« 241 Mittwoch, Den 20. Oktober 1897 21. Iahrgw«
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Deutsches Deich.
Berlin, 19. Oktober.
* Die Avwesettheit des Ileichskattzkers von Berlin wird etwa zehn bis zwölf Tage dauern. Wie berichtet, hält sich der Reichskanzler während dieser Zeit auf seiner Herrschaft Schillingsfürst auf.
h. Zu dem Thema von dem Rücktritte des Reichskanzlers Jürgen z« Koherrkohe schreibt die konservative ,Kreuzztg/: „Daß der Fürst Hohenlohe einmal aus seinem Amte scheiden wird, ist sicher. . . Es handelt sich aber um das wann? Und da haben wir Grund zur Annahme, daß momentan die ganze Frage nichts weniger als akut ist und die kommende Session des Parlamentes den Reichskanzler auf seinem Platze finden wird .. ." Die ,Kreuz-Ztg/ hat damit ganz augenscheinlich die Lage der Dinge richtig gekennzeichnet.
* Wie bekannt, soll der ehemalige Staatssekretär von Rötlicher Oberpräsident einer preußischen Provinz werden. Da mit dem bevorstehenden Jahreswechsel Herr von Bennigsen von seinem Oberpräsidentenposten in Hannover zurücktritt, ergibt sich damit von selbst eine Verschiebung in diesen Aemtern, die wohl auch Herrn von Bötticher den gewünschten Posten bringen wird.
* Der ,Hamb. Korrespondent' bleibt dabei, daß der kommandirende Admiral von Knorr von seinem Amte zurückzutreten beabsichtigt, oder doch allermindestens diese Absicht gehegt hat. Danach hätten wir recht gehabt, als wir gestern den Uebereifer im Ableugnen als verdächtig bezeichneten.
* Die schon mehrfach angekündigten diptoma- lische« Veränderungen werden neuerdings für die nächsten Tage angekündigt. Nach wie vor erhält sich die Annahme, daß Freiherr Marschall von Bieberstein Botschafter in Konstantinopel und der dortige Botschafter, Baron von Saurma- Jeltsch, den Botschafterposten in Rom übernehmen wird.
X „Keinerlei Bemäntelungsversuche können die Thatsache verschleiern, daß der Kaiser nicht gewillt ist, den Fürsten Hohenlohe in bie Sage z u versetzen, eine Mikitär-Strafprozeßordnnng d em Reichstage vorzulegen, welche inhaltlich den Forderungen entspricht, die auch durchaus gemäßigte Kreise an jene Vorlage stellen . .. ." so läßt sich die Münchener ,Allgem. Ztg.' vernehmen, um alsdann fortzufahren wie folgt: „Die Abneigung des Kaisers, dem gewiß ehrlich gemeinten Wunsche des Fürsten Hohenlohe zu entsprechen, kann zweierlei Gründe haben. Entweder will der Monarch diesem Reichskanzler eine solche parlamentarische Kräftigung nicht mehr zutheil werden lassen; oder er hat als oberster Kriegsherr seiner preußischen Truppen Bedenken gegen wesentliche Bestimmungen des ihm vorliegenden Entwurfes. In beiden Fällen ist
Uerfoigt.
Dem Englischen von Marion Crawford nacherzählt von Cora von Schönburg.
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Der Detektiv konnte sein Staunen über die ge- laffene Art, mit welcher ihm die überraschende Nach- richt mitgetheilt wurde, nicht ganz verhehlen.
„So, nun das ist ja erfreulich zu hören. Dann steht seiner Verhaftung also nichts im Wege?"
„Doch, ich halte sie für unmöglich," entgegnete Juxon. „Der Mensch hat das Gehirnfieber und delirirt. Wenn Sie aber so lange in meinem Hause bleiben wollen, bis er wieder besser ist, so wird mir das sehr angenehm sein. Der Doktor wird gleich hier sein; er kann Ihnen das Nähere' über den Fall sagen. Den Kranken jetzt mitnehmen, wäre jedenfalls ganz unthunlich."
„Darf ich vielleicht fragen, warum Sie die Lokal- polizei nicht sogleich in Kenntniß setzten?" fragte der Detektiv etwas gereizt.
