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Montag, den 11. Oktober 1897
L^Jaüraana
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__________mit zlnterhaltnngs-Krilage „Sterne und Klnmen«.
as Die „Fabel" vom billigen Landleben in anderer Beleuchtung.
Im zweiten Blatte der Samstags-Nummer der »Fuldaer Ztg.' beleuchtete ein Herr vom Lande die von ihm als Fabel bezeichnete Ansicht, daß man auf dem Lande billiger lebe, als in der Stadt. Diese Beleuchtung ist aber so einseitig, fas möchte man sagen: tendenziös ausgefallen, daß eine Beleuchtung von der anderen Seite nothwendig erscheint, um ein richtiges Bild zustande kommen zu lassen. Der Schreiber dieser Zeilen dürfte hierzu um so eher in der Lage sein, als er zweimal auf dem Lande angestellt war (einmal als Junggeselle und einmal als verheiratheter Mann) und ebenso zweimal in der Stadt (ebenfalls als unverheiratheter und verheiratheter Mann); dazu waren die Gegenden und damit auch die Lebensverhältnisse sehr verschiedener Art.
Folgen wir einmal dem Herrn vom Lande Schritt für Schritt, so stoßen wir zunächst auf die geradezu unglaubliche Behauptung, daß man in der dem 'Wohnorte des Herrn zunächst gelegenen Stadt eine geräumige Wohnung für 80 Mk. Jahresmiethe bekommen könne, während in dem Dorfe selbst eine kleine Wohnung (über den Schweineställen) 100 M. kostet. Es ist wirklich schade, daß man den Namen der Stadt nicht erfahren hat, wo ein Beamter für 80 Mk. eine geräumige Wohnung miethen kann. Oder sollte hier vielleicht das Malheur passiert sein, daß man die Quartalsmiethe in der Stadt mit der Jahresmiethe auf dem Lande in Parallele gefetzt hat? Wer die Verhältnisse kennt, weiß, daß die Wohnungen in der Stadt mindestens doppelt, ja dreimal so theuer sind, wie entsprechende Wohnungen auf dem Lande.
Daß man das Fleifch in der Stadt durchgängig besser und auch oft billiger kaufen kann, als auf dem Lande, ist richtig. Dafür aber kann der Beamte auf dem Lande mit leichter Mühe und geringen Kosten selbst ein Schwein im Stalle halten und mästen, was dem städtischen Beamten unmöglich ist. Butter, Eier und Milch sind, wie ja auch unser Gegner zugibt, «uf dem Lande billiger als jn der Stadt.
Daß anderseits Petroleum, Zucker, Soda, Seife und ähnliche Dinge in der Stadt meist bester und billiger zu haben sind, läßt sich nicht bestreiten. Wenn aber gesagt wird, die Kartoffeln und das Holz müßten auf J)em Lande ebenso hoch bezahlt werden wie in der Stadt, so ist das im allgemeinen wohl nicht richtig. Dem Schreiber dieser Zeilen brachte vor einigen Tagen ein Landmann eine Fuhre Kartoffeln, und nach dem Preise gefragt, erklärte er: „Zu Hause bekomme ich 2 Mk. 20 Pfg. für den Centner, hier muß ich also 2 Mk. 40 Pfg. haben"; — „weil Sie es sind" — fügte er hinzu — „will ich es für 2 Mk. 35 Pfg. thun." Der Mann hatte Recht. Wenn der Bauer in seinem Dorfe ebenso viel Geld für hie Kartoffeln bekommen kann, dann schont er seine und seines
Verfolgt.
'Dem Englischen von Marion Crawford nacherzählt von Cora von Schönburg.
20 ------ (Nachdruck verboten.)
Der Gutsherr liebte Frau Goddard in seiner Weise. Er liebte sie fest und ehrlich. Als er um ihre Hand gebeten, hatte sie den Wunsch verrathen, Wittwe zu sein. Das kam ungefähr einer Zusage gleich. Der Tod des Gatten bahnte ihm den Weg zur Heirath, mithin konnte der Wunsch, Goddard gefangen oder gar getödtet zu sehen, nicht berechtigt fern Es hieße mit anderen Worten: „Ich, Charles ^ames Juxon, möchte Goddard tobten, um seine Frau zu heirathen."
