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Samstag, den 2. Oktober 1897.
24. Jahrgang
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Dermischtes
Gall schob den Daumen unter den Gürtel, als wolle er die Spannung desselben versuchen, dann räusperte er sich und begann: „Es ist eine Ordre herumgeschickt worden, daß die Polizei auspassen soll — und da dachte ich, es sei am besten, wenn ich Sie um Ihre Meinung bäte..."
„Meine Meinung ist die," sagte der Gutsherr ernst, „daß Sie unter allen Umständen das thun sollen, was man Ihnen befiehlt. Worauf soll denn aufgepaßt werden?"
Der Polizist antwortete mit gedämpfter Stimme: „Es ist uns mitgetheilt worden, daß in Portland ein Verbrecher ausgebrochen ist. Und wissen Sie, gnädiger Herr, aus dem Zuchthause ist noch nie einer ausgebrochen, und deshalb möchte ich gerne Ihre Meinung darüber hören."
„Aber wenn Euch die Thatsache mitgetheilt ist, so habt Ihr sie doch nur einfach zu glauben," warf Juxon ein.
„Ganz recht, gnädiger Herr, aber es wurden uns keine näheren Umstände mitgetheilt, und da sind wir so klug wie zuvor."
Gall hielt ein. Der Gutsherr strich sich mit der Hand über das Haar.
„Ja, aber habt Ihr denn irgend einen Verdacht, daß sich der Sträfling in dieser Gegend herumtreibt?" fragte er endlich.
„O nur einen ganz kleinen Anhaltspunkt, oder wenigstens etwas, was man dafür halten könnte," gab der Konstabler geheimnißvoll zu.
. fragte Juxon, indem er ihm ruhig in
das Gesicht sah. 9
»Ich meine wegen des Namens, gnädiger Herr. Es ist der Name einer hier wohnenden Familie."
Die Möglichkeit dessen, was kommen könnte, schoß ^uxon plötzlich durch den Kopf. Ein feinerer Beobachter, wie Gall, würde beobachtet haben, daß sich sein Gesicht leicht verfärbte. Er veränderte etwas ferne Stellung, dann fragte er: „Und wie heißt der Name des Mannes?"
ohnedem jeder Beobachtung. Man konnte annehmen, daß er auch bei der schlechtesten Witterung seine Obliegenheiten erfüllte; seiner Konstitution schien jedoch das rauhe Handwerk bis jetzt nichts angehabt zu haben. Die Resultate seines nächtlichen Häscherwesens wurden aber nie Jemandem bekannt — wahrscheinlich berichtete er darüber nur an seine Vorgesetzten.
Als Gall heute das Zimmer betrat, bemerkte der Gutsherr, zu seiner nicht geringen Verwunderung, daß er ausnehmend ernst aussah. Es war dies eine so ungewohnte. Erscheinung, daß er sofort daraus schloß, es müsse diesmal etwas Wichtiges vorgefallen sein.
„Guten Morgen, gnädiger Herr," verneigte sich Gall.
„Guten Morgen, Gall, es ist doch nichts passirt?" „Noch nicht, gnädiger Herr; so darf man wenigstens annehmen. Ich möchte Sie gerne in einer Sache zu Rathe ziehen, Herr Juxon."
„So," sagte der Gutsherr, welcher an die Umschweife des Konstablers gewohnt war. „Nun, was gibts?"
Ihr dann gleich annehmen, er sei ein Blutsverwandter von mir?"
„O nein, gewiß nicht, gnädiger Herr. Ha ha ha es ist wirklich spaßig! Als ob man an so etwas dächte . .. und sie ist noch dazu eine vornehme Dame!"
„Nun, also; ich kann Euch nur rathen, genau auf. zupassen. Ihr habt doch ein Signalement bekommen?" . »Allerdings, gnädiger Herr. Aber wissen Sie, es ist oft recht schwer, die Leute darnach zu erkennen Diesmal heißt es z. B., er sei ein blonder Mensch "
„Ist das Alles?"
»Er soll weder groß, noch klein, weder besonders dick, noch besonders mager sein — im Ganzen ein blonder Mensch. Nun, glatt rasirt und kurz geschoren ist er ja so wie so schon, wenn er aus dem Zuchthause kommt."
»Ich hoffe, es wird Euch nach diesen Angaben nicht schwer fallen, seiner habhaft zu werden," sagte der Gutsherr, indem er sich ernst zu bleiben zwang, „ich muß gestehen, es würde mir einige Schwierigkeiten bereiten."
„Jedenfalls geht aus Allem hervor, daß er ein blonder Mensch ist," bemerkte der Konstabler wichtig.
