JK 235 Mittwoch, den 13. Oktober 1897. 24. Jahrgang
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___ mit Unterhaltnngs-Seitage „Sterne uns Klnmen«.
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(Nachdruck verboten)
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dem
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* Dilemma. Richter: „Können Sie beschwören, daß das Ihre Handschrift ist?" Beklagter: „Na, dös kann i net!" Richter: „Dann können Sie also beschwören, daß es nicht Ihre Handschrift ist?" Beklagter: „Na, dös kann i a net!" Richter: „Wollen Sie das Gericht zum Besten haben?"
nächtliche Stille. Das Geheul des Hundes aufgehört.
Kaum eine Minute später stand Juxon vor hingestreckten Körper Walter Goddard's.
Es gelang ihm nur mit Mühe, Stambul
sie^wieder zu sprechen fähig war, „ich glaube sicher, es ist etwas Entsetzliches geschehen — gehen Sie — gehen Sie, Herr Short, und sehen Sie" —
Die Angst, welche in den abgebrochenen Worten lag, begann sich auch John mitzutheilen. Er befahl Reynolds kurz, bei den Damen zu bleiben, rannte dann über den Fahrweg, setzte über das Parkthor und lief, fo schnell ihn seine Füße tragen konnten, die dunkle Allee entlang.
Juxon war, wieZ schon gemeldet, kurz vorher durch das Parkthor getreten. Er schritt raschen Schrittes voran; Stambul folgte geräuschlos seiner Spur. Ungefähr hundert Schritte vom Eingänge entfernt, machte die Allee eine scharfe Biegung nach rechts und folgte dann dem Rande eines dichtbepflanzten Walles. Der Gutsherr hatte den Wind im Rücken und dies verhinderte auch Stambul, die Nähe einer Gefahr zu wittern. In dem Augenblicke, wo sein Herr den Wendepunkt der Allee betrat, zog sich der Mond wieder hinter eine dichte Wolkenschicht zurück. Wenige Schritte weiter sprang ihm plötzlich eine Gestalt aus dem Dickicht entgegen. Ein offenbar auf seinen Kopf gezielter Schlag streifte seinen Hut und fiel dann auf die durch den dicken Mantel geschützte Schulter nieder. Die tiefe Finsterniß hatte das Attentat vereitelt, wenigstens war der harte Gegenstand, mit welchem dasselbe ausgeführt wurde, wohl geeignet, einem Menschen das Leben zu kosten. Juxon taumelte zur Seite, da traf ein zweiter Schlag seine Schulter und streckte ihn zur Seite des Weges nieder.
Stambul war bereits nach dem ersten Streiche auf den Angreifer zugesprungen. Die plötzliche Wendung, mit welcher derselbe zum zweiten Schlage ausholte, ließ ihn jedoch sein Ziel verfehlen, und ehe er sich aufgerafft und zum neuen Ansprunge bereitet hatte, war Goddard in das Waldesdunkel zurückgeflohen. Allein das Verderben folgte ihm auf den Fersen. Der Bluthund hatte, noch ehe sich der Gutsherr von seinem Falle erhoben, die Spur des Fliehenden entdeckt und verfolgte ihn mit lautschallendem Wuth- geheule.
Juxon versuchte, ihm nachzueilen — ihn zurückzurufen — aber vergeblich. Als er vierzig Schritte weiter vorgedrungen, hörte er einen schweren Fall, und gleich darauf unterbrach ein kurzer Schrei die
seiner ■ Beute fortzuzerren. Der Mond war wieder hinter den Wolken hervorgekommen und beleuchtete die grauenhafte Scene. Juxon rang mit seinem Hunde. Er wußte, daß das wüthende Thier, wenn er los ließe, sein Opfer zerreißen würde.
