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Dienstag, den 5. Oktober 1897.

24. Jahrgang »MttWZkltmg _________mit Unterhattungs Keilagr „Sterne uns Klumen".

Mit jedem Tage

meinte sie, als wenn ihr Mann in Billingsfield selbst

So wird auch das heutige Jubelfest gewiß dem Vereine katholischer Lehrer in der Diözese Fulda einen neuen Anstoß geben, mit wackerem Muthe weiter zu arbeiten auf dem ihm vorgezeichneten Wege, damit die christliche Schule und die christkatholische Erziehung in unserer sturmbewegten Zeit der Heranwachsenden Jugend eine feste Stütze, biete zum Heile der Bürger­schaft und zum Wohle des Vaterlandes.

In diesem Sinne rufen wir aus vollem Herzen dem Vereine katholischer Lehrer in der Diözese Fulda zu seinem silbernen Jubelfeste ein inniges Vivat, floreat, crescat! zu.

höchsten Lohn seiner mühevollen Arbeit findet, so ist doch anderseits nicht zu leugnen, daß die Anerkennung von Seiten der Bevölkerung, wie in allen Dingen, so auch hier einen mächtigen Ansporn bildet, auch weiterhin für die gute Sache alle Kräfte mit frischem Muthe einzusetzen.

Fürwahr eine hohe und schöne Aufgabe ist es, die dieser Verein sich gestellt hat, herrliche Grund-

merkung hinzu, daß die gnädige Frau an starken Kopfschmerzen leide, aber er wurde doch vorgelassen. Er trat leise ein. Frau Goddard saß in einem mit Kissen ausgepolsterten Lehnsessel.

i Sie hatte einen elenden Tag verbracht. Die | Nacht war ihr eine freundliche ' Verhüllerin aller Sorgen und Leiden gewesen; als das graue Morgen­licht aber über ihren Jammer hereinbrach, da war es ihr, als müsse ihre Schande jetzt aller Welt offenbar werden. So oft die Schelle gezogen wurde er­wartete sie, Häscher eintreten zu sehen.

Es war nicht nur die Angst um ihren Mann, es war auch die Sorge um Nellie, welche sie auf­regte. Sollte das Kind wirklich schon berufen sein, das schrecklich Verhängniß zu erfahren, welches bis jetzt noch unbewußt auf seiner Jugend lastete? Wie konnte der kindliche Sinn sich jemals zu frohem Lebensgenüsse entwickeln, wenn Schande und Ver­brechen ihre Schatten auf die Einbildungskraft warfen! Die Liebe zu ihrem Kinde hatte seil dem unglück­lichen Wendepunkte ihres Lebens Frau Goddard's ganzes Sein ausgefüllt, und die Gefahr, welche diesem daher jetzt drohte, schien ihr schwerer zu ertragen ! als alle vorher ausgestandene Pein.

Sie vermochte weder einen zusammenhängenden I Gedanken zu fassen, noch ihrer Furcht einen be­stimmten Anhaltspunkt zu geben. Das Geld, welches

gefaßt würde. Mancher würde ihr vielleicht den klugen Rath ertheilt haben, ihn jetzt gleich zu ver- rathen; aber welches Weib in ihrer Lage würde das fertig gebracht haben? Nellie, welche sich der beson­deren Gunst von Ambrose erfreute, hatte den ganzen Nachmittag im Pfarrhause zugebracht. Sie that das öfter und heute hatten Frau Goddard's Kopf­schmerzen einen genügenden Vorwand geboten, um ihre Abwesenheit zu rechtfertigen.

I Die junge Frau hatte nicht die Absicht, dem Guts­herrn die Ereignisse der letzten Nacht mitzutheilen; sie wollte ihn nur sehen. Es war ihr, als könne sie aus seiner Gegenwart mehr Kraft schöpfen, er war eine sehr ehrliche und dabei kräftige Natur, daß er auch den Muth Anderer zu heben geeignet war, und sie wußte, daß er es doch war, dem sie im Nothfalle ihren Kummer anvertrauen konnte. Der Pfarrer war ihr zwar ein älterer Freund, dem sie so viel zu ver­danken hatte, aber die Großherzigkeit, mit welcher der Gutsherr ihre Geschichte ausgenommen, hatte ihm ein entschiedenes Vorrecht auf ihre Offenheit gegeben

„Ich freue mich fehr. Sie zu sehen," echpfing Frau Goddard ihn, indem sie einen schwachen Versuch machte, heiter zu erscheinen.

Der Gutsherr blickte sie besorgt an. „Es fehlt Fhnen doch nichts Ernstliches?" fragte er, neben ihr Platz nehmend.

„O nein, nichts Ernstliches — etwas Kopfschmerzen," gab sie mit einem ihr so fremden Lächeln zurück, daß Juxon's Unruhe wuchs. Wie war es möglich.

