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JS 222

Dienstag, den 28. September 1897

2t Jahrgang

«ldakrWZtitililg

_________Mit Unterhaltungs-Keilagr „Sterne und Kiumen".

Erscheint tLglich, Sonn- und Feiettag« atUgtnonnntn — NierteljShrlicher «banne mentSvrei S ohne «rmgerlohn und Bestellgeld m FnLa und cetetatt 1 Stert 60 Warna Inserate kosten die einspaltige Sarmondzeile oder bereit Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

][ Die Eisenbahnunsälle.

Daß die zahlreichen Unfälle auf den Linien der Preußischen Staalseisenbahnen während der jüngsten Zeit auf ein verfehltes Sparsystem zurückzu­führen fei, wird in entschiedenem Tone in einer lanaen Darlegung bestritten, die der,Reichs- und Staats- Anzeiger' in seiner Montagnummer bringt.

Zum Beweise für diese Behauptung wird zunächst >auf die Wirthschafts-Ordnung verwiesen, die bei der Neuordnung der Verwaltung am 1. April 1895 den Direktionen der Staatsbahnen in Preußen gegeben wurde. Es heißt darin: „ . . Die Unter­lassung von Ausgaben an der Stelle, wo durch eine ^rechtzeitige Instandsetzung nicht blos größere Aus­gaben, sondern oft auch Gefahren für Leib und Leben abgewendet werden können, ist geradezu unwirthschaft- kich und einer Staatsverwaltung nicht würdig zu be­zeichnen."

Das ist nun ohne Zweifel sehr schön verordnet. 'Aber in der Praxis kommt es bekanmlich vor allen Dingen darauf an, ob die einzelnen Verordnungen auch in zweckentsprechender Weise durchgeführt worden sind. Dies soll zum großen Theil die Angabe beweisen, daß auf den schon im Jahre 1892 dem Betriebe übergebenen Strecken heute über 15,000 Be­dienstete im äußeren Betriebe mehr beschäftigt werden als im Jahre 1892. Das ist gewiß eine stattliche Zahl. Aber der Verkehr ist auch in dieser Zeit seit 1892 ungemein gewachsen, und mit ihm die Ansprüche, die er an das Bahnpersonal stellt. Es bleibt also noch immer die Hauptsache zu beweisen, nämlich daß das Personal entsprechend dem riesigenWachs- thume des Verkehrs vermehrt, und auch durch entsprechend ausgebildete Kräfte vermehrt worden ist. Sehr viele mit einander übereinstimmende Angaben in der Presse lassen gerade dies als zweifelhaft erscheinen.

Wie berichtet, ist von der Leitung der preußischen 'Staatsbahnen eine besondere Kommission ein­gesetzt worden, die Untersuchungen anstellen soll über die neuen Eisenbahnunfälle und über deren muth- maßliche Ursachen. Diese Kommission besteht, wie nunmehr mitgetheilt wird, aus 4 bautechnischen und 2 maschinentechnischen und 2 Verwaltungsbeamten. Diese Kommission soll eingehend prüfen die Zahl, Inanspruchnahme, Beaufsichtigung des P e r s o n a l s auf einer großen Anzahl von Stationen, namentlich an den schwierigen Verkehrspunkten. Außer­dem unterliegen ja, wie stets, die einzelnen Bahn- ,'Unfälle gerichtlichen Untersuchungen. Wenn nun alle -diese Untersuchungen beendet sein werden, so soll das !ganze Ermittelungs-Material in einer Denkschrift zur öffentlichen Kenntniß gebracht werden.

Schließlich wird ausgeführt, daß der Oberbau bei den preußischen Staatseisenbahnen ein vorzüg­licher ist, der den Vergleich mit keiner andern Bahn zu scheuen hat. Das ist richtig, und das ist auch von

Verfolgt.

-DemEnglischen von Marion Crawford nacherzählt von Cora von Schönburg.

-10 ------ (Nachdruck verboten.)

. „Ich nicht, Herr Juxon," korrigirte die Kleine gereizt.

„Natürlich Herr Juxon, und das Schiff war der „Zephyr"."

„Ja, der „Zephyr", wiederholte Nellie, rasch zu­frieden gestellt. „Er sagte, es fei um Weihnachten gewesen — aber das ist in den südlichen Ländern ja die warme Jahreszeit," erklärte sie, stolz auf ihre Kenntnisse. „Es war also'schönes Wetter und Herr Juxon ging auf dem Deck auf und ab und rauchte eine .Cigarre —"

„Aber er raucht doch sonst nie," warf die Mutter ein, um Nellie von ihrer Aufmerksamkeit zu überzeugen.

„Damals muß er es jedenfalls gethan haben, denn er erzählte es selbst," entgegnete Nellie, ohne sich aus der Fassung bringen zu lassen. „Und wie er da um« her ging, da sah er plötzlich etwas ganz Merkwürdiges in der Nähe des Schiffes. Das Wunderbarste, was er je gesehen hatte."

