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Freitag, den 8. Oktober 1897
------------------------- 21- JabrgM!, FiildakrWZkitiing ________________Unterhaltnngs-Keilage „Sterne und Slumen^.
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Die gemauserte Fraktion.
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Oktober.
““‘““vuu/v ^unyfugrung ote)er urgannatton empfohlen. Zunächst sollen die Vorschriften über die Innungen und Jnnungsausschüsse durch- pesuhrt werden, zu welchem Zwecke Entwürfe von ^nnungsstatuten ausgearbeitet werden sollen.
h Der foziakdemokratifche Parteitag in Hamburg hat, wie zu erwarten war, den Antrag abgelehnt, der auf den Verzicht auf den Arbeiter - lerertag am 1. Mai gerichtet war. Schließlich
,A^s Schippel in den Reichstag gewählt wurde, da sagten wir Berliner: da ist wenigstens ein radikales Clement m der Fraktion. Heute geht aber bereits, um bildlich zu sprechen, Schippel in Lackstiefeln" — >0^ äußerte der „Genosse" Hoffmann aus Berlin, „^zch hatte niemals geglaubt, daß der radikale Schippel eine solche Schwenkung machen wurde." w
X Der Kaiser ist am letzten Mittwoch Abend nn Jagdschlösse Hubertus stock bei Eberswalde in Mark eingetroffen, ebenso die Kaiserin. Donnerstag Vormittag nahm der Kaiser zunächst den Vortrag des Chefs des Milnärkabinets, General v. Hahnke ent- - Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe hat für nächsten Dienstag Einladungen zu einem Herrenabend ergehen lassen. Der Abend wird aber nicht politische, Zwecke verfolgen. — Der König von Siam ist Freitag Mittag in Darmstadt eingetroffen und wurde am Bahnhöfe vorn russischenKaiser und vorn Grotzherzog von Hessen empfangen. — Der Generaldirektor der Zölle und indirekten Steuern, Geheime- rath Schorn er, ist nicht unbedenklich erkrankt und hat infolgedessen seine Amtsgeschäfte niederlegen müssen Er wird zur Zeit von Geheimerath Rathjen ver- treten — Der Oberbürgermeister, Geh. Regierunqs- rath Dr. Funk ,n Dessau hat sich infolge von Rerven- zeruttung erschaffen.
* Der Auudesraltz ist letzten Donnerstag Vor- uuttag zum ersten Mal wieder seit der Sommerpause zu einer Sitzung zusamniengetreten. In dieser Sitzung wurden^ die neuen Mitglieder, die Staatssekretäre von Podbielski, Tirpitz und Freiherr von Thielmann emgefuhrt Wie verlautet, ist für denZusammen-
r A^lchötages noch kein bestimmter Tag festgesetzt. Vereinzelt wurde als mutbmaßlicher Tag der 23 November genannt. Offiziell bestimmt ist dieser Tag aber noch nicht.
. X Die Sitzung, die das preußische Staats- mlnrstertum am letzten Dienstag abgebalten hat nahm wiederum eine Zeitdauer von fünf Stunden in Anspruch. An der Sitzung nahmen außer sämmt- lchen preußischen Ministern Theil der Marinestaats- sekretar Tirpitz und die Staatssekretäre des Schatzamts und der Justiz, Freiherr von Thielmann und Nieber- ding ebenso der stellvertretende Leiter des Auswärtigen Reichsamtes, Botschafter von Bülow. Zur Berathunq stand der Entwurf des Staatssekretärs Tirpitz für eine flotten Vorlage für den Reichstag. Dieser Entwurf hat die Billigung des Ministeriums gefunden und ist nunmehr dem Bundesrathe zuqeqangen.
.d Emer Mittheilung der Berliner ,Post' zufolge ist die Nachricht der ,Freffinnigen Zeitung' des Herrn Eugen Richter, wonach Reichskanzler Iürk zu HoHen- kohe schon dreimal sein Abschiedsgesuch ein- gemcht haben soll, unwahr. Der Fürst hat vielmehr nach der Kenntmß der .Post' noch nicht ein ein- zigesmal sein Abschiedsgesuch beim Kaiser eingereicht Der Form nach mag dies ja richtig sein. Aber sehr komisch würde es fein, wenn die .Post' behaupten wollte, daß tfürft Hohenlohe nicht schon mehr als einmal ganz ernsthaft die Absicht gehabt hat, zurückzutreten. lind daraus kommt es doch nur an, nicht
. Das ist der Kernpunkt der Sache, und das wollen
~ n%merfrn. Denn es wird wohl noch einmal «rc kommen, wo die Regierung im preußischen Abgeordnetenhause oder im Reichstage eine Ausnahme-Gesetzgebung gegen den Umsturz der Sozialdemokratie oder eine Aenderung des Wahl- gesetzes in dem Sinne einer Einschränkung des allgemeinen Wahlrechts bewilligt haben will, um, wie neuerdings im Königreiche Sachsen, die Wahl von sozialdemokratischen Abgeordneten in parlamentarische Körperschaften ^u,D®.r^in* *)eri11 Dann werden wir die Regierung auf die Debatte am 6. Oktober 1897 beim sozialdemokratischen Parteitage in Hamburg aufmerksam machen und ihr zurufen: Rein, hinein mit den Sozialdemokraten ins Parlament, wenn ihre Wahl nicht anders verhindert werden kann als durch Verstümmelung des allgemeinen Wahlrechts. Denn dort mausern sie sich und werden zahm.
