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M 248 Donnerstag, den 28. Oktober, 1897 2L Jahrgang

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mit A»terhatt«ngs-KeiiÄse „Sterne und KLrrrnrn".

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Deutsches Deich.

Berlin, 26. Oktober.

* Reichskanzler Iürst zu KotzeukoHe ist letzten Dienstag Abend aus Baden-Baden in Frankfurt a. M. eingetroffen und setzte Mittwoch früh die Reise nach Berlin fort. Auf besonderen Wunsch des Kaisers war der Reichskanzler behufs „Besprechung einer innerpolitischen Angelegenheit" beim Großherzog von Baden.

h. In der Presse ist die Meldung aufgetaucht, daß für diesen Winter größere militärische Manöver geplant seien. Das gesammte Gardekorps solle unter dem persönlichen Befehl des Kaisers ausrücken. Von anderer Seite wird dagegen behauptet, daß an unter­richteter Berliner Stelle nichts von solchen Plänen bekannt sei. Vielmehr würden die Wintermanöver in diesem Jahre die früheren nicht an Umfang über­treffen. .

* Ueber den Zeitpunkt der Wiedereröffnung des Aeichslages wird zur Abwechselung wieder einmal versichert, die Wiederaufnahme der Sitzungen werde voraussichtlich erst im Anfänge des Monats Dezember erfolgen. Wir verzeichnen der Vollständigkeit wegen auch dieses Gerücht.

* Um die Verwendung von Branntwein bezw. Spiritus zu Koch-, Heizungs-, Putz- und Be­leuchtungszwecken thunlichst zu fördern, hat nach der ,Berl. Korr/ der Bundesrath am 21. Okt. 1897 beschlossen, die Areunkeuervergütuug für den mit dem allgemeinen Denaturirungsmittel denaturirten Branntwein, welcher bisher 1 Mk. 50 Pfg. für das Hektoliter reinen Alkohols betrug, vom 1. November 1897 ab auf 2 Mk. 50 Pfg. zu erhöhen. Für ausgeführten und zur Essigbereitung verwendeten Branntwein bleibt die bisherige Vergütung von 6 Mk. für das Hektoliter reinen Alkohols bis auf Weiteres unverändert.

* Am letzten Sonntag überbrachten die in Berlin anwesenden Mitglieder des geschäftsführenden Aus- fchuffes des Verbandes der deutschen Aerufsgenoffe«- schafte« Herrn Dr. Bödiker, dem früheren Präsi­denten des Reichs-Versicherungs-Amtes, die von dem genannten Verbände gestiftete Adresse.

* Entgegen der Anschauung des preußischen Ministers des Innern hat das Höerverwattungs- gerichl wiederholt entschieden, daß Versammlungen, -in denen polnisch gesprochen wird, auch dann nicht aufgelöst werden dürfen, wenn der überwachende Beamte der polnischen Sprache nicht mächtig ist. Demnach also muß es polnischen Staatsangehörigen

MF“ An den nächsten Tagen beginnen wir mit dem Abdrnck einer sehr interessanten «nd spannenden Er- zähknng „Hin Gegenüber" von dem mit Aecht so be­liebten Schriftsselker K. von Weidegg. Außerdem haben wir für die nächste Ieit tür unser Ienilleton mehrer« Hübsch« Erzählungen, Moveklen und Domäne erworben «. A. von Whik. Wasserburg, Antonie Aüngst, L. von Meidegg «. s. w.

Die christliche Heldin.

Mein Beruf als Kaufmann — so erzählt ein norddeutscher Protestant — bringt es mit sich, daß ich häufig die Eisenbahn benutze, und das Reisen ist mir nahezu zur zweiten Natur geworden. Eine Reife aber bleibt mir mein Leben lang in lebhafter Er­innerung: die von Berlin nach S . . . Der Zug follte eben abfahren, als noch der Schaffner die Thüre unseres Wagens aufriß und eine katholische Ordens- frau mit ihrer Begleiterin zu uns führte, die in der Damenabtheilung keinen Platz mehr fanden, da die­selbe überfüllt war. Die Ordensfrau grüßte freund­lich und nahm bescheiden einen noch freigebliebenen Eckplatz ein. Ihre Kleidung machte sie als barm­herzige Schwester kenntlich; sie war noch jung, höchstens mochte sie 25 Jahre zählen; die schönen, feinen Züge aber waren von tiefer Trauer umschattet, und die blauen Augen glänzten noch feucht von vergossenen Thränen.

freistehen, in Versammlungen in polnischer Sprache zu verhandeln. Diese Entscheidung des Oberoer- waltungsgerichtes wurde gefällt in Sachen eines ober­schlesischen Falles. In Oberschlesien wurden im Frühling dieses Jahres verschiedene Versamiylungen nur deswegen aufgelöst, weil in denselben polnisch gesprochen wurde, ohne daß der anwesende Beamte angeblich polnisch verstand. Amtsvorsteher, Landrath und Regierungspräsident von Oppeln haben nun durch die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes unrecht bekommen.

