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Neilsge Mv Wulöaev Aeitung.

M 216 AiensLcrg, öen 21. September 1897. 24. Jahrgang

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Encyelica Papst Leos XIII. über den Marianischen Rosenkranz.

(Schluß.)

Wer von Allen, welche die Sitze der Seligen inne­haben, würde nun wohl wagen, in einen Wettstreit der Verdienste einzutreten mit der hehren Mutter Gottes? Wer sieht denn klarer im ewigen Worte die Aengste, welche uns bedrücken, die Nöthe, die uns belagern? Wem ist eine wirksamere Macht ver­liehen, um die Gottheit zu rühren? Wer könnte ihr gleichkommen in den Aeußerungen mütterlicher Liebe? Aus diesem Grunde beten wir zu den seligen Him­melsbewohnern nicht, wie wir zu Gott beten, „denn wir bitten die hl. Dreifaltigkeit, daß sie Erbarmen mit uns habe, und alle Heiligen, welche immer es sein mögen, daß sie für uns beten sollen." (Hl. Thomas, ebenda.) Jedenfalls hat unsere Art, die Jungfrau anzuflehen, etwas mit der Anbetung Gottes gemein, sofern die Kirche die Jungfrau mit denselben Worten anruft, deren sie sich bedient, um zu Gott zu beten: „Erbarme Dich der Sünder." Die Mit­glieder der Rosenkranzbruderschaften thun also ein aus­gezeichnetes Werk, wenn sie die Gebete zu Maria gleichsam zu einem Kranze von Rosen flechten. So erhaben ist in der That die Größe Marias, so mächtig die Gunst, deren fie sich bei Gott erfreut,- daß der, welcher in seinen Nöthen nicht zu ihr seine Zuflucht nimmt, gleichsam ohne Flügel sich in die Lüfte zu erheben trachtet.

Die in Rede stehende Vereinigung hat noch eine andere Eigenschaft, welche wir nicht unerwähnt lassen dürfen. Jedesmal, wenn Wir durch das Beten des Marianifchen Rosenkranzes die Geheimnisse unseres Heilandes betrachten, ahmen wir so vollkommen wie nur möglich den allerheiligsten Dienst nach, der einst den himmlischen Heerschaaren der Engel anvertraut war. Sie sind es, welche nacheinander und jedes zu seiner Zeit die Geheimnisse offenbarten, die dabei fleißig mitwirkten, die ihre fromme Anwesenheit liehen, bald freudig, bald betrübt, bald triumphirend. Gabriel wird zur Jungfrau geschickt, um die Fleischwerdung des ewigen Wortes anzukündigen. Engel feiern in der Grotte zu Bethlehem die Geburt des Heilandes. Ein Engel veranlaßt Joseph zur Flucht mit dem Kinde nach Aegypten. Als Jesus im Garten am Oelberg, von Schmerz überwältigt, Blut schwitzt, tröstet Ihn ein Engel mit ehrfurchtsvollem Wort. Als Er über den Tod triumphirend aus dem Grabe steigt, sind es Engel, welche es den heiligen Frauen melden. Engel enthüllen, daß Jesus zum Himmel aufgefahren ist, und verkünden, daß Er wiederkommen wird, umgeben von den himmlischen Heerschaaren, mit denen Er die auserwählten Seelen vereinen wird, um sie den himm­lischen Chören zuzuführen, über welche die heilige Gottesmutter erhöht worden ist.

Auf diejenigen, die in Vereinigungen das fromme Gebet des Rosenkranzes beten, passen demnach am besten die Worte des hl. Paulus, welche er |an die neuen Jünger Christi richtete: „Ihr seid hingetreten zum Berge Sion, zur Stadt des lebendigen Gottes, zum himmlischen Jerusalem, zu der Menge vieler tausend Engel." (Hebr. XII. 22) Was kann es in der That Göttlicheres, was Lieblicheres geben, als in der Gesellschaft der Engel zu beten und zu betrachten? Wie große Hoffnung, welche Zuversicht kann man daraus schöpfen, daß dereinst im Himmel diejenigen die glückselige Gemeinschaft der Engel genießen werden, die sich schon auf Erden sozusagen ' mit ihnen zur Erfüllung ihres Dienstes vereinigt haben!

