Einzelbild herunterladen
 

mit Unterhaitungs-Krttage „Sterne und KLnwen"

21. Jabracwq

ii Ida er

erscheint täglich Sonn- »nd Feieüage angenommen. - «ierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in KuLa und auswärts 1 Mark 50 «fantto Inserate kosten btt einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Ps., Reklame» die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt^ 9

W P. Aloysius Lauer, der erste deutsche General des Franzis­kaner-Ordens.

Die Ernennung des hochw. Herrn P. Aloysius Lauer zum General (Generalminister) des Franziskaner- Ordens ist ein epochemachendes Ereigniß nicht nur in einer Beziehung. Noch wenige Jahre fehlen, dann sind es 700 Jahre, seit Franz von Assisi seinen Orden stiftete. Aber im Laufe der Jahr­hunderte war noch nie ein Deutscher dessen Ober­haupt, während verschiedene Nationen Europas dabei vertreten sind; außer Italienern waren namentlich viele Spanier. Nunmehr ist es der Diözese Fulda (einer der kleinsten Diözesen Deutschlands) beschieden, das erste deutsche Oberhaupt dieser großen Ordens­familie heroorgebracht zu haben.

Aber auch aus einem anderen Grunde wird diese Ernennung für alle Zeiten als eine epochemachende gelten. Wie wir schon mittheilten, hat der hl. Vater beschlossen, den vier Familien des Franziskaner-Ordens (Observanten, Reformaten, Rekollekten, Alkantariner) eine vollkommene Einheit zu geben. Die päpstliche Bulle, welche diese volle Einigung ausspricht und mit den Worten '„Fel i ei täte q uadam“ beginnt, ist in diesen Tagen erschienen. Vor Kurzem hatte der seitherige General P. Aloysius von Parma wegen Alters und Kränklichkeit den Papst um Enthebung oou diesem Amte gebeten. Der hl. Vater willfahrte dieser begründeten Bitte, ernannte aber als höchstes Haupt der Kirche aus eigener Ma chtvollkommen- b eit den hochw. Herrn P. Aloys Lauer zu dessen Nachfolger und somit zum ersten General der neu geeinigten Franziskaner - Ordens- Familie (während für gewöhnlich der General durch die Provinziale bei Ablauf der Amtsdauer des seit­herigen gewählt wird).

P. Aloys Lauer wurde geboren am 28. Sep­tember 1833 zu Katholisch-Willenroth, einem Dörfchen von ca. 200 Seelen im Kreise Gelnhausen, Amts­gerichts Birstein, welches früher zur Pfarrei Salmünster, jetzt zur neuerrichteten Pfarrei Romsthal gehört. Nach­dem er zu Fulda seine Gymnasialstudien vollendet hatte, trat er im Jahre 1850 in den Franziskanerorden und erhielt das hl. Ordenskleid am 13. Dezember desselben Jahres. Nach kirchlichem Brauche hätte er bereits im nächsten Jahre das hl. Gelübde ablegen können, er wurde jedoch durch ein damals bestehendes Landesgesetz genöthigk, bis zum 3. Mai 1854 damit

Gin Eingreifen Gottes.

Herr Arnold Wörner, seinem Bekenntnisse nach ein Katholik, hatte sich vor Jahren mit einer nicht unvermögenden Protestantin verehelicht. Solche Misch­ehen sieht aber unsere heilige Kirche aus begreiflichen Gründen sehr ungern und gestattet solche nur unter gewissen Bedingungen. Wie nun aber, wenn auf Seiten der neuen Anverwandtschaft die entgegengesetzten Forderungen erhoben werden, wenn andernfalls mit Entziehung des Vermögens, Ausschluß aus der Familie und dergleichen mehr gedroht wird? Die Beantwortung liegt auf der Hand — allein dem Herrn Wörner schien die Mitgift seiner Frau schwerer 8U_ wiegen als das Heil seiner Seele, er wurde pro­testantisch getraut und willigte auch in die protestantische Erziehung der Kinder ein.

20^111 gute Stellung und bedeutendes Vermögen ausretchen, um den Menschen auf Erden glücklich und zufrieden zu stimmen, so durfte man die Familie Wörner zy den glücklichen zählen. Arnold war erster Ka;ftrer an einer Königlichen Bank, bezog ein sehr gutes Einkommen und war in weiten Kreisen beliebt und geachtet, lind nun bekam er noch ein bedeutendes Vermögen hinzu. schien, als habe Krankheit .einen Zutritt in das stattliche Heim der genannten Familie, drei blühende Kinder bildeten das Glück der Leute.

Bei alledem war der Umstand zu bedauern, daß

kUA

zu warten. Mit großem Eifer widmete er sich den philosophischen und theologischen Studien zu Pader­born und Fulda und erhielt am 17. Mai 1856 die hl. Priesterweihe.