„Weil dies ganz nutzlos war. Wenn er nach dem Angriffe auf mich entflohen wäre, so würde ich ihn natürlich angezeigt haben. Da ich ihn aber im Gegentheile in vollständig bewußtlosem und schwer krankem Zustande auffand, so sah ich mich selbst zu seiner Aufnahme veranlaß:. Frau Goddard ist mit
klar, daß Fürst Hohenlohe nicht mehr im Amte bleiben sollte . . ." Dennoch bleibt vorläufig der Fürst im Amte.
ssst Die femdkicherr Arnder, welche sich Konservative, Christlich-Soziale und Antisemiten nennen, können unter einander nicht mehr zur Ruhe kommen. Die ,Kreuzztg.' schreibt gegen die Antisemiten: „Eine Partei, die wiederholt bei Stichwahlen zwischen Konservativen und Liberalen offen auf die Seite der letzteren getreten ist, hat das Recht verwirkt, im Namen des Antisemirismus anderen Parteien Vorhaltungen zu machen. In der That wäre es auch um die Sache des Antisemitismus in Deutschland hoffnungslos bestellt, wenn sie nur auf die deutsch- soziale Reformpartei angewiesen wäre." Andererseits hatte das christlich-soziale,Volk' den kürzlich in Nord- Hansen abgehaltenen antisemitischen Parteitag als „den Sieg der sozialen Ideen" begrüßt und erklärt, daß dadurch eine wesentliche Annäherung herbeigeführt worden fei zwischen Antisemiten und Christlich-Sozialen. Das Lob lassen sich nun wieder die Antisemiten nicht gefallen. Der antisemitische Parteitag, so schreibt das Berliner Hauptorgan der Antisemiten, hat einen durchaus ablehnenden Standpunkt eingenommen zu den christlich-sozialen Arbeiterforderungen, und dabei bleibt es!
* „An einen Gott gkanven wir ja doch nicht", sprach auf dem sozialdemokratischen Parteitage die „Genossin" Frau Steinbach-Hamburg, und die Berichte verzeichnen hinter diesen Worten „großen Beifall". Dieses sreimüthige Bekenntniß zum sozialdemokratischen Prinzip des Atheismus mag manchen „Genossen", die mit der Phrase, daß „Religion Privatsache sei", den Gimpelfang betreiben, recht ungelegen gekommen fein. Aber die „Genossin" Steinbach hat ja nur etwas unvorsichtig aus der Schule geplappert, was in Hunderten von sozialdemokratischen Schriften, Abhandlungen und Erzählungen für Jedermann zu lesen ist, der sich mit diesen Dingen etwas näher besaßt. „Genossin" Steinbach hat nur dasselbe mit anderen Worten gesagt, was August Bebel einst'vor versammeltem Reichstage verkündete: „Das Ziel der Sozialdemokratie ist auf politischem Gebiete die Republik, aus wirthschastlichem der Kommunismus und aus religiösem Gebiete der Atheismus", was derselbe Bebel am 3. Februar 1893 wiederholt im Reichstage mit den Worten proklamirte: „Wir sind gegen alle himmlischen und irdischen Autoritäten, mit denen Sie bis heute die Massen am Leitseil geführt haben. Den Himmel überlasten wir den Engeln und den Spatzen." Als damals Bachem den Sozialdemokraten im Reichstage zurief: „Sie erkennen keine Auferstehung, kein Jenseits an", erscholl wie aus einem Munde die Antwort: „Nein." In sozialistischen Arbeiterbuchhandlungen wird eine Schrift vertrieben, die den Titel trägt: „Der Sozialismus als Feind, der Religion und der Volksschule." Diese
mir und dem' Pfarrer, welcher ihre Geschichte ebenfalls kennt, befreundet. Die öffentliche Verbreitung der Thatsachen würde sie zu fehr kompromittirt haben. Die Frau des Pfarrers hat die Pflege des Kranken übernommen. Ich hoffe, daß Ihnen mein Ehrenwort — ich bin Marine-Offizier a. D. — und das Versprechen des Pfarrers genügende Garantien bieten werden."
„Von Garantien ist gar nicht die Rede," warf Bonley ein. „Ich kann Sie versichern, Herr Juxon, daß ich nicht den geringsten Zweifel an der Richtigkeit Ihrer Handlungsweise hege. Können Sie mir sagen, wie lange sich Goddard schon in der Gegend aufgehalten hat?"
Juxon schlug den Weg wieder zurück zu dem Schlosse ein und erzählte unterdessen dem Detektiv, was er selbst wußte, doch hütete er sich, Frau Goddard mit in seinen Bericht hineinzuziehen. Er versicherte sogar, obwohl er besten nicht ganz sicher war, daß weder Frau Goddard noch ein Anderer etwas Näheres über das Versteck des Flüchtlings gewußt hätten.
Bonley sah immer mehr ein, daß ihm die auf Goddard's Kopf gesetzte Belohnung gesichert sei. Er fragte, ob er denselben sehen könne.
