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Dienstaq, den 12. Oktober 1897. 24. Jahrgang
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mit Untkrhattungs-Keilage „Sterne tni» tilumrn“.
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ä« Krisen in Italien.
In der zweiten Hälfte des Monats September war in Italien eine theilweise Ministerkrisis eingetreten. Die Uneinigkeiten innerhalb des Ministeriums waren bis zu einem Grade ausgewachsen, daß es nicht mehr möglich war, irgend welche wichtige Angelegenheiten noch zum Abschlüsse zu bringen. Zumal in der afrikanischen Frage machte sich dies geltend: verschiedene Minister bekämpften unmittelbar die Vor-
* Die Arbeiten für den MeichsHausHatts- Etal von 1898/99 sind nach der Meldung einer Berliner Zeitungs-Korrespondenz noch sehr im Rückstände. _ Dem Bundesrathe ist zunächst nur der Etat der Post und der Telegraphie zugegangen. Mit Hinweis darauf wird hinzugefügt, daß em bestimmter
natürlich wieder die konservativen Mitglieder seines Kabinets, und Herr Pri netti, der Arbeitsminister, ein persönlicher und politischer Gegner Zanardelli's, stattete als Kundgebung gegen die von Rudini geschmiedeten Ränke in auffallender Weise dem Kardinal Ferrari, Erzbischof von Mailand, einen Besuch ab. Nun führen die Blätter des Herrn di Rudini ganz offen einen heftigen Kampf gegen Prinetti. Aber dieser kümmert sich gar nicht darum und denkt auch gar nicht daran, seine Entlassung zu beantragen.
Allem Anscheine nach kann sich das Ministerium des Herrn Rudini nicht mehr lange halten. Es wird stürzen und ein neues Ministerium wird kommen, um nach kurzer Zeit von Neuem in gleiche Verlegenheiten zu gerathen, und so fort ins Unendliche, oder vielinehr bis zum Ende aller Ministerien der piemon- tesischen Dynastie.
der Hausindustrie thätigen Arbeiter und ihrer Hausgenossen.
* Der foziakdemokralische Marterlag hat, wie berichtet, die Theilnahme an den bevorstehenden preußischen Landtagswahlen beschlossen. Aber die Bedingungen, unter denen dieser Beschluß zu Stande gekommen ist, sind geeignet, denselben erheblich in seiner Bedeutung einzuschränken — vorausgesetzt nämlich, daß die Sozialdemokratie allgemein sich danach richtet, was in Hamburg als maßgebend beschlossen worden ist. Es dürfen nämlich nach dem Hamburger Beschlüsse „KompromisseundBünd- nisse mit anderen Parteien nicht abgeschlossen werden," und der Vorsitzende des Parteitages, Herr Abg. Singer, deutete dies in seinem Schlußworte unter dem lebhaftem Beifall der Versammlung dahin, daß „auf Grund des gefaßten Beschlusses eine demnächstige Betheiligung nur durch Aufstellung sozialdemokratischer Wahlmänner geschehen kann." Sollten solche sozialdemokratische Wahlmänner gewählt werden, so könnten diese ja bei etwa eintretenden Stichwahlen auch für den Kandidaten einer andern Partei stimmen. Aber bei den Urwahlen sind solche Praktiken ausgeschlossen, vorausgesetzt, daß der Hamburger Beschluß überall pünktlich befolgt wird. Bezeichnenderweise ist es von anderen Blättern nur die Stumm'sche Berliner ,Post', die dem Hamburger Beschlüsse besondere Tragweite beilegt. Gerade die ,Post' scheint sich in den von ihr vertretenen Grundsätzen und Standpunkten so schwach zu fühlen, daß sie ängstlich sich sürchtet vor allen Angriffen dagegen.
* Der .Reichs- und Staatsanzeiger' veröffentlicht die übliche Zusammenstellung von Aetrieösuufätren auf deutschen Giserrvaynen mit Ausschluß der bayrischen Bahnen, diesmal sür den M o na t Au g u st. Wie für den Monat Juli, so stellen sich diese Ziffern auch für den Monat August sehr hoch. Es fanden statt im ganzen 216 Betriebsunfälle, nämlich 14 Entgleisungen auf freier Bahn und 21 in Stationen, 3 Zusammenstöße auf freiet Bahn und 20 in Stationen, und 158 andere Betriebsunfälle. Bei den Unfällen wurden im ganzen während des einen Monats August 62 Personen getötet, nämlich 11 Reisende, 35 Bahnbeamte und Bahnarbeiter im Dienst und 16 fremde Personen einschl. der nicht im Dienste befindlichen Beamten und Ar- . beiter. Verletzt wurden im ganzen genommen 1 62 Personen, darunter 64 Reisende, 79 Bahnbeamte und Bahnarbeiter im Dienst, 2 Postbeamte, 17 fremde Personen und Beamte und Arbeiter außer Dienst. Die Betriebslänge der Bahnen, die bei dieser Statistik einbezogen sind, betrug 30186 331 Kilometer, so daß je ein Unfall entfällt auf 184 Kilometer Betriebslänge oder auf 139 752 Zugkilometer.