Allein er hatte kräftige Hände und so sehr Stambul auch zerrte und röchelte, so gelang es ihm doch nicht, sich frei zu machen. Der Gutsherr betrachtete den vom Mondlichte beschienenen Körper des Gefallenen. Er lag scheinbar leblos da, von einer Wunde war nirgend etwas zu erblicken.
Juxon befand sich in einer furchtbaren Lage. Es war ebenso unmöglich, den Mann seinem unsicheren Schicksale zu überlassen, als sich ihm in Begleitung des Hundes zu nähern. Er dachte gerade daran, ob es nicht am besten sei, Stambul erst abzuliefern und dann auf den Schauplatz des Unglücks zurückzukehren — da klangen John's Rufe an sein Ohr.
„Hier!" meldete sich der Gutsherr. John's rasche Schritte hallten auf dem Wege. Juxon rief abermals und gleich darauf stand der junge Mann vor ihm und starrte entsetzt auf das schauerliche Bild, welches sich seinen Blicken bot.
„Kommen Sie dem Hunde nicht nahe!" rief ihm Juxon entgegen und dann fuhr er ruhiger fort: „Wie Sie sehen, ist hier ein Unglück geschehen. Sehen Sie einmal nach, ob der Mensch noch lebt."
John hatte sich noch nicht genug von seinem Schrecken erholt, um sprechen zu können, aber er kniete vor dem Körper des Gefallenen nieder und sah ihm in das Gesicht.
„Fühlen Sie nach seinem Puls und horchen Sie auf den Herzschlag," unterwies ihn der Gutsherr. Es schien ihm nichts einfacher, als das Leben oder den
Verfolgt.
Dem Englischen von Marion Crawford nacherzählt von Cora von Schönburg.
Wenige Minuten später langte der Wagen vor der Thüre der Cottage an. John sprang herunter, um Frau Goddard beim Aussteigen behilflich zu sein.
„Wo ist Herr Juxon?" fragte sie in großer Unruhe.
John suchte sich in dem Dunkel zu orientiren. Der Ostwind hatte soeben eine dichte Wolkenmasse vor den Mond getrieben, so daß es beinahe unmöglich war, irgend etwas zu erkennen. Der Gutsherr war nirgends zu erblicken. John trat zurück, um Nellie vom Wagen herunter zu heben, und sagte gelassen:
„Wir sind wahrscheinlich an ihm vorbeigefahren." Der Kutscher wollte umkehren; Frau Goddard hielt ihn auf.
„Warten Sie noch einen Augenblick," bat sie. Sie wußte selbst nicht, was ihre Bitte bezweckte, — es war nur die Furcht, welche sie dazu antrieb.
„Warum?" warf John ein. „Ich wollte zu Fuß zum Schlosse gehen."
„Freilich, ich dachte nur, es sei besser, wenn Sie und Herr Juxon bei der Dunkelheit den Wagen benutzen. Nicht wahr, Reynolds, Frau Ambrose wird gewiß nichts dagegen haben?"
Der alte Biedermann sah in der Ferne bereits das Bild eines gefüllten Maßkruges winken. Er antwortete daher bereitwillig: „Ganz gewiß nicht, gnädige Frau — ganz gewiß nicht."
Frau Goddard wandte John abermals ihr geisterbleiches Gesicht zu. „Halten Sie es nicht für mög- I lich, daß Herr Juxon bereits vorausgegangen ist?" fragte sie.
„Nein, das wäre kaum denkbar," erwiderte John. Er hatte die Hände in die Taschen seines Ueberziehers gesteckt und stampfte langsam von einem Fuße auf den andern.
„Dann müsfen wir allerdings an ihm vorbeigefahren fein," gab Frau Goddard zögernd zu. „Ich war so sicher, Niemand gesehen zu haben."
„Er wird gewiß gleich kommen," suchte sie John zu beruhigen. „Aber Sie sollten ins Haus gehen, Frau Goddard Es kann Ihnen nicht gut sein, so lange hier draußen zu stehen." Und zu Reynolds gewendet, fügte er hinzu: „Fahren Sie nur zu, wir werden doch gehen."
