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Donnerstag, den 30. September 1897.
24. Jahrgang
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mit UnterhaLtungs-KrUage „Sterne uns KLumen"
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Letzte Nr. des 3. Quartals.
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ET Fuldaer Zeitung T8
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Deutsches Deich.
Berlin. 29. September.
ft Der Kaiser wird von Rominten aus am 5. Oktober Nachmittags in Danzig bei der Schichau- schen Werst eintreffen, um dem Stapellauf des neuen Lloyddampfers „Kaiser Friedrich" beizuwohnen. Abends soll die Rückfahrt nach Rominten angetreten werden. — Die geplante Reise nach Jerusalem soll erst im Mai nächsten Jahres ausgeführt werden. Kaiser und Kaiserin wollen diese Reise gemeinsam unternehmen und auch die beiden ältesten Prinzen mitnehmen. Hofprediger Dryander soll die Herrschaften begleiten. In Jerusalem soll bekanntlich eine neue protestantische Kirche eingeweiht werden. Diese soll den Namen Johanneskirche erhalten.
* Als muthmaßlicher Nachfolger des Herrn von Bülow in der DotslHafterflekke zu Uom wird jetzt der General der Kavallerie und Generaladjutant Gras von Wedel genannt. Derselbe ist gegenwärtig Oberbefehlshaber in den Marken und Gouverneur von Berlin. Schon vor mehreren Jahren hieß es einmal, daß der General Graf Wedel zum lieber« gange in die Diplomatie bestimmt sei. Es wird sich zeigen, ob diese Gerüchte mehr thatsächlichen Hintergrund haben als damals. Daß Veränderungen in den hohen Stellen der deutschen Diplomatie bevorstehen, ist ja fraglos.
* Die nationalliberalen Zeitungen haben <rch bisher, so weit wir es übersehen können, aller eignest Aeußer- ungen zu den Ikotteupkänen sich enthalten, wie sie von der.Köln. Ztg.' gekennzeichnet und von der ,National-Ztg.' augenscheinlich unter Beeinflussung aus Regierungskreisen, als richtig gekennzeichnet bestätigt wurden. Die konservative Presse aber geht muthig voran in der Ermunterung zur Bewilligung. Die ,Kreuz-Zeitung' schreibt:
„Die konservative Partei wird selbstverständlich die zu erwartende Vorlage ohne Voreingenommenheit prüfen und, wenn sie auch nicht bereit ist, sich an „uferlosen" Flottenplänen zu betheiligen und die Entwickelung Deutschlands zu einer Seemacht ersten Ranges zu befördern, dennoch die zum ausreichenden Schutze unserer Küsten, unseres Handels und unser sonstigen Interessen im Auslande erforderlichen Verstärkungen der deutschen Flotte nicht ablehnen können."
Das Wort „erforderlichen" hebt die,Kreuz-Ztg.' durch Sperrdruck hervor. Wozu? Der Begriff „erforderlich" kann von jedermann nach Belieben und Standpunkt gedeutet und angewandt werden. In der von der ,Kreuz-Ztg/ angewandten Art hat das Wort
Verfolgt.
Dem Englischen von Marion Crawford nacherzählt von Cora von Schönburg.
12 ------ (Nachdruck verboten.)
Die geängstigte Frau bedachte sich etwas, dann sagte sie:
„Nein, Du kannst sie nicht sehen. Sie darf nichts sehen. Sie hält Dich für tobt. Vielleicht kann ich es morgen so einrichten, daß Du sie einen Moment siehst."
„So; nun. ich glaube, es ist auch besser, wenn sie nichts erfährt. Du könntest es ihr also nicht erklären?"
„Nein, Walter — erklären könnte ich es ihr nicht. Komme morgen Abend, etwas später wie heute, an das nämliche Fenster. Ich will dann den Laden aufmachen und Dir das Geld geben."
Die junge Frau war fast ohnmächtig von der Anstrengung, welche es ihr gekostet hatte, unter solchen Umständen eine feste Haltung zu bewahren. Allem die Noth wirkt oft Wunder. „Wo willst Du heute Nacht schlafen?" fragte sie ruhig. Ihr gutes Herz bedauerte den Elenden.
„Ich will in den Stall einer Wirthschaft unterkriechen. Ich passire als Landstreicher."
also gar keine Bedeutung. Um uns gar nicht im Unklaren zu lassen darüber, daß die konservative Partei zu bewilligen bereit ist, fügt die,Kreuz-Zeitung' dem Obigen noch das Folgende hinzu:
„Sie (nämlich die konservative Partei) wird auch jetzt schon anerkennen müssen, daß unsere Flotte in ihrer gegenwärtigen Verfassung nicht im Stande ist, ihre Aufgabe befriedigend zu lösen. In dieser Beziehung drückt die,Köln. Ztg/ mit vollem Rechte ihr Bedauern aus, daß das deutsche Reich gegenwärtig nicht einmal seine bedrohten Interessen in Guatemala, Samoa, Marokko durch Kriegsschiffe zu schützen vermag. . . ."
