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24) Freitag, den 29. Oktober 1897. 24. Jahrgang

FuldacrWZkitmig

_______ mit Untechaltungs-Kritage „Sterne um» Ktumeu".

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K» Die badischen Landtagswahlen.

Eine große Niederlage der National­liberalen ist das Ergebniß der Urwahlen zum badi­schen Landtage, die am Mittwoch in 31 Wahlkreisen stattgefunden haben. Fünf Mandate hat die bis­her in Baden alleinherrschende nationalliberale Partei nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen endgiltig verloren, die drei Karlsruher, das Mannheimer und das in Lörrach-Land. Ob die Nationalliberalen außerdem noch einen weiteren Sitz (Heidelberg-Land) an die Antisemiten abgeben müssen, steht noch nicht ganz fest. Karlsruhe verlieren sie an zwei Sozia­listen und einen Demokraten, Mannheim an die Sozialdemokratie und Lörrach-Land an die Frei­sinnigen. Schon mit dem Verluste von vier Sitzen hätten sie, wie die,Nationalzeitung'klagt, die Mehr­heit in der Kammer auch für den Fall verloren, daß die konservativen und antisemitischen Abgeordneten mit ihnen gehen.

Die Centrumspartei hat ihre sämmtlichen zwölf Wahlkreise behauptet; das Centrum wird also in seiner bisherigen Stärke von 21 Mitgliedern auch im neuen Landtage erscheinen.

Die nationalliberalen Stimmen sind in sämmtlichen Wahlkreisen zurückgegangen, auch da, wo sie noch in der Mehrheit geblieben sind. Die nationalliberalen Blätter trösten sich heute mit der Aussicht, in vier Jahren die verlorenen Sitze in Karlsruhe zurückzu­erobern. Die ,Bad. Landesztg/ macht die Ver­ordnung von unpolizeilichen Strafverfügungen und wenig liebenswürdigem Behandeln des Publikums seitens mancher Beamten sür den Wahlgang verant­wortlich und meint, daß auf der anderen Seite die Wahl in Karlsruhe der Dank für die Konzession sei für die Zulassung der Froh nleichnams- prozession. Schließlich ist natürlich der Geistliche Rath Wacker in Zähringen schuld, daß die Residenz der Umsturzpartei, wie das Blatt meint, au§geliefert sei. Auch die,Bad. Presse' will glauben machen, die Unzufriedenheit in der Bürgerschaft infolge über­triebener polizeilicher Maßregeln und anderer Dinge mehr hätte die Wähler zur Opposition getrieben. Aber man mag sagen, mas man will, jeder Verständige weiß, daß die Karlsruher Bürger nicht wegen des Verbots eines Festhallenkonzertes an hohen Feiertagen und wegen etwas schärferer Handhabung des Verbotes, Hunde in Wirthfchaften mitzubringen, und ähnlicher Dinge, die man hier im Auge hat, oppositionell gewählt hat, sondern weil sie endlich einmal mit der national­liberalen Wirthschaft aufräumen wollten.

W I« der morgigen Wr. Beginnen wir mit dem Abdruck einer sehr interessanten nnd spannenden (Sr- zähknng „Hin Gegenüber" von dem mit AeHt so 6e- tießten Schriftsteller £. von Aeidegg. Außerdem haßen wir für die nächste Ieit für unser Z-enMeton mehrere hüßsche Erzähknngen, Ikovelleuuud "Romane erworben n. A von Shit. Wasserburg, Antonie Jüngst, K. von Aeidegg n. s. w. ___________

Die christliche Heldin.

(Schluß.)

Doch die Sache sollte anders kommen. Unser Held konnte es nicht verwinden, daß er von dem alten Herrn so entschieden abgeblitzt worden und auch bei den Mitreisenden das Gegentheil fand; dies wollte er der unschuldigen Ordensfrau entgelten lassen, zugleich aber auch seine Niederlage und seine Verlegenheit verbergen. Er schimpfte wacker über Religion und Klöster, und stellte die Nonnenklöster als Asyle für gebrochene Herzen dar. Seiner Un­gezogenheit aber setzte er die Krone auf mit den Worten: „Schade, daß Sie so jung ins Kloster ge­gangen sind! Sie sind hübsch, vielleicht wären Sie doch bald unter die Haube gekommen. Oder aber hat Ihr Alter zu Hause . . ."

