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M A6 Donnerstag, den 14, Oktober 1897 2t. Jahrgane

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mit Unter!,altnngs-Krilagr «Sterne und Klumeu".

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tvtachdruck verboten )

sagte er.

Er ist

durchaus nicht verletzt. Der Landstreicher. .

Fahren Sie mit Frau Goddard nach Hause und

„Entschuldigen Sie, Frau Goddard," der Gutsherr wird gleich wieder hier fein.

Joh" sprang ohne zu säumen in den Wagen und unterstützte von seinem Platze aus die Ohnmächtige. Dann ging es in raschem Trabe die Allee hinunter.

Juxon begab sich an die Stelle zurück, wo Walter Goddard lag. Er kniete nieder, um die Verletzungen des Mannes zu untersuchen. So viel er entdecken konnte, war die ärgste Wunde an der Kehle, auch die Hand war schwer verletzt. Der Blutverlust war ge­ring. Er öffnete den Kittel und das Hemd und legte sein Ohr an das Herz. Ja — Walter Goddard lebte

übergeben Sie dieselbe der Pflege ihrer Leute," sagte er energisch.

und stellt dem Anträge eine große Mehrheit im Ab­geordnetenhause in Aussicht und sucht der Regierung klar zu machen, daß eine solche Gesandtschaft ganz überflüssig sei, man damit nur die Herrschgelüste des Papstthums nähre, die Gesandtschaft die von Bismarck

X Die nalionakkiöerake Iraklio« des preuß. Abgeordnetenhauses scheint wirklich Ernst machen zu wollen mit dem Anträge auf Beseitigung der preußischen Gesandtschaft beim Vatikan. Von größeren nationalliberalen Blättern ist es nament­lich der ,Hannov. Kurier', der die Angelegenheit mit vollem politischen Ernste behandelt und die Hoffnung zum Ausdrucke bringt, daß die preußische Regierung dem Anträge ihre Genehmigung nicht versagen werde. Anders die,Köln. Ztg.'; diese kann sich noch nicht dazu entschließen, die ganze Sache ernst zu nehmen und will zunächst den geplanten Antrag nur als eine Kundgebung und Warnung auffassen. Ändere natio­nalliberale Blätter thun, als wähnen sie ihn erst und erwarteten wirklich die Zustimmung der Regierung. Die nationalliberale ,Rhein.-Westf. Korresp/ sucht in demselben Sinne Stimmung zu machen; sie erinnert an die Geschichte dieser Gesandtschaft unter Bismarck und rühmt, daß die Nationalliberalen 1882 allein «legen die Wiedererrichtung derselben gestimmt haben.

hören", mit anderen Worten, die ostelbischen Ritter­gutsbesitzer wollen für sich allein bleiben und nicht mit Bauern und dergleichen „Elementen" in derselben Klasse wählen. Wenn die,Kreuzztg.' neulich für eine „be- rufsstimmliche" Regelung des Wahlrechtes schwärmte, so ist das gleichfalls nichts Anderes, als die Ableh­nung der Wahlreform, wie wir sie im Inter­esse der Gerechtigkeit und des Staatswohles anstreben müssen. Die Regierung wäre also in die angenehme Lage versetzt, die Reform abermals bis zu den Neuwahlen zu verschleppen. Aber selbst wenn die nächsten Wahlen keine konservativ-freikonservative Mehr­heit bringen, so sichert das jetzige Wahlrecht den Nationalliberalen doch Stimmen genug, daß sie mit der Rechten eine durchgreifende Reform hinter­treiben können. Die Kartell-Parteien werden dem Geldsack und dem „veranlagten" Grundsteuerzahler fein Uebergewicht nicht nehmen lassen. Daß die Re­gierung zu viel auf statistische Unterlagen gibt, beweist überdies, daß sie eine Reform großen Stiles nicht will, sondern sich mit kleinlichen Tüfteleien, Rechnereien und Flickereien aus der Sache zu ziehen gedenkt.

schwachen Lebenssaden abzuschneiden — doch zu seiner Ehre sei es gesagt, solche Gedanken kamen nicht in Charles James Juxons Sinn. Er öffnete feinen I langen Mantel, breitete ihn um den gesüllosen Körper des Verwundeten, umfaßte dann mit starkem Arme dessen Leib und erhob sich, nicht ohne Schwierigkeit, auf die Füße. Sobald er einmal auf war, wurde es ihm nicht schwer, seine Last durch die Bäume und dann durch die Allee hinauf bis vor die Schloßpforte zu tragen.

„Holmes," rief er feinen Kammerdiener an, „helft mir diesen Menschen hinauftragen. Er ist schwer ver­wundet, aber er lebt."

Wenn der Gutsherr einen Befehl ertheilte, so lag in feiner Stimme etwas, was keinen Widerspruch und keinen Wunsch zur Verzögerung aufkommen ließ. Der würdige Holmes ergriff die Füße des Verwundeten, ^uxon faßte ihn unter die Schultern und so trugen sie ihn die Treppe hinauf in eines der Fremdenzimmer. Holmes zündete mit großer Feierlichkeit eine Kerze an.