Im Orden begleitete er bis zum 20. Okt. 1875 verschiedene Aemter. Er war viele Jahre hin­durch Novizenmeister, ferner Guardian des Klosters Frauenberg und vom Jahre 1867 an Custos der Ordenscustodie. Nach außen entfaltete er während dieser Zeit eine segensreiche Wirksamkeit als Militär­pfarrer und als langjähriger Beichtvater im bischöfl. Knaben- und Priesterseminar und in dem Kloster zu Fulda. Ein harter Schlag traf ihn, als er im Jahre 1875 in Folge der Maigesetzgebung das Kloster Frauenberg mit ben ©einigen am 20. Oktober ver­lassen mußte. Mit väterlicher Sorge und Hingabe suchte er seinen Untergebenen ein neues Heim zu be­reiten, und begab sich deshalb nach Holland und Belgien, dann nach Epinal in Frankreich und endlich nach Paterson in Nordamerika, wo er das Amt eines Custos weiterverwaltete bis zum Jahre 1881. In diesem Jahre wurde er zum General- Definitor erwählt und deshalb vom Hochw. P. General Bernardin a Portu Romatino nach Rom berufen. Das Amt eines General-Desinitors versah er bis zum Jahre 1889. In diesem Jahre wurde er auf dem am 3. Oktober gehaltenen Generalkapitel zum General-Prokurator erwählt. Bald darauf ernannte ihn der Hochw. P. General Aloysius von Parma zum Präfekten der ersten Studienanstalt des Ordens, St. Antonio zu Rom.

Nachdem im Jahre 1895 seine Amtszeit als General-Prokurator abgelaufen war, kehrte er mit Freuden in seine Heimathsprovinz zurück in der Hoff- irung, ute letzte Zeit seines Lebens still und zurück­gezogen in einsamer Zelle auf dem ihm theueren Frauenberge zubringen zu können. Wiederholt wurde er jedoch in Ordensangelegenheiten nach Rom berufen, zuletzt telegraphisch am 14. Septbr. 1897. Ungern sahen ihn seine Mitbrüder, die ihn alle seines Beispieles und seines Rathes wegen liebten und ehrten, abermals scheiden, hositen jedoch, ihn bald wieder in ihrer Mitte begrüßen zu können. Doch es sollte anders kommen. Am 1. Okt. 1897 wurde er, der demüthige, bescheidene, einfache Ordensmann, ganz gegen seine Neigung vom Hel. Vater Leo XIII. in einer besonderen Audienz zum General des ganzen Franziskanerordens ernannt und am 5. Oktober vom Kardinal Vanutelli in dem Hauptkloster des Ordens St. Antonio zu Rom feierlich in sein Amt eingeführt. P Aloysius Lauer, der erste deutsche General, ist der 103. Nachfolger des hl. Franziskus.

Möge ihm eine recht lange und segensreiche Amts­dauer beschieden sein!

nunmehr Herr Arnold so ganz und gar seinem katholischen Glauben entfremdet wurde. Als ein Mann „von Stand und Bildung" hatte er innerlich feiner Kirche nie besonders nahe gestanden, — jetzt hielt er es kaum für der Mühe werth, Sonntags den Pflichten nachzukommen, die ihm durch die Kirche auferlegt waren, kurz und gut, er wurde vollständig gleichgiltig.

Herr Arnold befaß noch eine ältere Schwester Sophie, die, was den Glauben anbetrifft, das reine Gegentheil von ihrem Bruder war. Sie war Näherin und unterhielt auch eine kleine Nähschule, — ihr Einkommen war ausreichend, sie gab noch manches Almosen davon. Diese besuchte von Zeit zu Zeit ihren angesehenen Herrn Bruder, dessen beklagens- werther Seelenzustand ihr sehr zu Herzen ging. Allzu häufig kam sie freilich nicht, denn die Frau Wörner ließ bisweilen etwas durchblicken, als erscheine ihr dieser Besuch nicht sonderlich willkommen. So war sie nach acht Jahren auch wieder einmal in der Familie ihres Bruders. Die Unterhaltung drehte sich bei dieser Gelegenheit um Kirche und Glauben, und Fräulein Sophie bekam darüber gar unliebsame Dinge zu hören. Endlich konnte sie sie sich doch nicht enthalten, ein Wort dareinzureden.

„Du solltest nicht vergessen, Bruder, daß Du selbst katholisch bist," Hub sie an. „Es könnte Dich einmal gereuen^— —allein hier fiel ihr die Schwägerin in die Rede: „Uns hat Keiner was vorzuschreiben.

X Konservative Sozialpolitik.

