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JK 238

Samstag, den 16. Oktober 1897.

24. Jahrgmg

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__________mitUrtterchattrrngs-Krttage „Sterne und Klnmen".

A Kikders, 15. Okt. Nächsten Sonntag, den 17. d. M., begeht unsere Gemeinde das 2 5jährige Pfarrer-Jubiläum ihres Seelsorgers, des hochw. Herrn Johann Eduard Breitung. Der hochw. Herr ist am 7. April 1841 zu Kassel geboren und wurde am 30. Juni 1864 zum Priester geweiht. Vom 1. November 1864 bis Oktober 1869 war er Reli­gionslehrer an der stadtpfarrlichen Knabenschule zu Fulda und vom 11. Oktober desselben Jahres an Frühmesser zu Geisa. Am 21. Oktober 1872 wurde er zum Pfarrverweser und am 30. Januar 1873 definitiv zum Pfarrer in unserer Gemeinde ernannt. Der Hochwürdige Herr Eduard Breitung ist der erste fuldaische Pfarrer hier in Hilders.

* Sode«, 15. Okt. Donnerstag, den 21. d. M. wird dahier in der Wirthsckaft von I. Betz die dies­jährige amtliche Konferenz für die katholischen Lehrer und Lehrerinnen der Kreise Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern stattfinden. Außer amtlichen Mittheilun­gen des Vorsitzenden, Herrn Kreis - Schulinspektors Bottermann-Fulda, stehen folgende Vorträge auf der Tagesordnung: 1) „Die Volksschule im Kampfe mit den Ideen des Sozialismus"; Referent: Herr

für Katholiken anstößig. Zur Empfehlung des Werkes fagt die Verlagsbuchhandlung auf dem Um­schlag: „Wir enthalten uns jeder Empfehlung des einzig in seiner Art dastehenden Werkes, da sich dasselbe bei jedem gläubigen kathol. Christen selbst empfehlen wird. Möge das schöne Werk in recht vielen Familien freundliche Aufnahme finden." Nun ja, „einzig in seiner Art" ist das „schöne „ka­tholische" Werk allerdings. Es ist aber auch noch in anderer Beziehung „einzig"; denn — man höre und staune! — Verleger, Drucker und — Verfasser sind Protestanten!!! Nicht minder der Verleger, der gelegentlich im Briefe von „unserem hl. Vater" spricht und für die „gläubigen kathol. Christen" durch Herausgabe des „einzigen", „schönen" Werkes ein so warmes Interesse bekundet, wie der Verfasser selbst, der „ehrfurchtsvolle Huldigungen" devotest nach Rom sendet! Dies für heute. Sollten die Herren aber mit dieser unserer „Empfehlung" ihres „einzig schönen" Werkes nicht zufrieden sein, so würden wir uns ge- nöthigt sehen, diesen vorläufigen Bemerkungen einen kräftigeren Epilog folgen zu lassen. Für die kathol. Leser und namentlich den Hochw. Klerus wird das Gesagte genügen. Die Kolportage des Werkes soll sich auf ganz Deutschland erstrecken."

Ausland.

* London, 15. Okt. Von einemBesu cheKaiser Wilhelms in England ist wieder einmal in englischen Blättern die Rede. Der ,Standard' be­stätigt die Meldung der,Westminster Gazette', wo­nach eine Annäherung zwischen Kaiser Wilhelm und der Königin Viktoria durch Vermittelung der Kaiserin von Rußland stattgefunden. Der Standard' fügt hinzu, der Kaiser habe der Königin einen längeren herzlichen Brief gesandt, worauf diese ein prachtvolles Album übersenden ließ, welches Ansichten der Jubi­läumsfeierlichkeiten enthält. Der Kaiser wird im November der Königin in Balmoral einen nicht­offiziellen Besuch abstatten.

* Agram, 15. Okt. Die ,Agramer Presse' bringt Meldungen über neuerliche ernste Unruhen in Kroatien. Als Schauplatz derselben wird der Be­zirksort Gracac genannt. Von Gospic wurde eine Kompagnie Militär dahin entsendet.

* Konssautinopet, 15. Okt. Der hiesige Korre­spondent des ,Standard' will von angeblich ver­trauenswürdiger Seite erfahren, Bulgarien habe der Türkei vorgeschlagen, Fürst Ferdinand soll General- gouverneur von Rumelien bleiben und dieses Amt in der Familie des Fürsten erblich werden. Bulgarien erkenne die völlige Suzeränetät des Sultans an, während die Türkei die Integrität Bulgariens ge­währleiste. Im Falle eines Krieges müsse die Türkei mit 200000, Bulgarien mit 100 000 Mann dem andern Theile zu Hilfe kommen. Es bestehe Grund anzunehmen, daß über die Präliminarien zu diesem Bündniß bereits ein Einvernehmen erzielt sei.