„Das kann ich Ihnen nicht gewiß versprechen," Änete Juxon; „als ich fortging, war er ganz be-
)s, aber er hat lichte Momente, und wenn er
Schrift stellt den Satz an die Spitze: „Die Sozialdemokratie ist die Feindin der Religion. Sie ist eine atheistische Partei und sucht so mit allem, was in ihren Kräften steht, die Religion aus den Köpfen der Menschen auszutreiben." Die „Genossin" Steinbach drückt das kürzer und prägnanter aus, indem sie — von der Unmöglichkeit, Alle zufrieden zu stellen sprechend — wörtlich sagte: „Dazu würde ein Gott gehören, und an den glauben wir ja doch nicht." Großer Beifall.--
h. Auch der ,Hamburger Korrespondent' berichtigt jetzt seine ursprüngliche Meldung von der angeblich bevorstehenden Einführung eines nette« Hewetzr- modelles bei unserer Infanterie. „Von wohl unterrichteter Seite" erhält er die Meldung, daß „zur Zeit allerdings, wie immer, Gewehrmodelle verschiedener neuer Konstruktionen bei einzelnen Truppentheilen^er- probt werden, und daß diese Erprobungen zum Theil ziemlich weit vorgeschritten sind." Von einem „Abschlüsse der Erprobungen zu reden sei aber nicht richtig."
* Gegen die aufs höchste gestiegenen Wein- fäkschttttge« hat das Kgl. Preuß. Ministerium angeordnet, daß eine möglichst scharfe Kontrolle der Weine, namentlich aus solchen Geschäften kommend, stattfinden solle, welche zu Schleuderpreisen verkaufen oder welche des Ankaufes von Trestern, Rosinen und ähnlichen Artikeln in größerer Menge verdächtig erscheinen. In gleicher Weise sollen alle Weinschenken, sowie die zur Ausfuhr bestimmten Weine beaufsichtigt werden. Durch die Polizei sollen zu diesem Zweck von Zeit zu Zeit Proben den genannten Stellen entnommen werden, um danach festzustellen, ob die Weine den gesetzlichen Anforderungen entsprechen oder nicht. Man muß der Staatsbehöäie dankbar sein für diese zeitgemäßen Anordnungen, allein gründliche Abhilfe kann unseres Erachtens nur geschaffen werden durch ein besseres ober schärferes Weingesetz unb vor allem burch ein Kunstwein-Verbot. Gibt es benn heute noch einen Handelsgegenstand, mit welchem mehr unlauterer Wettbewerb getrieben wirb, als wie gerade mit Wein?
* gBresta«, 19. Oft. Zu Bankau im schlesischen Kreise Kreuzberg gibt es 93 katholische Schulkinder von einer Gesarnmtzahl von etwa zweihundert Schulkindern, und da die Regierung endlich den Auftrag gegeben hat, zum Bau einer katholischen Schule die einleitenden Schritte zu thun, so unterschrieben fast alle katholischen Familienväter von Bankau ein Protokoll, in dem sie der königl. Regierung kostenlos ein Grundstück von einem Morgen zum Bau der Schule anbieten und ihre Bereitwilligkeit erklären, auch sonst für diesen Zweck alle in ihren Kräften stehenden Opfer zu bringen. Darüber ist, wie der ,Schlesifchen Volkszeitung' berichtet wird, Graf Bethusy-Huc, Besitzer der Herrschaft Bankau, empört, weil man es wagt, in feiner Nähe eine katholische Schule zu errichten, und droht, alle seine
Sie gerade in einem solchen sehen sollte, so könnte der Schrecken eine tödtliche Wirkung nach sich ziehen."
„Man könnte mich für einen zweiten Arzt ausgeben," meinte Bonley. „Es wäre das vielleicht ein geeignetes Auskunftsmittel, um mich vor der Dienerschaft zc. einzuführen. Ich möchte gern auch Frau Goddard sehen."
„Ja, sehen Sie, da ist noch etwas zu bedenken. Frau Goddard ist eine außerordentlich nervenschwache Dame. Ich war gerade aus dem Wege zu ihr unb werbe sie voraussichtlich mit auf bas Schloß bringen. Wenn Sie Ihre Anwesenheit gewahr wird, so geht es nicht ohne eine heftige Gemüthserschütterung ab."
„Nun, das kann man abwarten, bas kann man abwarten," erroiberte Bonley.
Sie hatten bas Schloß erreicht. Juxon führte ben Detektiv in fein Arbeitszimmer und bat ihn, daselbst auf feine Rückkehr zu warten.
Juxon eilte abermals durch den Park. Die neue Komplikation der Dinge war ihm äußerst fatal, und je mehr er darüber nachdachte, desto mehr bestärkte sich fein Entschluß, Frau Goddard nichts von Bon- ley's Anwesenheit mitzutheilen. Er fand dieselbe seines Besuches gewärtig und weit ruhiger, als er erwartet hatte. Ihre leidenschaftliche Erregung hatte sich gelegt und hatte einer apathischen Ruhe Platz gemacht, welche Juxon fast erschreckte. Es war, als ob die