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Mittwoch, den 22. September 1897
21. Jahraanq
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mit NnLrrhaLtrmgs-Keilagr „Sterne und KLumeu".
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Deutsches Werch.
Berlin, 21. September.
% Der Mesuch des Kaisers MikHekm in Wudapest wird von einigen liberalen Blättern in fast widerwärtiger Weise dazu benutzt, um die liberalen ■ ungarischen Freunde und ihr unliberales ungarisches Staatsregiment bis in den Himmel zu erheben. Wohl kann sich jeder ausrichtige Deutsche freuen, wenn der deutsche Kaiser noch glänzender als gewöhnlich als Gast in einem Nachbarlande ausgenommen wird. Aber die Art und Weise, wie diese Kaiserreise von deutschen liberalen Blättern ausgebeutet wird, ist bedenklich. Und gerade diese Blätter, die sonst sich anstellen, als wären sie jeden Augenblick bereit dazu, für das Deutschthum in Oesterreich in den Martyrer- tod zu gehen, scheuen sich nicht, es zu radeln, daß Kaiser Wilhelm nicht schon eher den Ungarn einen Besuch machte, während er doch so oft vorher in Wien und anderwärts in der deutschen Reichshälfte von Oesterreich-Ungarn geweilt habe! Deutschnational geben sich die Blätter nur dann, wenn es in ihr System paßt. Ein liberaler, kirchenfeindlicher Magyar ist ihnen viel lieber als ein katholischer Deutscher — das ist die Thatsache, die aber von sehr vielen noch immer nicht genügend erkannt und durchschaut ist. Und darin gleichen die Berliner und die Wiener Liberalen einander auf ein Haar!
Uebereinstimmend und mit vollem Rechte ist 'der Landshuter Generalversammlung der Katholiken Deutschlands von protestantischen und liberalen Blättern das Zeugniß ausgestellt worden, daß sie sich — wir müssen hinzufügen: gleich allen ihren Vorgängern ! — aller Ausfall«: gegen Anders- gkäuöige enthalten hat. Nicht so der Evangelisch e Bund. Dieser wird in den Tagen vom4.bis 7.Oktober in Crefeld eine Generalversammlung abhalten, und als Vorbereitung dazu läßt er einen Aufruf in den Blättern ergehen, der unterzeichnet ist vom Central- worstande des Evangelischen Bundes und geradezu «cm Angriffen gegen alles Katholische wimmelt. „Wider den Geist der Unduldsamkeit, den sie nährt (nämlich die „herrschende römisch-katholische Partei"), wider ihre Verhöhnung alles dessen, was uns heilig ist (?!) und vor allem gegen ihre unersä tt- iicf) en Machtansprüche müssen wir um des Meiches Gottes und um des Vaterlandes -willen immer nachdrücklicher zum Kampfe rufen. Gleicherweise erheben wir diesen Kampfruf gegen alles, was diesen ultramontanen Bestrebungen Vorschub leistet, gegen jede Art von schwächlichem, feigem, charakterlosem Wesen, es begegne uns bei Staats- und Kirchenregierungen ... ." Eine Bemerkung 3U diesem Berserkerwüthen könnte deren Eindruck schwächen, und deswegen unterlassen wir sie lieber.
lieber den muthmaßlichen Zeitpunkt der Ginöerirfrmg des Ileichstages verzeichnen wir zur Vollständigkeit auch die neueste Meldung. Danach soll der Reichstag nicht vor der zweiten Hälfte des Monats November zusammentreten. Als erste Vorlage soll ihm ein selbstständiges Gesetz zugehen über die Entschädigung unschuldig V er- urt heilt er. Auch dieser Meldung dürften, so wenig wie den voraufgegangenen, schpn feste Beschlüsfe zu Grunde liegen. —"Die Neuwahlen zum preuß. Landtage sollen, wie die ,91. L. C/ von durchaus zuverlässiger Seile gehört Haven will, nach den Absichten an maßgebender Stelle den Reichstagswahlen vorangehen. Warum denn eigentlich? Fürchtet man etwa, das böse Beispiel der Reichstagswahlen könnte die guten Sitten der Landtagswahlen verderben?
* Die Frage der Aöschasfrmg der Meamte«- kanlioneu soll, wie in politischen Kreisen verlautet, in der vorgestrigen unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten Dr. v. Miquel abgehaltenen Sitzung des Staatsministeriums zur Berathung gestanden haben. Die Aushebung der Beamtenkautionen in Preußen wie im Reiche soll unmittelbar bevorstehen.