Deutsches Deich.

Berlin, 4. Oktober.

* Beim Kaiser in seinem lithauischen Jagdschlösse Rominten ist am letzten Sonnabend Oberpräsident Graf Wilhelm Bismarck zum Besuche ein- getroffe.

* Botschafter v. Bütow, noch immer „vorläufiger" Leiter des Auswärtigen Amtes, ist am letzten Montag m Berlin emgetroffen und hat die Geschäfte des Aus­wärtigen Amtes übernommen.

* Geh. Regierungsrath Kleinschmidt, Bureau- direktor im preuß. Abgeordnetenhause, befand sich am Ende der letzten Woche wieder gar nicht gut. Sein Befinden gab leider zu ernsthaften Befürchtungen Anlaß. Der Kranke leidet infolge von Nikotinvergiftung an einer akuten Herzschwäche. Es besteht aber die be­gründete Hoffnung, daß die kräftige Natur des Patienten ihn bald das Uebel überstehen lassen und ihn wieder an seinen gewohnten Platz im Abgeordneten­hause zurückführen wird.

* Dem Prälaten Dr. Iatzuel wollen die katho­lischen Arbeitervereine der Delegatur ein Denkmal setzen. Eine vorbereitende Sitzung in dieser Ange­legenheit hielt am Sonntag der Ausschuß jener Vereine. Generalsekretär Dr. Hille wurde beauf­tragt, die einleitenden Schritte zu thun.

X Eine Berliner Zuschrift des ,Hannov. Kuriers" will wissen, und zwar „aus unbedingt verläßlicher Quelle," daß man weder im Reichs-Marine- Amte noch an anderen Stellen innerhalb der Regierung an ein Marine-Septennal im Sinne des Militär-Septennates oder Quinquennates denkt. Der vom Staatssekretär Tirpitz ausgearbeitete Plan solle „lediglich zur Aufklärung der Volksver­tretung und der öffentlichen Meinung dienen." Das Rerchs-Marine-Amt, so heißt es in der Zuschrift weiter, jehe kein anderes Mittel, um sich gegen die fortgesetzten Verdächtigungen mit uferlosen Flotten- planen zu sichern, als indem es — zum ersten Mal — frank und offen einen festen Flottenplan dem Reichs­tage unterbreite. Soweit die Zuschrift de; ,Hannoo. Kuriers", deren Worte ganz vortrefflichen Klang haben. Aber es wird uns doch Niemand beweifen können, daß ein Ding, das ganz offenbar ein Septennat ist, kein Septeunat ist. Ein solches Spielen mit Worten und Begriffen hat keinen Zweck. Besser, frank und offen zuzugestehen, daß ein Plan, der vom Reichstage gleich aüf sieben Jahre hinaus feste Geldbewilligungen haben will für Flottenbauten, an denen dann hinterher nichts mehr zu ändern und über die alsdann im Reichstage nichts mehr zu sagen ist, eben doch ein Sep- tenn atsist!

Verfolgt.

Tem Englischen von Marion Crawford nacherzählt von Cora von Schönburg.

(Nachdruck verboten)

8. Kapitel.

Es war bereits spät am Nachmittage, als Juxon, vom Pfarrer begleitet, den Weg zur Cottage antrat' Man hatte sich, nachdem die erste Sorge um Frau Goddard überwunden und ein fester Entschluß gefaßt war, wieder dem schwarzen Briefe des Paracelsus und anderen Geisteswerken zugewandt und darüber war die Zeit unmerklich verstrichen. Eile schien auch nicht geboten, denn wenn der Entsprungene wirklich den Weg nach Billingsfield finden sollte, so war dies nicht zwischen heute und morgen zu erwarten.

Das Wetter hatte plötzlich einen anderen Charakter angenommen. Im Osten war der Himmel vollständig ttar und im Westen, wo eben die Sonne in feurigem .tebel versank, lhürmten sich röth mid violett um- saumte Wolkenmassen auf. Die Zeit des Sturmes und des Regens schien überwunden. Die Luft war tcharf und die kothige Landstraße begann sich bereits mit einer Eiskruste zu überziehen.

