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220 Samstaff, den 25. September 1897 21. Jahrgang

FilldacrWZeitlliig

mit U«terhaltu«g»-Kellage „Sterne und Klumeu".

Erscheint tiglich, Sonn- »nd Feiertage anSgenonnnen. — Vierteljährlicher AbonnementSvreis ohne Bringerlohn nnd Bestellgeld in Fulda «ad auswärts 1 Mart 50 Liennia 3«s«rate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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Die ,Fuldaer Zeitung', welche, wie von unseren Lesern sreundlichst anerkannt wird, sich stets erfolgreich bemüht hat, ihren Inhalt stetig zu verbessern und zu erweitern, wird auch ferner nach Kräften bestrebt sein, ihren Lesern ein getreues Spiegelbild der Weltbegeben­heiten zu bieten.

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jC Spanien in Noth.

Den Spaniern geht es schlecht auf der Insel Cuba, und die Vereinigten Staaten von Nordamerika bemühen sich, für sich Nutzen zu ziehen aus den Verlegenheiten, in die Spanien durch das Ungeschick und Waffenunglück des Generals Weyler sich gestürzt sieht — das sind die bedauernswertben Folgen des Eigensinnes, mit dem die spanische Regierung an dem Oberkommando des Generals Weyler auf der Insel Cuba festgehalten hat, gegen die Rathschläge vieler Freunde und Sach­kenner, die längst eingesehen haben, daß gerade dieser Mann nicht der Rechte ist für die Lösung der sehr schwierigen Aufgaben, vor die Spanien auf der Insel Cuba gestellt ist. Schwer muß nun das arme Land Spanien büßen für diesen Eigensinn, mit dem seine Regierung besserer Einsicht zum Trotze festhält an niemals guten Regierungsgrundsätzen, die allen ge­rechten Forderungen der Cubaner sich verschließen und auf diese Weise die Empörung gegen ihre Herr­schaft auf der Insel selbst groß gezogen haben. Truppen auf Truppen mußte das Mutterland nach Cuba senden; Millionen und wieder Millionen kostet der Feldzug gegen die Aufständischen — und die Wirkung ist die, daß Spaniens Macht immer mehr erdrückt wird durch die Waffenerfolge der rebellischen Truppen und durch die Abneigung, die der Cubaner je länger desto eindringlicher gegen das spanische Regiment sich bemächtigt. Nur einmal schien es, als könnte es dem General Weyler gelingen, den Auf­stand mit dauerndem Erfolge niederzuwerfen. Aber schnell genug ist alles wieder zum Gegentheil um­geschlagen, und jetzt sieht es augenscheinlich um die Lage der Spanier auf Cuba trauriger aus als je zuvor. Noch keine vierzehn Tage sind verflossen, seit die Aufständischen den Spaniern eine Stadt weg­genommen haben; und schon liegt die Nachricht vor über einen neuen, noch größern Erfolge der Auf­ständischen :

Der Rebellengeneral Dacosta griff die spa­nische Besatzung von Äkanagua an und be­siegte sie. Die Aufständischen besetzten Managua und erbeuteten die Waffen und Munrtronsvorräthe in den Forts. Die Stadt Managua liegt ganz nahe bei Havanna. Von dort wurde eine spanische Truppe zum Entsätze der Stadt entsandt. Aber auch diese Entsatz­truppe wurde sehr bald von den Aufstän­dischen zerstreut.

