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Montag, den 27. September 1897.

24. Jahrgang

illdaerMZeitiiiig

mit Unterhaltung» KMage „Sterne «nd Klnmen«.

Erscheint täglich Sonn- und Feiettage ausgenommen. - Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig __________Inserate kosten die emspalttge Karmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. 9'

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Zweites Klatt. Wh

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4. Hnartal

wolle man sofort machen, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt.

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Die ,Fuldaer Zeitung", welche, wie von unseren Lesern freundlichst anerkannt wird, sich stets erfolgreich bemüht hat, ihren Inhalt stetig zu verbessern und zu erweitern, wird auch ferner nach Kräften bestrebt sein, ihren Lesern ein getreues Spiegelbild der Weltbegeben­heiten zu bieten.

Die ,Fuldaer Zeitung' behandelt die neuesten Tagesfragen m allgemein verständlicher Weise. Die politischen Nachrichten sind kurz und übersichtlich zusammengestellt, den lokalen und provinziellen Vorkommnissen wird große Sorgfalt gewidmet, und auf em spannendes, sittlich reines Feuilleton besonders Gewicht gelegt. Zahlreiche zuverlässige Mitarbeiter in Berlin sowie in der Provinz setzen uns in den Stand, über alle wichtigen Er­eignisse bedeutend früher zu berichten, als die anderen Blätter.

Erfolgt die Bestellung auf die ,Fuldaer Zeitung' erst 'n den letzten zwei Tagen des laufenden Monats oder nach Beginn der Bezugszeit, so werden die vor Erledigung der Be­stellung bereits erschienenen Nummern, so weit solche überhaupt noch zu beschaffen sind, nur auf ausdrückliches Verlangen und gegen erne Gebühr von 10 Pfg. für das von der Poft zu er- lassende Bestellschreiben nachgeliefert. Außer den Poftanstalten ist auch jeder Landbriefträger verpflichtet, Bestellungen auf unsere Zeitung anzunehmen.

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Redaktion und Verlag der ,Fuldaer Zeitung*.

Hk Der Flottenplan des Herrn Tirpitz wird jetzt zur Beruhigung besorgter Gemüther in der ,Kölnischen Ztg.' entwickelt. Wie alle bisherigen Pläne, mochten sie noch so sehr wechseln, sich als „einfache Ausführung eines früheren Planes" auf­spielten, so auch dieser. Er will die Flotte auf Grund des Admirals Slosch „zeitgemäß rekonstruiren". Der Plan, der in der „Niederschrift" des Herrn Holl­man n auftrat, wollte nur die Ausführung des Flotten­gründungsplanes von 1867 fein. Jetzt wird Herr Hollmann, der doch mit den Freunden der „uferlosen Flottenpläne" seine schwere Kämpfe zu bestehen hatte, fast als Vertreter dieser „übertriebenen Wünsche" und Herr Tirpitz als Mann der „Mäßigung" hingestellt.

Nach dem Plane des Herrn Hollmann sollten in den 4 Jahren von 1897/98 bis 1900/1 237 985 000 Mark für neue Schiffe verwendet werden. Nach dem Plane des Herrn Tirpitz dagegen sollen in den nächsten Jahren bis 1905 jährlich im Durchschnitt „nid): wesentlich über die diesjährigen Forder­ungen hinaus geh ende Summen" verlangtwerden. Gefordert waren im Etat für 1897/98 47 068 000 Mk. für neue Schiffe, von denen aber nur 41895 000 Mk. bewilligt wurden. Nach dem Tirpitz'scheu Plane sollen die Forderungen im ersten Jahre 50 Millionen nicht übersteigen ; das sind immerhin schon 3 Millionen mehr als in diesem Jahre gefordert, und über 8 Mill, mehr als bewilligt wurden. In den folgenden Jahren soll sich der Betrag gar auf „etwas mehr als 60 Millionen" belaufen. Wo wird da der „Durchschnitt" dieses Jahres bleiben? Verglichen mit dem Holl- mann'schen Plane würden bis 1900/1 nach dem neuen Plane mindestens ebenso große Summen verwenden werden und überdies kämen noch 4 weitere Jahre mi je „etwas mehr" als 60 Millionen dahinter. Und da preist man uns den neuen Plan als „mäßig" an.