Der Ortsvorsteher des kleinen märkischen Dorfes Nahmitz — er führt, wie uns dünkt, den nicht ganz unbekannten Namen Schulze — hat sicherlich früher niemals geglaubt, daß er ein so berühmter Mann und der Gegenstand langer Auseinandersetzungen in einem großen Theile unserer deutschen Presse werden würde, weit über die Grenzen der Mark Branden­burg, ja über die Grenzen Preußens hinaus. Und wenn man bedenkt, daß er es auf fo einfache und billige Art wurde — er vermiethet einer Frau, die sich als Anhänger in der fozialdemokratifchen Partei bekennt, eine kleine Wohnung; er will dann die Frau, die nicht bald eine andere Wohnung findet, nicht ohne weiteres auf die Landstraße werfen — fo sollte man glauben, daß es heutzutage in keinem anderen Lande so leicht ist, wie im Königreiche Preußen, be­rühmt zu werden. Wie bekannt, wurde Herr Schulze deswegen, weil er die sozialdemokratische Frau nicht ohne weiteres aus seinem Hause werfen wollte, von dem Herrn Landrath v. Stülpnagel unter Zustimmung des Kreisausschusses des Kreises Belzig seines Amtes als Ortsvorsteher des Dorfes Nahmitz ent­setzt, denn er hat — die sozialdemokratische Thätig- keit gefördert. Er hat damit feine Pflichten als Vor­steher des Ortes Nahmitz verletzt, er muß entfernt werden — ecrasez l’infame! weg mit dem Schurken!

Wir vermuthen, Herr Schulze ärgert sich nicht sonderlich darüber, daß ihm von dem Belziger Kreis- ausschusse eine so unerwartete politische Bedeutung verschafft worden ist. Aber recht sonderbar ist es, daß die kleinen Despoten von Belzig und Umgegend in der konservativen Presse und in Blättern, die' der Berliner Regierung nahe stehen, nur Vertheihiger' und keinen einzigen Tadler finden — wenigstens bisher nicht. Ja sogar ein Berliner Blatt, dessen unverantwortlicher Leiter der Abgeordnete Freiherr oon_ Stumm ist, behandelt den kleinen Fall von großen Gerichtspunkten und schreibt:

„Will man die Sozialrevolution bekämpfen . . . dann muß man die Agitatoren in ihrer Person be­kämpfen. Anders geht es nun einmal nicht. Entschlösse sich das klassenbewußre Bürgerthum, lieber auf Miethe und ähnlichen Gewinn zu verzichten, als an sozialdemokratische Agitatoren zu vermiethen: mit der ge­werbsmäßigen Agitation wäre es bald zu Ende."

Es ist kaum möglich, den großen Gedanken, der da ausgesprochen wird, bis zu Ende auszudenken. Denn thäle man es, so sähe man plötzlich im Geiste in allen großen Städten, namentlich in Berlin, ganze Straßen, ganze Straßenviertel halb entvölkert; "öenn das Bürgerthum der Hausbesitzer ist über Nacht zum richtigen Klassenbewußtsein gekommen und hat allen, was da im Gerüche der Sozialdemokratie steht, die Wohnung gekündigt. Die Sozialdemokraten sitzen nun

~r rn b iiiih —■ I liii ni I —Tibtirrr I

wir haben Alles, was wir brauchen und haben Niemand nothwendig."

„Doch," entgegnete Sophie ernst, „über uns ist noch Einer, den wir Alle nothwendig haben. Das sat er bis jetzt noch jedem Menschen bewiesen." Damit schickte das Fräulein sich zum Gehen an.

Und nur zu bald sollte Herr Arnold die Er- ährung machen, daß er den lieben Gott im Himmel wch nothwendig habe. Im folgenden Sommer befand er sich mit seiner Familie auf der Erholungsreise nach der sächsischen Schweiz. In einem vielbesuchten Waldgasthofe machten sie längeren Aufenthalt. Da machten sie aber eine gar unangenehme Entdeckung. Ein fremder Mann, der sich schon lange an ihrer Seite aufgehalten hatte, folgte ihnen jetzt von Tisch zu Tisch, von Grotte zu Grotte, und als es ihm endlich gelang, das Familienoberhaupt für einen Augenblick allein zu sehen, da trat er auf ihn zu und — überreichte ihm einen Haftbefehl. Die Be- türzung der Familie ist kaum zu beschreiben. Noch am selben Abende fuhr man zurück zur Heimath.

Dort beschäftigte bereits ein gar peinlicher Vorfall alle Gernüther. Ein Diebstahl in der Bank war ver­übt worden, und zwar in dem Schranke, zu welchem Herr Wörner den Schlüssel hatte. Es fehlten an­nähernd zwölftaufend Mark in Papiergeld. Wo war es geblieben? Herr Arnold hatte den Schlüssel und ein zweites fo seltsam geformtes Instrument war nicht vorhanden. Der Kassirer wurde in Haft ge-