Die Aufständischen scheinen allenthalben zur Offensive übergegangen zu sein, in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt Havanna ebenso wie in anderen Theilen der Insel, und da nun diese Offensive von siegreichen Erfolgen gekrönt ist, steht es allem An­

scheine nach sehr bedenklich um die Spanier. Mit besonders lebhaftem Interesse beobachteten bekanntlich die Vereinigten Staaten von Nordamerika die Vorgänge auf der Insel Cuba — mit demselben Interesse, das ein Geier empfindet für ein krankes oder verwundetes Thier, das sich in Schmerzensqualen auf dem Erdboden windet. Und wir müssen darum annehmen, daß die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika besonders gut und schnell unter­richtet ist über den Stand der Dinge auf der Insel Cuba. Deswegen ist es doppelt bedeutungsvoll, wenn die Regierung der Vereinigten Staaten den Zeitpunkt für gekommen erachtet, in dem sie der spanischen Regierung selbst die Pistole auf die Brust setzen und ihr in aller Form ein Ultimatum stellen kann — entweder, oder!

Der erst seit kurzer Zeit für Spanien neu er­nannte amerikanische Gesandte Woodford hat dem spanischen Minister des Auswärtigen, dem Herzog von Tetuan, in einer drei Stunden währenden Zusammenkunft dargelegt, daß dieVereinigten Staaten durch die lange Dauer des cuba- nischen Aufstandes große Verluste erleiden auf den Gebieten von Handel und Industrie. Die Regierung der Vereinigten Staaten gibt der spanifchen Regierung ihre Anschauung dahin kund, daßSpanienaugenscheinlichnichtimStande sei,den Aufstand auf Cuba niederzuwerfen. Und selbst, wenn dies Spanien gelänge, würde dann die Insel durch die Kriegsmethode des Generals Weyler verwüstet sein. Am Schluffe der Unter­redung hat Woodford dem Herzog von Tetuan er­klärt: Sollte der Krieg auf Cuba nicht vor Ende Oktober beendet sein, so würden die Vereinigten Staaten sich für berechtigt halten, geeignete Maßnahmen für die Herbeifüh­rung eines dauernden und vollständigen Friedens auf Cuba zu treffen.

Natürlich hat der Herzog von Tetuan sofort nach­drückliche Verwahrung gegen dieses Ultimatum ein­gelegt und eine Antwort erst in Aussicht gestellt, nachdem die maßgebenden Faktoren in Madrid in gemeinsamer Berathung zu einem bestimmten Be­schlüsse gekommen sein werden. Aber allzuviel wird Spanien nicht mehr ausrichten können gegen die Herausforderung der Aankees; und so schwierig und mißlich es im allgemeinen ist, in politischen Dingen prophezeien zu wollen, so wird man doch hier mit einem hohen Grade von Wahrscheinlichkeit die Ver- muthung aufstellen können, daß Spaniens Herrschaft auf Cuba ihrem Ende naht.

Vermischtes.

* Gute Antwort. Major (zu einem Soldaten): „Können Sie schwimmen?" — „Ja, Herr Major." — „Wo haben Sie es gelernt?" „Im Wasser, Herr Major!"

* Starke Iumuthnng. Frau:'„Aber Emil, Du riechst schon wieder nach Rothwein!" — Mann: „Liebe Frau, Du wirst doch nicht verlangen, daß ich Deinetwegen Kölnisches Wasser trinke!"

* Anzüglich. 21.: „Zu einem Schäfer hätt' ich viel mehr Vertrauen, wie zu einem Arzt! — B. (Arzt): „Recht hast Du — der kennt Deine Natur jedenfalls besser!"

* Wenig Selbstvertrauen. Braut: „Mein Gott, was wird das nach der Hochzeit werden selbst kochen und dann dem Manne im Essen mit gutem Beispiele vorangehen müssen!"

* Moderne Mütter. Paul: „Siehe doch, Georg, da fährt Mama auf ihrem neuen Rad." — Georg: „Aha, nun geht mir ein Licht auf; jetzt weiß ich auch, warum sie keine Zeit hat, unsere Hosenknöpfe anzunähen."

Literarisches.

Sammlung kaufmännischer Itechtsbücher, heraus­gegeben von der „Handels-Akademie Leipzig" (Dr. jur. Ludwig Huberti).

