frau Regierungsrath," sagt endlich der zudringliche Mensch,

den Protestantismus und die „Bekämpfung" des pro­testantischen Hauses der Hohenzollern inscenirtwerden!! Das Centrum wird unerschütterlich an der Vertretung der Rechte des kath. Volkes festhalten und nicht bloß die vom Reichstage beschlossene Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes, — welcher die Externirung und Jnternirung von Mitgliedern der Gesellschaft Jesu betrifft — sondern die Aufhebung des ganzen Jesuitengesetzes unter Berücksichtigung der parlamen­tarischen Situation betreiben. Redner wünschte insbesondere lauteste Zustimmung dazu, daß die Aechtung frommer Frauen, der Schwestern vom heil. Herzen Jesu als „Verwandten" des Jesuitenordens, doch länger nicht mehr angehe (Zustimmung), und daß wie den Redemptoristen, so auch den Lazaristen die Wirksamkeit in dem deutschen Reiche wieder freigegeben werden müsse. — Ueber die Vorlage betreffend die Militär-Strafprozeß-Reform konnte Herr Abgeordneter Dr. Lieber befriedigende Mittheilungen machen. Danach ist die Vorlage das Prinzip des mündlichen und öffentlichen Verfahrens bis zu einem gewissen Grade durchgeführt, und auch die Verzichtleistung des obersten Kriegsherrn be­züglich der von den Militärgerichten gefällten Urtheile darin enthalten. Weiter betonte Redner, daß das Centrum in Zukunft unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen stehen werde, das um so mehr, als die Richtung unserer Zeit leider auf einen In ter essen­kam pf hinauslaufe, in welchem das Materielle das Ideelle weit überwiege. Hierbei sei besonders auch zu beklagen, daß die jüngere Generation feine Kenntniß mehr habe von dem, was sich int „Kulturkampf" gegen uns abgespielt habe, ja selbst die allerverdientesten Männer, so selbst einen Mallinckrodt, kaum mehr.den Namen nach kenne!! Dem Heranwachsenden Geschlechte müsse klar gemacht werden, um was es sich in den Kämpfen der Ver­gangenheit gehandelt habe. Festes Zusammen­halten der Katholiken sei auch für die Zukunft un­erläßlich. Wichtiger als die „Sammlung der Kräfte" im Sinne des Herrn v. Miquel werde die Samm­lung der Kräfte der Katholiken im ganzen Lande sein. Mit Vertrauen müsse hierbei den Leitern der Partei int Parlamente begegnet werden: dieses Ver­trauen und die Einheit der Katholiken seien in den bevorstehenden Kämpfen und insbesondere in den kommenden Wahlen überall zu bethätigen. Denn die überaus wichtige Position des Centrums müsse auch für die Zukunft gehalten und womöglich noch verstärkt werden.

X £m amtlichen Theile des,Reichsanzeigers'wird die Zusammensetzung des rvirtHschaflkichen Aus­schusses bekannt gegeben, dem es obliegt, als Zoll­beirath der Regierung bei der Vorbereitung handels­politischer Maßnahmen mitzuwirken. Der Ausschuß ist aus Vertretern von Landwirthschaft, Handel und Industrie zusammengesetzt, und es gehören ihm u. A. an die Herren Rittergutsbesitzer v. Arn im-Güter­berg, Graf v. Ballestrem-Plawniowitz, Abg. als er sieht, wie ich die Hausthür sperrweit offen halte, um die Damen einzulassen: „Guten Abend, gnädiges Fräulein."

„Guten Abend, Herr Lieutenant," gibt Nette mit kaum merklichem Kopfnicken zur Antwort, und dann zu mir gewandt: „Adieu, lieber Friedel, es war ein genußreicher Abend, Du hast Deine Sache sehr gut gemacht; laß Dich bald wieder bei uns sehen."

„Lieber Friedel" hat sie gesagt; kein Zweifel, sie liebt mich und morgen halte ich um sie an.

Wenn ich auch nicht klagen kann, daß ich mich in meinem Berufe überanstrengen muß, hie und da häufen sich doch die Arbeiten, und das immer zur ungelegensten Zeit. Am nächsten Tage in aller Frühe wird mir die Mittheilung, ich müsse meinen Vor­gesetzten nach dem Landstädtchen Jndersheim be­gleiten, in dem ein Raubmord unter geheimnißvollen Umständen stattgefunden. Am Nachmittage sind wir bereits in dem langweiligen Neste angelangt, _ und nun geht durch einige Tage die heillose Quälerei von Verhören, Protokollaufnahmen und ähnlichen Belustigungen los. Endlich gelingt es uns, Licht in die Angelegenheit zu bringen; wir bekunden unseren Scharfsinn, indem wir den Verbrecher entlarven, und ruhmbedeckt kehren wir nach der Hauptstadt zurück.

