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Samstag, dm 9. Oktober 1897

________ 21. Jahrgang

FiildaerWZcitiliiil

__Eit UntrrhaLtnngs-KeiLage „Sterne und KLumen".

selbst ziehen; die Arbeit darf man dabei aber nicht berechnen, sonst kann man es für den nämlichen Preis m Frankfurt in der Markthalle kaufen. Diese Be­hauptung läßt ja der Städter nicht gelten, weil er eben kernen Verstand vom Gemüsebau hat und nicht weiß, daß der Boden zum Gemüsebau erst herqerichtet werden muß. Bis aber ein Aeckerchen in den richtigen Stand gebracht ist, geht der Beamte auf dem Lande wieder weiter.

Kleidung. Der Städter geht in den nächsten Laden ohne Unkosten. Der Beamte vom Lande macht einen®e9 von 2—3 Stunden; ist er nicht recht marschfahrg, mmmt er einen Wagen und bezahlt 5—6 Mk. ^n der Stadt verzehrt er 1 Mk. und braucht einen ganzen Tag zu seiner Reise. Tdät er das im Jahre nur.3 mal, so hat er 18—20 Mark ausgegeben, wo­von der Städter keine Ahnung hat. Will der Land­beamte einen ordentlichen Rock haben, so muß er ihn m der Regel in der Stadt machen lassen, dann aber auch noch einmal den Weg zum Anpassen machen.

mret'e kostet in unserem Dorfe die schlechte ä Pfd. “ tn™^er nächsten Stadt kaust man die gute vt r" Psg-, "acht bei 50 Pfd. pro Jahr einen Unterschied von 2—3 Mark.

Bestellungen auf die Fuldaer Zeitung werden jederzeit entgegengenommen.

. Beleuchtung der Fabel vom billiaen Landleben.

Daß man auf dem Lande billiger lebe, als in der Stadt, ist bei den Stadtleuten eine ausgemachte Sache Schreiber nennt diese Ansicht eine Fabel und will an Beispielen dieselbe beleuchten. In Betracht können dabei kommen Wohnung, Nahrung, Kleidung, Unter­haltung, Versorgung der Kinder.

Wohnung: Ein in unserem Dorse anaestellter lunger Forster zahlte für die Wohnung, bestehend aus 3 kleinen Räumen, über den Schweineställen gelegen 100 Mark (den Geruch von unten gratis) und müßte sein, diese Unterkunft noch zu haben. In die Wehste Stadt versetzt bekam er eine geräumige Wohnung für 80 Mk. Auf dem Latide weiß man eben selbst für schlechte Wohnungen gehörige Miethe zu verlangen

Nahrung: Der 4pfündige Laib Brod kostet hier 3 Pfg. mehr als in der nächsten Stadt; bei -7» ZW X S°=ei0°9n548' M b“ Tu---»-

Das Fleisch kostet bei dem einzigen Metzger in unser-m Dorfe stets 5 Pfg. mehr als in der nächsten Stadt. Bei täglich nur 1 Pfd. Bedarf ergibt sich fürs Land em Mehr von 365 X 5 = 18,25 Mk. »

SttaiM) taufte Schreiber einen Schwartenmaqen der^tadtund erfuhr zu seinem Staunen, daß das Pfd 10 Pfg. weniger koste, als in seinem Dorfe. Berechnet man darnach für Wurst pro Jahr nur

2 m" 0 macht das einen Unterschied von 5 Mk

Butter hat Schreiber Jahre lang auf dem Lande gekauft; fragte er nach dem Preise, so lautete die ständige Antwort: Am Samstage hat sie auf dem Markte so viel gekostet." 1 * 3

Käse kostet in der Stadt das Stück 4 Pfg bei ^3- Avss Jahr 100 Stück gerechnet, ergibt für das Land em -j- von 1 Mk.