Ein allgemeines Murren des Unwillens strafte diese neue Unverschämtheit. Die Ordensfrau ent­färbte sich. Dann aber faßte sie sich gleich und ent­gegnete sanft: „Mein Herr! Ihre Witze sind gewiß

Ueber die Wahlen in der Hauptstadt Karls­ruhe schreibt man der ,Frankf. Ztg.': Herr Ober­bürgermeister Schnetzler, der vor zehn Tagen dem Kaiser gegenüber die Meinung aussprach, die Stadt Karlsruhe werde die Treue bewahren, die sie im Wappenschild führe — er meinte dabei die natio­nalliberale Treue — hat wieder mit einer Prophe­zeiung Unglück gehabt; auch der Großherzog, der am Tage vor Enthüllung des Kaiserdenkmals in ähn­lichem Sinne von der „ewig treuen" Stadt Karls­ruhe sprach,^ wird es seinen Berathern nicht besonders danken, daß sie ihm den Volkswillen in so ver­schleierter Form unterbreiteten. In indirekter Wahl hat die Mehrheit der Bevölkerung sich gegen den herrschenden Nationalliberalismus erklärt, von 420 Wahlmännern sind 228 der Opposition angehörende gewählt und nur 192 nationalliberale. Dabei sind Bezirke gewonnen worden, an deren Gewinn man nicht dachte, aber auch einige verloren gegangen, in denen man glaubte, einer Agitation gar nicht zu be­dürfen. Neben der rührigen Agitation der Sozial­demokratie und der Deutschen Volkspartei ist das Resultat nicht zum Geringsten dem „W a h l- kuvert" zu verdanken, das in einigen Bezirken Wunder gewirkt hat. Auch Freisinn und Cen­trum haben zum Gelingen des Sieges ihr redlich Theil beigetragen und man darf wohl sagen, daß mit diesem Sieg der Opposition die Macht des Nationalliberalismus in Baden definitiv gebrochen ist, denn auch die Nachrichten aus dem Lande sind im Allgemeinen erfreulich und zeigen überall einen be- merkenswerthen Rückgang der Nationalliberalen. Auf dem Rathhaus dauerte es sehr lange, bis das Resultat der Wahl bekannt wurde, während in Oppositions­kreisen bereits der Sieg gefeiert werden konnte. Die blödesten Verdächtigungen, der albernste Wauwau vor den Sozialdemokraten, Alles hat nichts genützt, die Residenz hat erklärt, daß sie von dem National­liberalismus nichts mehr wissen will, sie hat dies heute in unzweideutiger Weise doku- mentirt.

Falls nicht die Hauptwahlen noch einige lieber« raschungen bringen, werden die 63 Sitze der badischen Kammer demnächst folgendermaßen unter die Parteien vertheilt sein: Das Centrum behält die alte Stärke von 21, während die Liberalen statt 31 nur noch 25, die Linksliberalen 7, die Sozialisten 5, die Antisemiten 2, die Konservativen 2 Mitglieder zählen. Hierzu kommt ein „wilder" Abgeordneter, der aber bisher meist mit den Nationalliberalen gestimmt hat.

Deutsches Keich.

Berlin, 28. Oktober.

* Der WundesratH hat am letzten Donnerstag eine Plenarsitzung abgehalten. Vorher beriechen geistreich, nur geht mir das Verständniß dafür ab; auch bin ich nicht in der Stimmung, dieselben würdigen zu können. Verschonen Sie mich also da­mit — aus Liebe zu Ihrem Vater, einem braven Katholiken,", fügte sie hinzu, als sie bemerkte, wie der Angeredete hohnlächelnd wieder anfangen wollte.

„Mein Vater, wa . . . was, geht Sie das an?" stotterte der Held verlegen. „So, so. Sie wissen ... oder wollen doch wissen, daß er Katholik ist . . . Prächtig! Einen Thaler gebe ich Ihnen für Ihre Kranken, wenn Sie meinen Vater gekannt haben. Ei, bis jetzt wußte ich noch nicht, daß die Nonnen an der Unfehlbarkeit und Allwissenheit des Papstes theilnehmen, ha, ha, ha! Wirklich ausgezeichnet!"

„Den Thaler mögen Sie sparen, Sie können den­selben vielleicht später selbst brauchen oder Ihrer alten Mutter zukommen lassen, wie es Ihre Pflicht wäre. Damit Sie aber einsehen, daß man ohne die sog. Allwissenheit des Papstes Ihren Vater kennen kann, so mögen Sie wisfen: Sie haben einen älteren Bruder, der bis vor 5—6 Jahren in einem Bank- Hause in K. Kassirer war; bei einer Revision seiner Kasse ergab sich ein Fehlbetrag von 5800 Thalern; wie sich bald herausstellte, hatte er dieselben verun­treut, um geheime Schulden zu bezahlen, die ihn des Restes von Vertrauen mußten verlustig machen. Sein greifet Vater, der in Ehren alt geworden, kam im tiefsten Schmerze zum Bankier und bat ihn unter

bte vereinigten Ausschüsse für das Landheer und die Festungen und für Handel und Verkehr, sowie derjenige für Eisenbahnen, Post und Telegraphen, sowie der Ausschuß für Justizwesen.