* Da die Abänderung der Aranstener auf das Tapet gekommen ist, sei auch der Vorschlag er­wähnt, den ein Brauerei-Fachmann in den Mäßig­keits-Blättern' macht. Er erklärt es für eine Forderung der Gerechtigkeit, die Biere mit einer nachdem Alkoholgehalte steigenden Steuer zu be­legen, so daß die ganz leichten, gesunden, durst­löschenden Biere ganz frei blieben, die schwereren, berauschenden Luxusbiere dagegen desto mehr belastet würden. Nach seiner Tabelle sollen Stamm­würzen unter 8 Saccharometergraden steuerfrei sein, 8—9 Grad zahlen 4 Pf. pro Grad, 9—10 Grade 5 Pfg. u. s. w bis 15 Pfg. pro Grad bei 19—20 Graden. Das macht auf den Hektoliter 34—292 Pf. je nach der Stärke. „Diese Besteuerungsweise wäre auch vom sozialwirthschaftlichen Standpunkte ein Fort­schritt, indem die Hauptlast der Steuer auf die kräftigeren Schultern des vermögenderen Mannes, welcher die schwereren Biere trinkt, gelegt und der unbemitteltere entlastet würde. Dadurch verlöre diese indirekte Besteuerung einen Theil dex jeder indirekten Steuer anhaftenden Ungerechtigkeit. Dies würde reichlich den Nachtheil aufwiegen, daß unsere ideale Besteuerungsart in ihrer Feststellung und Erhebung größere Schwierigkeiten und Kosten verursachte, als z. B. die bayerische, welche nach dem Maße des ver­wendeten Malzes erhoben wird und dem Staate eine wohlfeile Kontrolle und dem Brauer große Bewegungs­freiheit sichert. Daß diese Schwierigkeiten aber zu überwinden sind, zeigt das Beispiel Großbritanniens, wo eine ähnliche Besteuerungsart, wie wir sie planen, seit 1880, sogar zur relativen Zufriedenheit der Be­steuerten besteht. Dabei vermeide man eine Abstufung der Steuer nach der Größe des Betriebes, denn diese Staffelung der Steuer ist nur eine Strafe für die Intelligenz und das Kapital des Großbetriebes, ohne daß dem Kleinbrauer wesentlich damit genützt wird. Letzterer, der. gewöhnlich leichtere Biere erzeugt, wird in unserer, für ihn degressiven Würzesteuerskala weit größeren Schutz finden, als in einer mit der Größe des Betriebes steigenden Steuerskala. Und dann ver­binde man mit einer Abänderung der Steuer nicht noch eine weitere Erhöhung, als sie schon in der von uns oben ausgestellten Tabelle durchschnittlich erhalten ist, sonst scheitert die Reform an dem Widerspruch der Volksvertretung." — Auch in Oestereich begünstigt übrigens das Steuersystem die leichten Biere, was ja in der That auch nur in der Ordnung ist.

* Die .Deutsche Reichszeitung' bringt folgende Marnuug: „Vor uns liegt das Probehest eines Lieferungswerkes, betitelt:

„Leben und Wirken Sr. Heiligkeit Papst Leo s XIII - Festausgabe zum 60jährigen Priester-Jubiläum. Zur Verherrlichung seiner glorreichen Regierung nach den neuesten Quellen bearbeitet von Eduard Einsporn, Schrift­steller, Breslau; Verlag von I. Krieger. Druck von Otto Gutsmann, Breslau, Ring 50.

Vorgedruckt ist dem Hefte ein Brief des Kardinal- Staatssekretärs an den Verfasser in italienischer Sprache nebst deutscher Uebersetzung. Wir haben hierzu zunächst folgendes zu bemerken: Die Uebersetzung des Dankschreibens, welches Herr Einsporn von Sr. Eminenz dem Kardinal-Staatssekretär Rampolla er­halten hat, bietet eine grobe Fälschung. Als der Verfasser sich wegen der Uebersetzung des Schreibens an einen hiesigen Geistlichen wandte, wurde er abge­wiesen und ihm bedeutet, daß er für sein Werk die kirchliche Druckerlaubniß brauche. Dieselbe hat er nicht erhalten. Der Inhalt des Werkes ist an mehreren Stellen sehr bedenklich, ja geradezu

Deutsches Deich.

Berlin, 15. Oktober.

* Ein Kronrath hat, wie berichtet, Donnerstag Vormittag 11 Uhr im Neuen Palais bei Potsdam stattgefunden. Nach beendeter Sitzung nahmen Reichs­kanzler Fürst zu Hohenlohe und Botschafter v. Bülow, stellvertretender Staatssekretär des Aus­wärtigen Amtes, an der kaiserlichen Frühstückstafel Theil. Eine halbamtliche Korrespondenz bemerkt dazu: „In dem Kronrathe fanden nur die laufen­den Geschäfte ihre Erledigung. Alle Nachrichten, die sonst über die Verhandlungen in der Presse ver­breitet sind, beruhen . . . aus reinen Kombinationen. Damit fallen natürlich auch alle Meldungen von Gegensätzen innerhalb des Staatsministeriums und die immer wieder auftauchenden Gerüchte über eine Kabinetskrisis haltlos hin."

