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221 Montag, den 27. September 1897 21. Jahrgang

Fulda er WZkitliilg

mit Urrterhaltungs-Keilage „Sterne und Bturnen".

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher AbonnementSpreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld in FuLa und auSwtrtt 1 Marl 50 Inserate kosten die emspaltige «armondzeile oder deren Raum 15 »s.. Reklamen die Petitzcile 25 Ps., bei Wiederholungen entsprecheuder Rabatt.

Die katholische Presse.

Der rühmlichst bekannte Sozialpolitiker Professor -Hitze sprach auf dem praktisch-sozialen Kurse zu Bam­berg folgende beherzigenswerthe Worte über die Presse: „Das erste, was unserer katholischen Presse noch thut, ist eine wirksame Unterstützung von Seiten des katholischen Volkes. Welch schöne Erfolge könnten erzielt werden, wenn die Katholiken ihre Presse in dem Maße unterstützen würden, in welchem manche dieselben abfällig beurtheilen.....Anstakt das

eigene Organ, dem bei den Wahlen alles in die Schuhe geschoben wird, wenn es schief geht, durch Abonnement und Inserate leistungsfähiger zu machen, schleppt man das Geld zum Gegner und bezahlt ihn noch dafür, daß er uns schlecht macht. Die katholische Presse müssen wir also unterstützen, die stets mit den größten Opfern und uneigennützig für die gute Sache eingetreten ist und eintritt. Steht einmal ein Artikel in unserer Zeitung, der uns per­sönlich nicht gerade gefällt, oder scheint es uns einmal, als ob der Redakteur daneben gehauen habe: nun, so sollte man nicht gleich mit Feuer und Schwert, Entziehung der Korrespondenzen rc. gegen den Un­glücklichen zu Felde ziehen, sondern denken, daß auch einmal einem Redakteur bei seinem schweren Berufe etwas unterschlüpfen kann, was er nachher vielleicht bitter beklagt. Deshalb resumiren wir schließlich: Unterstützt eure fresse, die ohnehin alles auf- vieket, um euch zufriede« zu stellen, avouuirt, iuserirt, nörgelt nicht an jedem Worte, bekennt euch zu eurer fresse; da«« wird sie bald noch mehr leiste« kö««e«, als sie jetzt schon leistet."

Diese Worte eines erfahrenen Mannes sollten die Katholiken, alle ohne Ausnahme, beherzigen und be­folgen. Darin können und müssen unsere Gesinnungs­genossen noch gar vieles von den Gegnern lernen. Liberale, Freisinnige, Sozialdemokraten, sie alle wissen die Bedeutung ihrer Presse zu würdigen, sie unter­stützen ihr Blatt und agitiren für dasselbe — selbst dann noch, wenn ihnen manches darin nicht gefällt. Die Katholiken dagegen zeigen vielfach wenig Interesse für ihre Zeitung, oder sie sind gar — gutmüthig genug, die Presse ihrer Gegner zu unterstützen. Zum Danke dafür müssen dann die Katholiken sich von der liberalen und farblosen Presse das Kompliment machen lassen, die Katholiken seien dümmer als der übrige Theil des Volkes.

Gerade in unseren Tagen aber, wo die inneren Verhältnisse unseres Landes so verwickelt und ver­worren sind, wie nur möglich, wo Niemand weiß, welche Ueberraschungen vielleicht schon die nächste Zukunft uns bringen wird, müssen wir Katholiken vor Allem auf der Hut sein: denn gegen das katho­lische Volk und seine politische Vertretung, gegen das Centrum richtet, sich der Angriff von allen Seiten; deshalb ist, es Pflicht jedes Katho­liken, frett zur Jahne des Kentrnms zu halten und die Centrumspresse im Kampfe gegen die Gegner zu unterstützen. Nur derjenige kann sich mit dem wirklichen Gang der Dinge vertraut machen, der täglich eine entschiede« politische Zeitung liest, nicht ein Blatt, das es Allen recht machen, nicht ein Blatt, das vorgibt, färb- oder parteilos zu sein und dabei die Männer zu urtheilslosen Windfahnen macht, den Frauen und Kindern aber mit seichten Feuilletons

' und sensationellen Mordgeschichten und sogen, „pikanten" Anekdoten den gesunden Sinn verdirbt, sondern eine Zeitung, welche offen und frei die christliche« Grnnd - sätze auch im öffentlichen Leben vertritt und gleich­zeitig für die berechtigten Forderungen der christ­lichen Berufsstände, der Geschäfts- und Gewerbtreibenden, der unter schwerem Druck leidenden Handwerker und Landwirthschaft, sowie nicht minder für das Wohl der Arbeiter eintritt.

