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M 244 Samstag, den 98. Oktober 1897. 24. Jahrgang

FuldaerMZeitiing

mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Kluwen".

Erscheint täglich, Som>- nnb Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Stad 50 Pfennig. Inserate losten die einspaltige Sarmondzeile oder deren Raum 15 Ps., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

liches genug bietet. Deshalb ist eine rege Betheiligung in dem allzeit gastfreundlichen Köln sicher zu erwarten. Alle Anfragen in Charitasangelegenheiten wolle man an den Präsidenten des Charitaskomitös Herrn Dr. Lor. Werthmann in Freiburg i. Br. richten, der auch die Anmeldungen zum „Charitasverband für das katholische Deutschland" entgegennimmt.

X Eine die Ileforrnschute betreffende Blätter­meldung, wonach das Kultusministerium beabsichtigt, mehrere Reformschulen nach dem Muster der Frank­furter einzurichten, veranlaßt die ,Kreuzztg/, der Auf­fassung entgegenzutreten, als ob eine Massen Um­wandlung von höheren Lehranstalten in Reform­schulen geplant sei. Wie das Blatt hört, beschränkt sich die Sache darauf, daß der Versuch mit den Reformschulen noch an einigen anderen Orten als Frankfurt gestattet ist, weil er nur so zu zuver­lässigen, von der besonders günstigen Lage der Ver­hältnisse in einer einzelnen Stadt unabhängigen Er­gebnissen führen könne. Im übrigen nehme das Kultusministerium nach wie vor eine durchaus ab- w art ende Haltung zu dem Reformversuche ein.

X Das Ergebniß der Kntsendirng gewervkicher Sachverständiger nach Hstafien wird, wie die ,N. A. Z/ mittheilt, nach den bereits vorliegenden Berichten den an sie geknüpften Erwartungen ent­sprechen. Die entsandten Herren werden demnächst zurückkehren. Gleichzeitig theilt die ,N. A. Z/ mit, daß aus dem in den Etat des Reichsamtes des In­nern zur Unterstützung der allgemeinen Interessen von Handel und Gewerbe eingestellten Fonds mehrere Fachschulen, deren Wirkungskreis sich über das ganze Reich erstreckt, sowie der Central st eile für Arbeiterwohlfahrts-Einrichtungen Beihil­fen zugewandt worden sind. Ferner hat der Staats­sekretär Graf Posadowsky vor Kurzem der neuer­dings gegründeten Deutschen Versuchs-Anstalt für Leder-Industrie zu Freiburg i. S. eine Un­terstützung gewährt. In dieser Anstalt sollen nament­lich auch umfassende Untersuchungen über die Ver­wendbarkeit der verschiedenen Gerbmaterialien und Gerbprozesse veranstaltet werden, eine Wirksamkeit, die für die inländische Produktion, wie die ,N. A. Z' mit Recht hervorhebtz wesentliche Bedeutung erlangen kann.

X Die Aimetakkiste« sollen beabsichtigen, un­mittelbar nach dem Zusammentritt des Reichstages wieder eine Anfrage über ihre Stellung zur Währungs­frage an die Regierung zu richten und auch im preuß. Landtage Anträge einzubringen. Nachdem soeben die englische Regierung erklärt hat, keine Währungskon­ferenz zu beschicken und die indischen Münzstätten nicht öffnen zu wollen, könne die „um Dr. Arndt" nur die Gelegenheit zur Anbringung einiger Reden benützen wollen. Irgend einen praklischen Zweck können Inter­pellationen und Anträge nicht haben. Bisher waren auch unsere Bimetallisten der Ueberzeugung, daß ohne England die internationale Doppelwährung unmöglich sei. Das wurde vor zwei Jahren auch in Beschlüssen des Landtages ausdrücklich ausgesprochen. Sollten sich inzwischen etwa die Ansichten geändert haben? Bei der Regierung und der Mehrheit der Volksver­tretung schwerlich. Uebrigens wird jetzt aus Rewyork gemeldet, die amerikanische Regierung wolle sich, da sie jetzt nunmehr wählen könne zwischen freier Silber­prägung und Goldwährung, für die Goldwährung entscheiden.

X Bezüglich des Derkaufs von Margarine liegt dem Bundesrath ein Gesuch des Centralver­bandes deutscher Kaufleute um Aufklärung darüber vor, was unter getrennten Verkaufsräumen im Sinne des Margarinegesetzes zu verstehen sei. Wie die ,Postt erfährt, dürfte der Bundesrath dem Gesuch nicht stattgeben, da die Frage der Trennung der Verkaufsräume nicht zu den Punkten gehöre, bezüglich deren der Bundesrath Ausführungsbestimmungen zu erlassen berechtigt sei. Die,Post' meint, man solle die Entscheidung der Frage, was unter getrennten Verkaufsräumen zu verstehen sei, zunächst dem ge­sunden Urtheil der überwachenden Beamten überlassen oder diese Entscheidung nach dem Inkrafttreten des Gesetzes (1. April k. I.) durch ein gerichtliches Er- kenntniß herbeiführen.