Wer konnte entscheiden, wo in einem solchen Falle die Gerechtigkeit aufhöre und die unrechtmäßige (Eigenliebe begann? Es war eine furchtbare Gewisfens- frage. Juxon sagte sich, daß die eigenen Zweifel iijn nicht veranlassen dürsten, die Wichtigkeit des Unternehmens aus dem Auge zu lassen, daß von der Ge- fangennehmung des Sträflings auch Frau Goddard's Lebensruhe abhänge, und diese mußte vor Allem berücksichtigt werden. Aber alle diese Einwände konnten vor dem schrecklichen Bilde des seinen Angreifer zerreißenden Thieres nicht Stich halten. Gerade der Gedanke, daß in dem Tode des Geächteten ein Ge-
Pferdes Knochen lieber, als daß er die Kartoffeln zur Stadt fahren sollte, bloß um den Städtern das Leben ebenso billig zu machen, wie es auf dem Lande ist. Wie wenig der Verfasser jenes Artikels das städtische Leben und die Städter kennt, ersieht man aus seiner Behauptung, daß der Städter „keinen Verstand von Gemüsebau hat und nicht weiß, daß der Boden zum Gemüsebau erst hergerichtet werden muß." Wir laden den Herrn ein, einmal einer Versammlung des Fuldaer Gartenbauvereins beizuwohnen, da kann woh Mancher vom Lande seinen „Verstand vom Gemüsebau" noch etwas erweitern und lernen, wie der Boden zum regelrechten Gemüsebau hergerichtet werden muß.
Was nun die Kleidung angeht, so kommt auch hier der Beamte aus dem Lande billiger davon, als in der Stadt. Es ist nicht nöthig, daß er für jeden neuen Rock nach Frankfurt fährt, oder nach Fulda oder Hersfeld. Wenn der Beamte auf dem Lande an Sonntagen so gekleidet geht, wie fein Kollege in der Stadt an jedem gewöhnlichen Werktage gehen muß, dann ist er noch immer „fein" gekleidet. Und das gilt in noch viel höherem Maße für seine Frau und seine Kinder. Was da der Beamte in der Stadt oft gegen seinen Willen und seine Neigung thun ' muß, um nicht losen Zungen Stoff zu bösem Gerede zu liefern, kostet vielfach mehr, als der Uneingeweihte glauben mag.
„Auf eine standesgemäße Unterhaltung muß der Beamte auf dem Lande verzichten", heißt es in dem Artikel. Es ist ja richtig, daß der Verkehr mit Kollegen und anderen Personen von gleicher sozialer Stellung sowie der Besuch des Kasinos zc. in der Stadt viel leichter ist, als auf dem Lande. Aber daß dieser Umstand mit als ein Beweis angeführt wird dafür, daß das Leben in der Stadt nicht theurer sei, als auf dem Lande — und um diesen Gesichtspunkt handelt es sich hier doch einzig und allein! — das ist geradezu großartig. Mancher Beamte in der Stadt muß in diesem Punkte oft seinem Portemonnaie Dinge zumuthen, die er lieber und besser für andere nolhwendige Sachen anwenden möchte.
Unbedingt zustimmen müssen wir den Ausführungen über die Versorgung der Kinder. Dem Beamten in der Stadt ist es leichter, seinen Kindern eine gute Bildung zu verschaffen, als dem Kollegen auf dem Lande. Und wenn es auch nirgendwo geschrieben steht, daß jeder Beamtensohn hohe Studien machen muß,so ist doch hier der Vortbeil des städtischen Beamten von großer Bedeutung. Dieser Umstand ist es ja auch gerade, weshalb viele Beamten eine Versetzung in die Stadt wünschen. Uebrigens möge man nicht übersehen, daß auch hier wiederum die Schattenseiten niä t fehlen. Der Raum gestattet uns nicht, diese hier eingehend zu erörtern, 'der Verständige kennt sie ohnehin.
Gar nicht erwähnt hat der Herr vom Lande in seinem Beleuchtungsartikel die vielen und zum Theil winn für ihn liege, mußte ihn abhalten, dem Strafgerichte seine Hand zu leihen.
Juxon erinnerte sich der verschiedenen Fälle in einem bewegten Leben, wo ihn die Nothwehr gezwungen, feine Kugel zu entsenden. Er hatte keinen getödtet, aber manchen Angreifer kampfunfähig gemacht — manche Meuterei war durch seine Energie unterdrückt, mancher rohe Geselle war mit einem Denkzettel versehen worden. Auch heute rief ihn die Pflicht der Selbsterhaltung zu den Waffen, und fein weltliches Gericht hätte die Art feiner Vertheidiginig anzugreifen vermocht. Tausend Gründe unterstützten eine Absicht, aber eine Stimme in seinem Innern übertönte sie alle. Es war die Stimme der Ehre, welcher er seither rücksichtslos treu geblieben war. Ja, er wollte ein Edelmann in des Wortes schönster Bedeutung bleiben, er wollte der Versuchung wider- tehen, wie trügerisch ihm auch die Vernunft zuredete.