Wie lange wird der neue Plan wohl gelten? Ein halbes Jahr ist es her, seit uns erklärt wurde, die ganze Reichsregierung stehe auf dem Standpunkte Hollmanns. Heute ist dieser schon veraltet. Die ,Köln. Ztg.' selbst gesteht — und wenn sie geleugnet: hätte, hätte es ihr niemand geglaubt —, daß die Fach­männer nicht einig sind, und daß es eine sehr schwierige Aufgabe war für den neuen Staats­sekretär, „die übertriebenen Wünsche bestimmter Kreife einzudämmen". Diese schwierige Aufgabe hat der Vorgänger des Herrn Tirpitz ebenfalls gelöst; es kommt nur darauf an, wie lange eine solche „Lösung" vorhält, ob nicht die eingedämmten, „übertriebenen Wünsche bestimmter Kreise" die Dämme nächstens wieder durchbrechen. Irgendwelche Gewähr kann der Staats­sekretär natürlich nicht geben.

Vorläufig soll wieder „Einheitlichkeit int Schiffs typ" das Entscheidende bei unserer Flotte fein. Auf diese Einheitlichkeit ist der neue Plan zu- geschnitten. Man darf überzeugt fein, daß ehe er ausgeführt wäre, s chon wieder andereAnschanungen unter den Technikern und Marineleuten Platz gegriffen hätten. Einmal waren große Panzerschiffe bei uns das Ideal, dann Kreuzer, dann wieder Panzer oder beides. Die „Typen" wechseln so häufig, daß ein Typ schon wieder veraltet ist, ehe das danach in Angriff genommene Schiff fertig ist. Verschiedene Typs, die im ersten Flottenplan auftraten, sind über­haupt gar nicht verwirklicht worden. Deshalb muß man auch Zweifel hegen, ob die Idee der „Einheit­lichkeit des Typs" und ob der „Einheitstyp", der jetzt gewählt ist, lange herrschend sein wird. Wir sagen nicht, daß wir alle Fortschritte in der Schiffs­baukunst nicht mitmachen sollen, wir meinen nur, daß auf.alle vorgeblich für Jahre festliegende Pläne erfahrungsgemäß gar nichts zu geben ist.

Im einzelnen können wir uns nicht über Pläne und Forderungen äußern, die wir nicht näher kennen. Mag Herr Tirpitz seinen Plan auch mit Herrn v. Miquel für 7 Jahre vereinbart haben, so glauben wir doch nicht, daß der Reichstag von seinem bis­herigen Standpunkte abgehen wird. Er hat die Pläne des Herrn Hollmann abgelehnt und wird das Marine- Septennat seines Nachfolgers wohl auch nicht annehmen.

Das A und O bei solchen „Plänen" ist jetzt immer: wir seien in der Entwicklung unserer Flotte zurückgeblieben und hätten Versäumtes nachzu- holen. Damit gedenkt man die hohen Forderungen mundgerechter zu machen, als es mit der Begründung geschehen kann: wir müßten eine Flotte erstenRauges haben wie etwa die Frankreichs, einen Hinweis, den die ,Köln. Ztg.' jetzt ausdrücklich abweist. Aber gar o schläfrig sind wir denn doch nicht gewesen. Am letzten Sonnabend ist das 3 3. Kriegsschiff unter Kaifer Wilhelm II. vom Stapel gelaufen. Seit 1888 wurden 6 Panzer '. Klaffe, 8 Panzer V. Klasse, 1 Panzerkreuzer I. Klasse, 4 Kreuzer II. Klasse, 1 Kreuzer III. Klasse, 7 Kreuzer IV. Klasse, 4 Avisos, 1 kaiserliche Yacht, 1 armirter Transport­dampfer fertig; überdies 47 Trajektboote und 6 Torpedo­divisionsboote. In diesem Jahre sind allein schon 5 neue Schiffe vom Stapel gelaffen worden, die nach dem ursprünglichen Plane zum Theil erst ein paar

Jahre später fertig werden sollten. Eine Anzahl weiterer Schiffe sind im Bau begriffen, darunter das in diesem Jahre bewilligte Panzerschiff, das 20 Mill. Mk. kosten soll. Im Ganzen sind in den 9 Jahren seit der Thronbesteigung des jetzigen Kaisers 310 Wilk. Wk. für Schiffe öewiMgl worden, das ist beinahe dreimal so viel, als der erste Flottengrün­dungsplan für 10 Jahre in Aussicht nahm. Darauf muß man doch immer wieder Hinweisen, wenn uns die neuen Pläne als mäßig angepriesen und unsere jetzigen Flottenverhältnisse als trostlos hingestellt werden.