Eier kauft man auf dem Lande in der Regel das Stuck »/», manchmal auch einen ganzen Pfenüig billiger als m der Stadt. 9

Soda wird bei uns A Pfd. mit 8 Pfg. bezahlt, m der nächsten Stadt mit 5 Pfg - bei 50 Pfund lahrlich 1,50 Mark Unterschied.

Unterhaltung. Auf eine standesgemäße Unter­haltung muß der Beamte aus dem Lande verzichten. Der Städter kann ganz anständig mehrere Male in der Woche sein Kasino besuchen; ein Beamter auf dem Lande, der ebenso oft in der Dorfschenke sitzt, verliert fein Ansehen. Für das oft schlechte Bier aus dem Lande muß der nämliche Preis gezahlt welchen der Städter für gutes zahlt. Die Fläschchen kosten bei uns 13, auch 14 Pfg.; in der Stadt bekommt man sie überall zu 12 Pfg.

Versorgung der Kinder. Der Beamte auf dem Lande kann in der Regel seinen Kindern keinen Bauernhof hinterlassen, auch sonstige Reichthümer ebenso wenig, rote der Kollege in der Stadt. Er muß also seine Kinder dadurch versorgen, daß er sie etwas lernen läßt. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Ltadt und ~anb am größten. • Jedes einigermaßen bedeutende Städtchen bietet Gelegenheit zu einiger Weiterbildung, die der Stadtbewohner billiger haben kann für seine Kinder, der Bewohner des Landes aber mit hohen Kosten erkaufen muß. Und wenn der Bunge nur ein Handwerk lernen soll, muß er in die ötabt geschickt werden und verursacht viele Kosten.

Wenn nun der Beamte auf dem Lande auch noch Hunderte von Mark weniger bekommen soll'wie man das bei Regelung derLehrergehälier beobachten kann — Schreiber ist kein Schullehrer — weil die Herren am grünen Tische an die Fabel vom billigen Land­leben glauben, so soll man sich nicht darüber wundern wenn auch unter den Beamten auf dem Lande jeder Io bald als möglich in eine Stadt zu kommen bestrebt lst. .Die paar weiße Kragen und Handmanschetten, le er tn der Stadt etwa mehr braucht, spart er an der seife.

-u- Denkwürdige Tage

bet Woche vom 10. Bis 16. GkloSer.

*°‘ wurdeder spanische Dichter Cervantes geboren. - 180b Treffen bei Saalfeld zwischen Franzosen und Preußen, wobei Prmz Ferdinand fiel — 1858 starb zu ^bfrlin der Schriftsteller Barnhagen von Ense _

18/0 siegreiches Gefecht der Deutschen bei Arten an über die franzofische Loire-Armee und Beginn der Schlacht bei mH«"/; *893 wurde der Fuldaer Oberbüöqer-

merster Franz Rang unter sehr großer Betheiliquna

11 rur letzten Ruhe bestattet. ® 9

**.1122 Tod des Abtes Erlolf von Fulda, welchen die Ziitgenossen als einen Mann von Geistesschärfe, Klugheit und Beredt,amkeit rühmen. Unter Abt Erlolf, der bei sUn6V^ap£ ,n Wr Gunst stand, hatte das Kloster be§ Mainzer Erzbischofs Adalbert -Haubruterwesen sehr zu leiden. — 1531 fiel im Kampfe gegen die katholischen Kantone der Schweiz

b^7^schen reformirten Kirche Huldreich Zwingli. 1807 fanden im Fuldaischen, namentlich

^bbramte Burghaun und der Umgegend von buchest«», heftige, mehrere Sekunden andauernde Erd- er* 'Ifterungen statt. — 1870 wurde Orleans unter General von der Tann durch die Bayern erstürmt.

