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Montag, den 4, Oktober 1897 2k Jahrgang

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__________Unte^haltungs-Keiiage „Strrur und Kluwru".

X Dre Mariueverwattung scheint sich gegen­wärtig mit dem Problem der Quadratur des Kreises zu beschäftigen. Sie hält, wie die,Nat.-Ztg/ zu melden weiß, eine Verständigung mit dem Reichstage über eine Grundlage, an der nicht in jedem Jahre gerüttelt werden könne, für noth- wendig. Indem das betont wird, wird jedoch zu­gleich erklärt, daß ihr die Absicht einer Beschränkung des Etatsrechts des Reichstages durchaus fern liege. Wie diese beiden Gesichtspunkte vereinigt werden sollen, weiß auch die ,Nat.-Ztg/ nicht zu sagen. Die,Post' orakelt: „Man wünscht lediglich, daß der Reichstag zu einer Entscheidung darüber ge­langt, ob er einem nunmehr aus7 Jahre im voraus die Bauthätigkeit für die Marine festlegenden Plane m Prinzip beistimmen will oder nicht. Daß die Reichsmarineverwaltung im Einzelnen dem Parlamente bindende Verpflichtungen für jedes der nächsten 7 Jahre auferlegen will,' dürfte kaum den Thatsachen entsprechen." Der Bundesrath soll sich in einigen Tagen (er tritt am 7. d. Mts. wieder zu­

sammen) mit dem Plane beschäftigen; im preußischen Staatsmmisterium ist er, der,Post' zufolge, bisher auch noch nicht erledigt. Aber Herr v. Miquel ist dafür; das genügt wohl. Daß aus der Sache, weil sie formell noch nicht abgeschlossen ist, nichts wird, glaubt doch die ,Post' selbst nicht. — Der Bau von Avisos soll wie die,Rordd. Allg. Ztg.' bestätigt, für die deutsche Marme ein gestellt werden. „Außer Panzerschlachtschiffen und Küstenpanzern sollen künftig nur noch große und kleine gepanzerte Kreuzer gebaut werden, von denen letztere in der gleichen Weise und zu den gleichen Zwecken wie bisher die Avisos ver­wendet werden sollen. Es wird auf diese Weise ein Schlffstyp vermieden, der sich überlebt hat. Die zum Ersatz der Avisos bestimmten kleinen Kreuzer würden durch em Panzerdeck geschützt und mit schnellfeuernder Artillerie ausgerüstet, Maschinen und Einrichtungen

Tirpitz in seinem Plane hat, werden sich 'vor Ablauf des Septennats „überlebt" haben?

h Zur Irechtfertigttttg der Kisenöayuver- «»attuug teilt der,Reichsanz.' im nichtamtlichen Theile mit, daß der im Prozeß Grütter vorgebrachte Fall daß an dem Zuge der Strecke Terespol-Schwetz die Zugleine gefehlt und der Lokomotivführer die Dienste des Zugführers versehen, nicht in Widerspruch mit

Die Union im Franziskanerorden.

Der hl. Franziskus von Assisi, dessen Fest wir heute feiern, stiftete bald nach dem Jahre 1200 der christlichen Zeitrechnung einen Orden, dessen Mit­glieder der demüthige Heilige „Fratres minores“, „die minderen Brüder" genannt wissen wollte. Dieser Orden hat sich im Laufe der Jahrhunderte in drei verschiedene Zweige getheilt, die jetzt, von einander unabhängig sind:

1) In diejenigen, welche man bei uns gewöhnlich unter dem Namen Franziskaner sich denkt, auch braune Franziskaner genannt nach der Farbe ihres Habits*).

2) In die Conventualen oder Minoriten rm engeren Sinne, auch schwarze Franziskaner genannt (ebenfalls nach der Farbe ihres Gewandes), welche, die Franziskanerregel in gemilderter Form beobachten.

3) In die Kapuziner, so genannt von der eigenen Form ihrer Kapuze, während sie die Farbe wie die zuerst Genannten haben. Die Kapuziner tragen auch einen Bart und sollten im Uebrigen eine Verschärfung der Regel des hl. Franziskus darftellen.

Die an erster Stelle genannten (braunen) Franzis- kaner, welche gegenüber den schwarzen Franziskanern dre Regel in strenger Weise beobachten, theilten sich allmähllg wieder in vier Unterabtheilungen oder Familien, nämlich: Observanten, Refor- maten (wie aus dem Kreuzberg und überhaupt in Bayern), Rekollekten (dahin gehören die auf dem Frauenberge rc.) und Alkantariner.