, der Stelle, wo der Weg zum Dorfe abbog, rennten sich die beiden Herren. Juxon wendete sich er Cottage zu. ^hm graute vor dem, was vor I stimmten Anhaltspunkt z &IaQl/errfraütebeDb^rm.bffinh? ^wohnte sie sich verschafft hatte, war der einzige Anker, an

etr0 T5a$f'. L Frau Goddard zu Hause sei. welchem ihre trübenHoffnunqenfesthielten.Älles sei besser Martha fügte der besahenden Antwort zwar die Be- I meinte sie, als wenn ihr Mann in BillickaÄd s ckü

Erscheim täglich Sonn- °nd FneM.ge ausgenommen. -Vierteljährlicher Abonnementsvreis ohne Brinqerlohn und Bestevqeld in »ulda und ouswärt- 1

3n)ernte kosten bte einspaltige Garmondze-le oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei ©.eSol" nqen en^UeX Lba^ dl-°°rg.

sätze sind es, auf welche dieser Verein aufgebaut ist. An der Lösung seiner hohen Aufgabe hat der Verein m den 25 Jahren seines Bestehens emsig und rast­los gearbeitet und sich dadurch die Anerkennung und den Dank der gesammten katholischen Bevölkerung erworben. Wer den hohen Werth der christlichen Schule zu würdigen weiß und für die Wichtigkeit kann mit dem Abonnement auf unsere Zeitung noch einer christlichen, katholischen Erziehung Verständniß

begonnen werden. Unsere Freunde und Gesinnungs- siat — und das sollte man von jedem katholischen

genossen bitten wir, in ihren Bekanntenkreisen unsere Manne verlangen dürfen — der wird uns zustimmen,

Zeitung empfehlen und zum Abonnement ermuntern roenn chir sagen: Ein Verein, welcher die Hebung

zu wollen. Probenummern werden auf Verlangen der christlichen Schule und die Förderung der christ-

von der Geschäftsstelle unberechnet und postsrei gerne katholischen Erziehung aus seine Fahne geschrieben

geliefert. _ hat, kann und muß, wenn er richtig geleitet wird.

Die bereits erschienenen Nummern liefert die Post eine außerordentlich segensreiche Wirksamkeit entfalten, gegen Zahlung von 10 Pfg. nach. die sich in allen Kreisen und Schichten der Bevölkerung

----------------———----------------—— Geltung verschafft.

Z Zum 25jähriam Jubiläum f • ®enn daher ein solcher Verein sein Jubelfest i.L pjj, I < . c feiert, rote es heute hier tn Fulda der Fall ist, dann

oes Kerems kaiholtscher Lehrer tn der tft das nicht nur ein Fest für die Mitglieder des

Diözese ^ulda Vereins, nein, das ganze katholische Volk nimmt

.. . f D . innigen und herzlichen Antheil an dem festlichen Jubel.

^../Veute f iert der Verein katholischer Lehrer tn der Die Katholiken auf dem Lande und die aus der Stadt

itojeie Fulda einer der ältesten katholischen Lehrer- — Jung und Alt, Groß und Klein, Arm und Reick; -

vereme Deutschlands, fein silbernes Jubiläum, sie alle haben ein Recht darauf, sich mitzufreuen

N d ^e Katholcken der Diözese nehmen herzlichen darüber, daß der Verein das erste Vierteljahrhundert

Antheil an dwser ^ubelfeier des hochverdienten Vereins, feiner segensreichen Wirksamkeit mit Gottes gnädigem

Die große Bedeutung dieses Vereins liegt tn dem Beistände zurückgelegt hat. 9 9

• ä‘eA Elches derselbe sich gestellt hat. Die Diese allgemeine Betheiligung des kathol. Volkes FbC,a9-en darüber m tz 1: Der Verein an der Jubelfeier gibt dem Vereine neue Kraft und

finn htn »er Diözese Fulda erstrebt Muth, unverdrossen weiter zu arbeiten an seiner hohen

n 9 b r b rst an des IN geistiger, sitt- Aufgabe. Wenn auch der von der Wichtigkeit seines

lickenn s'd-6’k U?b 9^llsch aft- Berufes durchdrungene Lehrer — und insbesondere durck 4 der Schule gilt das von den Mitgliedern der kathol. Lehrervereine

durch Förderung von Erziehung und Unterricht । — tn dem Bewußtsein treuer Pflichterfüllung den ka?h oli s ch"en K i r ch e'" 3 U"b "" ®eifte ber ' f)öcWen Lohn seiner mühevollen Arbeit findet, so ist I

lieber den letzteren Punkt sprach das Organ des Vereins, das ,Schulblatt", im Jahre 1881 sich aus­führlich aus mit folgenden Worten: „Die Versamm­lung nennt sich „katholisch". Hiermit ist hinreichend angedeutet, daß sie einem spezifisch katholischen Zwecke dienen soll. Welcher ist dieser? Dem gläu­bigen katholischen Lehrer ist die Schule wesentlich Erziehungsanstalt; denn ihre Aufgabe ist es, die Kinder nach Gottes Plan und für Gottes Zwecke zu erziehen. Wenn daher katholische Lehrer als solche sich versammeln, so kann ihre Versammlung keinen anderen Zweck haben, als diese spezifisch katholische Anschauung über die Schule zu vertreten und über die aus dieser Anschauung resultirenden Prinzipien zu berathen."

Erstes Klatt. 1