„War es ein Walfisch?" fragte ihre Mutter etwas abwesend.

keiner Seite bisher in Zweifel gezogen worden. Aber um so weniger dürften also gerade auf den preußi­schen Staatsbahnen Unfälle vorkommen, wenn die hinreichende Anzahl von Beamten und Bediensteten im äußern Dienste angestellt wird, damit die Leute nicht überangestrengt und dadurch unfähig werden dazu, ihren Dienst ganz pünktlich zu versehen, und wenn geeignete Leute dazu ausgesucht und diese auch in geeigneter Weise dazu vorgebildet werden.

Ueber diese Punkte wird hoffentlich die ange­kündigte Denkschrift alsdann genügendes Licht ver­breitern________________

Deutsches Deich.

Berlin, 27. September.

* Es gilt nunmehr als sicher, daß sich der Kaiser mit der Kaiserin und den beiden ältesten Prinzen in Begleitung des Hofpredigers Dryander gegen Ende April n. I. nach Jerusalem begeben wird, um bei ber Einweihung der auf dem ehemaligen Johanniter­platze erbauten Kirche, die Johanniskirche getauft werden soll, zugegen zu fein. Ob das Kaiferpaar auch einen Besuch beim Sultan machen wird, ist noch unbekannt.

* Geehrt wie Niemand sonst, gekrönte Häupter ausgenommen, wird vom Kaiser und von der Berliner Regierung Kürst Mismarck und sein Haus. Ueber die vielen Ehrenbezeugungen, die ihnen aus Anlaß des Stapellaufes des neuen Panzerkreuzers „Fürst Bismarck" durch die Regierung und durch die Verwaltung der Marine bereitet wurden, haben wir berichtet. Jetzt wird amtlich noch mit­getheilt, daß auch der Kaiser selbst am Tage des Stapellaufes des Fürsten Bismarck gedacht hat. Wie der ,Reichsanzeiger' mittheilt, hat der Kaiser am letzten Sonnabend an den Fürsten Bismarck das nach­folgende Telegramm gerichtet:

„Von Herzen wünsche ich Eurer Durchlaucht Glück zu dem Stapellaufe meines Panzerkreuzers „Fürst Bismarck" und freue mich, dadurch für alle Zeiten Eurer Durchlaucht Namen mit meiner Flotte in.engster Beziebung zu wissen. Sie wird um so stolzer sein, als es der erste große Panzer­kreuzer ist, welcher bei uns gebaut ist. Ein Modell des­selben wird Admiral Tirpitz Eurer Durchlaucht in meinem Auftrage überreichen."

Fürst Bismarck bedankte sich durch folgende Draht- antroort:

„Eure Majestät bitte ich allerunterthänigst, für die Aus­zeichnung, die mir durch die Taufe des Kreuzers Eurer Majestät zu Theil geworden ist, meinen ehrfurchtsvollen Dank in Gnaden entgegenzunehmen. Gleichzeitig danke ich in Ehrfurcht für das soeben eingelaufene allerhöchste Tele­gramm, durch dessen Inhalt die Ehre, die Eure Majestät meinem Namen in allerhöchstderen Flotte gewährt haben, wesentlich erhöht wird."

Die Tonart dieser Depeschen erinnert durch ihre Liebenswürdigkeit von der einen und durch ihre Ehr­furcht von der andern Seite beinahe an die erste Zeit der Regierung Kaiser Wilhelms des Zweiten, als der Reichskanzler Fürst Bismarck dem Kaiser bei Eröffnung des Reichstages die Hand küßte. Ob

„Ein Walfisch, Mama!" wiederholte Nellie ver­ächtlich, „als ob Herr Juxon nicht Billionen von Walfischen gesehen hätte! Nein, es war etwas ganz Sonderbares, mit grünen und blauen Schuppen und dabei tausendmal so groß wie das Schiff! — Was war das?"

Nellie war emporgeschreckt und blickte nach dem Fenster. Ihre Mutter war todtenbleich und klammerte sich an die Lehne des Sessels.

„Mama, Jemand hat an's Fenster geklopft," sagte Nellie athemlos, „und bann rief es ganz deutlich: „Mary!" O, Mama, wer mag bas fein?"

„ Mary ?" wiederholte Frau Goddard wie im Traume.

„Ja,, Mama, es rief ganz laut. Vielleicht war es Mary's Bräuttgam, er besucht sie manchmal des Abends."

„Mary's Bräutigam, Kind? Die Frau athmete etwas erleichtert auf. Ihre Köchin hatte denselben Vornamen wie sie; so lag der Gedanke sehr nahe.

„Ja, Mama, Du weißt doch, der Postmann mit dem scheckigen Pferde." Die Erklärung war nöthig, )a Frau Goddard fo selten Briese erhielt, daß sie den Postboten kaum von Angesicht kannte.

„Zu so später Stunde!" rief sie. „Das ist doch zu arg. Mary ist überhaupt schon zu Bett."