* Herr Rudolf von Wennigsen will, wie bekannt, mit dem 1. Januar des kommenden Jahres von seinem Posten als Oberpräsidenl der Provinz Hannover zurücktreten. Als muthmaßlichen Nachfolger für ihn wird Graf Konstantin zu Stolberg- Wernigerode genannt, jetzt Regierungspräsident in Merseburg.
h Die Gntgkcisung des V-Znges Sei Kfchede in Kannoner hätte man so gern auf ein anarchistisches Attentat zurückgeführt, das angeblich gegen den Hofzug des Kaisers geplant gewesen fein sollte, der etwa sieben Stunden vor der Entgleisung des I)-Zuges die Strecke durchfahren hatte! Aber es ist nichts damit. Und wie der Erzählung von dem anarchistischen Attentate von Anfang an nur wenig Vertrauen entgegengebracht wurde, fo ist nunmehr Sicherheit darüber vorhanden, daß davon auch nicht eine Spur vorhanden ist. Nach einer Blättermeldung haben die angestellten Untersuchungen vielmehr ergeben, daß durch eine von dem Langholzwagen eines kurz vorher verkehrenden Güterzuges herunter- gefallene Koppelstange eine Schiene verbogen und gleichzeitig damit eine Schwelle gelockert worden sei. Und dies soll die Ursache des Unglücksfalles gewesen fein. Die Ungehörigkeit an dem Güterzuge war nicht gemeldet worden, und nun wird ein Strafverfahren gegen die Beamten des Güterzuges eingeleitet, die diesen Umstand mit der Koppelstange verheimlicht haben. — So weit die Meldung. Hoffentlich werden demnächst amtliche Mittheilungen veröffentlicht über die Ursachen der vielen Eisenbahnunfälle, die .die preußische Staatsbahn während der letzten Zeit zu verzeichnen hatte.
* Im Anfang des Monats Oktober soll,, wie gemeldet, im Reichspostamt eine Konferenz Höherer Postbeamten stattfinden. Dieser Konferenz soll unter anderen auch die Frage vorgelegt werden, den ge)ammten Schalterdienst durch Unterbeamten wahrnehmen zu lassen. Dadurch will man noch mehr Ersparnisse erzielen und Militäranwärter in größerem Umfange als bisher im Postdienste unterbringen. Wir vermuthen, daß 9teuerungen solcher Art mit sehr gemischten Empfindungen vom Publikum begrüßt werden dürften — ober aber mit ungemischt unangenehmen!
* Den Kaiser-ISikhekm-Kanar haben im August 2350 Schiffe passirt (August 1896: 2470). An Gebühren wurden entrichtet 118 558 Mark (1896: 92 395 Mark).
Ausland.
* Madrid, 21. Sept. Der hiesige Gesandte der Vereinigten Staaten von Amerika hat dem spanischen Minister des Auswärtigen erklärt, es liege die giotbroenbigfeit vor den Krieg auf Kuba zu beenden. Der Gesandte fügte hinzu, wenn bis Ende Oktober nicht alles beendet wäre, würden die Vereinigten Staaten thun, was nach ihrem Gutdünken erforderlich wäre, um den völligen dauernden Frieden auf Kuba herzustellen. Die spanische Regierung hat sich eine Antwort auf diese Erklärung des Gesandten vorbehalten. In offiziellen Kreisen wird eine große Reserve über dieses Ereigniß bewahrt, das in Spanien eine ungeheuere pemliche Nachwirkung finden, vielleicht ernste Folgen haben wird.
* 21. Sept, lieber den Besuch des deut
schen Kaisers schreibt der ,Pester Lloydtt „Der Besuch des Kaisers ist der harmonische und beruhigende Abschluß der diesjährigen Monarchen - Begegnungen; allerdings hat Ungarn besonderen Grund, stolz zu fein, daß dieser Abschluß gerade in der ungarischen Hauptstadt stattgefunden hat." Ueber die Ordensverleihungen sagt der ,Lloydtt „Bisher hat der deutsche Kaiser durch seinen Geist die Geister in Ungarn gewonnen; er versteht offenbar ebenso, die Herzen tm Sturme zu erobern; das bewies er heute neuerdings. Wir können ihm die Versicherung geben, daß unter allen Sprachen der Welt die des Herzens diejenige ist, welche in Ungarn am besten verstanden wird." Der,Egyetertes' schreibt: „Keine auch noch so zahlreiche Ordensvertheilung hätte das ungarische Gefühl mit solcher Wärme durchdrungen, als die Er- I innerung an den ungarischen Mitschöpfer des Bünd-
nifses." ,Budapesti Hirkap' begründet die Ueberfcbrift seines Leitartikels „Wilhelm der Eroberer", indem er sagt, der Kaiser habe feie, hier zu seinem Empfange versammelten Hunderttausende Ungarn erobert. Die aus diesem Anlaß in Pest herrschende Begeisterung erinnere an die größten Tage der Landesgeschichte. „Die Ehrung Andrassy's ist eine zarte fürstliche Thal, die uns verbindet und tief rührt."