Deshalb haben die römischen Päpste stets mit be­sonderen Lobsprüchen diese Marianische Sodalität ge­priesen. Jnnocenz Vlil. nennt sie eine Brüderschaft von frommster Gesinnung. Pius V bekräftigt, daß ihrem Gebetseinfluß ein Erfolg zuzusprechen sei, den er in den Worten ausdrückt: Es begannen die Gläubigen sich mit einem Male in andere Menschen umzuwandeln, die Finsterniß der Ketzerei abzulegen und das Licht des kathol. Glaubens begann sich zu verbreiten (Consue- verunt BR. PP. die 19. Sept 1569.) Sixtus V. weist darauf hin, wie fruchtbringend diese Einrichtung für das religiöse Leben sei, und bekennt, daß er sich ihr auf das eifrigste widme. Viele andere endlich haben sie entweder mit bedeutenden und äußerst gnadenreichen Ablaßertheilungen bereichert oder aber sie in ihren besonderen Schutz genommen durch Namens­verleihung und die Zeugnisse des Wohlwollens ver­schiedener Art. Also nach dem Beispiel Unserer Vor­gänger ermahnen auch Wir euch. Ehrwürdige Brüder, auf das angelegentlichste und beschwören euch, wie Wir dies bereits oft gethan haben, euch dieser heil. Uebung ganz besonders zu widmen, daß mit eurer Beihilfe von Tag zu Tag allerwärts dem Rosenkranz neue Streiter erstehen und sich unter seine Fahne sammeln. Dies euer Wirken und das derjenigen, die aus der euch ergebenen Geistlichkeit mit der Sorge für das Seelenheil betraut sind, mögen die anderen aus dem Volke kennen und der Wahrheit gemäß schätzen lernen, wie groß die Vorzüge dieser Genossen- fchast sind, wie groß der Nutzen für das ewige Heil des Menschen. Dies aber fordern wir mit um so größerem Nachdruck, weil gerade in letzter Zeit die schönste Offenbarung kindlicher Liebe zur hl. Gottes­mutter wieder aufgelebt ist durch das Rosenkranzgebet, den ewigen Rosenkranz. Dieser Einrichtung ertheflen Wir bereitwillig Unfern Segen und Wir wünschen sehnlichst, daß ihr, um sie zu verbreiten, euem Eifer und euere Thätigkeit aufwenden möget. Denn die schönste Hoffnung hegen Wir, daß die Lobgesänge und Gebete die wirksamsten sein werden, wenn sie aus dem Munde und den Herzen einer gewaltigen Menge hervorquellen und nie verstummen, und wenn auf den verschiedenen Regionen des Erdkreises abwechselnd Tag und Nacht das Gebet der Christen sich vereint mit der Betrachtung der göttlichen Dinge. Diese unablässige Fortdauer der Lob- und Bittgebete ist vor zahlreichen Jahr­hunderten bezeichnet worden durch jene göttlichen Worte, die in einem Gesänge Ozias an Judith gerichtet werden: Gesegnet bist Du Tochter von dem Herrn unferm Gott in der Höhe vor allen Weibern auf der Erde .... Denn heute hat er Deinen Namen also groß gemacht, daß nicht weicht Dein Lob aus dem Munde der Menschen. Und das ganze Volk Israel

jauchzte diesen Worten zu und rief: Es geschehe! Es geschehe! (Jud XIII, 23 et seqq.)

Unterdessen ertheilten Wir als llnterpfand der himmlischen Wohlthaten und zum Beweise Unseres väterlichen Wohlwollens, Euch, Ehrwürdige Brüder, sowie dem Klerus und dem gesummten Volke, das eurem Glauben und eurer Wachsamkeit anvertraut ist, den Apostolischen Segen aus vollster Liebe im Herrn.

Gegeben zu Rom bei St. Peter am 12. Sept. 1897 im 20. Jahre unseres Pontifikats. Leo PP. XIII.

25 Jahre in der Verbannung.

Das silberne Jubiläum im Elend feiern in diesem Jahre und zwar um diese Zeit die deutschen Jesuiten. Es dürfte wohl wiederum der geeignete Augenblick gekommen fein, daß Volk und Presse ein­hellig die Forderung nach Rückkehr der unschuldig Verbannten erheben. Eine bessere und würdigere Feier dieses traurigen Jubiläums könnten wir uns kaum denken.