. * * Der Staatssekretär der Marine, Kontreadmiral Cirpitz, hat sich auf eine Reise nach Stuttgart und Karlsruhe begeben, um sich beim König von Württemberg und beim Großherzog von Baden zu melden. Beim Prinzregenten Luitpold von Bayern wird er sich nicht melden, da dieser gegenwärtig nicht in München weilt. Am nächsten Montag soll Herr Tirpitz wieder in Berlin eintreffen.

* Am letzten Freitag hat der Anudesrath wieder eine Sitzung abgehalten. Dieser überwies den ihm von dem Reichsjustizamte zugegangenen Gesetzentwurf über die Entschädigung unschuldig Verurtheilter dem zuständigen Ausschüsse.

h Für die Aufwärmung des atteu Aartesss sucht die Stumm'sche ,Post' von Zeit zu Zeit wieder Stimmung zu machen. Der Umstand, daß die Kon­servativen und die Nationalliberalen in Baden bei den nächsten Reichstagswahlen zusammengehen wollen, gibt dem genannten Blatte den Muth, wiederum das gewohnte alte Stroh zu dreschen; und namentlich richtet die,Post' einen Anruf an die ,Kreuz-Ztg.', doch ihre ablehnende Haltung gegen die Auffrischung des Kartells aufzugeben, obwohl die ,Post' selbst zu­gibt, daß „dieHaltung der Nationalliberalen in einigen bedeutungsvollen Fragen .... mit Recht jedes konservative Herz empört." Aber alle heißen Bemühungen der,Post' werden vergeblich fein. Leichnamen kann man nicht mehr Leben und Be­wegung einhauchen. Sie sind und bleiben todt.

h Die AoMoufereuz Reichspc>ftanite, die am Donnerstag ihre Berathungen unter dem Vorsitze des Generalpostmeisters v. Podbielski begann, hat diese Berathungen am Freitag geschlossen. Womit die Berathungen sich beschäftigten, haben wir gemeldet. Beschlüsse bestimmter Art sind, wie berichtet wird, nicht gefaßt worden. Die Konferenz trug vielmehr „den Charakter vertraulicher informatorischer Be­sprechungen."

* Zur Beurtheilung der Lage der Dinge in Sachen der Nmvikdnug des mikilärischeu Straf­prozesses i't eine Aeußerung interessant, die das Hamburger Bismarck-Organ bringt, die ,Hamburger Nachrichten'. Im Interesse des Reichsgedankens redet auch dieses Blatt ganz entschieden einem Nach­geben zu Gunsten der bayerischen Forde­rung das Wort. Man solle, so heißt es dort, die Frage nach der Berechtigung des von Bayern bean­spruchten Resewatrechtes in Sachen der Militärgesetz- gebung in der öffentlichen Diskussion nicht zu sehr m den Vordergrund drängen. So lange noch irgend­wie Aussicht auf gegenseitige Verständigung vor-

!et,„ solle man besser Abstand davon nehmen, die Rechtsfrage überhaupt zu erheben . . . Nur liberale Blätter sind es, die einer „Majorisirung" Bayerns das Wort zu reden wagen!

Weber die bevorstehende Einführung eines neue» Infanteriegewehres geht eine Mittheilung durck; die Blätter, wonach das „Kriegsministerium an- geordnet hat, daß die neuen Gewehre schon im Herbste dieses Jahres in Benutzung genommen werden sollen, so daß die neu eingestellten Rekruten ihre Ausbildung bereits mit der neuen Waffe erhalten." I

erscheint »glich. Sonn- nnb F«ertt>ge ausgenommen. ~ Bi-rteliührlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mack 50

Inserate kosten bte einspaltige Sarmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. 9’

Dagegen wendet sich eine halbamtliche Notiz mit der Bemerkung, daß „es sich hierbei zrm einen Vorgang handelt, der sich regelmäßig wiederholt. Im Interesse der Instandhaltung der Waffen ist es nöthig, daß die Gewehre des Modells 88, die die Reservebestände der Depots bilden, in Gebrauch genommen werden, während die eine Zeit lang benutzten Gewehre einer Revision durch die Büchsenmacher der Artilleriewerk­stätten unterworfen und nach der Reparatur dann als Reservebestände gelagert werden."

* Die .Ausführungs-Bestimmungen zur Organisation des Kandwerks sollen in nächster Zeit dem Bundesrathe unterbreitet werden. Wenn vor einigen Tagen recht berichtet wurde, sollen die Bestimmungen alsdann nur „schrittweise" zur Durch­führung gelangen.

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