„O, ich bitte Sie, thun Sie das nicht!" beschwor ihn Frau Goddard.
Die Wolken zertheilten sich eben und John blickte verwundert in ihr flehend zu ihm aufgewendetes Gesicht. Der Grund ihrer Beforgniß war ihm unklar, er war geneigt. Alles für eine Ueberreizung der Nerven zu halten. Reynolds schien die Aussicht auf das Bier nicht so schnell aufgeben zu wollen. Er saß mit stoischem Gleichmuthe auf seinem Bock und ließ die Zügel schlaff herabhängen. Die Schimmelstute hatte den Kopf tief herabgesenkt und versuchte sich hier und da durch ein altersschwaches Stampfen in Erinnerung zu bringen. Einige Minuten lang verharrten Alle in tiefem Schweigen, Außer dem Ostwinde, welcher an der Cottage vorbei durch die Bäume des Parkes strich, war kein Laut hörbar.
Plötzlich klang ein lauter, weithin schallender Ton durch die Luft. Der alte Schimmel fuhr empor und zitterte heftig.
„Stambul! Stambul!" tönte des Gutsherrn Stimme aus dem Innern des Parkes. Der gellende Laut, welcher die Luft durchzitterte, verstummte. John glaubte, durch das Pfeifen des Windes hindurch einen schwachen Angstschrei zu vernehmen, dann trat wieder vollständige Stille ein. Frau Goddard lehnte an der Eingangsthüre; Nellie hatte sich erschreckt an ihre Seite geschmiegt.
„Wie!" rief John erstaunt aus, „sollte er doch in den Park gegangen sein? Ich hörte ihn seinen Hund rufen." ।
„Herr Short," stammelte Frau Goddard, sobald
Tod eines Menschen zu bestätigen. John, der noch nie einen tobten gesehen hatte, war ängstlicher. Er empfand das allen lebenden Kreaturen eigene Grauen vor dem entseelten Körper. Sein Versuch, den Puls zu finden, blieb erfolglos. Die emporgehobene Hand fiel schwer und leblos wieder auf den Boden zurück.
„Ich glaub, er ist tobt," flüsterte John unb trat von bem Körper zurück.
Juxon besann sich einen Augenblick, bann bat er John, bis zu seiner Rückkehr Wache zu halten, unb entfernte sich mit bem heftig wiberstrebenben Hunbe.
John schauberte, als er sich allein sah. Zu seinen Füßen lag der allem Anschein nach tobte Körper unb über ihm heulte unb raschelte bet Winb in den dürren Eichenzweigen. Des Gutsherrn Fußtritte verloren sich in der Ferne. Es war John noch nie im Leben so unheimlich zu Muthe gewesen. Er wäre gern in die Cottage zurückgekehrt, um Frau Goddard das Vorgefallene zu berichten und sie über des Gutsherrn Befinden zu beruhigen, allein wenn Juxon ihn nicht mehr auf seinem Posten fand, so würde er ihn der Feigheit beschuldigen. Diesem Vorwurf durfte er sich nicht aussetzen. Er lehnte sich an den breiten Stamm einer Eiche, um dort Schutz vor dem Winde zu suchen. Nach Verlauf einiger Minuten drang das Geräusch eines Wagens an sein Ohr. Vielleicht war es Frau Goddard. Er warf noch einen raschen Blick auf den am Boden Ausgestreckten und eilte dann der Allee zu. Die Laternen des Wagens waren dicht vor ihm, als er zwischen den Bäumen hervortrat. Er rief den alten Kutscher an und dieser brachte das Pferd zum Stehen. John sah, daß nur Frau Goddard im Wagen saß.
(Fortsetzung folgt.)
icht ychrift ist?" Beklagter: „Na, dös kann i a net!" „Wollen Sie das Gericht zum Besten haben?" Beklagter: „Na, Herr Richter, i kenn doch meine Handschrift selber net, i kann ja net schreib'n!"