h Das Ministerium des Innern hat, wohl nicht unbeeinflußt von dem Umstande, daß in den letzten Jahren so viele Verbrecher unentdeckt geblieben sind, bezüglich der Prämien für die Krmitteknng von Dervrechern eine Aenderung getroffen. Den Regierungspräsidenten sowie dem Berliner Polizeipräsidenten ist die Ermächtigung ertheilt worden, künftig in geeigneten Fällen für die Ermittelung von Verbrechern Belohnungen bis zum Höcdstbetrage von 500 Mark — statt wie bisher 300 Mark — selbständig auszusetzen und zu bewilligen.
-r Unserer Mutter droht neue Ltonknrrenz! Arnercka beabsichtigt, den deutschen Markt mit seiner Butter zu beglücken. In Hamburg soll bereits ein Quantum derselben zum Verkauf liegen. Der Transport vom Staate Minnesota bis nach England auf den Markt kostet 2,5 Cts. aufs Pfund ober 23 Pfg^ aufs Kilogramm, wobei die Butter sowohl während der etwa 2000 km langen Bahnfahrt, als auch während des Seetransports ununterbrochen in Kühlkammern mit einer dem Gefrierpunkt naheliegenden Temperatur gehalten wird. Nicht ohne begründete Sorge wird unsere Landwirthschaft die neue Konkurrentin auf unserem Markt erscheinen sehen.
* Der Ausfall der Neuwahlen zum sächsische« Landtage ist für die Sozialdemokratie von vollständig negativem Erfolge gewesen: in den 31 Wahlkreisen, in denen eine Neuwahl zum sächsischen Landtage zu vollziehen war, ist auch nicht ein einziger Sozialdemokrat gewählt worden. Ueberall siegten die Wahlbewerber der Kartellparteien, und auch die
Deutsches Weich.
Berlin, 11. Oktober.
* Der verabschiedete Staatsminister von Mötticher hat sich in Berlin eine Wohnung gemiethet. Es wird aber, wie bekannt, angenommen, daß er demnächst das Oberpräsidium einer Provinz übernehmen wird.
Erstes Statt.
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— Aeues aus Sommern! In Alt-Jargenow wollte der Bauernverein „Nordost" eine Versammlung abhalten und machte dieserhalb schriftlich beim Antts- vorsteher Schubert die vorschriftsmäßige Anzeige. Als Herr Schubert auf dem Kouoert als Absender den „Nordost" entdeckte, verweigerte er die Annahme. Sofort wurde beim Landrath Ostenoth in Grimmen telegraphisch Beschwerde erhoben. Antwort: Amts- vorsteher muß erst gehört werden. Resultat: Die Versammlung konnte nicht staltfinden, da für die Vernehmung des Amtsvorstehers die Zeit zu knapp war.
schwerer KirchermotH leiden die 5000 Katholiken in den Orten Steglitz, Zehlendorf, Lichterfelde, Friedenau bei Berlin: 5000 Katholiken und nur eine fehr kleine Kapelle, die aus feinem früheren Schulzimmer nothdürftigst hergestellt worden ist. Eine katholische Kirche in Steglitz ist darum dringendstes Bedürsniß! Herr Pfarrer Deitmer in Steglitz wendet sich deswegen in einem Flugblatte an die Gutherzigkeit ber Katholiken Deutschlanbs mit ber Bitte um Spenben für die Rosenkranz-Kirche in Steglitz. Da ift zum Unglücke das Flugblatt dazwischen gekommen, das ein Rendant Moser in Berlin versendet und worin „geweihte" Rosenkränze zum Kaufe an- geboten werden. Der Erlös davon soll zur Linderung der Berliner Kirchennoth bestimmt fein. Beide Flugblätter werden nun leider, wie die Erfahrung zeigt, vielfach bei flüchtiger Ansicht miteinander verwechselt, und da die katholischen Zeitungen natürlich vor dem Flugblatte des Herrn Moser warnen müssen, leidet darunter gleichzeitig die höchst wichtige Sache des Steglitzer Kirchenbaues. Alle Katholiken sind gebeten, das eine Flugblatt von dem andern genau zu unterscheiden und nicht zu vergessen die Kirche, die ber hl. Rosenkranz-Königin zu Ehren in Steglitz gebaut werben soll.