v. Fr ege, Kommerzienrath Frentzel-Berlin, Gra v. Kanitz-Podangen, Graf v. Loö-Wissen, Vor sitzender der Rhein. Bauernvereine, Geh. Kommerzien­rath Michel in Mainz, Rittergutsbesitzer v. Plötz- Döllingen, Vorsitzender des Bundes der Landwirthe, Graf v. Schwerin-Löwitz, Reichsrath Freiherr v. Soden-Neufraunhofen, Oekonomierath Winkel­mann in Haus Köbbing, 2. Vorsitzender des Wests. Bauernvereins. Im ganzen gehören dem Ausschüsse 30 Herren an. Davon sind gleichmäßig je zehn von Landwirthschaft, Handel und Industrie gestellt worden. Die konservative Fraktion des Reichstages ist, wie man sieht, reichlich in dem wirthschaftlichen Ausschüsse vertreten, aber auch diese allein von allen Fraktionen des Reichstages.

* Im Gebäude des Reichstages ist am letzten Donnerstag den 4. Nov. eine vom Reichs-Eisenbahn- Amte einberufene EisenvahnKonferenz eröffnet worden. Ohne Zweifel steht die Berufung dieser Konferenz in Zusammenhang mit den Eisenbahn- Unfällen des letzten Sommers.

Niemand wird sich darüber beklagen dürfen, daß die Verhältnisse, welche mit der vielbesprochenen Mackere! - Werorduung in Zusammenhang stehen, nicht genügend untersucht würden. Denn neuerdings wieder sind auf Veranlassung des Bundesrathes die Behörden angewiesen worden, nach protokollarischem Einvernehmen mit den Bäckermeistern und Konditoren, welche Gehilfen beschäftigen, sich darüber zu äußern, ob nachtheilige Wirkungen der Verordnung des Bundes­rathes sicher erkennbar seien. Für den Fall, daß diese Frage Bejahung fordert, soll festgestellt werden, worin diese nachtheiligen Wirkungen bestehen. Auch soll darüber berichtet werden, ob Umstände zu Tage treten, die man als wirthschaftliche Schädigung des Gewerbes oder als nachtheilige Beeinflussung des guten Einver­nehmens zwischen Meistern und Gesellen deuten kann. Ferner soll in den Berichten auch der Gesichtspunkt berücksichtigt werden, ob die Verordnung mit Nachdruck durchgeführt worden ist, und ob die Klage über nach­theilige Wirkungen lebhafter hervorgetreten fein würde, wenn bei der Durchführung der Verordnung eine größere Strenge obgewaltet hätte.

st Eine dankenswerthe, übrigens schon vor einigen Wochen an gekündigte Arbeit ist vom Reichsamte des Innern in Angriff genommen worden. Sie soll unter dem etwas schwerfälligen Titel „Auswärtiger Kairdek des deutsche« Zossgevietes nach Her- kunsts- und Bestimmungsländern in den Jahren 1880 bis 1896" erscheinen. In dem Buche soll eine Zu­sammenstellung enthalten sein der Einfuhr und Aus­fuhr der wichtigsten Maaren, geordnet nach Ländern und nach der Menge und dem Werthe der Maaren. Ein Heft ist bereits erschienen, nämlich dasjenige über den Waarenverkehr mit Belgien.

X Am 28. Oktober hatte der Bundes rath eine Sitzung abgehalten, und es war in dem amtlichen Berichte über diese Sitzung erwähnt worden, daß der Bundesrath in dieser u. A. einem Entwürfe von

Wie schnell lebt man doch in einer Großstadt! Eine Fülle von Neuigkeiten erwartet mich dort: eine kleine niedliche Schauspielerin ist mit einem großen Herrn durchgebrannt; ein paar junge Damen meiner Bekanntschaft haben sich verlobt; mein Tisch- nachbar hat die Nachricht seiner Versetzung bekommen; Lieutenant Henninger hat einen brillanten Vortrag gehalten, ausgezeichnete Auffätze geliefert, und man munkelt von außertourlicher Beförderung ... und so geht es weiter.

Nachdem ich — von den Stammgästen jubelnd begrüßt — mich gekräftigt und durch einen guten Tropfen in die heroische Stimmung versetzt habe, deren wohl ein jeder zu einem Heirathsantrag bedarf — mache ich mich auf den Weg zu Kuhnemanns. Es ist mir lieb, den Onkel nicht im Vorzimmer, sondern allein in seinem Privatissimum anzutreffen. Hie und da schreibt er juristische Aufsätze in Fach­blätter, und scheint eben einen solchen zur eigenen Zufriedenheit beendet zu haben, denn er steht am Schreibpult, und das faltige Gesicht von einem selbst­gefälligen Lächeln erhellt, sieht er auf die beschriebenen Blätter, die vor ihm liegen. ,

Er begrüßt mich sehr freundlich, läßt mich aber in der eigenen Angelegenheit nicht zu Worte kommen.