Ein solches Blatt zu sein und immer weiter aus­zubilden, war stets unser Bestreben, und daß wir dabei von den Sympathieen der weitesten Kreise be­gleitet waren, beweist die stetig wachsende Zahl unserer Leser.

Auch im kommenden Quartal werden uns, wie wir zuversichtlich hoffen, nicht nur unsere alten Freunde treu bleiben, sondern auch noch recht viele neue dazu kommen. Wir unsererseits werden nicht er­mangeln, die Zeitung immer reichhaltiger zu gestalten und nach allen Richtungen hin zu vervollkommnen. Jnbesondere werden wir unsere Zeitung im Laufe des nächsten Quartals bedeutend vergrößern, natürlich ohne dabei den Preis zu er­höhen. (Aus technischen Gründen kann diese Ver­größerung des Formates noch nicht beim Beginn des neuen Quartals eintreten; diesem Umstande werden wir durch häufige Ausgabe von Doppelnummern und Beilagen Rechnung tragen.) Um mit der Vergröße­rung des Blattes zugleich auch den Inhalt immer mehr zu vervollkommnen, haben wir zahlreiche neue Mitarbeiter sowohl in Berlin als auch in den verschiedenen Orten der Diözese Fulda angeworben.

Mögen unsere Freunde und Leser uns in dem Bestreben, die .Fuldaer Zeitung' nach jeder Richtung hin zu heben, nach Kräften unterstützen!

Deutsches Deich.

Berlin, 24. September.

* Das Staatsministerium hat sich, wie jetzt offiziös bestätigt wird, in seiner letzten Sitzung für eine weitere staatlicheUnterstützung derUeber- schwemmten schlüssig gemacht. Es wurde u. A. heschlossen, zur Befriedigung des dringendsten Be­dürfnisses einen ferneren Betrag von 1 Mill. Mark aus Staatsmitteln sofort flüssig zu machen. Wegen weiterer Bewilligung aus Staatsmitteln ist die end- giltige Beschlußfassung vorbehalten, bis die dem Ab­schluß nahen Verhandlungen eine genaue Uebersicht über den entstandenen Schaden und das noch vor­handene Bedürfniß ermöglichen werden. In einer Audienz hat der Landesdircktor der Provinz Schlesien, v. Röder, dem Minister Dr. v. Miquel eine ausführ­liche Darlegung über die Nothlage in der Provinz gegeben.

* Den Schwarzen Adkerorden haben, wie der ,Reichsanz.' meldet, erhalten der russische Kriegsminister und der General der Kavallerie Graf Mussing- Puschkin.

* Die Bestimmungen über die Verleihung der Krinnernugsrnedaitke an die Veteranen von 1864, 1866, 1870/71 werden im,Reichsanz.' publizirt.

h. In einem Artikel mit der Ueberschrift „Me- giernvg und wäscht auch das Organ des

Bundes der Landwirthe, die ,Deutsche Tageszeitung', der bestehenden offiziösen Presse nachdrücklichst den Kopf. Sie schreibt: „Wenn wir betonen, daß sie (die Regierung) Mittel und Wege finde, ihre An­schauungen in geeigneter Weise zur Kenntniß und Geltung zu bringen, so geschieht dies deshalb, weil wir sie (die Regierung) nicht ... für alle die Thor- heiten . . . verantwortlich machen möchten, die sicher auf ihr Konto geschrieben werden, wenn die Ver­hältnisse der offiziösen Presse nicht ganz und gründ­lich geändert werden..." So die.Tageszeitung'. Aber alle Thorheiten sammt und sonders werden wohl

doch nicht ganz allein die Erfindung der offiziösen Presse sein, sondern mitunter auch Regierungsmitglieder selbst zum Ursprünge haben!

* Die Zustände i« uuserem Kisenöahnwese« erhalten eine eigenartige Beleuchtung durch eine Zeugen­aussage im Prozeß Grütter. Der Lokomotivführer des Zuges, in welchem Grütter mißhandelt wurde, erklärt als Zeuge, daß er auf dem betreffenden Zuge gleichzeitig die Dienste des Zugführers und Schaffners habe versehen müssen. In seiner Abwesenheit bediente ein Heizer die Lokomotive. Da dieser aber mit der­selben nicht umzugehen weiß, hatte er die Anweisung, falls dem Lokomotivführer etwas passiere, den Zug zum Stillstand zu bringen und zu warten, bis Hilfe käme. Das sind aber wirklich erschreckliche Zustände! Den dreifachen Dienst hat der Zeuge öfters versehen müssen.