h Die deutsch soziale Mesormpartei hat auf ihrem 3. Parteitag zu Nordhaufen sich mit der Arbeiterfrage beschäftigt. Von einer Aenderung des bezüglichen Programms wurde Abstand genommen, dagegen nach langer Debatte in einer Resolution als weiter zu erstrebende Ziele folgende bezeichnet: Förderung des Zusammenschlusses aller Arbeiter zur Besserung ihrer Arbeits- und Lohnverhältnisse, Koalitionspflicht statt Koalitionsrecht, Einschränkung des Zuzugsrechts unter besonderen Umständen. Bildung von Arbeitsausschüssen für alle größere Betriebe und Schutz der Mitglieder desselben gegen Maßregelungen, Diese ™ I Unterstellung der Arbeitgeber unb ihrer Vertreter
| Dreistigkeit des Marchese di Rudini verdroß I unter den § 174 des Strafgesetzbuchs, Schutz der in I
schlüge des Ministerpräsidenten Marchese di Rudini aufs heftigste, und nur mit großer Mühe gelang es diesem letztem, den Senator Bonfadini zum Gouverneur der Kolonie Eritrea durchzusetzen. Darauf aber folgte eine heftige Bewegung in ganz Italien. Und obwohl Herr Bonfadini Vorsitzender der Vereinigung der italienischen Presse ist, so erhob sich gegen ihn in vielen Zeitungen ein heftiger persönlicher Kampf, und schließlich weigerte sich auch König Humbert, die Ernennung Bonfadini's-^nm Gouverneur von Eritrea zu unterzeichnen. Herr Bonfadini ist als Zeitungsmann ein heftiger Polemiker, und als solcher hat er schonungslose Kritik geübt an der Haltung des Königs Humbert selbst bei vielen Gelegenheiten. Stets ist er als ein Gegner des Dreibundes ausgetreten, und vor allen Dingen gegen die Ausgabe für militärische Zwecke hat er oft eine heftige ________, _____ .... ...........
Sprache geführt. Das Wunderlichste aber bei der Zeitpunkt für die Einberufung des Reichstages sich ganzen Sache ist, daß Bonfadini ganz besonders gegen noch nicht feststellen laste.
das Festhalten an der Kolonie Eritrea losgezogen "ist, ’ “ deren Gouverneur er nun werden sollte und "wollte. Daß der König Humbert gerade die Ernennung dieses Mannes nicht will, kann man sich ohne besonders lebhaste Phantasie vorstellen.
Die Hauptgegner bi Rudini's sind die Herren Giolitti und Zanardelli. Marchese di Rudini suchte diese durch allerhand Anerbietungen zu versöhnen. Eine Gelegenheit dazu gab der Tod des Justizministers Costa, ber die Ernennung eines neuen Justizministers ohnehin nothwenbig machte. Da wollte Rubini das Kabinet von Grund aus umbilden, und er bot den Herren Giolitti und Zanardelli an, er wolle dies unter ihrer Mitwirkung thun. Aber bei beiden holte er sich einen Korb. Giolitti erwiderte, er wolle sich volle Freiheit vorbehalten, und Zanardelli ließ antworten, er möge in das Ministerium nicht eintreten ohne durchgreifende Aenderung der Politik desselben. Da ging, ehe die Unterhandlungen mit .Zanardelli beendet waren, Marchese di Rudini selbstständig vor: er übertrug dem bisherigen Unterrichts- jninifter Gianturco das Justizministerium und holte sich in Codronchi einen neuen Minister für das Kultusministerium, obwohl dieser' bisher nur mit Polizeisachen sich beschäftigt hatte. Codronchi ist ein ausgesprochener Giolittist, sodaß dieser die Ernennung jenes Mannes zum Kultusminister ganz gewaltig übelnahin, und Zanardelli empfand es bitter, daß di Rudini nicht das Ende ber mit ihm angeknüpften Unterhandlungen abwartete. Galimberti, Unterstaatssekretär des Unterrichtes, ein ergebener Freund des Herrn Zanardelli, und Ronchettfi, in derselben Stellung im Justizministerium, ein ebenso ergebener Anhänger des Herrn Giolitti, traten geräuschvoll von ihren Aemtern ■ zurück. Die Gruppen Giolitti unb Janardelli aber kündigten dem Kabinet di Rudini bet ber Eröffnung der Kammer den Krieg an. r Juc^.e R"l>ini noch einmal einzulenken. Er ntz m den ihm ergebenen Blättern antünbigen, daß e Umbildung des Kabinets nur eine vorläufige sein 1? e P,, baß er unbedingt mit Herrn Zanardelli greunb bleiben wolle. Dies bedeutete so viel, daß | !,d) bereit erklärte, dem Wunsche Zanar- delli s nachzukommen unb eine feindseligere Stellung Ä ?menÄn ben Stuhl und gegen die "nprfn ni, ** er M Herrn Zanardelli
versprochen haben, er wolle „gegenbie Klerikalen ' Ergehen wre gegen bie Anarchisten". Gleich- jetttg prtefen bte offtzio,en Blätter Herrn Zanardelli «ls den größten Patrioten Italiens''.
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