12.1492 wurde Amerika entdeckt, indem Columbus auf dr eiste zu Amerika gehörige Insel (Guanahani) stieß. - 1/95 brachten die Oesterreicher den Franzosen an

der Nidda eine Niederlage bei, nahmen ihnen die Festung Mannheim und drängten sie später über den Rhein Si.iÄ)18J5 * * * * * * * * * * * * * * routbe der damalige Stadtsekretär in Fulda, Daniel Ma ck -nro d t als e r st e r O b er b ü r g er m e i ste r

Fulda gewählt, - 1870 zog eine großartige ! Aa?-°«Mannern aus ganz Deutschland zum Grabe des hl. Bonifatius in Fulda, umzuvrote- strren gegen die Einnahme Roms; 1700 Männer gingen zum Tische des Herrn.-1588 besuchte der deutsche Kaiser den Papst Leo XIH. im Vatikan zu Rom

13.1/96 starb rm 83. Lebensjahre der Benediktinerpater ? 9U n Fulda, früher Dompfarrer und

später Regens des Priesterseminars. Derselbe war Ver- des alten Katechismus und Gesangbuchs. Pater

Erthel ruht tn der Marienkapelle des Domes —1821 wurde der Anthropolog Professor Rudolf Virchow zu Schweibern geboren. - 1870 wurde die Realschule in Fulda (gegründet 1838) tn ihrem jetzigen Lokale am Viehmarktplatze feierlich eröffnet.

14.1758 Ueberfall bei Hochkirch, woselbst die Preußen einen Verlust von 9000 Mann erlitten und über 100 Kanonen verloren. — 1806 Schlacht bei a nnh 21 uer st a d t ; Napoleon I blieb Sieger. — 1872 starb $11113 Albrecht von Preußen. 1873 verschied der unvergepliche Bischof von Fulda, Christoph Florentius Kött. Derselbe erweiterte 1852dosPriester- seminar durch eine untere Abtheilung mit Gymnasial­unterricht, sowie das Knabenseminar, wegen dessen Ober- leitung er mit der Regierung schwere Kämpfe zu bestehen hatte; den Ordensmederlasfungen wandte er besondere Sorgfalt zu ebenso dem katholischen Vereinsleben. Seiner ÄraÄ,ft e§ hauptsächlich zu verdanken, daß die gesetzlichen Bestimmungen, welche der Selbstständigkeit der Kirche in Kurhesfen entgegenstanden, durch das Gesetz vom 29. Oktober 1848, die Religionsfreiheit betr., auf- ^°b-n wurden. In Folge des Kulturkampfes blieb der r, r Fulda nach seinem Tode lange Jahre

unbesetzt. - 1884 starb L a n d g r a f F r i e d ri ch W i l h e l m i-i ?Sro §efJe<n Frankfurt a. M. im 54. Lebensjahre. 15.1582 starb die hl. Ordensstifterin Theresia. -

*8W wurde die Universität zu Berlin eröffnet. - 18o2 starb der Turnvater Jahn. - 1890 wurde in Gegenwart des deutschen Kaisers Wilhelm I. und des Kronprinzen der Schlußstein in die Kreuzblume des Kö lne r Dornes emgefugt. Vor über 600 Jahren war das Funda- 55L.*“ Dome, einer der schönsten Wohnungen Gottes auf Erden, gelegt worden. Die Katholiken übten bes der Feier eine würdige Zurückhaltung", weil ihr

16 n 92 ffarf Melchers maigeseylich verbannt war.

’ JMS?6 J 43‘ 21 bt v°n Fulda, Konradi., welcher

die Abt.weihe vom Papste selbst erhalten hatte. — 1726 wurde der berühmte Kupferstecher C h o d o w i e ck i in Danzig geboren. - 1 / 93 wurde die unglückliche Königin SOtaria @ Kt0Z"etttea t’°" Frankreich (aus dem österreichischen Km, erhause stammend) auf dem Schaffot, gleich ihrem

en Gemahl Ludwig XVI., hingerichtet. — Am nämlichen 'Hpnnf,^,Utba^ Ä“ ^en>s in Frankrei ch von den Revolutionshelden die Komgsgräber geschändet, die Leich­name m Kalkgruben geworfen und aus den Bleisärgen Kugeln gegossen. — 1813 große Völkerschlacht bei