Wir haben oftmals die große Bedeutung des Jesuitenordens ganz speziell für unsere Zeit hervor­gehoben. Wir können auch nicht gut begreifen, daß wir ernsthafte Deutschen ängstlicher und kindischer vorgehen sollen, als die zapplichen und nervösen Italiener und Franzosen. In nervöser Aufregung überfchäumenden Hasses gegen den Gekreuzigten, und berechtigter Furcht vor der geistigen Ueberlegenheit des Jesuitenordens, hat man die Jesuiten allerdings in diesen Ländern formell verboten. Thatsäch- lich aber, weil keine Suppe so heiß gegessen wird, wie sie gekocht wird, sehen wir diese Ordensleute in verschiedenen Städten der genannten beiden Ländern ungestört ihre Ordensthätigkeit ausüben.

Nur in Deutschland hält man mit einer Zähigkeit, die einer besseren Sache würdig wäre, an einem Gesetze fest, mit welchem der gesummte Romhaß, der sich in den Logen, im Protestantismus, int schalen, abge­standenen Liberalismus konzentrirt, das deutsche Parla­ment seiner Zeit überrumpelte. Die Regierung hält daran fest, trotzdem die große Majorität des Parlamentes von ihren Wählern schon längst dahin korrigirt wurde, daß sie die damalige Hetze verwarf und im Namen der Majorität des deutschen Volkes die Aufhebung des gehässigen Ge­setzes verlangte. Die Regierung hält fest an einem Ausnahmegesetze gegen unschuldige Männer, trotzdem nur noch Fanatiker, welche nach Voltaire beim Namen Jesuit aufbrüllen wie der Stier, dem man einen rochen Lappen vorhält, Freude an diesem Ge­setze bezeigen. Gewiß, es mag auch noch andere Menschen geben, welche weniger aus Fanatismus als aus kalter, überlegender, berechnender Bosheit das Fernhalten der Jesuiten verlangen. Indessen sind das doch so gemeine, niedrige, schmutzige Charaktere, daß wir nicht glauben können, die Re­gierung lasse sich von diesen etwa mehr beeinflussen, als von den oben erwähnten Fanatikern. Endlich haben wir noch eine Klasse von Menschen, welche, be­gabt mit einer gewissen Konversationslexikonswiffen- schaft, darauf schwören, daß die Jesuiten geistig sowie körperlich je einen Pferdefuß besitzen.

So wenig wir mit diesen rechnen können, so wenig wird die Regierung des deutschen Volkes, welche ja nur Gott fürchtet und sonst Niemand, sich auf diese Menschen stützen. Es ist thatsächlich eine unangenehme Schlußfolgerung, die wir aus dem bisher Gesagten ziehen müssen. Fanatismus, Haß, Furcht oder Dumm­heit sind es nicht, welche die Regierung bisher hin­derten, die vom größten Theile des Volkes verlangte Rückberufung der Jesuiten ins Werk zu setzen. Was würde die Regierung nun antworten, wenn wir be­haupteten, es mache den Eindruck, als ob man ein wenig Menschenhandel treiben wolle, als ob die Jesuiten in den Augen der Regierung sich als ein werthvolles Handelsobjekt darstellten, als ob man vom Centrum möglichst viel herauszuschlagen suche als Entgelt für die Rückkehr jener Ordensleute, an deren Gefährlichkeit kein vernünftiger Mensch mehr glaubt. Oder sollte die Regierung wirklich an dfie Gefährlichkeit dieser Männer glauben? In diesem Falle müßte die Regierung vor allem sich vor Augen halten, daß Irren etwas äußerst Menschliches ist. 20 Jahre lang wurde die Behauptung aufge­stellt, daß die Redemptoristen mit den Jesuiten ver­wandt seien. Nach diesem Zeiträume ging den be­rufenen Kreisen — in Folge welchen Umstandes ist uns unbekannt — ein Licht auf, und sie „erkannten", daß es mit der Verwandtschaft eitel Humbug war. Man sprach diese „Erkenntniß" auch aus, und dieses, wenn auch nicht gerade reumüthige Bekenntniß, ist wahrscheinlich ein ehrenvolles; allerdings hat's etwas