Die ruhige Ueberlegung hatte den Gutsherrn im Verlaufe einer Stunde so weit gebracht, daß er die beabsichtigte Verfolgungsweise wie einen Mordgedanken verwarf. Stambul sollte ihn auf allen Gängen bereiten. Griff ihn Jemand an, so würde der Hund eines Amtes walten, von einer eigentlichen Hetzjagd aber sollte dabei in keiner Weise die Rede fein. Er etzte sich mit dem Bewußtsein, eine edle Entscheidung getroffen zu haben, an den Frühstückstisch. Allein der
großen Ausgaben, die der städtische Beamte nicht gut umgehen kann, während der Beamte auf dem Lande sie kaum kennt, ober boch sicher nicht in bem Maße kennen lernt, wie seine Kollegen in ber Stabt. Wer da meint, es handle sich dabei nur um ein „paar weiße Kragen und Handmanschetten", der kennt vom Leben in ber Stabt so wenig, baf£ ber Rahmen eines Zeitungsartikels nicht ausreicht," ihn zu belehren.
Thatsache ist und bleibt es, daß das Leben auf dem Lande im Allgemeinen billiger ist als in ber Stadt, — die Dörfer, welche ganz nahe bei Industriestädten liegen, machen aus naheliegenden Gründen in manchen Punkten eine Ausnahme. Es ist daher auch ganz in der Ordnung, daß bei Bemessung des Gehaltes auf diesen Umstand gebührende Rücksicht genopimen wird.
Deutsches Deich.
Berlin, 9. Oktober.
h Ueber die Ikottenpkäne schreibt neuerdings bas Organ bes Bunbes ber Lanbwirthe, bie Deutsche Tageszeitung': „ ... Es hat Niemanb ben Flanen- plänen mehr geschadet, als biejenige-n ihrer Verfechter, welche jeben Gegner ohne Weiteres mit einigen groben Rebensarten abthun zu können meinen . . . Man wird nach wie vor mit einem gewissen Rechte annehmen können, daß bie ,Köln. Ztg.' ... im Allgemeinen richtig gehört hat . . . Ohne Bebingung unb Einschränkung haben wir . . . behauptet, daß die von ber Köln. Ztg. angedeutete Gesammtsumme uns zu hoch erscheine. Unb b abei bleiben wir. Wie die Dinge jetzt liegen, können wir so viel nicht für Flottenvergrößerung bewilligen....." Werben bie
Freunde und Hintermänner der,Deutschen Tageszeitung' auch im Reichstage „dabei bleiben, baß sie so viel nicht bewilligen können"?
* Im Reichsamte bes Innern sind nach ber ,Frankf. Ztg.' zwei neue Gesetzentwürfe in Vorbereitung. Der eine betrifft bieRegelung der Arbeitszeit der Hanbelsangestellten. Es wirb darin versucht, einen Maximalarbeitstag dadurch herzu- tellen, daß Pausen von bestimmter Länge — Mittags unb Nachts — angeorbnet werden. Der andere Entwurf betrifft die kaufmännischen Schiedsgerichte. Diese sollen den Amtsgerichten ange- gliedert und bie Beisitzer ausgeloost werben, gleich den Schöffen. Ein Wahlverfahren, wie es für bie Gewerbegerichte besteht, scheint bie Regierung nicht acceptiren zu wollen. Der Reichstag hat am 7. April ds. Js. folgenbe Resolution angenommen: „Die ver- )ünbeten Regierungen zu ersuchen, balbthunlichst bie Vorlegung eines Gesetzentwurfes zu veranlassen, wonach zur Entscheidung von Streitigkeiten zwischen Prinzipalen einerseits unb Handlungsgehilfen unb Appetit wollte sich nicht einstellen unb er erhob sich bald roieber, um ben gewohnten Besuch in der Cottage anzutreten. In Rücksicht der gestern hervorgerufenen Aufregungen war es natürlich, daß er sich nach Frau Goddard's Befinden erkundigen mußte.
In der Halle trat ihm ber verhängnißvolle Hunb entgegen unb hob bie blutunterlaufenen Augen fragenb zu ihm auf. Juxon zauderte einen Augenblick, bann rief er entschlossen:
„Komm mit, Stambul!"
Der Hunb legte seine großen Tatzen auf bie Schultern seines Herrn unb versuchte in ber Freude, dessen Gesicht zu lecken. Er warf den starken Mann fast dabei um. Beim Zurückspringen glitt er auf dem glatten Flure aus, schnellte wieder empor und setzte dann mit riesigem Sprunge in den Park hinaus. Juxon rief ihn zurück, und Stambul folgte während des Weitergehens bedächtigen Schrittes seiner Spur. Die innere Unruhe, welche ben Gutsherrn beherrschte, war biesem etwas vollstänbig Neues. Er erwartete nicht von Gobbarb, bei hellem Tageslichte angegriffen zu werben, aber er blickte doch unwillkürlich um sich und hielt ben dicken Hagedornstock fest in ber Hand.
Als er die Cottage erreicht und harrend vor der Thür stand, schnupperte Stambul am Boden, warf >en Kopf auf, roch wieder auf der Erde herum unb trabte bann langsam zu bem links von bet Thür ge-