Napoleon wurde besiegt. - Sieg Blüchers über die Franzosen bet Möckern. — 1815 wurde das ehemalige Furstenlhum Fulda von dem Kurfürsten Wilhelm I von Hessen-Kassel in ein „GroßHerzogthum Fulda" umgewandelt, nachdem es vorher unter österreichischer Verwaltung gestanden hatte. Fulda wurde Provinzial- huuptstadi crbielt eine Regierung und ein Obergericht. — 1881 feierliche Grundsteinlegung der Bonifatius- Kirch e zu Ho ras. Die Baukosten sollen gegen 115000 M-rk betragen haben. - 1888 fand im Schloßgarten zu Fulda eine große Gartenbauausstellung statt.

Milch ist m der Regel billiger auf dem Lande E ln der Stadt. Molkerei Fulda bietet dieselbe zu 12 Pfg. für das Liter an, während dasselbe bei uns 10 Pfg. kostet. Dagegen kommt der Wagen in Fulda vor die Thüre zur bestimmten Zeit; auf dem Lande ober muß man kommen, wenn's paßt.

Der Weck kostet in Stadt und Land 3 Pfennig einzige Unterschied ist der, daß auf dem Lande der frische Weck in der Regel von vorgestern ist

Holz kann von Stadt und Land im Walde ge- ckaust werden. In der Regel sind die Stadtleute zu bequem, um selbst auf die Holzversteigerung zu gehen.

“n5 *nfft es zufällig, daß der Städter für

3 Meter Holz nicht mehr Fuhrlohn bezahlt, als ein

Awotmer unseres Dorfes für 2 Meter, weil der

?ur Stadt abwärts, zum Dorfe aber aufwärts geht.

Koh len kosten von der Stadt nach hier Fracht,

ni* d°'. p-- ®ir. 25 Psg ; bei

7»A das eil + 0u8 UI 30 X 0,25 =

<,50 Acark.

to^tet das gute in der Stadt 22 Pfg.,

Kk? bem Dorfe 24 Pfg.; macht am

Zucker muß hier das Pfd. mit 36 Pfg. bezahlt

werden; m der Stadt kostet 1 Pfd. 30 Pfg. 25 Pfd.

^rechnet macht 25 X 6 ein + von 1,50 Mark

auf dem billigen Lande.

... s fann Jnanjm Herbste hier erhalten

zu dem Prdlse, der in der Stadt bezahlt wird.

nir6^f 6 l t au^er ^raut auf dem Lande gar

Mtjfi bekommen; mancher läßt sich da auf dem Lande !

Uermischtes.

_ der Kitze bes Gefechtes. Die Besucher des

Abgeordnetenhauses tn Wten kommen immer auf ihre Rech- nung Die Sitzung vom 29. September brachte allerdings nicht den kleinsten Skandal, sie verlief sogar stellenweise etwas "l""?ron; gegen das Ende der Berathung kam aber ziemlich e’L,n das Haus. Zwei Redner, welche sehr ernst die Nothffandsvorlagen besprachen und dabei auch auf das Eingehendste das Referat des Ackerbauministers behandelten Asteten einige Sätze, welche das Auditorium mit homerischem Gelachter aufnahm. Der eine der Redner sagte: Die Reb-

'f*. das Steckenpferd, auf dem der" Ackerbau- mtntster immer herumreitet", und ein zweiter Redner erklärte ""t wetthln tonender Stimme: „Die hoh e Regierung sollte endlich die verlausten Gärten in dieHand nehmen."

D.e belubten Loose der Straßburger Pserde-Lotterie, Ausgabe gelangt. Oyne Zweifel w.rd tn Folge b« Höhung d-S ersten. Tr.ffer» von 6000 Mk auf 10,000 Mk. und des zweiten von 200. / auf 3000 Mk, sowie der Vermehrung der zu Derlcoienben Pferde ein aller eils noch größeres h^r Straßburger Pferde-Lotterie zugewandt werden alS die» br her der Fall war. Die Loose kosten nur 1 Mk' 11 Loose 10 Mk und sind beim General-Agenten I Stürmer

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