Herr Liebknecht hatte damit ohne Zweifel recht: Re^»“er Sachkenntniß und drinnen im Reichstage mit der Verantwortung des Ab- geordneten sehen die Dinge ganz anders aus, als wenn man sie aus der Ferne von r außen per betrachtet. Da verlieren die Schlagworte der Maffenagltation gar sehr oder ganz ihre zündende Wirkung: und die Geister, die draußen .^(?°SDrer,d,"^tun9en in der schwülen Lust der Wirthshaussale ausfchaumten in Fanatismus, kühlen stch ab in der Geschäftsatmosphäre des Parlaments
?Uf ^m.äußerliche Form der Einreichung eines richtigen Abschiedsgesuches. ’
d» Form einer Polemik gegen die Tägl b-e -Nordd. Allg. Ztg.' die Mit- thellung, daß die Angaben, die unlängst die .Kölnisch e jung' über den Ikottenpsa« des Staatsekretärs Tirpitz brachte, nicht aus dem Reichsmarineamr stammen und auch nicht aus der Marineverwaltung veranlaßt sind. Dabei schreibt die Nordd. wörtlich- „Grade die Tagt. Rundschau hat die Bedeutung der Flottenfrage für unsere nationale Vertheidiqunq und wirthschaftliche Entwickelung stets richtig erkannt und vertreten. Um so bedauerlicher ist der Ausfall gegen bie Marlneverwaltung wegen jenes bekannten Artikels » „ Stg.' in welchem diese einige Zahlen auf- ge|teUt, roelrfje den Planen der Marineverwaltung angeblich entsprechen sollen." Das Wort „angeb- enthalt aber tn dieser Anwendung doch nicht die Bedeutung daß die Zahlen unrichtig angegebenwaren. ^m übrigen mag die Regierung aus dem immer häufigem Abschwenken von sonstigen Marlnefreunden entnehmen, daß es nichts weniger als gut steht um die Aussichten der Marinevorlage. Den- noch laßt sich die bisweilen offiziös bediente ,Münch. Allg. Ztg.' aus Berlin schreiben: man fei in Re- gi erungskreisen im allgemeinen der Meinung der gegenwärtige Reichstag werde, wenn auch die Marineforderungen Schwierigkeiten genug bieten wür- oen, nicht aufgelöst werden, sondern fein natürliches Ende finden.
Nachstehende Marnung welche wir in der Germama' finden ist auch für unsere Gegend am XSÄ.ttXWÄJ E. aftä Aufrufe versandt mit dem Titel „®ie Königin des hochheil. Rosenkranzes" in welchem dazu aufgefordert wird, Rosenkränze zu kaufen, die am hl Grabe in Jerusalem angerührt sein sollen. Der Preis des Rosenkranzes betrage 3 ben Einnahmen solle ein „Fundus"
gebildet werden, aus welchem zur Linderung der Ber- liner Kirchennoth regelmäßig beigetragen werde.
?ehme entgegen das unter Redaktion K hochw. Herrn Professor G. Uberti und unter JJatarbeit anderer hochw. Herren erscheinende Blatt' „Der Pilger zum hl. Grabe". Als „Rendant" be- zeichnet sich in der Unterschrift ein Herr Wilhelm M ° s er Berlin, Dresdenerstraße 67. - Da die Kirche °en Handel mit geweihten Gegenständen als Simonie betrachtet und verbietet, so ist das Geschäft von vornherein sehr verdächtig. Die .Germania' hat nun Folgendes festgestellt: Die nächste kirchliche Be- horde des,Herrn Moser weiß von nichts. Der /pilger e x l ft i r t noch n i ch t. Trotzdem bietet Herr Moser geweihte Gegenstände zum Verkauf an, er rechnet als „Rendant" und mit der Firma des noch nicht erschienenen Blattes. Unsere Leser seien vor dem Unternehmen hiermit nachdrücklich gewarnt' Gleichzeitig ersuchen wir nnsere Leser, dieser Warnung die weiteste Verbreitung zu verschaffen, da Herr Moser m der Provinz seine Rosenkranzofferten zu Taufenden verbreitet. Durch solche Geschäfte wird die katholische Kirche den schlimmsten Verdächtigungen ausgesetzt. ' ö ö
* Em Gesetzesvorschlag, welcher das Dervok des Merkehrs politischer Dereiue unter einander aufbebt, soll der .Mil. Pol. Korr.' zufolge aus der JnlNatwe der verbündeten Regierungen heraus dem Reichstage sogleich bei Beginn der Session vorgeleqt werden Wir bezweifeln das. Wozu denn die Um- stande, da der Reichstag einen solchen Gesetzentwurf bereits mit großer Mehrheit angenommen hat? Darin °rü J^unbeSratf, ja bloß zuzustimmen.
