JS 226
Samstag, den 2, Oktober 1897 2t. Jahrgang
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mit Untrrhaltnngs-Krilage „Sterne und Klumeu".
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9.1477 wurde die Universität Tübingen gestiftet. — 1789 eroberte General Laudon die Festung Belgrad. — 1841 starb zu Berlin der berühmte Architekt Karl Schinkel. — 1893 wurde das neue Konviksgebäude in Fulda in der Nähe des Nonnenklosters seinem Gebrauche übergeben.
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I es keinen Gott, keinen Teufel und keine Hölle gibt, und daß ein gescheidter Mensch nur in der Weise davon reden darf, wie man vom schwarzen Mann redet, wenn man kein Kind mehr ist? Wenn Du heute Deine Rolle nicht gut spielst, so warst Du immer dumm und bleibst es auch."
„Fürchte _ nichts," erwiderte dieser, „morgen früh wird der Pfarrer keine Messe mehr lesen. Aber da hört!"
Zwei Gensdarmen trafen ein; man gab ihnen einige Ueberreste vom Mahle.
„Tummelt euch," sprach das Weib, warf ein Tuch über ihren Kopf und zündete eine Laterne an, „ich iberde euch sogleich den Pfarrer bringen." Dann legte sich ihr Mann in's Bett und sie ging fort.
Die Aufschlüsse, welche sie von einigen Nachbarn über den Aufenthalt des Priesters erhielt, waren nicht falsch, sie fand ihn. „Ach!" rief sie weinend und händeringend, „mein armer Mann liegt im Sterben.
I Nach dem Abendessen bekam er eine fürchterliche Kolik, jetzt ist er ohnmächtig, und wir konnten von ihm kein anderes Wort herausbringen, als daß er nach einem Priester verlangte. Wenn Sie nicht kommen, so ist seine Seele verloren."
Der gute Priester, an derlei nächtliche Ausflüge gewöhnt, zögerte keinen Augenblick. Stets bereit, seine Ruhe und sein Leben preiszugeben, wo es galt, eine Seele zu retten, ging er in die Falle. Aber Gott wachte über das Leben seines Dieners und zerstörte die Pläne der Gottlosen.
Bald kam der Pfarrer in der Hütte an und trat zu dem Kranken heran. „Nun, mein Freund," redete er ihn an, „wie geht es Euch?" Doch keine Antwort ward ihm zu Theil.... „Sie wünschen mit mir allein zu sprechen?" .... Wieder keine Antwort. „Können Sie mir nicht antworten? Wir wollen einmal den Puls fühlen." Er faßte den vermeintlichen Kranken bei der Hand, sie war erschlafft. Sich zur Frau und den Umstehenden wendend, sagte er vorwurfsvoll: „Sie haben mich zu spät gerufen, er ist ja schon todt!"
„Was ist das?" rief er, als er jetzt die Gensdarmen sah. „Ihr trachtet mir nach dem Leben! Man hat mich betrogen! Gott verzeihe es euch!"
Jndeß der Anführer der Gendarmen kniete vor ihm nieder. „Nein, nein!" rief er entsetzt, „wir trachten Ihnen nicht nach dem Leben! Dazu waren wir allerdings gekommen, jetzt aber geben wir selbst Blut und Leben für Sie! Wir erkennen die Hand Gottes; es ist eine Strafe von oben! Dieser Mensch war vor einem Augenblicke noch gesund und lachte mit uns; doch von dem Augenblicke an, wo wir Ihre Schritte vernahmen, hat er kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben."
Im Jahre 1846 war dieser Priester noch Pfarrer in Couches.
Wenige Jahre später starb der eben genannte Führer, und oft erzählte er mit Thronen in den Augen dieses Ereigniß. Derselbe Pfarrer reichte ihm die letzte Wegzehrung und sprach ihm Trost auf dem Sterbebette zu. Bevor er verschied, drückten fte sich beide zu letzten Male die Hände als Freunde.