X Im Lager der Sozialdemokratie ist ein Streit ausgebrochen über die Bedeutung des Beschlusses, den der sozialdemokratische Parteitag in Hamburg über die Vethelligung der Sozialdemo­kratie an den preußischen Landtagswahlen gefaßt hat. Die Abgeordneten Bebel und Auer auf der einen Seite meinen, in zweifelhaften Fällen müsse von vornherein auch ein Kandidat der bürger­lichen Opposition unterstützt werden; der Abgeordnete Singer auf der andern Seite verficht die Ansicht, daß zunächst überall eigene Kandidaten ausgestellt werden müssen, und daß nur bei Stichwahlen die Sozialdemokratie zu Gunsten „des kleineren Nebels" ihre Stimme in die Wagschale werfen dürfe. In Berlin scheint die Singer'sche Anschauungsweise zu überwiegen. Hier werden wohl Freisinnige und Sozialdemokraten schon vorher gelegentlich der bevor­stehenden Ergänzungswahlen zur Stadtverordneten­versammlung scharf aneinander gerathen. Wunderlich nehmen sich die Anstrengungen aus, die Herr Eugen Richter in seiner .Freisinnigen Zeitung' unternimmt, um die Sozialdemokratie von der Vortrefflichkeit des Auer'schen Rezeptes zu überzeugen. Danach scheint es fast, als fühlte sich die freisin.nge Volkspartei recht schwach gegenüber den anderen Parteien, und als brauchte sie nothwendig die Hilfe der Sozialdemokratie zur Erzielung von Erfolgen.

h In Berlin und Charlottenburg stehen Krganzungs Wahlen für die kommunale« Körperschaften bevor. Diesmal macht sich auch in katholischen Kreisen, unseres Wissens zum erstenmal, eine systematische Bewegung angesichts dieser Wahlen geltend. Zunächst werden Sozialdemokraten grund­sätzlich nicht unterstützt. Außerdem wird man auch solchen Kandidaten die Unterstützung versagen, die den katholischen Interessen sonstwie grundsätzlich feind­lich gegenüberstehen. Es scheint gar nicht ausgeschlossen, daß in absehbarer Zeit auch eigne katholische Kandi­daten für die Kommunalwahlen aufgestellt und in einzelnen Bezirken durchgebracht werden.

* Gegen den Wageumaugel der Eisenbahnen gehen jetzt auch die Militärbehörden vor. Wie verlautet, soll mehreren Eisenbahndirektionen von der zuständigen Militärbehörde in aller Form notifiziert worden sein, daß bei eintretender Mobilmachung der

Als Protestant bin ich nicht begeistert für das katholische Ordensleben, aber für die Barmherzigen Schwestern, die auf den Schlachtfeldern und in den Krankenhäusern Evangelische sowohl als Katholiken mit der gleichen Liebe und Sorgfalt pflegen, hatte ich von jeher große Verehrung, da Freund und Feind ihrem selbstlosen Wirken Anerkennung zollen. Auch mein Nachbar, ein ältlicher Herr, der sich eben eine Cigarre angesteckt hatte, schien diese Verehrung zu theilen. Um die Neuangekommene mit ihrer Gefährtin, da beide die einzigen weiblichen Insassen unseres Wagens bildeten, durch sein Rauchen nicht etwa zu belästigen, warf er den bereits angebrannten Glimm- stengel zum Fenster hinaus. Da der Zug etwas Ver­spätung hatte, erkundigte sich die Krankenschwester an­gelegentlich, ob er wohl noch Anschluß habe an den Schnellzug nach K.; ein Telegramm habe sie an das Sterbebett ihres Vaters berufen, und falls sie keinen Anschluß habe, sei es unmöglich, heute noch ihr Eltern­haus zu erreichen. Als man nun allgemein der An­sicht war, der Schnellzug habe ebenfalls, und zwar noch größere Verspätung des hohen Schnees wegen, lehnte sie sich etwas beruhigt in ihre Ecke, und nur die Bewegung der feinen Lippen deuteten darauf hin, daß sie für den sterbenden Vater bete an dem Rosen­kränze, den ihre Finger berührten. Alle Mitreisenden ehrten den Schmerz der jungen Ordensfrau und unter­hielten sich nur halblaut.