1. Buch: Was der Kaufmann vom bürgerlichen Gesetzbuch wissen muß. Die für den Kaufmann und Gewerbetreibenden kennenswerthesten Bestimmungen desneuen bürgerlichen Re chts. Jnsyftematischem Abriß zusammengestellt von G. Hack.

2.Buch: Der neue Entw urf des deutschen Hand els- gesetzbuchs im Vergleich zum jetzt geltenden Recht. Nach Vorträgen, gehalten im „kaufmänni­schen Verein" zu Leipzig. Von Syndikus H. Pilz. Oktav — broschirt — Preis: Je 2 Mark. Verlag der Handels-Akademie Leipzig.

Es ist nur mit Freuden zu begrüßen, wenn in unserer Zeit, zu welcher Rechtskenntniß und Rechtspflege dem Ver- ständniß des nicht juristisch gebildeten Volkes arg entfremdet

sind, Bestrebungen sich geltend machen, die dahin zielen, beides dem Laien wieder zum Verständniß zu bringen. Diesen Zweck verfolgen — vornehmlich zu Gunsten des Kaufmannstandes — die oben angezeigten neuen „kaufmännischen Rechtsbücher". Der knappe und doch erschöpfende Ausdruck, wodurch sich dieselben auszeichnen, die stetigen Hinweise auf die Praxis, die fortlaufenden gegenseitigen Beziehungen auf das neue bürgerliche Gesetz und das neue Handelsgesetz sowie auf andere, für den Handel wichtige neuere Gesetze lassen diese Schriften als sehr gut in ihrer Art und als eine hochwillkommene Gabe auf dem Büchermarkt erscheinen. Eine allseitige Ver­breitung derselben ist daher aufs Wärmste zu wünschen und sicher zu erwarten.

-u- Denkwürdige Tage

der Mache vom 2«. Septemver bis 2. GKlover.

26. 1815 wurde zu Paris von den russischen, österreichischen und preußischen Regenten die sog. Heilige Allianz zur Förderung einer allgemeinen Friedenspolitik geschlossen, welcher später fast alle christlichen Monarchen beitraten. — 1870 siegten die Deutschen bei Artenay und Vil- leneuve. — 1881 brannte das Rhöndorf Dalherda fast gänzlich nieder.

27. 1808 verständigte sich Napoleon I. mit Alexander I. von Rußland auf dem Kongreß zu Erfurt. — 1870 kapitulirte Straßburg; das vorhergegangene Bom­bardement richtete in der Stadt schreckliche Verheerungen an, da auf deutscher Seite 146 gezogene Kanonen und 83 Mörser in steter Thätigkeit waren; den Deutschen fielen 1200 Geschütze, 12000 Chassepots, unermeßliches Kriegsmaterial, 50 Lokomotiven und 17,000 Gefangene in die Hände. — 1884 ging die Kaserne in Fulda, das jetzige städtische Schulgebäude, für 52,000 Mark in städtischen Besitz über. — 1886 brannte das Weichen­steller-Wohnhaus an derLeipzigerstraße in Fulda nieder. Das Feuer war durch entflogene Funken aus einer vorüberfahrenden Lokomotive entstanden.

28. 780 starb die hl. Lioba, eine Verwandte des heiligen Bonifatius. Die elfhundertjährige Gedächtnißfeier wurde im Jahre 1880 in der Domkirche zu Fulda feierlich begangen. — 1859 starb zu Berlin der Geograph Karl Ritter. — 1883 wurde das Niederwald-Denkmal bei Rüdesheim durch den deutschen Kaiser in Anwesenheit der Vertreter des ganzen deutschen Volkes feierlich ent­hüllt. — 1895 starb in Paris Dr. Louis Pasteur, der Entdecker des Hundswuth-Bacillus.

29. 1273 wurde Rudolf von Habsburg zu Frankfurt a. M. zum deutschen Kaiser erwählt. — 1815 wurde der Maler Andreas Achenbach zu Kassel geboren. — 1874 starb zu Düsseldorf der Historienmaler Hildebrandt.