Die Wittwe des angeblichen Kranke' gelangte gleichfalls zu einem hohen, aber mühselgen Alter. Sie hatte lange Jahre den Krebs im Gesichte und lebte, von ihren Verwandten verlassen, im äußersten Elend. Nur die Almosen Desjenigen, den sie dem Tode hatte überliefern wollen, bewahrten sie vor dem Hungertode.
_ Wenn man den Pfarrer in seinem Alter über dieses Ereigniß fragte, so antwortete er: „Es ist schon sehr lange her, sprechen wir nicht mehr davon; denken wir mehr an die Zukunft, als an die Vergangenheit."
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1891 starb der katholische Kirchenhiftoriker Kardina Joseph von Hergenröther. — 1895 wüthete ein furchtbarer Sturm in der Nordsee; es gingen 19 große und 27 kleine Schiffe zu Grunde.
4. 1226 verschied der hl. Franz von Assisi, der Stifter des Franziskanerordens, in der Portiunkulakirche zu Assisi — 1714 starb der 7 8. Abt von Fulda, Adalbert 1 von Schleifras. Er ließ die alten Baudenkmäler wieder Herstellen und neue schaffen: sein bedeutendstes Werk ist die Erbauung der neuen Stiftskirche, welche er selbst mit päpstlicher Erlaubnis konsekrirte. Ferner nahm Adalbert von Schleifras den Bau eines neuen Residenzschlosses in Angriff, baute 1711 das Schloß zu Bieberstein und die Oekonomiegebäude zu Fürsteneck; an das Benediktinerkloster (jetziges Priesterseminar) ließ er die beiden nach Westen gerichteten Flügel errichten. — 1795 wurde Napoleon zum Kommandanten der Pariser Garnison ernannt. — 1830 starb der preußische Feldmarschall Graf Jork. — Belgien erklärte seine Unabhängigkeit. — 1887 wurde in einem Nebengebäude des freiadeligen Stiftes Wallenstein zu Fulda eine evangelische Kleinkinderbewahranstalt eröffnet.
1582 wurde der von Papst Gregor XIII. verbesserte und nach ihm benannte Kalender in den katholischen Staaten eingeführt. — 1789 zogen 14,000 Pariser, meistens Weiber, n a ch V e r f ai ll e s, um die Auslieferung der königlichen Familie mit Gewalt zu erzwingen. — 1870 zog König Wilhelm von Preußen in Versailles ein. — 1886 wurde der „Evangelische Bund" gegründet. 1887brachten die Bürger Fuldas zu Ehren ihres als Fürstbischof nach Breslau kommenden Bischofs Georg Kopp in der Dechanei eine Abschiedsserenade. Die Stadt Fulda ernannte den seitherigen Oberhirten zum Ehrenbürger.
Aas Watten Kottes.
(Eine Geschichte aus der französischen Revolution.)
Keine Feder könnte genügend die zahlreichen Greuelthaten beschreiben, welche sich während des blutigen Zeitraumes von 1792—1800 unter dem französischen Volke ereigneten. Jedes Dorf und jedes kleine Städtchen war der Schauplatz verschiedener Trauerseenen. Nicht nur die niedrigste Klasse der Stadtbevölkerung hatte die Oberhand, sondern selbst das Landvolk wüthete gegen die Kirche und den Adel. Was für Dinge Möchte die Geschichte erzählen, würde sie im Einzelnen das Ende der Mehrzahl schildern, die Blut fließen ließen aus Rache oder verführt durch die Wirkung der sozialen und politischen Verwirrungen einer Zeit so schmerzlichen Andenkens!
Eine französische Zeitung erzählt die folgende «Greuelthat, an deren Wirklichkeit und Thatsächlichkeit leider kein Zweifel möglich ist.