* Einen Gesetzentwurf betr. die Bekämpfung des Bauschwindels hoffen nach der ,M. P. K.'

die verbündeten Regierungen dem Reichstag noch in seiner nächsten Session vorlegen zu können. Den Bauhandwerkern sollen gewisse hypothekarische Vor­rechte gesetzlich eingeräumt werden.

* Ans kaufmännischen Kreisen ist der preu­ßische Justizminister angegangen worden, von Zeit zu Zeit die Namen derjenigen Personen zu veröffent­lichen, die den Offenb arungseid geleistet haben. Unzweifelhaft wäre eine derartige fortlaufende Be­kanntgabe den Interessen des gesammten Handelsstandes förderlich. Andererseits läßt sich doch aber auch nicht verkennen, daß sie in manchen Fällen eine unbillige Härte bedeuten würde, so für den, der, durch unver­schuldetes Unglück um Hab und Gut gekommen, sich zur Ablegung des Offenbarungseides gezwungen sieht und dann noch seinen Namen der breiten Oeffentlich- keit übergeben sehen würde. Vielleicht ließe sich der angestrebte Zweck erreichen und diese Härte doch theil- weise vermeiden, wenn die Gerichte vom Justizmini­ster angewiesen werden würden, von Zeit zu Zeit der nächsten Handelskammer zur Mittheilung an die Interessenten eine derartige Namensliste zugehen zu lassen. Voraussichtlich werden zunächst die Handels­kammern um ihre Meinung in dieser für den Han­delsstand wichtigen Angelegenheit befragt werden.

* Bei der Eintragung von Waarenzeiche« könnte die Reichsbehörde die Gefühle der Katholiken etwas mehr schonen. Wir finden in der 5. Beilage zum „Reichsanzeiger" Nr. 246 auf Spalte 1 unter Nr. 26 852 ein Warenzeichen eingetragen, welches Papst Leo XIII. mit einem verzerrten Gesichte dar­stellt und dazu noch die Unterschrift trägt: „Leo XIII." An der einen Seite des Kopfes des Papstes steht: „Gesetzlich geschützt", an der anderen „Marca regi- Strade“. Eingetragen ist die für jeden Katholiken höchst anstößige Marke für eine Firma Karl Seegers in Hamburg, die mit Bier, Wein und Spirituosen handelt. Anscheinend soll die Marke für irgend einen Schnaps verwendet werden. Die Nuditäten in den eingetragenen Marken sind in der letzten Zeit seltener geworden, dafür aber mehren sich die Heiligen­bilder in auffälliger Weise. Man muß dabei auf den Gedanken kommen, daß im Kaiser!. Patentamte nicht das richtige Verständniß dafür herrscht, was uns Katholiken ehrwürdig und heilig ist, und was wir nicht zu unwürdig profanen Zwecken gebrauchen lassen wollen. Wir fühlen uns gedrungen, gegen solche Marken, wie die oben erwähnte, Protest zu erheben und bitten die katholische Presse, mit uns fortan ein schmfes Auge darauf zu halten, ob Marken einge­tragen sind, die für jeden Katholiken etwas tief Verletzendes an sich haben.

* Wie scbon mitgetheilt, findet im Deutschen Reiche am 1. Dezember 1897 eine allgemeine MeH- zähknng statt, welche sich auf Pferde, Rindvieh, Schafe, Schweine, Ziegen, sowie auf Gänse, Enten und Hühner erstreckt; gleichzeitig soll die Zahl der viehbesitzenden Haushaltungen ermittelt werden. Vorübergehend abwesendes Vieh wird mitgerechnet, dagegen bleibt vorübergehend anwesendes, z. B. in Wirthshäusern, unberücksichtigt. Die Zählung soll wissenschaftlichen und gemeinnützigen Zwecken dienen, in keiner Weise aber zu steuerlichen Zwecken ver­wendet werden. Das Königl. statistische Bureau in Berlin ist mit der Prüfung und Zusammenstellung der Zählergebniffe beauftragt. Die Ortsbehörden werden die Zählung durch freiwillige Zähler vor­nehmen lassen; dabei wird auf die entgegenkommende Mitwirkung der Ortseinwohner wie der Staats- und Gemeinde-Beamten, insbesondere der Lehrer gerechnet, damit die Zählung in zweckentsprechender Gründlich- keit zu Stande kommt. _________________________

Ausland.

* Antwerpen, 22. Oft. Im Rathhause fand gestern Abend Emp fang der deutschen Bürger­meister und Handelsvertreterstatt. Anwesend sind die Oberbürgermeister von Köln, Frankfurt a. M., Düsseldorf, Aachen, Duisburg, Straßburg, Ruhrort, Mainz, Mannheim, Crefeld; ferner als Vertreter oder Begleiter der Oberbürgermeister und Handelskammer- Präsidenten Abgeordnete von Mainz, M.-Gladbach, Düsseldorf, Vertreter 48 verschiedener Handelskammern, 16 Vertreter wirthschaftlicher Interessengruppen Rhein­lands und Westfalens.