„Wenn er aber sein Gesicht schwärzte und sich ass Schornsteinfeger ausgäbe?" warf Juxon ein.
Der Gedanke war niederschlagend' für Gall.
„Ja, in dem Falle könnte ich ihn allerdings nicht mit Sicherheit erkennen," antwortete er.
„Wahrscheinlich nicht — wahrscheinlich nicht, mein Bester, und nach dem Signalement, welches man Euch geschickt hat, nimmt es mich nicht Wunder."
„Man könnte mir jedenfalls nicht vorwerfen, ich hätte verabsäumt, höhere Instruktionen auszuführen," bemerkte Gall mit Würde. „Ich habe Sie doch recht verstanden, gnädiger Herr, Sie meinen, ich soll scharf aufpassen."
„Natürlich," stimmte ihm der Gutsherr zu. „Recht gut aufpassen und diskret sein, wie die Vorschrift lautet."
„Darauf können Sie sich verlassen," gnädiger Herr. Erlauben Sie, daß ich mich verabschiede?" Er wollte gehen.
„Schönen guten Morgen, Gall, guten Morgen! Der Diener wird Euch das Bier geben."
Gall schob abermals den Daumen zwischen den Gürtel, als wollte er durch diesen Druck seinem Magen bereits ein Vorgefühl des zu erwartenden Quantums geben, dann verbeugte er sich mit militärischem Gruße und verschwand.
(Fortsetzung folgt.)
„Der Name in dem Schreiben heißt Goddard, Walter Goddard. Er war vor drei Jahren wegen Falschere! und allerhand anderen Nichtsnutzigkeiten verurtheilt worden. Die Behörden empfehlen aber größte Diskretion in der Sache, damit nichts in die Oeffentlrchkeit dringt."
Juxon war vor allem entschlofsen, jedem Verdachte zu begegnen, welcher zur Enthüllung von Marn Goddard's Beziehungen führen konnte.
„Das Faktum, daß hier eine Frau Goddard wohnt, beweist gar nichts," bemerkte er zurechtweisend. Aus dem Namen allein kann man auf keine Verwandtschaft schließen."
„Das wollte ich auch gar nicht damit gesagt haben, gnädiger Herr. Ich meinte nur so, es wäre ein merkwürdiges Zusammentreffen — das ist Alles."
„Es würde ein ebenso merkwürdiges Zusammentreffen gewesen sein, wenn sein sName Juxon, wie der meinige, oder Ambrose, wie des Pfarrers gelautet hätte," bemerkte der Gutsherr gelaffen. „Es treiben sich vielleicht noch mehrere des Namens herum, auf welche die Polizei ein Auge haben muß. Wenn der Kerl nun Juxon, anstatt Goddard hieße, würdet
Verfolgt.
Dem Englischen von Marion Crawford nacherzählt von CoravonSchönburg.
4 ------ (Nachdruck verboten.)
7. Kapitel.
®er Gutsherr hatte sich, wie schon früher erzählt wurde, ganz in seine neue Situation hineingelebt. Die Art und Weife seines Verkehrs mit Frau Goddard war ttn Grunde dieselbe geblieben. Er behandelte die junge Frau mit all' dem Respekte, den man einer alleinstehenden Dame schuldet, ja es mischte sich sogar erne gewisse, oft recht überflüssig erscheinende Förm- lichkett tn fern Benehmen. Wenn gleich aber weder m seiner Art zu sprechen, noch in der Form, ihr kleine Gefälligkeiten zu erweisen, eine Aenderung eingetreten war, so fühlte man doch beiderseits, daß das neue Verhältniß durch die offene Klarlegung der Umstände nur gewonnen hatte. Sie hatte nichts mehr zu verbergen, nichts mehr zu hoffen. Wäre sie eine weniger vernünftige Frau und er ein selbstsüchtiger Mann gewesen, so würde ihre Freundschaft wahrscheinlich mit dem Momente der Erklärung beendigt gewesen sein. Allein Juxon war kein Egoist und Frau Goddard gebrach es nicht an Verstand.
Natürlich fehlte es nicht an Augenblicken, wo sich der Gutsherr mit dem Gedanken beschäftigte, ob die Verurtheilung zur Zuchthausstrafe seitens des Mannes nicht ein eventueller Scheidungsgrund für die Frau werden könne. Besprechen ließ sich dieses Thema aber selbstverständlich nicht, ohne Frau Goddard's Gefühle zu verletzen, und Juxon wäre der letzte gewesen, die Wunde von Neuem blutend zu machen.
, So waren die Tage verstrichen, ohne daß es zu einer Aussprache gekommen wäre.
