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Dienstag, den 12. Oktober 1897

24. Jahrgang

FiildacrWZeitiuig

__mit Unterhattnngs-Seiiage „Sterne und

für diesen Kampf um den Achtstundentag eingenommen sind, als ihre Kameraden in London und Südengland. Wie es überall der Fall ist, so mag es auch hier sein: der Gedanke, durchaus nur acht Stunden am Tage arbeiten zu wollen, hat in sehr weiten Arbeiterkreisen noch lange nicht feste Wurzel geschlagen, und viele möchten es gar nicht haben, daß ihnen ihre Arbeits­zeit in dieser Weise vorgeschrieben und abgegrenzt wird.

Nichtsdestoweniger ist kaum anzunehmen, daß die ausstandsmüden Elemente unter den englischen Metall­arbeitern in absehbarer Zeit den Ausschlag für die Haltung der Arbeiter überhaupt erlangen. Vielmehr wird man nach der ganzen Lage der Dinge sich nich:: irren in der Annahme, daß dieser Ausstand noch eine ansehnliche Spanne Zeit dauern wird — vielleicht noch ein ganzes. zweites Vierteljahr.

X Der Ausstand englischer Maschinenbauer.

„So viel ich weiß, morgen."

»Nun, Sie werden dann vielleicht die Güte haben, ihn an meiner Statt zu fragen, ob er eine Woche zu mir herüber kommen wolle? Beraube ich Sie auch wirklich nicht, Frau Ambrose? Ich weiß. Sie haben ihn fehr gern."

„£), fehr!" sagte sie mit Wärme und, um ihre Bereitwilligkeit zu entschuldigen, fügte sie hinzu: „Er wird jedenfalls auf längere Zeit bleiben."

Der Gutsherr war sich benzußt, daß ihm die Gegenwart eines Gastes einigen Zwang auferlegen werde, aber er fülle zugleich, daß ihm dieses in dem vorliegenden Falle nur zum Vortheile gereichen könne

„Außerdem," fügte Frau Ambrose hinzu, „wenn Sie ihn vielleicht zuerst haben wollen — es muß eine kleine Ausbesserung in seinem Zimmer vorgenommen werden — wir haben es schon lange verschoben." —

„Gerne", stimmte ihr der Gutsherr zu. „Schicken Sie mir ihn, sobald er ankommt. Wenn es möglich ist, so komme ich selbst, um ihn zu bitten."

„Sie sind zu gütig, Herr Juxon!" „Durchaus nicht. — Wollen Sie zur Cottage?" „Ja, warum?"

„O, ich meinte nur so", entschuldigte er sich. „Ich hoffte, wir könnten weiter zusammen gehen. Adieu Frau Ambrose. Sie sagen es also zu'Short, sobald er kommt, nicht wahr?"

„Gewiß", erwiderte Frau Ambrose vergnügt, „ich werde ihn gar nicht im Pfarrhause auspacken lassen"— Adieu — vielen Dank!"

11. Kapitel.

Nach dem Fortgehen des Pfarrers war es Frau Goddard gewesen, als sei sie unfähig, noch größere Prüfungen zu ertragen. Dennoch hatte ihr die Thal, fache, daß sie sich ausgesprochen, eine fühlbare Er­leichterung verschafft. Die Elastizität ihres Geistes ließ sie in dem Gedanken einige Ruhe finden, daß Juxon vor dem Tode und Goddard vor augenblick­licher Gefangennahme geschützt sei. Der Gutsherr konnte sich mit allem versehen, was er zu seiner Sicherheit nothwendig fand — im schlimmsten Falle konnte er zu Hause bleiben. Was ihren Mann be­traf, so glaubte Mary Goddard, ihn durch ihre Warnung vor weiteren Besuchen abgeschreckt zu haben Vielleicht hatte seine Drohung nur den Zweck gehabt, sie zu erschrecken, und er war jetzt schon weit von dem Orte entfernt Ihre sanguinische Auffassung ging nad) und nach so weit, die abgewendete Gefahr als gar nicht dagewesen zu betrachten. Wären die Nach­wehen der ausgestandenen Angst nicht mehr so fühl­bar gewesen, so würde sie sogar ihr Geständniß bereut haben. Aber das Bild des ermordeten Gutsherrn drängte sich von Zeit zu Zeit wieder ihrem entsetzten Gerste auf, und dann begann sie Herrn Ambrose als

Juxon verrieth kein Zeichen von Aufregung mehr, aber er hielt Stambul noch immer am Halsbande fest. „Das freut mich außerordentlich," sagte er. „Der junge Mann verdient alle Anerkennung; es wird ge­wiß einmal etwas Bedeutendes aus ihm werden."

„Es wollte mir manchmal scheinen, als machten Sie sich nicht viel aus ihm?" meinte Frau Ambrose mit einem raschen Seitenblicke.