* Zur Frage der Uentaöikität von Unter- «ehmunge« i« unsereu Kolonien theilt die,Post' mit, daß die „Kamerun Land-Plantagen-Gesellschaft" jetzt in der Lage sei, ihren Aktionären eine Dividende zu zahlen. Dieselbe beträgt 6 pCt. Die ,Post' hofft, daß sie bald steigen werde und daß eine baldige Rentabilität anderer kolonialer Unternehmungen das deutsche Kapital veranlassen werde, weniger ängstlich vor Unternehmungen in den Kolonien zu sein.

* Gegen die zunehmende Dergnügnngsfucht richtet sich die Zuschrift eines Arztes an die ,Köln. Ztg.', der wir gern beipflichten: Vergnügungs- Vereine ohne Zahl haben alle Ortschaften, große und kleine, durchsetzt und werden in nicht zu langer Zeit die gesammte Heranwachsende Generation mit ihrem verderblichem Einflüsse durchtränkt und demoralisirt haben. Was nutzt die Auf­besserung der Löhne, auch die beste, wenn durch zahl­lose Veranstaltungen der Verdienst doch nur in Masse geradezu für die bedenklichsten minderwerthigsten Ge­tränke und für sinnlose, bis in den Tag hineindauernde, Körper, Geist und Sitten ruinirende Ballfestlichkeiten verschleudert wird? Ja, wenn noch das Geld zu besserem Lebensunterhalt verwendet würde! Nein, in den allermeisten Fällen wird das sauer verdiente Geld in friv ölst er Weise verjubelt. Und was nutzen die riesigen Auslagen und Bemühungen in den Volks­schulen zur Heranbildung eines strebsamen, charakter­festen Geschlechtes, wenn bald darauf in den gefähr­lichsten höheren Jugendjahren allerorts die verderb­lichste Gelegenheit in dem Vergnügungs - Trubel zur dauernden Einrichtung gemacht ist? Ueberaus traurig sind die Beobachtungen, die Einsender in den städti­schen Vororten und A'beiterkreisen machte. Wenn dort fast Sonntag für Sonntag spekulative Wirthe darauf aus sind, daß ein Fest das andere jage, und daß jedes so tief in die Nacht und in den Tag hinein­dauere, daß bei den bekannten Getränken die Köpfe bis zur Siedehitze erglüht sind, so lassen die Folgen für die Gesittung sich leicht berechnen. Daß nach einem Schützen- rc. Feste noch zwei oder mehr Tage Hunderte von Leuten in den Wirtschaften sitzen, die sich vor allen Gästen rühmen, schon vor Mittag 14 Glas Bier ge­trunken zu haben, ist nichts Ungewöhnliches. Und das sind Leute, deren Frauen und Kinder zu Hause nicht nur arge Noch, sondern von solchen Mustervätern auch noch die gröbsten Mißhandlungen zu leiden haben. Kurzum, wir sind im besten Zuge, daß unser sonst ausgezeichneter Volksschlag gänzlich demoralisirt und ein Pöbel schlimm st er Sorte herangezüchtet wird. Einer solchen großen nationalen Gefahr gegenüber darf man unter keinen Umständen länger unthätig zu­sehen. Hier steht Hohes und Werthvolles auf dem Spiele, hier handelt es sich um die große Masse un­seres guten, deutschen Volkes und um dessen moralische, physische und wirthschaftliche Rettung.

* Durch das neue Kaudelskammergesetz wird in Preußen bekanntlich eine andere Organisation derHandelskammern nöthig, deren Ausgestaltung die einzelnen Kammern durch ein zu erlassendes Statut festzulegen haben. Da bereits mit Beginn des nächsten Kalenderjahres die Organisation der Kammer durch­geführt sein muß und sämmtliche bisherigen Mitglieder neu zu wählen sind, wird insbe­sondere auf die Organisation des Wahlverfahrens und des Wahlsystems Werth gelegt. Wie die ,Post' hört, hat eine große Zahl von Handelskammern beschlossen, zunächst ein Statut auszuarbeiten, in dem namentlich