Deutsches Deich.

Berlin, 22. Oktober.

* Der Kaiser stattete am Donnerstag dem russischen Kaiser in Darmstadt einen Gegenbesuch ab. Heute ist der Kaiser wieder im Neuen Palais ein­getroffen. Aus Anlaß des Geburtstags der Kaiserin fand Abends größere Tafel statt.

* Der Zsteichskanzker wird der,N. A. Z/ zu­folge voraussichtlich am Montag wieder in Berlin eintreffen. In Schillingsfürst traf am Donnerstag der Staalssekretär v. Bülow ein, um vor lieber« r/ichung seines Abberufungsschreibens in Monza dem Fürsten Hohenlohe einen Besuch abzustatten.

* Mieder eine Enthüllung! In der Ein­leitung zu einem übrigens sehr sympatischen Berichte über die Enthüllung des Kaiser Friedrich- Denkmals in Wiesbaden stellt die ,Köln. Ztg.' die folgenden nur zu berechtigten allgemeinen Betrachtungen an: „Die Denkmalerrichtungen und Feste der Denkmal­enthüllungen häufen sich besonders seit dem Tode der Kaiser Wilhelm und Friedrich in einer Weise, die oft lebhafte und ernste Betrachtung in unseren politischen Parteien hervorruft. Politische Kannen­gießer haben schon den schlechten Witz wiederholt, daß wir am Ende unseres Jahrhunderts nicht nur im Zeichen des Verkehrs, sondern auch im Zeichen der Enthüllungen lebten; seien keine politische Ent­hüllungen auf der Tagesordnung, so werde wenigstens ein Denkmal enthüllt; enthüllt werde aber immer. So viel ist zweifellos, daß das Interesse an Denk­mal-Festen in der Allgemeinheit sehr abnimmt, ja allmählich in den Kreisen, die außerhalb der Peripherie des Denkmal-Ortes ihr Dasein fristen, verschwindet. Fällt dazu eine solche Feier mit ihren Begleiter- Ickeinungen auf einen Werktag und häufen sich solche kostspieligen Tage im Laufe der Wochen, dann ist ein weiteres Kapitel zu der Frage geliefert, welche Wirkung häufige rauschende Festlichkeiten, die in die bürgerlichen Arbeitstage hinein­ragen, auf unsere wirthschaftlichen und sozialen Ver­hältnisse üben und ob nicht von gewisser Seite da ein schützender Damm errichtet werden könnte gegen Hochfluthen verschieder Regungen, Gesinnungen und Lebensart, die heute noch zu wenig beachte! rverden, trotz ihrer weittragenden, große Gefahren in sich bergenden Richtung und Wirkung."

* Das preußische Ministerium hat der Genossen­schaft der Väter des göttlichen Wortes von Steyl die Genehmigung zur Errichtung einer Nieder­lassung in Letmathe bei Iserlohn versagt. In der geplanten Anstalt sollten Missionare für die deutschen Schutzgebiete in Afrika ausgebildet werden.

* Wie schon kurz mitgetheilt, wird am 9. und 10. November zu Köln der zweite deutsche Khari- tastag stattfinden in Verbindung mit der General­versammlung des auch um die Wohlihätigkeits - Be­strebungen hochverdienten Verbandes „Arbeiter­wohl". Die Nothwendigkeit eines engeren Zusammen- fchlusses der kachol. Charitasfreunde drängt sich jedem immer mehr auf, der mit klarem Blick unsere heutigen Zeitverhältnisse überschaut. Erfreulicherweise hat dieses Bewußtsein schon weite Kreise erfaßt, so daß man bereits die Gründung eines „Charitasver- -bandes für das kath. Deutschland" in diesem Jahre ins Auge fassen konnte. Derselbe soll auf dem diesjährigen Charitastag eüdgiltig ins Leben treten. Bereits 400 Anmeldungen von Einzelpersonen, Korporationen und Anstalten liegen vor. Am frucht­barsten für die gegenseitige Anregung, Belehrung und Belebung der Wohlthätigkeitsbestrebungen dürfte wohl die zu Freiburg i. Br. erscheinende Zeitschrift .Charitas' gewirkt haben, die sich einer stets zunehmenden An­erkennung und Bedeutung erfyeut, wofür die nunmehr auf 2800 gestiegene Abonnentenzahl der beste Beweis ist. Wichtige und außerordentlich zeitgemäße Fragen der Gegenwart werden auf dem diesjährigen Charitas­tag verhandelt. Das Programm, das wir bereits mittheilten, zeigt, wie der Charitastag für Jeden Nütz­