Es war im Jahre 1793, als in einem Dörfchen, das der Gemeinde von Couches (sprich Kusch) angehörte, die Familie eines Landmannes, alle Anverwandten und Freunde der Nachbarschaft um eine Tafel versammelt waren, die wohlbesetzt war mit ^llen möglichen Speisen, welche gewöhnlich bei einem Wurstesfen auf dem Lande geboten wurden. Der Wein wurde nicht gespart. Nach dem Mahle setzte man sich im Kreise um das Feuer, um über Verschiedenes zu sprechen. Natürlich wendete sich das Gespräch auch auf die Politik und die Tagesereignisse; man sprach von den Ueberfällen der Nationalgarde -in der Umgegend, von den geplünderten und verwüsteten Schlössern, dann von den Priestern, welche gehetzt wurden wie wilde Thiere, wie sie sich ausdrückten, u. s. w.
„Ihr seid ja eitel Nichtsthuer," rief ein noch junges Weib, es war die Hausfrau. „Was thut ihr anders," fügte sie hinzu, „als fchreien und schelten? Ich glaube, ihr möchtet es zulassen, daß wir in I unseren Hütten von diesen Priestern ermordet würden? Ist es nicht eine Schande, daß dieser Pfarrer von Couches in unserer Umgegend frei herumstreift? Cines schönen Morgens wird er uns, seine Feinde, einmal überfallen. Ihr Hasenherzen, wäre ich ein Mann, ich würde euch ein Beispiel geben; noch heute | Abend möchte ich ihn einfangen."
„Sei still!" antwortete der Hausherr, indem er noch einige Fluchworte ausstieß, „Du willst, daß wir ihn einfangen ? Wir wissen ja nicht einmal, wo er ist. Dein Schelm von einem Pfarrer."
„Wenn es sich darum handelt," sprach das gottlose Weib, „wir werden ihn schon finden. Einer von euch gehe die Gensdarmen holen, und Du, Alter, lege Dich ins Bett. Du wirst den Kranken spielen, und ich werde Dir den Pfarrer bringen. Die Gensdarmen werden wir hinter den Vorhängen verbergen, so werden sie ihn leicht fangen. Was sagst Du dazu? Wäre Dir ein solcher Einfall gekommen?"
„Nein," entgegnete dieser, indem er gotteslästerisch fcriiüor, „nur Du und der Teufel seid solcher Pläne fähig; denn ich bin nicht listig genug. Nur das fann ich jagen," fuhr der Bauer weiter fort, „würde er mir unter die Hände kommen, so möchte ich ihm schon den Kragen umdrehen, wie einem Spatz. Aber wir werden ihm den Kopf zurechtsetzen, und wenn | alle Teufel mitwirken möchten, so wird er Niemandem mehr Beichte hören."
„Was hast Du denn so viel vom Teufel zu reden?" rief ein kleiner Mann mit braunem Gesichte I und funkelnden Augen; „weißt Du denn nicht, daß I
'• 1090 starb der hl. Adalbert, Bischof von Würzburg. — 1803 wurde der Physiker und Meteorolog Wilh. Dove geboren. —1829 trat die erste Lokomotive Slephen- son's in Thätigkeit. — 1891 starb König Karl von Württemberg; am selben Tage bestieg Prinz Wilhelm den Thron. — 1894 konstituirte sich die Fleischer- Innung in Fulda mit 25 Mitgliedern.
7.1571 wurde der die Christenheit von den Türken rettende Seesieg von Lepanto erfochten. — 1858 übernahm Prinz Wilhelm von Preußen, nachmaliger Kaiser Wilhelm I. die Regentschaft. (Den Thron bestieg er am 2. Januar 1861.) — 1874 tagte auf der „Bellevue" zu Fulda die zweite Generalversammlung des Vereins kathol. Lehrer in der Diözese Fulda. — 1879 wurde das d eutsch-österreich. Bündniß geschlossen.
