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mit Urrtrrhrrltrrngs-KeUagr „Sterne uiti) Klumen".

Freitag, den 22, Oktober 1897.

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Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 22. Oktober.

„Keinerlei Bemäntelungsversuche können die That- sache verschleiern, daß der Kaiser nicht gewillt ist, den Fürsten Hohenlohe in die Lage zu ver­setzen, eine Militär - Strafprozeßordnirug dem Reichstage vorzulegen, welche inhaltlich den Forder­ungen entspricht, die auch durchaus gemäßigte Kreise an die Vorlage stellen..... Die Abneigung des

Kaisers, dem gewiß ehrlich gemeinten Wunsche des Fürsten Hohenlohe zu entsprechen, kann zweierlei Gründe haben. Entweder will der Monarch diesem Reichskanzler eine solche parlamentarische Kräftigung nicht mehr zutheil werden lassen; oder er hat als oberster Kriegsherr seiner preußischen Truppen Be­denken gegen wesentliche Bestimmungen des ihm vorliegenden Entwurfes. In beiden Fällen ist klar, daß Fürst Hohenlohe nicht mehr im Amte bleiben sollte. . ." So schrieb am letzten Sonntag die Münchener Allgem. Ztg/ Zwei Tage danach ließ sich die konservative Berliner,Kreuz- Zeitung" vernehmen wie folgt: „Daß der Fürst Hohen­lohe einmal aus seinem Amte scheiden wird, ist sicher ... Es handelt sich aber um das wann? Und da haben wir Grund zu der Annahme, daß mo­mentan die ganze Frage nichts weniger als akut ist und die kommende Session des Parlamentes den Reichskanzler auf feinem Platze finden wird." Fügt man diesen beiden Zeitungsäußerungen nun noch eine dritte hinzu, so ist damit die ganze Lage, in der die leidige Sache von der Reform des militärischen Strafprozesses sich befindet, aufs schärfste gekennzeichnet, — wir meinen eine Kundgebung des Fürsten Bismarck in den ihm völlig ergebenen Ham­burger Nachrichten", die folgendermaßen lautete: „Wir haben uns überzeugt davon, daß ein wirkliches und unbedingtes Reservatrecht Bayerns in dieser Sache besteht und nach Absicht der Unter­zeichner des Versailler Vertrages bestehen sollte. Es existirt und ist als oollgiltig zu betrachten .. ." Fürst Bismarck muß das am besten wissen. Und wenn uns die Stimme des Einsiedlers im Sachsenwalde auch sonst nicht klingt wie das höchste Gericht, so muß seine Kenntniß gerade hierin als ausschlaggebend angesehen werden. In der That, „keine Bemäntelungsversuche" werden mehr imstande sein, die herrschende Ansicht zu ändern, daß nur die preußische Regierung es ist, die der Einführung einer Umbildung des militärischen Strafprozesses hindernd im Wege steht. Die Verantwortung dafür trifft sie allein.

So wenig also wie wir für den Reichstag die Vorlage über eine zeitgemäße Umbildung der mili­tärischen Strafrechtspflege zu erwarten haben, dürfen wir darauf hoffen, daß im preußischen Abge-

Urrfokgt.

Dem Englischen von Marion Crawford nacherzählt von Cora von Schönburg.

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15. Kapitel.

Frau Goddard hatte die ganze Zeit über allein an dem Bette ihres Gatten gewacht. Keine seiner Bewegungen und keiner seiner Athemzüge war ihr entgangen.

Die entsetzliche Angst um sein Schicksal hatte sie die Abspannung des eigenen Körpers vergessen lassen, und sie erwartete mit Furcht und Hoffnung zugleich den Augenblick, wo er erwachen und sie wieder­erkennen würde. Als die Morgensonne zu grell durch das Fenster zu dringen begann, schloß sie den Vorhang. Mochte es der Einfluß des veränderten Lichtes oder eine Reaktion in seinem Innern sein, kurzum, es erschien ihr, als gehe in demselben Augen­blicke eine Wandlung mit Goddard vor. Die Röthe verschwand von seiner Stirn, die Wimpern bewegten sich wieder und die Augen blickten sie verständnißvoll an. Die Körperkräfte hatten seit der Unterhaltung mit John abgenommen, aber der Geist war zu klarerem Bewußtsein erwacht, wie vorher. Mary Goddard begann zu zittern, und sie fühlte, wie ihre Hände vor Aufregung kalt wurden.