Vermischtes.
* Eine eigenartige Auffassnny von der Heograpki« des Deutsche« Aeichs hat der königliche Regierungspräsident in Bromberg. In einer in Nr. 221 des.Reichsanzeigers' abgedruckten landespolizeilichen Anordnung auf dem Gebiete der Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche bestimmt derselbe, daß unter den Begriff „Süddeutschland" bis auf Weiteres u. A. auch die preußische Provinz Sachsen, die thüringischen Staaten, die Herzogthümer Anhalt und Braunschweig, das Fürstenthum Waldeck, sowie da? Groß- herzogthum Oldenburg (!) fallen. Namentlich die Oldenburger werden höchlichst verwundert sein, mit einem Male sich zu Süddeutschen umgestempelt zu sehen.
* Was Berliner Deliranten trinke«. Der Alkohol bringt auch tn Berlin Fahr aus, Jahr ein zahlreiche Leute so weit, daß sie dem Säuferwahnsinn verfallen. In der Regel haben sie noch die halbgefüllte Schnapssiasche in der Hand oder in der Tasche, wenn die Polizei sich ihrer annehmen und sie zu ihrer Heilung nnterbringen muß. Auf diese Weise ist eine medizinische Autorität nach und nach in den Besitz derjenigen Getränke gelangt, denen die Deliranten aus den weniger gut gestellten Kreisen mit Vorliebe zusprechen. Die Getränkekarte weist vierzehn beliebte Marken auf. Obenan steht die „Granate mit Schnellfeuer", das ist Nordhäuser mit Rum, eine Mischung, von der im Kleinverkauf 110 Gramm (ungefähr V« Liter) 15 Pfg. kosten. Um 5 Pfg. billiger ist die ebenso beliebte „geschminkte Pauline", ein Nordhäuser, dem etwas Magenbitter zugesetzt ist. Auf gleicher Höhe steht der „Leichenwagen mit Troddeln", eine etwas schwer- müthige Bezeichnung für Nordhäuser mit Punsch. Viel flotter klingt „Husarenkaffee", unter dem man Kümmel mit Rum versteht Den „Krummstiefel", einen Kräuterschnaps, bezahlt man mit 15 Pfg. für 145 Gramm. Viel begehrt ist das reine „Nordlicht", der Nordhäuser ohne jeden Zusatz zu 10 Pfg. für 110 Gramm. In derselben Preislage findet man „Sturm mit Luft", eine Kümmelmischung, und das „Krakeelwasser", eine Mischung von Nordhäuser mit Pomeranzen, der man eine besondere Wirkung zuzuschreiben scheint. Eine bessere und schwerere Sorte (15 Pfg. für 110 Gramm) ist das „Artilleriefeuer", d. h. Spiritus mit Rosenliqueur. Gern getrunken werden ferner „Nord mit Morgenroth", d. i. Nordhäuser mit Rosenliqueur, „gutte Buttell mit Pferdebittern", d. i. Nordhäuser mit Bittern, schlesischer Korn und ein geringer Cognac.
* Auf der Eisenöahn. Passagier in der 2. Klaffe: „Ach Gott, ich bin ja in ein falsches Koupee gestiegen." — Schaffner (in strengem Tone): „Ja, die Differenz muß bezahlt werden!" — Passagier: „Ach, das ist mir lieb, dann zahlen Sie mir drei Mark 'raus, ich habe ein Billet erster Klasse!"
* Schwerfällig. „Jeden Sie mich zwee Pfund Kaffee!" „Kilo heißt es jetzt, liebe Frau!" „Wat? Rich mehr Kaffee?"
* Gi« braver Kerl. Einbrecher, nach gethaner Arbeit: „Noch einen solchen Einbruch und ich kann daran denken, ein ehrlicher Mann zu werden."
Zweites Klatt. 1
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