30. 420 starb zu Bethlehem der hl. Kirchenvater Hiero­nymus. — 1771 wurde feierlich der Grundstein zu dem Bibliothekbau in Fulda gelegt. Nach der Fertig­stellung ließ Fürstabt Heinrich v. Bibra zahlreiche Bücher aus der Konvents-, Jesuiten- und Benediktiner-Bibliothek darin aufstellen. — 1870 wurde der große Ausfall aus Paris von den Deutschen zurückgeschlagen. — 1888 siedelte die Batterie des hessischen Feld- Artillerie-Regiments Nr. 11 von Fulda nach Kassel über.

1. 1386 wurde die Universität Heidelberg gegrün­det. — 1866 wurde die Bebra-Fulda-Hanauer Bahn dem Verkehr übergeben. — 1874 trat auf Grund des Gesetzes vom 9. März 1874 das Standesamt Fulda iu Thätigkeit. — 1879 wurden die neuen Justiz­gesetze in Deutschland eingeführt; auch trat das Reichsgericht in Leipzig in Thätigkeit. — 1888 wurde die Rhönbahn Fulda-G ersfeld dem Betrieb übergeben.

2. 1538 Geburt des heil. Karl Borromäus auf dem Schlosse Arona bei Mailand. — 1870 wurde der Aus­fall Bazaines aus Metz gegen die Division Kummer zurückgeschlagen.

Gottesdienstordnung in Fulda.

Sonntag, 26. Septbr. Dom. 51/«, 6, 6’/» u. 71/» Uhr hl. Messen 9 Uhr Hochamt mit Predigt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr hl. Messe, l‘/s Uhr Andacht und Christenlehre, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 Uhr Andacht in der Marienkapelle. (Die Abend-Andacht beginnt von Montag an um 4 Uhr.) Dompfarrlicher Mütter-Verein: Samstag Nachmittag von 3'/- Uhr an Gelegenheit zum Beichten bei der Pfarrgeist­lichkeit. Sonntag während der 6 Uhr-Messe Kommunion. 2S t Uhr Predigt u. Andacht. — Stadtpfarrkirche. 5'/. Uhr hl. Messe und Predigt, 6 Uhr hl. Messe, 7 Uhr hl. Messe und Kommunion der christlehrpfl. Jungfrauen, 8 Uhr hl. Messe und Predigt, 9‘!« Uhr Hochamt und Predigt, 11 u. 1 '/• Uhr Christenlehre, 3 Uhr Michaelsbruderschaft. — Michaels- kirche. Fest des hl. Erzengels Michael im voraus. 'Voll­kommener Ablaß.) Von früh 6 Uhr ab Beichtgelegenheit, halbstündige Kommunionaustheilung. '/«9 Uhr Predigt und Hochamt (nach Meinung der Maurer-Innung), 10 Uhr hl. Messe, 2 Uhr Predigt und Andacht mit Prozession. Mittwoch, 29. Sept. 8 Uhr Hochamt mit Segen zu Ehren des hl. Erzengels Michael. — Pfarrkirche jum hl. Keifte. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 5 Uhr Andacht mit Segen. — Sodalitüt. «MO Uhr. — J.-S. 63/« und 23/« Uhr. — Dirnß- mädchen-CongrrgatiSll. 5 Uhr General-Kommunion, 3',- Uhr Andacht in der Severienkirche. — Frauenberg. 5, 6l/i Uhr hl. Messen, 8 Uhr Bruderschaftsmesse, 9 Uhr Hochamt, l1/» Uhr Kreuzwegandacht mit Predigt. Freitag 1. Oktober (Herz- Jesu-Freitag.) 5 Uhr Aussetzung des Allerhl. zur 12stündigen Anbetung, 9 Uhr feierliches Amt.