* Herzog Georg von Sachsett-Meiumge» wird am 2. November fein 50jähriges militärisches Dienstjubiläum feiern.

h Der ,Reichsanzeiger' meldet nunmehr amtlich: „Se. Maj. der Kaiser haben allergnädigst geruht, den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Wirkt. Geh. Rath Freiherr« Marschall v. Meverstem, von seiner bisherigen Stellung behufs anderweitiger dienst­licher Verwendung zu entbinden und den Botschafter am Königl. Jtal. Hofe, v. Bülow, unter Abbe­rufung von diesem Posten zum Staatssekretär des Auswärtigen Amtes zu ernennen." — Freiherr von Marschall, der, wie bekannt, als Botschafter nach Konstantinopel gehen wird, hat sich Mittwoch Abend mit seiner Gattin nach seiner Besitzung Neuershausen bei Huckstedt in Baden begeben.

* Der gesummte Bundesrath sandte dem hessischen Gesandten v. Aeidhardt zur Feier seiner 25jährigen Zugehörigkeit zum Bundesrath ein prachtvolles Blumen­arrangement, während die hier anwesenden Mitglieder des Bundesraths persönlich ihre Glückwünsche über­brachten. In feiner schlichten Art hatte der Jubilar so wenig Aufhebens von diesem Gedenktage gemacht, daß seine Töchter durch das Eintreffen der Gratu­lanten im hohen Grade überrascht waren.

st Nicht nur im hannoverschen Wahlkreise Stade, sondern auch im Reichstags-Wahlkreise Dresden- Altstadt sollte Graf Aeröerl Mismarck als Kandidat aufgestellt werden; in diesem letzteren Wahl­kreise natürlich von den Konservativen. Diese letztere Kandidatur scheint aber auf Schwierigkeiten zu stoßen; denn Gras Bismarck, so wird berichtet, soll die An­nahme dieser Kandidatur abhängig machen zu wollen von dem Ausfälle der Wahl im Wahlkreise Stade, und das wollen die Konservativen natürlich nicht zu­geben.

X Von neuem sind in diesen allerletzten Tagen Gerüchte über eine unmittelbar bevorstehende Kauzler- Urifts aufgetaucht, in Verbindung mit dem Schicksal der Vorlage über eine Reform des militärischen Strafprozesses. In Süddeutschland soll der Reichskanzler gelegentlich geäußert haben: „Ich kann und will nicht mit leeren Händen vor den Reichstag treten; ich hoffe aber, daß noch etwas Brauchbares zustande kommt." Und da es nun mehr als zweifelhaft erscheinen muß, ob dieses „Brauchbare" wirklich zustande kommt, tauchten von neuem „Besorg­nisse" auf vor den „Konsequenzen", die diese Sache haben würde. Diesen „Besorgnissen" gegenüber glaubt die Berliner ,Post' „mit Nachdruck betonen zu können, daß sich in der letzten Zeit die innerpolitische Sage nicht geändert hat und eine Veranlassung für

Thränen, er möge doch die Sache niederschlagen aus Rücksicht auf seine weißen Haare, aus Rücksicht auf ne Zukunft seines Sohnes, den er an der Hand ührte, und dessen Ehre mit der seines schuldigen Bruders vernichtet würde. Der Bankier schlug die Sache nieder, den Vater aber brachte der Gram über die Schande seines ältesten Sohnes bald ins Grab. Der jüngste Sohn sind Sie, der Bankier ist . . . mein sterbender Vater," ergänzte sie unter Schluchzen.

Todlenstille folgte diesen Worten, nur unter­brochen vom Schluchzen der Ordensfrau. Der Hand­lungsreisende war wie niedergedonnert, seine Wangen erbleichten. Kein Anwesender vermochte ein Wort zu sprechen. Selbst der Genosse des Unverschämten schien niedergeschmettert. An der nächsten Station verließen sie den Wagen lautlos und bestiegen einen anderen, um ihre Reise fortzusetzen.

Auch nachdem die Störenden sich entfernt hatten, blieben wir noch ganz unter dem Eindrücke ihrer Niedertracht und empfanden das lebhafteste Mitgefühl für die hochherzige Tochter, die Welt und Reichthum in der Blüthe der Jugend verlasfen, um den Kranken und Armen ihre Liebe und ihre Kräfte zu weihen, und dafür den Spott und Hohn der Welt als Dank zu ernten. Es mochten so ungefähr zehn Minuten verflossen fein, als auf einmal ein gewaltiger Ruck uns theilweise von den Sitzen warf; aus allen Wagen hörte man Hilferufe, die Lokomotive kreischte