„Soll ich um ärztliche Hilfe schicken, gnädiger Herr?" fragte er. 9 9

„3a, lassen Sie sofort anspannen und den Doktor holen. Wenn der hiesige Arzt nicht kann, dann soll man weiter fahren und sich nach einem anderen er­kundigen. Fragt Jemand, so sagen Sie, der Mensch sei ein Landstreicher, welcher mich angegriffen und

Die Wahlrechts - Reform haben wir in dasselbe Verzeichniß uneingetöfter Regierungswechsel emzutragen, in dem das Vereinsgesetz und die Militär- strafprozeß-Reform stehen.

des Gutsherrn noch hörbar klopfte es unter der Brust. 3a — er lebte, für wie lange Jahre noch — wer konnte es wisfen? Aber er lebte! Es wäre schwer, von den Gedanken Rechenschaft zu geben, welche in diesem Augenblicke Juxons Gemüth bewegten. Wer wollte leugnen, daß ihm der Tod des Verbrechers unter den obwaltenden Umständen zur Befriedigung gereicht haben würde? Das Mitleid über das jämmer­liche Ende würde diese Empfindung allerdings ge­dämpft haben, allein vorhanden wäre sie doch gewesen Es hätte viel Gerechtigkeit in der Art seines Todes gelegen. Aber er lebte noch! Ein kleiner Druck an der verwundeten Kehle, ein unachtsames Liegenlasfen auf dem kalten Erdboden würde genügt haben, den

I starke Verminderung, in der dritten eine starke Ver­mehrung der Wählerzahl auf. In den acht Städten mit mehr als 100000 Einwohnern fank die Zahl der Wähler erster Abtheilung von insgesammt 3530 auf 3165, der zweiten von 22587 auf 19419. In Berlin umfaßte die erste Abtheilung nur mehr 0,49 Prozent, die zweite 3,12 Prozent der Wähler. In den kleinen Städten war es nicht besser. Äus Neu­stadt in Oberschlesien z. B. wurde das Kuriosum ge­meldet, daß die Herren Abraham Fränkel, Hermann Fränkel und Emanuel Fränkel die erste Abtheilung, die Herren Josef Pinkus, Albert Fränkel, Max Pinkus und August Schneider die zweite Abtheilung bildeten. Die 4 Fränkel und 2 Pinkus waren Inhaber der- felben Firma; diefe eine Firma wählte also 24 Stadt­verordnete, die ganze übrige Wählerschaft 12.

Nach dem Wahlgesetze von 1893 kommen bei der Bildung der Abtheilungen sür die Landtags wähl auch sämmtliche direkten Gemeinde-, Kreis-, Bezirks- und Pro- vinzial-Steuern in Betracht, was bei der letzten Wahl noch nicht der Fall war. Unter Umstünden werden hohe Summen gar nicht bezahlter Steuern mitgerechnet, nämlich die veranlagten Grund-, Gebäude- und Ge­werbesteuern, wo direkte Gemeindesteuern nicht erhoben werden, also vor Allem in den Gutsbezirken. So oft in den letzten Jahren im Abgeordnetenhause wegen der Steuerreform angefragt wurde, verwiesen die Minister des Innern immer darauf, daß erst eine j genaue Statistik über die Wirkungen der Steuer­reform aufgestellt werden müsse. Eine vorläufige und unvollkommene erhielten wir ja bald, nachdem ein Theil der Steuergesetze in Kraft getreten war. Dann kam aber nichts mehr. Minister v. d. Recke ver­sprach zuletzt in diesem Winter eine solche für den März. In der Arbeit für das Vereinsgefetz ist die Sache aber, scheint es, vergessen worden.

Wollte man ernsthaft die Reform, so Hütte man sich die nöthigen Unterlagen leicht verschaffen können. Daß das Dreiklassen - System mehr und mehr zur Karrikatur eines Wahlrechtes geworden ist, liegt doch aus der Hand. Als man es 1850 einführte, war der Höchstbetrag der „Klassensteuer" 114 Thaler, das Uebergewicht der Höchstbesteuerten war also müßig. Die Einführung der klassifizirten Einkommensteuer im Jahre 1851 erhöhte das Maximum allerdings schon auf 7200 Thaler. Aber was ist seitdem daraus ge­worden! Die Reform, dieses Verdachtes kann man sich nicht erwehren, ist absichtlich hingeschleppt worden, um die nächsten Wahlen noch nach dem alten ..Wahlrecht" vornehmen zu lassen. Vielleicht haben diese das Ergebniß einer konservativ-freikonser- vt vtll lulll „ DatiD en Mehrheit. Von einer solchen ist die Zu- Der,Reichsbote'ist natürlich gleich Feuer und Flamme stimmung zu einer Wahlrechts - Reform, zumal nach 1 1" ' • ö - — - - ■ - -

den Landtagswahlen in Sachsen, nichtzu erhoffen. Die Konservativen wollen ja, wie Graf Limburg- Stirum sich erklärte, nicht, daß in die erste und zweite Klasse Elemente hineinkommen, „die nicht hinein ge-

Deulsches Reich.