* Konstantinopel, 21. Sept. Nunmehr ist der Präliminar - Vertrag über den Friedensschluß zwischen Griechenland und der Türkei durch die Ausarbeitung auch der Artikel 2 und 6 des Vertrages vollständig. Artikel 2 bestimmt bekanntlich die Höhe der Kriegsentschädigung, die Griechenland an die Türkei zu zahlen hat; und er ordnet ferner die Einsetzung einer internationalen Kommission der Mächte an, die dafür zu sorgen hat, daß die Zahlung der Kriegsentschädigung „nicht die anerkannten Rechte der alten Gläubiger, der Obligations-Inhaber der griechischen Staatsschuld, schädige" — deutlicher ausgedrückt: einer Kommission, die den verlotterten griechischen Staatsfinanzen fortgesetzt eine wohlthätige Aussicht widmen wird. Nach den Bestimmungen des Artikels 6 soll die Räumung Thessaliens in Monatsfrist nach dem Zeitpunkte eintreten, wo die Mächte die Bedingungen des Artikels 2 als erfüllt anerkannt haben. Das Räumungs-Verfahren und die Wiedereinsetzung bet griechischen Behörden in den geräumten Orten wird durch die Vertreter der beiden Mächte unter Mitwirkung der Großmächte vollzogen werden, Natürlich ist es nicht angenehm für Griechenland, besiegt zu fein und nun 4 Millionen türkische Pfund oder 90 Millionen Mark Kriegsentschädigung zahlen zu müssen, um so weniger angenehm, als ja die Kriegführung an sich etwa ebenso viel gekostet haben wird. Ader das hätte Griechenland vorher sich überlegen müssen, ehe es in so leichtsinniger Weise in den Krieg zog; und wenn jetzt griechische Meldungen berichten, daß Griechenland durch die Friedens-Bedingungen sich bedrückt fühle, so wird das auf die Mächte und auch auf die öffentliche Meinung wenig Eindruck machen. Denn die Bedingungen, welche Griechenland auferlegt sind, sind gerecht und nicht hart.
Aus Kirche und Schule.
W Winteln, 20. Sept. Der gestrige Tag war für die hiesigen Katholiken ein Tag der Gnade und Freude. Der Hochw. Herr Bischof von Fulda besuchte gestern zum erftenmale seine entlegenste Pfarrei. "Nachdem er Samstag Morgen um 9 Uhr in Fulda abgefahren war, traf er gegen 3 Uhr in Rinteln ein. Bis Hameln waren Hochdemselben die angesehensten Mitglieder der katholischen Gemeinde entgegen gefahren. Der feierliche Einzug des direkten Nachfolgers vom hl. Sturmius in die dem Sachsen- Apostel geweihte herrliche Pfarrkirche unter dem vorgeschriebenen kirchl. Ritus geschah bei schöner Witterung unter allgemeiner Betheiligung. Für Sonntag früh hatte der von der langen Reise angestrengte Hochw. Herr alle Funktionen selbst übernommen: das Hochamt, die Predigt und vor der hl. Firmung noch einmal eine feierliche Ansprache an die Firmlinge. Am Nachmittage überzeugte sich der Hochw. Herr in eingehender Weise von den Fortschritten der Jugend in der christlichen Lehre und betete die Absolution der armen Seelen. Abends 7 Uhr sand im Hotel „zur Stadt Bremen" ein Festessen von circa 30 Gedecken statt, wobei zunächst Se. Bischöfliche Gnaden auf die beiden höchsten Gewalten den feierlichen Toast ausbrachten, worauf der Vorfitzende des Kirchenvorstandes Herr Obersörster Goebel den Hochw. Hrn. Bischof feierte und der Herr Bürgermeister von Rinteln den hohen Herrn im Namen der Stadt herzlich willkommen hieß.
® Höernkirchen, 21. Sept. Am Montag Morgen gegen 3/«10 Uhr traf der Hochw. Herr Bischof von Fulda von Rinteln aus, wo er Tags zuvor auch aus hiesiger Gemeinde 37 Firmlingen das hl. Sakrament gespendet hatte, per Wagen hier ein, um auch von der hiesigen Mlssionsgerneinde Einsicht zu nehmen. Unter einer schönen Ehrenpforte am Eingang zum Vorplatze der Kapelle wurde Hoch- derselbe von Herrn Pastor Ebel herzlich begrüßt und unter dem Absingen des Bonifatiusliedes zur