Juxon saß an demselben Morgen, als Walter Goddard in die Gruft geschlüpft war, bei seinem Frühstücke, als ihm Gall, der Konstabler des Ortes, gemeldet wurde. Er beendete seine Mahlzeit und begab sich dann in das der Bibliothek zunächst gelegene Arbeitszimmer.
Der Konstabler war ein behäbiger Mann, mit freundlichen Äugen und vergnügtem Gesichte. Natürliches Wohlwollen und ein gesichertes Auskommen hatten ihm jenen Grad von gemüthlicher Lebensauf- fasfung verliehen, welche oft in allzu grellem Wider- fpruche mit seinen Berufspflichten stand. Jedes dahinrollende Jahr wurde durch ein neues Loch in feinem Ledergurte bezeichnet, und in demselben Maße, wie sein Herz ruhiger, wurde auch sein Umfang größer. Er hatte em stattliches Gewicht — volle 200 Pfund — mit der Uniform.
®er Gutsherr, welcher nicht ohne Sinn für Humor war, konnte nie ohne Lachen an Gall denken. Er memte, seine Jovialität würde so weit gehen, einen wlde^penstlgen Vagabunden durch ein Glas Bier in den Gehorsam des Gesetzes zu zwingen. Gall hatte aber auch eine gute Eigenschaft in der Ausübung seines Amtes. Er war nicht nur sehr stolz auf seinen r I?1' er kargte in demselben auch eine Vor- fidjt n>eld)e dem Mulhe seiner Arrestanten alle Ehre machte. Und dabei war er — verschwiegen. Ein Mann, ber fein Geheimnlß bewahren könne, müsse kein Konstabler werden, meinte er. Er hüllte seine Pfade m em undurchdringliches Dunkel. In schönen Nachten durchstreifte er die Gegend; war das Wetter «der nicht schön, so entzog sich fein Thun und Lassen
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Drittes Klatt. M * .. . .
* München, 30. Sept. Im neuen Hofbräuhaus nimmt der Konsum ganz gewaltige Dimensionen an. Der erste Tag, an dem die oberen Lokalitäten dem Publikum zugänglich gemacht waren, der vorige Donnerstag, verzeichnet bereits einen Ausschank von 125 Hektoliter. Am Freitag waren, es um zwei weniger. Am Sonnabend dagegen stieg die Ziffer bereits auf 174. Der größte Ausschank wurde am Sonntag mit 227 Hektoliter erreicht. Neben dem großen Durst darf sich aber auch der Appetit sehen lassen. So wurden am Freitag 50 Kälber im Gewichte von durchschnittlich je 160 Pfund gekauft. Ferner wurden Sonnabend und Sonntag etwa 6000 bis 8000 Weiß- und Bratwürste abgegeben. Die Schweinswürstl stehen besonders in der Gunst des Publikums. Von ihnen verbrauchte man Sonnabend und Sonntag 10,000 Stück. Am Montag erschien der Herr Finanzminister im Hause und besah sich das Thun und Treiben. Als echter Finanzmann vernahm er schmunzelnd die hohen Ziffern des Ausschankes. Da der Zudrang des schaulustigen Publikums ins Enorme stieg, wurde seit Sonnabend Nachmittag die Einrichtung getroffen, daß der Aufgang zum Saal nur gegen Lösung eines Coupons für 28 Pfg. gestattet ist. Dieser Coupon ist gütig für einen Liter Bier; 28 Pfg ist nämlich der Bierprers für den oberen Saal. Ohne diese Schutz- maßregel könnten sich die Konsumenten im Saale gar keinen Platz schaffen vor den Schaulustigen.
. * als Tänzer. Auf dem Jubiläums-Hofball
m Chrlstlama war als Stern von europäischer Berühmtheit auch Nansen anwesend, mit dem Bande des Großkreuzes über der Schulter, der Ehrenlegion am Halse und im übrigen mit einer wahren Sintflnth von Orden. Wenn man, so heißt es tn einem Berichte, diesen so reich geschmückten Profeffor tn Lackschuhen eifrig tanzen sah, und besonders mit Prinzessinnen von Geblüt, so mußte man unwillkürlich an die berühmten mit Thran durchzogenen Beinkleider denken, von denen er tn seinem Werke erzählte.
* Ans der Aalerne. Sergeant (vor der ersten Jn- strukttonsstunde): „Rekruten, froh und glücklich könnt Ihr sein, daß Ihr Soldaten geworden! Da gibt es Leute, die das nicht werden — die niemals eine Jnstruktionsstunde haben. Diese Unglücklichen müssen nun ihr ganzes Leben imDunkeln herumtappen!"
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mit Unterhaltungs-Krilagr „Sterne uns KLumen".