Verfolgt.

Dem Englischen von Marion Crawford nacherzählt von Cora von Schönburg.

9 ------ (Nachdruck verboten.)

Der Gutsherr hatte ihr ruhig, aber mit sichtbarer Bewegung zugehört. „Weiß Nellie von alledem?" fragte er zögernd.

„Nein, sie hält ihn für tobt," schluchzte bie arme Frau.

„Trösten Sie sich, meine liebe Freunbin," sagte der Gutsherr, inbem er beschwichtigend die Hand auf ihren Arm legte; „ich kann Ihnen nicht fagen, wie leid es mir thut, diese Wunde berührt zu haben."

„Und Sie nennen mich wirklich noch Ihre Freun­din?" fragte sie mit thränenerstickter Stimme.

„Gewiß thue ich das," bestätigte er.

Die junge Frau ließ die das Gesicht verbergenden Hände herabsinken und blickt durch die niederrinnen- ben Thränen in bie Feuersglulh.

„Sie haben ebel ünb recht gehandelt," fuhr der Gutsherr etwas unsicher fort. „Doch ich will Sie jetzt verlaffen. Sie bedürfen der Ruhe — meinen Sie nicht auch?"

„Ja, es ist besser," gab sie, den Blick noch immer auf die Flammen gerichtet, zu. „Sie wissen jetzt Alles," fügte sie mit schmerzlichem Bedauern hinzu.

Juxon erhob sich. „Ich hoffe, daß die Erinne­rung an den heutigen Tag nie unsere Freundschaft beeinträchtigen wird," sagte er.

Die Fran blickte dankbar zu ihm auf und sagte sanft: „Wie gut Sie sind!"

„Gar nicht, durchaus nicht — ich möchte nur Ihr Freund bleiben. Adieu — Gott segne Sie!" Er­drückte ihre Hand und eilte aus dem Zimmer.

Einen Augenblick später sah man ihn den Fahr­weg entlang eilen. Stambul freute sich der langen Haft entronnen zu fein und sprang in wilden Sätzen vor ihm her.

Juxon war kein Idealist. Er war ein biederer, rechtlicher Mann, der die Welt und in ihr gar mancher­lei Gefahren unb vielerlei Serben kennen gelernt hatte. Er war freunblich unb edel von Herzen und ebenso be­fähigt, warm für Andere zu fühlen, wie eigenen Schmerz zu empfinden. Seine Natur war in der That empfindsamer, als er es selbst zugegeben haben würde, und dieser denkwürdige Tag hatte ihm mehr Aufregung gekostet, als viele der vorhergegangenen Jahre zusammengenommen.

5. Kapitel.

Nelli sand ihre Mutter sehr elend, als sie vom Pfarrhause zurückkehrte. Dunkle Ringe zogen sich um ihre Augen, das Gesicht war von Thränen durchfurcht und die weichen Wellen ihres braunen Haares zeigten nichts von der gewöhnlichen Ordnung und Nettigkeit. Das Kind hatte dieses Alles mit dem Scharfblicke der Jugend bemerkt, aber sie schob es auf eine Verstärk­ung von Kopfschmerzen Frau Goddard ließ diesen Grund auch gerne gelten, und am folgenden Tage hatte Nelli Alles darüber vergessen. Ihre Mutter aber überwand den ausgehaltenen Stoß nicht so chnell, und sie brauchte lange, ehe sie sich von der Unterredung mit dem Gutsherr erholt hatte.

Der Gutsherr erschien am folgenden Tage nicht zu dem üblichen Besuche, doch fchickte er ein Packet Bücher unb einige Orchideen aus feinen Treibhäusern. Er hielt es für das Beste, sie einige Tage sich selbst zu überlassen. Sein Anblick selbst mußte ihr fchon peinlich fein, und auch ihm graute vor dem ersten Wiedersehen. Er brachte den ganzen Tag bei seinen Büchern in der Bibliothek zu und kam sich, obwohl