ordnetenhausedie ebenso fest versprochene Reform des Laudtagswahlrechtes eingebracht wird. Die Regierung glaubt augenscheinlich, es sei vortheilhafter, ein gegebenes Versprechen nicht einzulösen und die Wahlen zum preußischen Landtage noch mehr als bisher in der Hand zu haben, als daß sie ein Ver­sprechen hält und dem Volke berechtigte Zugeständnisse macht, um die unheilvollen Wirkungen abzuschwächen, die die neue Ordnung der Steuervorschriften in Ver­bindung mit dem preußischen Landtags-Wahlgesetze zu Gunsten der Geldsäcke ausübt. Selbst die Stumm'sche ,Post — und das ist kennzeichnend! — kann nicht die Bemerkung unterdrücken, daß jetzt, unter der Wirkung der neuen Steuergesetze, das Wahlrecht zum preußischen Landtage nicht mehr in dem Sinne aus- geübt werden kann, von dem die Gesetzgeber bei Ein­setzung des preußischen Wahlrechtes sich leiten ließen.

Zur Belohnung dafür sollten wir Gelegenheit bekommen, durch den ,Reichsanzeiger" Kenntniß zu bekommen von der Akotteu-Ztorkage, die dem Reichs­tage für dessen bevorstehende Tagung bevorsteht. Aber im letzten Augenblicke hat auch in dieser Sache die Regierung sich eines andern besonnen. Die Vorlage wird vorher nicht zur allgemeinen Kenntniß gebracht werden; und sehr nahe liegt es, den Schluß daraus zu ziehen, daß die Vorlage noch schlimmer ist, als ihr Ruf. Unbekannt ist es, ob damit in Zusammenhang steht die unvorhergesehene Beur­laubung des kommandirenden Admirals v. Knorr. Dieser verbrachte bereits im Sommer mehrere Wochen im Urlaub, und mindestens ist es doch auffällig, daß er noch spät im Herbste, kurz vor ,dem Beginn der Sitzungen des Reichstages, in dem die Flotten-Vor­lage die Hauptrolle spielen soll, von neuem für längere Zeit beurlaubt wird. Wohl ließ sich eine halbamtliche Stimme vernehmen, daß man in den Kreisen der Regierung ein Rücktrittsgesuch des Admirals von Knorr nicht erwartet. Aber daß da irgend etwas „nicht richtig ist im Staate Dänemark", kann keinem Zweifel unterliegen. Und wenn Admiral v. Knorr aus feinem neuen Urlaube auf feinen Posten zurück­kehrt, so ist nur anzunehmen, daß er sich das in­zwischen anders überlegt hat, nicht aber, daß die Nachrichten, er sei seines Amtes müde, unrichtig waren.

Bleibt es bei ursprünglicher Absicht, so wird sich im preußischen Avgeordueterrhause während dessen bevorstehender Tagung wieder einmal ein Stückchen Kulturkampf abspielen. Die Nationalliberalen wollen einen Antrag einbringen auf Dcseitigung der preußischen Gesandtschaft keim Datikan. Es sieht fast so aus, als wäre dabei etwas wie System. Zuerst tarn die 50. Hauptversammlung des Gustav- Adolf-Vereins in Berlin und mit ihr das „Evange­lische Zeugniß" des Geheimrathes Barkhausen, Präsident des preußischen Oberkirchenrathes. Dann kamen die Ausfälle in der Generalversammlung des Evangelischen Bundes in Crefeld mit ihren

„Walter, kennst Du mich jetzt?" fragte sie sanft.

„Ja," antwortete er schwach und schloß die Augen. Sie legte ihre Hand auf seine Stirn. Die Kühle derselben schien ihm wohl zu thun, denn ein Lächeln glitt über sein Gesicht.

„Ich glaube, es geht Dir bester," sagte sie, ihn wieder fest ansehend.

„Mary — es ist Mary?" murmelte er langsam vor sich hin und schlug die Augen zu ihr auf. „Ja, ich kenne Dich. Ich habe lange geträumt, ich bin so müde."

„Sprich nicht mehr, es greift Dich an," sagte sie, dann gab sie ihm zu trinken und ermahnte ihn, zu schlafen.

„Ich kann nicht schlafen — o Mary, ich bin fo krank," seufzte er.

„Aber Du wirst wieder besser werden."

Goddard schrak plötzlich zusammen und legte seine Hand mit mehr Kraft, als sie ihm zugetraut, auf ihren Arm.

„Wo bin ich?"" fragte er, im Zimmer umher- blickend. „Ist es Dein Haus, Mary? Was geschah mit Juxon?'"

Er ist unverletzt, er trug Dich auf den Armen in fein Haus und nimmt sich jetzt Deiner an."

„Gerechter Gott! Jetzt wird er mich ausliefern! Nein, nein, halte mich nicht — ich muß fort!""