„O, ich mochte ihn recht gerne. Ich habe sogar die Absicht, ihn jetzt, wenn er kommt, für ein paar Tage zu mir auf's Schloß einzuladen."

Diese Inspiration war Juxon ganz plötzlich ge­kommen. Er fühlte das Bedürfniß, irgend Jemanden etwas Freundliches zu erweisen, vielleicht um dadurch seine gehässigen Absichten vom Morgen wieder gut zu machen. Der Eindruck, welchen sein Vorschlag auf Frau Ambrose machte, war größer, als er erwartet hatte. Ihr bei aller Gutmüthigkeit doch sehr prakti­scher Sinn ließ sie sofort alle Vortheile berechnen, die für John selbst und für ihre Haushaltungskasse aus der Unterbringung des Gastes im Schlosse entstehen würden.

„Wie freundlich von Ihnen, Herr Juxon! Sie können sich gar nicht denken, wie er sich darüber freuen wird! Er hat eine solche Passion für Bücher und dann, wissen Sie," fügte sie vertraulicher hinzu, „ich bin überzeugt, er ist noch nie auf einem Schlosse zu Besuch gewesen."

„Wann kommt er denn?" fragteJuxon. Ich hoffe, recht bald."

Uerfoigt.

Dem Englischen von Marion Crawford nacherzählt von Cora von Schönburg.

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Sie hatte es kaum gesagt, da klang ein Laut an ihr Ohr, welcher sie erbeben machte. Es war ein wilder, bald leise, bald laut anklingender Schall, dessen schauerliche Töne im Walde widerhallten — das Gebell eines Bluthundes auf der Menschenspur. Wer den markerschütternden Ton einmal gehört hat, dem wird er ewig unvergeßlich bleiben.

Gerade ein Vierteljahr ist nunmehr verflossen über dem Ausstand der Arbeiter in der englischen Maschinen- und Metallindustrie, und noch ist keine Hoffnung vorhanden auf baldige Beilegung dieses Lohnkampfes. In jüngster Zeit haben sich die Vorstände des Han­delsministeriums ins Mittel gelegt und sich bemüht, Anknüpfungspunkte zu finden für Ausgleichsverhand­lungen zwischen den streitenden Parteien; und in der Thal zeigten sich die Führer der Arbeiter geneigt, Friedensunterhandlungen anzuknüpfen. Aber die Ar­beitgeber wollten nun wieder nichts wissen von den Bedingungen, unter denen die Arbeiter an Berathungen über einen Ausgleich theilnehmen wollten, und so sahen sich wiederum Tausende in ihren Hoffnungen getäuscht. Noch mehr: die Vertreterversammlung des Fabrikantenbundes hat ganz neuerdings den Beschluß gefaßt, daß jedes Verlangen nach Ver­kürzung der Arbeitszeit grundsätzlich c*-- zulehnen ist, und hat außerdem auf den Standpunkt ffch gestellt, daß man den Fabrikanten unbe- schränkte Freiheit in der Leitung ihrer Betriebe erkämpfen wolle und deswegen die Vermittelung anderer Personen zwischen den streitenden Par­teien für nutzlos und unerwünscht ansehe.

Man findet unmöglich eine andere Bezeichnung für diese Haltung des Fabrikantenbundes als schroff. Aber die Herren werden wohl ziemlich genau wissen, rote weit sie gehen können und man kann aus diesem starren Verhalten der Arbeitgeber nur den Schluß petzen, daß sie sehr siegesbewußt sind. Wirklich hat sich ihre Lage tn manchen Punkten gebessert, und dies namentlich in einem Punkte: während anfänglich noch eme Menge Firmen zurückhielt mit ihrem Anschlüsse an den Fabnkantenbund und theilweise sogar, wie besonders in London, den Achtstundentag bewilligte, gebietet jetzt der Fabrikantenbund über einen weit größeren Theil der englischen Arbeitgeberschaft. Nicht nur Firmen, die zuerst zögerten, haben sich ihm in­zwischen angefchlossen; es haben sogar Firmen, die schon die Forderungen der Arbeiter bewilligt hatten, ihre anfängliche Zusage unter Androhung der Ent­lassung der Arbeiter zurückgezogen, falls diese sich nicht fugen wollen. Der Fabrikantenbund steht jetzt, nachdem der Ausstand volle drei Monate gewährt hat, viel mächtiger da als im Anfänge, und daraus erklärt sich die Festigkeit seiner Haltung gegenüber der Arbeiterschaft.