„Er hat gewiß gedacht, wir jpgreg jm Pfarrhause

' die thatfächlichen Verhältnisse dem Tone entsprechen' wissen wir nicht. Aber ein Zweifel daran wird ge­stattet sein.

* Ueber die ^cnftonürmtg eines Beamten des AürKe» Aismarch wird geschrieben: Vor einiger Zeit ging die Nachricht durch die Blätter, der in den weitesten Kreisen bekannte und seinerzeit Dieb genannte Oberförster Lange, der bisherige General- Bev-Allmächtigte des Fürsten Bismarck in Fried- richsrshe, werde zum 1. Oktober ds. Js. in den Ruhestand treten, und man nahm an. Lange habe seine Pensionirung selber nachgesucht. Dies ist aber — wie man der berliner Volkszeitung' aus Hamburg mittheilt — keineswegs der Fall, vielmehr hat der Fürst Bismarck Herrn Lange eröffnet, daß er ihn zum 1. Oktober pensioniren werde, wobei er sich auf jene Bestimmung des Gesetzes gestützt haben soll, wonach der Beamte, wenn er 65> Jahre alt ge­worden ift, ohne weiteres in den Ruhestand versetzt werden kann. Da diese Bestimmung bei einem Privctt- verhältniß nicht in Anwendung kommen kann, besonders dann, wenn der Beamte lebenslänglich mit einem bestimmten Einkommen angestellt war, wie der Ober­förster Lange, so dürste kein Zweifel obwalten darüber, daß unter solchen Umständen, wie sie hier vorliegen, bei der lebenslänglich zugesicherten Anstellung der Beamte Anspruch darauf hat, sein ganzes Ein­kommen als Pension zu beziehen. Einen solchen Anspruch soll aber der Oberförster Lange, der vom Fürsten Bismarck gelegentlich seiner Kündigung zu­gleich aufgefvrdert wurde, seine Pensionsansprüche ihm mitzutheilen, gar nicht erhoben haben. Vielmehr hat er dieselben lediglich nach seinen Dienstjahren ent­sprechend den Bestimmungen des Pensionsgesetzes berechnet.. Wie man sich nun ferner erzählt, soll der Fürst Bismarck sich weigern, die Pension in der berechneten Höhe zu gewähren, vielmehr soll er einen Abstrich von 1500 Mk. machen wollen, so daß der Oberförster Lange am Ende sich die ihm seiner Meinung nach zustehende Pension wohl noch wird erflogen müssen, nachdem er dem Fürsten so lange Jahre in aller Treue gedient hat.

st Recht niedlich liest sich eine Enthüllung des ,Hamb. Korrespondenten'. Die,Hamb. Nachrichten' hatten für die kommenden Wahlen einen Kampf der Lienen gegen die Drohne« empfohlen, und ein sehr großer Theil unserer gesummten deutschen Presse beschäftigt sich in dieser etwas stoffarmen Zeit mit Bienenfleiß mit diesem Schlachtrufe, weil man annahm, daß der Schlachtruf aus dem S a ch.se n w a l d her erschallt sei. Dies trifft aber augenscheinlich nicht zu. Wie der ,Harnb. Korresp.' mittheilt, ist der Rufer zur Schlacht nicht Fürst Bismarck, sondern ein Hamburger Chokolad enfabrikantz Auch in einem Chokoladen-Fachblatt begegnet man demselben Kampfesruse. Hoffentlich lindert diese Enthüllung ein wenig die Aufregung, die über das Bienen- und Drohnen-Motto entstanden ist.

und Mary säße hier im Zimmer, um auf uns zu warten," erklärte Nellie sehr vernünftig. Aber nicht wahr, er kann doch jetzt nicht hereinkommen?"

„Gewiß nicht," entgegnete ihre Mutter. „Aber Du thätest besser, jetzt zu Bett zu gehen, es ist schon halb 10 Uhr." Sie sprach undeutlich, beinahe mit schwerer Zunge. Nellie aber schenkte ihrer Aufforderung keine Beachtung.

„O, noch nicht," widersprach sie. „Die Geschichte von der Seefchlange ist noch nicht halb zu Ende. Höre nur zu,-Mama, so etwas Schönes hast Du nie ge­hört. Sie war also ganz mit blauen und grünen Schuppen bedeckt und bann rollte — rollte — rollte sie immer näher, bis sie schließlich an das Schiff an- schlug und Herr Juxon von der Erschütterung auf den Rücken siel.

„So," klang es mechanisch von den Lippen der Mutter, als das Kind eine Pause machte.

„Erschreckst Du Dich denn gar nicht darüber!" rief Nellie, empört, so wenig Eindruck zu machen, „denke Dir nur, er fiel auf seinen Rücken und that sich dabei schrecklich weh."

„Wie traurig," sagte die Mutter. „Und hat er denn nachher die Schlange gefangen?"

„Die Seefchlange gefangen! Aber, Mama, Du weißt doch, daß noch Niemand die Seefchlange fangen