gesummten Armee der derzeitige Wagenpark schlechter­dings nicht ausreichen würde, um die Truppen mit den Pferden ec. nach dem von den Linien-Kommissionen bearbeiteten Fahrplane rechtzeitig zu befördern. — Und wir bleiben dabei, wenn noch so viel neue Wagen gebaut werden, wird der Wagenmangel nicht aufhören, fondern sehr bald noch schlimmer werden, weil die vorhandenen Linien wegen ihrer zu starken Fre­quenz nicht in der Lage sind, die leeren Wagen ihrem Bestimmungsorte wieder zuzuführen. Man entschließe sich endlich — um in Mobilmachungsfällen nicht auch den Handel und Wandel ganz lahm legen zu müssen, — zum Bau wichtiger Verbindungs­linien zwischen den Hauptbahnen, die in Friedens­zeiten dazu dienen, besonders die Waggons wieder den Jndustriebezirken zuzuführen und in Mobilmachungs­und Manöverzeiten dem Handel und dem allgemeinen Verkehr von großer Wichtigkeit sein werden. — Eine solche seit nunmehr 30 Jahren als nothwendig und rentabel nachgewiesene Linie ist die von W e r n s - hausen über Dermbach und Geisa nach der Frankfurter-Bebraer Bahn, welche dann über Zella St. Blasien 3 große Bahnen verbindet und recht wohl in der Lage ist, die großen, ihren Aufgaben nicht mehr gewachsenenBahnhöfeKafsel-Bebra-Eisenach- Gotha zu entlasten.

* Ireiöurg t. A., 27. Okt. Bei den heutigen Landtagswahlen hat hier die Centrumsp artei mit bedeutender Majorität (223 Wahlmänner gegen 31 liberale) gesiegt.

* München, 27. Okt. Als Weg, der zur Auf­hebung der Regentschaft in Bayern beschritten werden müßte, wird in der ,Augsburger Postzeitung, die Verzichterklärung des Königs Otto an­gegeben, welche durch dessen Kuratel auszufprechen wäre. Hierzu müßte Prinz-Regent Luitpold die Initiative ergreifen. Da dieses aber nach den authentischen Erklärungen des bayerischen Minister­präsidenten ausgeschlossen sei, so müßten beide Kam­mern des bayerischen Landtages den Prinz-Regenten in einer gemeinschaftlichen Adresse oder in zwei gleich­lautenden darum bitten. In den Kammern würde freilich Niemand zur Zeit den angegebenen Weg vor­schlagen wollen, und so ruhe die Sache einstweilen, bis die Dinge herangereift feien.

Ausland.

* Ar«stet, 27. Okt. Ueber den Plan der belgischen Staatsbahnverwaltung, künftighin nur mehr zwei Wagenklassen zu führen, sind nach Außen hin mißverständliche Angaben verbreitet worden. Der Plan besteht und ist seiner Ausführung unmittelbar nahegerückt; nur sind es nicht die Wagen zweiter Klasse, welche künftig als vornehmste Klasse laufen, sondern dieselben fallen vielmehr gänzlich fort.

Auf der Station H. verließen einige Jnsaffen unsere Abtheilung, zwei junge Männer stiegen ein und nahmen bald durch ihr keckes, fast herausforderndes Benehmen die Aufmerksamkeit aller Anwesenden in Anspruch. Nachdem sie ihrem Unmuth über die Ver­spätung Luft gemacht, schimpften sie weidlich über die Eisenbahnverwaltung, die auf die Reisenden keine Rücksicht nähme u. s. w. Als auch dieses Thema erschöpft war, machten sie in Politik und entwickelten solch weltverbesserliche Ansichten, daß es jammerschade wäre, wenn die leitenden Staatsmänner von ganz Europa auf die Dauer sich dieser Weisheit verschließen würden. Der Jüngste von ihnen — er mochte etwa 19 Sommer hinter sich haben — hatte schon seit ein paar Minuten die Barmherzige Schwester ins Auge gefaßt, die, in Gebet versunken, gewiß nicht auf feine Faseleien achtete. Als er nun mit feiner politischen Kannegießerei zu Ende war, spielte er auf das religiöse Gebiet über, allem Anscheine nach, um die Betende zu ärgern.

Er begann mit den Wallfahrten nach Kevelaer, die er lächerlich zu machen suchte, und erzählte dem mit ihm eingestiegenen Gefährten — beide wären Handlungsreisende —, er brauche jetzt ein Jahr und darüber nicht zu beten, da er sich in Kevelaer Ablaß dafür geholt; diesen geistreichen Witz lohnte ihm der Andere mit schallendem Gelächter. Dadurch ermuthigt, fing unser Held an, über die Klöster zu raifonmren,