, Papst Leo XIII. hegte nun den Wunsch, daß nicht nur die Namensunterschiede dieser vier Familien (Observanten, Reformaten, Rekollekten, Alkantariner) verschwinden, sondern daß auch die wirklichen Unterschiede aufhören und sie ohne ander­weitige Benennung eine vollständig einheitliche Ordens­familie der Franziskaner bilden sollten. Dies ist um so leichter und einfacher, weil diese Familien von jeher einen gemeinschaftlichen General-Obern (genannt Generalminister) in Rom haben, welcher abwechselnd verschiedenen der genannten Familien an­gehört, während die schwarzen Franziskaner und Kapuziner je einen eigenen General in Rom besitzen.

Nachdem die einleitenden Verhandlungen in Rom bereits vor Monaten geschehen sind, steht das Dekret des Papstes, welches die volle Einigung (Union) aus­spricht und die nöthigen Ausführungsbestimmungen enthält, täglich zu erwarten. (Ob vielleicht die jüngst erfolgte Berufung des H. H. P. Aloys Lauer vom Frauenberg nach Rom hiermit in Beziehung steht? D. Red.) Nach den vorstehenden Ausführungen ist es selbstverständlich, daß die Kapuziner und Conventualen

*) Doch ist diese Farbe nicht wesentlich. So z. B. erschien auf dem letzten sog. Generalkapitel in Rom 1895 ein solcher Franziskaner aus Mexiko (Mittelamerika) in rauhem Ge­wände, von bläulicher Färbung.

Bei Nebenbahnen ohne starken Verkehr würde es nicht wirthschaftlich sein, den gleichen Verwaltungsapparat wie bei Hauptbahnen anzuwenden. Gleichwohl muß der ,Reichsanz/ aber die Nichtbeachtung einer Vor­schrift eingestehen. Er schreibt nämlich: „In dem vor­liegenden Falle wäre es bei der stärkeren Zugbenützung an dem Wahltag zweckmäßiger gewesen, wenn dem Lokomotivführer ein weiterer Begleitbeamter beigegeben worden wäre, wie dies der für besondere An­lässe gegebenen Vorschrift entsprochen haben würde." Aber man wollte „sparen".

h Die Meldung einiger Blätter von einem Kampf deutscher Matrosen mit einem griechischenDotKs- haufeu stellt die ,Nordd. Allg. Ztg/ dahin richtig, daß am 23. September Abends im Hafen von Mu- mchla mehrere Seeleute von der „Kaiserin Augusta" mit einigen Griechen in Streit geriethen und daß bei der sich entspinnenden Schlägerei, an der sich die umstehende Volksmenge betheiligte, zwei deutsche Matrosen leicht verletzt wurden. Auf den zur Abholung der beurlaubten Mannschaften entsandten Offizier und das abholende Boot wurde mit Stühlen geworfen. Am Morgen nach diesem Vorfall ist der Hafenkapitän von Munichia und tags darauf der griechische Ministerpräsident persönlich auf der „Kaiserin

„Gall war heute Morgen bei mir und hat mir mitgetheilt, daß ein allgemeiner Arrestbefehl gegen ihn erlasien sei."

„Wie in aller Welt ist er aber losgekommen?" "ff der Pfarrer. „Ich hörte immer, von Portland sei noch nie Jemand fortgekommen!"

„Das habe ich auch geglaubt, aber diesem Menschen ist es doch auf irgend eine Art geglückt. Die Frage ist jetzt nur, was man thun soll."

„Das weiß ich auch nicht", erwiderte der Pfarrer, indem er die Hände in die Rocktaschen schob und zum Fenster wanderte.

Juxon steckte ebenfalls die Hände in die Taschen, stellte sich an den Kamin und pfiff, wie er es in Mo­menten großer Aufregung zu thun pflegte, eine Melodie vor sich hin. Drei bis vier Minuten lang schwiegen Beide.

„Würden Sie es Frau Goddard sagen oder nicht?" fragte Juxon endlich.

„Ich weiß es wirklich nicht," gab Ambrose zur Antwort. „Die Sache hat mich zu sehr überrascht."

Er wendete sich um und näherte sich langsam dem Tische.

„Ich weiß auch nicht, wie man am besten vorgeht," erwiderie Juxon. „Etwas muß jedenfalls beschlossen

Verfolgt.

Dem Englischen von Marion Crawford nacherzählt von Cora von Schönburg.

14 ------ (Nachdruck verboten.)

Sobald der Konstabler das Zimmer verlassen hatte, ließ Juxon seiner Aufregung freien Lauf. Er dachte nicht im Entferntesten daran, daß der entsprungene Sträfling den Aufenthalt seiner Frau kenne. Allein, daß er wieder frei, war schon Grund genug zur Be- sorgniß. Wie leicht konnte er die Adresse seiner Familie erfahren, und dann waren die Unannehmlich­keiten und Leiden, welchen sie ausgesetzt sein würde, gar nicht mehr abzusehen. Djeser Gefahr mußte unter allen Umständen vorgebeugt werden, und bls der Schurke wieder dingfest gemacht, war dem Thatigkeltstnebe des Gutsherrn ein neues Interesse geboten.