Die feiernden Arbeiter verbrauchen zwar sehr große Geldsummen für ihren Unterhalt; denn die Ausstandsgelder, die gezahlt werden müssen, betragen allwöchentlich nicht weniger als 700000 Mark. Aber noch immer hat der Verein der Maschinenbauer eine beträchtliche Summe, min­destens einige Millionen Mark, auf der Bank; und außerdem müssen zum Unterhalte ihrer ausständigen Kameraden die arbeitenden Mitglieder des Verbandes "'dchentlich je 4 bis 5 Mark jeder bezahlen. Und außerdem senden die anderen Gewerkvereine (Trade Umons) regelmäßig Unterstützungsgelder. Wie bekannt, oetheiligen sich auch Arbeiterverbände auf dem Kon- ™nt dieser Unterstützung der ausständigen eng­lischen Metall- und Maschinenarbeiter — sollen doch i n nnn deutschen Schriftsetzer eine Summe von ^000 Mark geopfert haben! Unter solchen Um- 1 qv, !?sl?a auch die feiernden Arbeiter in England @trhprh»i+ sluken, und man kann mit ziemlicher lami miäh £araui rechnen, daß sie es noch Wochen bobenen .kratz, der in der Presse wiederholt er- band hpr%i?afU+/U’19t. ber Fabrikanten, daß der $er= mkMb«L^afC?tfen6auer uun am Ende seiner Geld- Mltret angelangt sei.

könnte es sein, daß ein Theil der Arbeiter veri'ckieden^n roiri)- Denn wenn man den

pnS? " ? Berichten glauben will, die aus Nord- Äto iÄls l°r-AUV“n °nnehmen, daß die nördlichen Bezirken weniger begeistert

Juxon war zu Tode erbleicht, dann schrie er wie einer, dessen Leben davon abhängt: „Stambul — Stambul — Stambul!" Immer von Neuem drang des Hundes Name in die Ferne.

Stambul war noch nicht sehr weit gekommen. Die Stimme seines Herrn konnte ihn noch erreichen. So­bald dieselbe zu ihm drang, hielt er- in der Verfol­gung inne, wendete sich um und übersprang in einem Satze das sechs Fuß hohe Gitter und den doppelten Graben, welcher den Park von der Landstraße trennte. Juxon rang nach Äthern. Es war ein furchtbarer Augenblick gewesen. Wäre es ihm nicht gelungen, die Bestie zurückzurufen, so würde es um Walter Goddard's Leben geschehen sein.

„Das war nur Spielerei," sagte er, noch immer sehr bleich aussehend, und ergriff Stambul am Hals­bande. „Bitte, Martha, sagen Sie Frau Goddard, daß es mir sehr leid thue, zu hören, daß sie krank sei. Ich werde heute Abend noch einmal nachfragen."

»Sehr wohl, gnädiger Herr," antwortete Martha. Sie hatte während der ganzen Zeit scheu auf das keuchende Thier geblickt und war offenbar darauf be­dacht, die Thür so schnell als möglich zu schließen.

Juxon schlug den Rückweg in der Richtung des Dorfes em. Seine Aufregung hatte sich merklich ge- Iteigert. Er hielt Stambul krampfhaft am Halsbande fest. Das blutdürstige Geheul des Hundes hatte ihn allzu sehr an das Abenteuer im Belgrader Walde er­innert. Er hatte den Weg durch das Dorf eigentlich nur gewählt, um den Hund nicht wieder auf die eben verfolgte Fährte zu bringen. Beinahe, ohne es zu wlffen, wendete er sich dem Pfarrhause zu. Im Zu­stande einer außerordentlichen Gemüthsbewegung folgt der Mensch oft nur mechanisch seinen Lebensgewohn- helten. Er hatte das schmucke, rothe Backsteinhaus fast erreicht, als er sich plötzlich der stattlichen Figur der Frau Pastorin gegenüber befand.

Frau Ambrose hatte das araue Kleid so weit aus- gerafft, daß die festen Schnürstiefel sichtbar wurden. Eme weite Otterjacke und ein Hut mit Jetblumen, wie )ie sei Jahren als das Wahrzeichen einer vor­nehmen Dame in Billingsfield galten, vervollständigten tpre Toilette. Von den letztgenannten Jetblumen sagte Frau Ambrose, daß sie unverwüstlich seien und für den Rest ihres Lebens aushalten müßten. Sie be­grüßte Juxon mit Herzlichkeit und fragte ihn, ob er fie auf ihrem Spaziergange begleiten wolle.

Ju?on ging bereitwillig auf ihren Wunsch ein.

„SBir hatten heute Morgen so gute Nachrichten von John Short, dem früheren Lieblingsschüler und jetzigen Freund meines Mannes, den Sie ja auch kennen," begann sie. „Er hat ein vorzügliches Examen gemacht und ist beinahe sicher, der Erste unter den besonders Ausgezeichneten zu werden. Einer der Universitäts - Professoren hat meinem Manne bereits geschrieben, um ihm zu feinem Erfolge zu gratuliren."

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