Desto besser konnte Deutschland sein en Stand- p unk lohne alle Kriegsschiffegeltendmachen im Laufe der langen und schwierigen Verhandlungen über die griechisch-türkische Angelegenheit!
* Der Landtagsabgeordnete Dirrkach, Vertreter des Wahlkreises Fallingbostel-Soltau im preußischen Abgeordnetenhause, ist gestorben.
st Nach einer Ankündigung im ,Reichs- und Staatsanzeiger' soll eine Kommission von Sach- v er ständigen berufen werden, deren Aufgabe es fein soll, die Ursachen der Unfälle in Uerg- rverken durch Stein- oder Kohlenfall eingehend zu untersuchen und geeignete Maßregeln zur Verhütung dieser Unfälle vorzuschlagen. Die Kommission wird aus 5 Abtheilungen bestehen, davon je eine für die Bezirke Oberschlesien, Niederschlesien, Oberbergamtsbezirk Dortmund, Bezirk Aachen, Bezirk Saarbrücken. Diese Kommission soll aus 37 bereits ernannten Mitgliedern besteden, Vorsitzender ist der Ministerialdirektor Oberberghauptmann Freund in Berlin. Die Kommission wird am 26. Oktober in Berlin zur Berathung und Festsetzung des Arbeitsplanes zusammentreten. Der Handelsminister hat sich vorbehalten, weitere Mitglieder in die Kommission zu berufen.
st Die ,Vossische Zeitung' hatte berichtet, die Regierung plane eine Derdreifachung der Uraugerter. Dagegen läßt sich die ,Nordd. Allg. Ztg.' halbamtlich vernehmen wie folgt: „Wie wir von maßgebender Seite erfahren, ist die Behauptung der ,Vossischen Zeitung', daß eine Verdreifachung oder auch nur eine Erhöhung der Brausteuer beabsichtigt sei, vollständig aus der Luft gegriffen." Die offiziöse Ableugnung lautet diesmal ausnahmsweise so klar und bestimmt, daß man ihr vollkommen glauben kann. Aber vorher müssen doch wohl Pläne der gedachten Art bestanden haben, denn die ,Vossische Ztg.' theilte sogar ein Aktenstück im Wortlaute mit, das Erhebungen über Brausteuer-Verhältnisfe anordnet. Daß, wie es scheint, der alte Plan von neuem zum alten Eisen gelegt worden ist, freut uns. Denn die Regierung würde im Reichstage für neue indirekte Steuern keinesfalls eine Mehrheit gefunden haben.
* Am Mittwoch, 29. Sept., hat die 50. Hauptversammlung des Huüav-Adorf-Dereins in Berlin mit einem feierlichen Kirchgänge begonnen. Die Kaiserin, Prinz Albrecht und dessen Sohn Joachim Albrecht nahmen an dem Gottesdienste
Es lag in diesem einfachen Zugeständnisse eine schreckliche Wahrheit, welche mehr als irgend etwas Anderes dazu angethan war, ihr die Lage ihres Mannes klar zu machen. Das Wort „Landstreicher" hat für den einsam auf dem Lande Wohnenden immer eine vielsagende Bedeutung.
„Armer Walter", sagte sie sanft; und zum ersten Male, seit sie ihn gesehen, traten ihr die Thronen in die Augen.
„Vergeude kein Mitleid an mir und laß mich ort," drängte er.
Sie „ packte den Rest Schinken und Käse, welcher noch auf dem Tische stand, zusammen und reichte ihm denselben.
„Da, nimm das lieber mit," sagte sie. Er griff regierig zu und verbarg das Packet unter seinem Kittel. Der Besitz der Nahrungsmittel schien ihm von großem Wertste zu sein. Dann stand er auf und begann die vor Kälte, Nässe und Hunger erlahmten Glieder zu regen.
„Laß mich hinaus", sagte er, der Thüre zu« chreitend. Seine Frau folgte ihm fchweigend. Im Gange hielt er noch einmal an.