Juxon statte den Polizisten mit richtiger Ueber- legung von seiner Fährte abgebracht. Niemand konnte in diesem Falle besser den Detektiv spielen, als er selbst. Er kannte Frau Goddard genau genug um zu wissen, daß sie sich in einer so ernsten Ange­legenheit direkt an ihn wenden würde, und daß Goddard's etwaiges Erscheinen in der Gegend nur im Zusammenhänge mit einem Besuche in der

Cottage stehen könne, war ebenfalls selbstverständlich

Rasch entschlossen schrieb er ein paar Worte an Herrn Ambrose, um diesen zu einer Besprechung zu sich zu bitten.

Bald darauf rollte auch der kleine Wagen des Pfarrers über den Kies im Schloßhof.

„Ich habe Sie rufen lassen, um Sie in einer wichtigen Angelegenheit um Ihren Rath zu fragen," begann Juxon die Unterhaltung.

Der Pfarrer sah betroffen auf.

„Die Angelegenheit betrifft Frau Goddard" fuhr der Gutsherr, feinen Gast scharf anblickend, fort.

„Nun?" forschte Ambrose.

„Sie wissen vielleicht nicht, daß ich mit der Ge­schichte der jungen Frau bekannt bin", erklärte Juxon. Verwundern Sie sich nicht darüber; sie selbst sand es angezeigt, mir dieselbe zu erzählen."

„In der That," rief der Pfarrer mit lebhaftem Erstaunen. Er berechnete sich schnell, daß Juxon in diesem Falle nicht an's Heirathen denken könne.

„Jawohl, es ist nicht nöthig, sich dabei aufzu­halten," fuhr Juxon rasch fort. „Das, was ich Ihnen mittheilen wollte, ist nur die Nachricht daß der Sträfling Goddard entflohen ist."

„Entflohen?" wiederholte der Pfarrer. „Das ist ja entsetzlich — gar nicht zu glauben!"

* Zwischen Kaiser Mittzekm und Mismarck, meint die ,Voss. Ztg/, bestehe trotz der jüngsten Ehrung des Fürsten doch eine Verstimmung. Den Grund für dieselbe vermuthet das freisinnige Blatt m der Beurtheilung der Kaiserin Augusta durch Bis­marck. Während der Kaiser seine Großmutter in Koblenz „eine große Frau" genannt habe, sei von I Bismarck die Bemerkung gemacht roprben, die hohe Frau habe an der Abnutzung feiner Nerven sehr stark mitgearbeitet, sie fei selbst „eine nervöse, unstete und unruhige Natur" gewesen. Besonders habe Bis- , uu,3tlUF, uno EmricUtunaen

Kaiserin E zu große Neigung für erhalten, die sie zu sehr schneller Fahrt befähigen" r.Un? Katholische zu tadeln gehabt. So ändern sich die Ansichten der Sachverständigen"

^läßlich des Geburtstags der Kaiserin Augusta hat Vor einem halben Jahr? galten, "wie der Etat aus-

der Kaiser nun an die Großherzogin von Baden ein weist, die Avisos noch nicht für überlebt" • den ^e e9raJnm Glaubt, m welchem er der Verdienste der Streichungen in der Marine, die dem Reickstaae io ^tprr?r«enen 9^en t' • s^nvbeiroerle1fommt folgende große Entrüstung eintrugen, unterlag auch ein neuer hna‘ "wd die Geschichte das Denkmal Aviso. Wie viele von den Schiffstypen? die Herr Niemand zu zerstören vermag." Die | Tirpitz in seinem Plane bat. werden «A nnr shhL,;

-Boss. Ztg/ nimmt an, daß sich die letzten Worte gegen die Aeußerung Bismarcks richten.

* „Seine Koffer gepackt" hatteIürst Koste«, toste bereits im Juli dieses Jahres, um Berlin für immer den Rücken zu kehren — so hatte er damals in einem Privatbriefe geschrieben. Nun ist er in der Nacht von Sonnabend aus Sonntag wieder in Berlin , v_ yi.a|wyi„ö uc™. ,n(öt m ™rlDruch und m nächster Zelt steht zwischen dem den für Nebenbahnen bestehenden Vorschr ften^stehe andersetzung im Jagdschlösse Hubertusstock bei Ebers­walde in der Mark bevor. Ob der Koffer noch immer gepackt wird?

(schwarze Franziskaner) von dieser Union unberührt bleiben. ______________

Deutsches Deich.

Berlin, 2. Oktober.