Berlin, 13. Oktober.

«Weint tSglichSonn- nnb Feiertage ausgenommen. - Vierteljährlicher A b o n n - mentspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark SO «emna J"s"°te kosten tue npfpalkge Sarmondzelle oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholung^ entfprecheu^Rabatt^

Verfolgt.

Dem Englischen von Marion Crawsord nacherzählt von Cora von Schönburg.

„Der Landstreicher?" wiederholte Frau Goddard mit unterdrücktem Schmerzenslaute.

John, dessen Lebensgeister fiel) beim Anblicke der

Laternen wieder merklich zu heben begannen, erklärte: , x)U ^ uucl OTUUU[Ü teDte ’Ä j! fd,etntr tt9enb etn Vagabund oder auch noch! Seife - kaum merklich und doch dem Ohre

em Wilddieb gewesen zu sein. Wie es zugegangen ' ' • ' " -

ift, weiß ich selbst nicht, aber der Hund Juxon's muß ihn abgefaßt haben. Doch da ist Herr Juxon selbst — er wird es Ihnen genauer erzählen können."

>iuxon war, nachdem er Stambul untergebracht hatte, mit möglichster Eile umgekehrt.

„Mein Gott, Frau Goddard!" rief er im Tone der größten Überraschung aus, als er des Wagens anjichtig wurde. Die junge Frau ließ seinen Zuruf unbeantwortet. Sie hatte die Augen geschloffen und lehnte regungslos an der Schulter des alten Reynolds. Eine Ohnmacht hatte sie befallen.

Juxon rief John an feine Seite.

t* Keine Wahlrechtsreform in Preußen.

Offiziös wird gemeldet, daß der Landtag sich in seiner nächsten Session mit der Aenderung des Wahl­gesetzes nicht zu befassen haben werde. „Begründet" wird dies mit dem Beschluß der Regierung, die Session „von allen gesetzgeberischen Aufgaben frei zu halten, deren Erledigung nicht dringlich ist." Aus­richtig gestanden, wir sind keinen Augenblick optimistisch genug gewesen, den Herren v. Miquel und v. d. Recke die Einbringung einer Resormvorlage zuzutrauen. Die beschäftigen sich lieber mit Steuer- und Sozialisten­gesetzen. Zumal, nachdem das Dreiklassensystem sich soeben wieder in Sachsen „glänzend bewährt" hat, dürfte man der Regierung keine Ueberstürzung der Reform zutrauen. Sie ist ja nicht „dringlich", und somit wäre sie glücklich so lange hinausgeschleppt, bis wieder eine Wahl nach dem alten Gesetze statt- gefunden hat. Wir würden freilich gemeint haben, sie sei gerade jetzt besonders dringlich, weil die nächste Session die letzte vor den Neuwahlen ist. Allein die Regierung ist anderer Ansicht, denn je plutokratischer das Wahlrecht ist, umsomehr gewinnt es eine gouvernementale Mehrheit.

Bei den Wahlen im Jahre 1893 war bekanntlich erst das neue Einkommensteuergesetz in Kraft getreten. Schon dessen Wirkung machte sich in einer Verminderung der Wühler erster Klasse bemerklich. Unter den 205 Städten mit mehr als 10000 Ein­wohnern hatten sich in 154 die Zahl der Wühler erster Klasse vermindert. Wenn man dem Reichstags­wahlrechte so gern zum Vorwurfe macht, daß es dem Steinklopfer dasselbe Wahlrecht gebe wie dem Minister und Gelehrten, so hat das DreiÜaffensystem den Geld­sack vor der Intelligenz bevorzugt. 1893 wühlte in Berlin von den Ministern nur Herr v. Heyden in der ersten Abtheilung, die Minister v. Miquel und Thielen in der zweiten, alle anderen Minister wählten in der dritten Klasse; auch der Reichskanzler Graf Caprivi hätte, wenn er wahlberechtigt ge­wesen wäre, in der dritten Abtheilung wählen müssen. I Ein hoher Beamter, der über 5000 Mk. Wohnungs- miethe bezahlte, wählte in der dritten, sein Schreiber in fier zweiten und einer feiner Untergebenen in der dritten Abtheilung. Aus Bonn wurde gemeldet, daß die Profefsoren, Richter und andere Beamte meist in der dritten Abtheilung wühlten. Und so gab überall der Geldsack den Ausschlag.

Inzwischen ist nun aber noch eine erheblich weitere Verschiebung eingetreten, da nach 1893 noch das Kommunalabgabengesetz, das Gesetz wegen Auf­hebung direkter Standessteuern und das Ergünzungs- gesetz in Kraft getreten sind. Ein kleines Bild der infolgedessen eingetretenen Verschiebungen geben schon die im Herbst 1895 stattgehabten Gemeindewahlen. Sie weisen namentlich in der zweiten Abtheilung eine