„Nun, Mary," sagte er. „ich müßte Dir jetzt ver- muthlich dankbar fein, daß Du mich nicht der Polizei ausgeliefert hast?"
theil. Prinz Albrecht war vom Kaiser ausdrücklich mit seiner Stellvertretung beauftragt worden.
h Ein vertraukiches Mundfchreiven des Gisen- öahnminigers an die Eisenbahndirektionspräsidenten wird im „Vorwärts" veröffentlicht. In demselben ersucht der Minister die Präsidenten mit Rücksicht darauf, daß anläßlich der jüngsten Eisenbahnunfälle in der Presse gegen die Eisenbahnverwaltung falsche Anschuldigungen erhoben worden seien, durch welche das Publikum, wofern dieselben nicht sachgemäß zurückgewiesen würden, beunruhigt werde, für den Bereich ihres Bezirkes in allen Fällen, wo durch die Presse den thatsächlichen Verhältnissen nicht entsprechende Miltheilnngen gebracht oder Angriffe aus die Verwaltung gemacht werden, diese sofort durch geeignete Entgegnung richtig zu stellen, sofern Richtung und Bedeutung der betreffenden Zeitung eine solche Maßnabme angezeigt erscheinen lassen.
h Die Berliner Iormer hielten am Dienstag zwei Versammlungen ab. In beiden wurde beschlossen, das Anerbieten des Gewerbegerichts, im Streik zu vermitteln, anzunehmen. Gegenüber der Borsig'schen Erklärung erklärten die Referenten, die Borsig'schen Arbeiter hätten nochmals festgestellt, daß sie keine Erhöhung des Lohnes forderten, sondern nur für eine Mehrarbeit einen Lohnaufschlag wünschten. Die Zahl der Streikenden beträgt nunmehr 734; davon sind verheiralhet 609 Arbeiter, die zusammen etwa 700 Kinder haben. 107 Arbeiter fertigen noch Borsig'sche Arbeit an. Der Streik umfaßt jetzt 26 Gießereien. Für die Verhandlungen vor dem Gewerbegericht haben sowohl die Arbeitgeber wie theilweise auch die Arbeitnehmer bereits ihre Vertreter gewählt.
* Das Margarinegesetz, ober wie der offizielle Titel lautet, das Gesetz, betreffend den Verkehr mit Butter, Käse, Schmalz und deren Ersatzmitteln, vom 15. Juni 1897 tritt, mit Ausnahme der Bestimmungen des § 4 über die getrennten Verkaufsräume, am 1. Oktober b. Js. in Kraft. § 5 bieses Gesetzes bestimmt, baß in öffentlichen Angeboten, sowie in Schlußscheinen, Rechnungen, Frachtbriefen, Canosse- menten, Lagerscheinen, Ladescheinen und sonstigen im Handelsverkehr üblichen Schriftstücken, welche sich aus die Lieferung von Margarine, Margarinekäse ober Kunstspeifefett beziehen, die im Gesetze vorgeschriebenen Waarenbezeichnungen angewendet werben müssen. Demgemäß ist von bem genannten Zeitpunkt ab nicht mehr zulässig, baß bem Schweineschmalz ähnliche Zubereitungen, bereu Fettgehalt nicht ausschließlich aus Schweinefett besteht, unter ber bisher vielfach auch für bie Kunstspeisefette noch üblichen Bezeichnung: Schweineschmalz ober begleichen, in ben Verkehr gebracht werben; für sie ist vielmehr nur die Bezeichnung „Kunstspeisefett" anzuwenden. Die Geschäftsräume und sonstigen Verkaufsstellen, einschließlich der Marktstänbe, in benen Margarine, Margarinekäse ober Kunstspeisefett gewerbsmäßig verkauft ober feil-
„Du weißt recht gut," antwortete sie, „daß ich Alles thun werde, was zu Deiner Rettung dienen kann.
„So, dann handle auch demgemäß und vergiß vor Allem nicht das Geld. Wenn sie mich diesmal erwischen, bann heißt es: „Baumeln"!"
Die arme Frau stieß einen leisen Schrei aus und stützte sich gegen die Wand.
„Wie?" stammelte sie, „Du hast doch nicht . ." „Ja, ich glaube, baß ich beim Ausbrechen Einem ben Garaus gemacht habe," antwortete ber Verbrecher mit herbem Lachen. Dann öffnete er bie Thür unb trat in den strömenden Regen hinaus.
Mary Goddard lauschte den sich mehr und mehr entfernenden Schritten, dann brach sie in ohnmächtiger Verzweiflung zusammen.
Er hatte fein Weib betrogen, er hatte bie Ehre verloren, er war ein Fälscher unb ein Dieb gewesen, und jetzt hatte er all diesen Unthaten auch noch die des Mordes hinzugefügt! Das war zu viel. Jetzt war er erst einen Steinwurf weit vom Haufe entfernt — einen Augenblick vorher war er noch bei ihr gewesen — dort im Eßzimmer, ihr gegenüber sitzend, wie in den Jahren der Ehre unb Rechtschaffenheit ! Es war ihr gelungen, ruhig zu bleiben, so lange seine erschreckende Gegenwart sie in die Noch»