Thümmeleien. Dann soll die preußische General» synode kommen und, wie die ,Eoangelische Kirchen­zeitung" ankündigte, ebenfalls „evangelisches Zeugniß" ablegen „gegen Rom". Und schließlich soll im preußischen Abgeordnetenhaus« die Abschaffung der Gesandtschaft beim hl. Stuhle beantragt werden. Und warum das alles? Der wahre Grund wird wohl der sein, daß man mit ein wenig Kulturkampf agitiren will für die nächsten Wahlen. Aber behauptet wird, dies alles sollte die Antwort sein auf die Canisius-Eneyklika des hl. Vaters. Und was hat der Papst mit dieser Encyklika gethan? Nichts weiter, als daß er einige Wahrheiten ausgesprochen hat über Reformation und Reformatoren, die nicht nach dem Geschmacke einiger Protestanten sind. Und dafür wird nun der hl. Vater ungefdjeut persönlich beschimpft von den Herren Thümmel, Beyschlag und Genossen, und große protestantische Versammlungen rufen Beifall dazu. Nein, wir glauben nicht daran, daß nur diese Canisius-Encyklika die Veranlassung sein soll für alle diese Angriffe gegen die katholische Kirche und ihr Oberhaupt. Und wenn uns auch diese Angriffe im allgemeinen ziemlich kalt lassen können, weil sie uns ja gar nicht in Wahrheit treffen, fo laden doch eine sehr schwere Verantwortung alle die­jenigen auf sich, die sich an der neuen „Hetze gegen Rom"" betheiligen. Ein Gutes aber haben aber auch diese Hetzereien: sie bringen Klarheit in die Sachlage, und wir sehen immer aufs neue, daß mit diesen Leuten, die ja politisch hauptsächlich durch die National- liberalen vertreten sind, kein Friede von Dauer sein kann.

In der vayerische« Abgeordnetenkammer haben die Sozialdemokraten einen ganz des anderen Antrag eingebracht: sie richten das Ersuchen an die Staatsregierung, baldigst eine Amnestirung der wegen Haberfeldtreibens verurtheilten Oberländer bei der Krone in Vorschlag zu bringen! Ganz ab­gesehen davon, daß sich hier die Sozialdemokraten herausnehmen, der Krone in die Ausübung ihres höchsten und schönsten Rechtes hineinzupfuschen, des Rechtes der Begnadigung, stellt sich dieser Antrag als ein starker Mißbrauch der bayerischen Kammer dar. Denn in der That soll er doch natürlich nichts weiter sein, als eine Agitation aus der Kammer hinaus und ins Land hinein, um Stimmung zu machen bei ländlicher Bevölkerung für die Sozial­demokraten .... zugunsten von Leuten, die die Strafe bekommen haben, die sie für ihren Unfug voll und ganz verdienen! Gleichzeitig hat ein schwerer Verlust die bayerische und damit die Sozialdemokratie im allgemeinen betroffen: der Abgeordnete Karl Grillenberger ist am 19. Oktober nach einer ein- stündigen Rede in der Abgeordnetenkammer von einem Schlaganfalle betroffen worden und bald danach, ohne noch einmal zum Bewußtsein zu kommen, gestorben. Die bayerische Sozialdemokratie verliert in ihm ihren besten und volksthümlichsten Kämpen.

Er machte eine plötzliche Anstrengung, sich zu er­heben, allein seine Kräfte waren nicht stark genug, und er sank erschöpft auf das Kissen zurück. Die Hände griffen krampfhaft nach der Decke, und das Gesicht wurde bleicher.

„In der Falle — wie eine Ratte,"" stöhnte er.

Mary seufzte. War es bester, ihn für den Augenblick in feinen Hoffnungen auf Flucht zu be­stärken und ihm die Wahrheit erst später beizu­bringen? Oder sollte sie ihn jetzt mit dem Gefühle der Sicherheit erfüllen und die Flucht erst nach über­wundener Krankheit in Aussicht stellen? War es nicht vielleicht auch Pflicht, den Moment der Be­sinnung zu benutzen, um ihm fein schreckliches Schicksal mit einem Male klar zu machen? Sie zitterte vor der Entscheidung. Nicht Liebe, aber ein unendliches Mitleid erfüllte ihr Herz. Nachdem sie noch einen Moment gezögert, trug das echt weibliche Gefühl den Sieg davon und sie sprach:

„Sei ruhig, Walter. Wenn Du wieder stark genug bist, dann kannst Du fliehen. Einstweilen bist Du hier ganz sicher. Juxon denkt gar nicht daran. Dich jetzt anzuzeigen, und dann — das Fenster ist nicht sehr hoch — wir werden oft allein gelassen werden — ich kann Dir helfen.""

„Ist das wahr? Führst Du mich nicht an?" rief Goddard mit gebrochener Stimme. „Doch