Der Reichskanzler hat ein Rundschreiben an die Bundesregierungen über die Durchführung der Grga»isa1»on des Kandwerks gerichtet. Es wird
„Die Ausführungen Auer's lassen keinen Zweifel, daß die Fraktion sich gemausert -hat", so erklärte am letzten Mittwoch auf bem sozial- bemokratifchen Parteitage zu Hamburg Herr Hengsbach aus Köln. Was sagte Auer?
Zur Debatte staub die Erörterung der nächsten Reichstags wählen, und bei diesem Punkte werden alle Beschwerden vorgebracht, die man gegen die sozialdemokratische Reichstags-Fraktion vorznbringen hat. Dazu gehört die überraschende Entdeckung, daß die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages sich zu einer militärsrommen Körperschaft um- gemausert hat; und diese Entdeckung hat nicht etwa nur Herr Hengsbach aus Köln, sondern mit ihm haben sie augenscheinlich viele andere der Herren Genossen gemacht. Bekanntlich hat der Reichstag gegen das Ende seiner letzten Tagung hin mehr als 30 Mil- lionen Mark bewilligt für eine Neubewaffnung der -^t^erie, und in biefem Falle waren bie vertraulichen Eröffnungsii. die der Vertreter der Regierung in der Reichstags-Kommission machte, von so überzeugender Beweiskraft, daß auch die sozialdemokratischen Mit- glieber der Kommission schwiegen und ohne weiteres die Annahme der Forderung für die Vervollkommnung der Artilleriewaffen geschehen ließen.
Das war der Grund für heftige Angriffe gegen bie sozialdemokratische Reichstags-Fraktion, deren Haltung natürlich von anwesenden sozialdemokratischen Reichstags - Mitgliedern vertheidigt wurde. Herr Schippel, einst der radikalste unter den Genossen, that dies mit dem sehr richtigen Hinweise darauf, daß die sozialdemokratische Fraktion im Reichstage die Kriege nicht verhindern könne. „Angesichts dieser Thatsache." meinte Herr Schippel, „können wir doch nicht dafür eintreten, daß unsere Soldaten schlecht be- maffnet find. Wenn in einem Kriege, den wir nicht verhindern können, das Blut der deutschen Arbeiter deshalb zahlreich vergossen würde weil dieselben schlecht ausgerüstet wären, dann wird zweifellos jeder die Regierung zur Verantwortung ziehen, daß sie nicht zur rechten Zeit eingegriffen -c; • " Stürmischen Widerspruch verzeichnt der Bericht und den Ruf „Neue Kriegsschiffe". Herr Auer nahm seinen Parlaments-Genossen Schippel in sh atz und stellte fest, daß mit diesem derselben Ansicht sind Bebel, Liebknecht, Auer selbst und noch eine ganze Anzahl von Genossen im Parlamente. Er erklärte. „Wenn einmal die deutschen Arbeiter in den Krieg verschleppt werden, dann müssen wir auch wünschen, daß wir siegen und daß so wenig wie möglich von unseren Soldaten erschossen werden . . . «
Abermals verzeichnet der Versammlungs-Bericht lebhaften Widerspruch, und mehrere Redner hinter ein- ^fider, K a tz e n st e i n - Mainz, Hoffmann- Berlin, Stuckten-Hof und Hengsbach-Köln, sprechen gegen die Haltung der Fraktion in der Artilleriefrage.
Es^Hbag^dach aus Köln schloß mit der vorerwähnten Pointe: Die Fraktion hat sich gemausert! Der alte Lieb knech t antwortete darauf n. A.: „Dem we^!ten Katzenstein bemerke ich, daß, wenn er im Reichstage wäre, er nicht anders handeln würde als „e r^Xren sozialdemokratischen Abgeordneten" — r AEigung der nothwendigen Forderungen geschehen lassen und außerdem dem gegebenen Ehren- ..Stillschweigen bewahren über die ver- §Sage§®rOfrnUn9en ben Kommissionen des
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Erstes Klatt.