8.1641 wurde Kurfürst Friedrich Wilhelm mit der Provinz Preußen belehnt. — 1669 starb zu Amsterdam der niederländische Maler Rembrandt. — 1814 schloß Aribert UI. von Harstall, der 84. Regent und letzte Fürstbischof von Fulda, die Augen. Im Jahre 1802 hörte Adalbert auf, Abt zu sein, da die Abtei Fulda säkularifirt wurde und an das fürstliche Haus Oranien- Nassau kam, aber sein bischöfliches Amt verwaltete er bis zu seinem Tode. Adalbert erhielt eine jährliche Pension von 40,000 Gulden und wohnte in dem Buseck'schen Hause, dem heutigen Stift Wallenstein. — 1862 wurde v. Bismarck Ministerpräsident. — 1866 wurde auf dem Schloßhofe zu Fulda die Proklamation zur Kenntniß gebracht, daß Fulda preußisch sei. — 1871 wurde Chicago durch eine drei Tage währende Feuersbrunst zerstört.
-u- Denkwürdige Tage
der Woche vom 3. vis s. Gkkover.
3. 1752 wurde durch Papst Benedikt XIV. die Fürstabtei Fulda zu einem Fürstbisthum erhoben. Die Würde des ersten Bischofs von Fulda wurde Amand von Buseck, welcher bereits 24 Jahre Weihbischof von Fulda war, übertragen. — 1813 siegte General Uork bei W a rt en- bur g über die Franzosen. — 1870 fand auf dem Longchamps beiParis eine großeRevue über die deutschen Truppen statt. — 1888 wurde das vom Staate eingezogene Vermögen der Fuldaer Benediktiner- Nonnen dem Herrn Geistl. Rath Engel überliefert. —
Gottesdienstordrmng in Fulda.
Sonntag, 3. Oktober, yam. 5*., 6, 6’/« u. 7'/, Uhr hl. Meffen, 61/« Uhr hl. Messe und Kommunion der Christenlehrschüler, 9 Uhr Hochamt mit Predigt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr hl. Messe, l'/s Uhr Andacht und Christenlehre, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 Uhr Rosenkranz-Andacht mit Segen in der Marienkapelle. Von Freitag, den 1. Okt. an, wird während der Pfarrmesse der Rosenkranz vorgebetet. — Stabt« Pfarrkirche. 5'/« Uhr hl. Messe und Predigt, 6 Uhr hl. Meffe, 7 Uhr hl. Meffe und Kommunion der christlehrpfl. Jünglinge, 8 Uhr hl. Messe und Predigt, 9"- Uhr Hochamt mit Dia- konium und Chorgesang, 11 Uhr Christenlehres, 2 Uhr Festpredigt und Andacht, 7S« Uhr Rosenkranzandacht. Alle Gläubigen können so vielmal einen vollkommenen Ablaß gewinnen, als dieselben nach Empfang der Sakramente der Buße und des Altars die Sladtpfarrkirche besuchen, und nach der Meinung des hl. Vaters beten. — Micharlskirchr. (Ewiges Gebet.) Von 6 Uhr ab Beichtgelegenheit. Nach jeder halben Stunde Kommunionaustheilung, 6 Uhr hl. Messe Sr. Bischöfl. Gnaden, 7 und 8 Uhr heil. Messen, 9 Uhr Betstunde, 10 Uhr Hochamt, 11 bis 6 Uhr Betstunden, 6 Uhr Schlußandacht von Seiner Bischöfl. Gnaden. Montag, den 4. Oktober. 8 Uhr Jahrtagsamt für die wohllöbliche'Schuhmacherinnung. — Pfarrkirche rum ht. Geistr. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 4 Uhr Andacht mit Segen. In den Wochentagen 7 Uhr hl. Messe, Mittwochs Abends 4 Uhr Andacht mit Segen. - Frauenberg. 5, 6'/, und 8 Uhr hl. Messen, 9 Uhr Hochamt, 2 Uhr Versammlung des 3. Ordens, darnach Gelegenheit zum Beichten. Montag (Fest des hl. V. Franziskus) vollk. Ablaß. 5 Uhr Austheilung der hl. Kommunion und hl. Messen bis 8 Uhr, 9 Uhr Festpredigt, Prozession und feierliches Amt, 2 Uhr feierliche Vesper. 5 Uhr feierliche Complet und Gedächtnißfeier des Todes des hl. Franziskus.