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Dienstaq, den 21. September 1897
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Der griechisch-türkische Friede.
Lange zwar, recht lange hat es gedauert. Aber endlich ist nun doch, wie schon kurz gemeldet, am 18. September der vorläufige Friedensvertrag zwischen der Türkei und Griechenland unterzeichnet worden.
Daß es so lange gedauert hat, bis es zu diesem vorläufigen Friedensschlüsse kam, daß das Land Thessalien so lange von türkischen Truppen besetzt bleiben mußte und die Pforte gezwungen war, so lange die Besatzungstruppen in Thessalien zu unterhalten, ist in erster Reihe die Schuld Englands — wie es ja auch kaum einem Zweifel unterliegt, daß dieselbe britische Diplomatie ein großer Theil der Schuld daran trifft, daß es überhaupt zum Kriege zwischen der Türkei und Griechenland gekommen ist. Wenn die Verhandlungen der Vertreter der Großmächte in Konstantinopel so weit gediehen waren, daß eine allgemeine Uebereinstimmung über die leitenden Gesichtspunkte erzielt war, so kam ganz gewiß der englische Botschafter entweder mit Einwänden oder mit ganz anderen Vorschlägen dazwischen, die von neuem Berathungen erforderten — kurz, England trieb ein übermüthiges und fast frevles Spiel mit der Geduld der übrigen Mächte.
Endlich aber hatte diese ein Ende erreicht, und Rußland richtete in Uebereinstimmung mit allen anderen Mächten eine dringliche Vorstellung an England in dem Sinne, daß ja dieses durch seine Politik der Verzögerungen die Verantwortung sich aufbürde für die großen Summen, die die so lange hinaus-
Perfotgt.
'DemEnglischen von Marion Crawford nacherzählt von Cora von Schönburg.
4 ------ (Nachdruck verboten.)
Ehe er das Haus verließ, lud er die Versammelten ein, am nächsten Samstag bei ihm zu diniren. Ein kleines Einzugsfest müsse doch sein, meinte er, um ibin über den trostlosen Eindruck hinweg zu helfen. Natürlich müsse man entschuldigen, wenn im Schlosse noch nicht alles in der gehörigen Ordnung sei. Ihm käme es nur darauf an, von vorneherein freundliche Beziehungen mit dem Pfarrer und seiner liebenswürdigen Mletherin anzuknüpsen. Dann sägte er, sich direkt «n letztere wendend, hinzu, er werde an einem der nächsten Tage, vielleicht schon morgen, einmal kommen, um sich zu^ überzeugen, daß alles in der Wohnung in gutem L-tande sei. Er bitte sie, ihn dann auf alles, was einer Verbesserung bedürftig sei, aufmerksam zu machen. Dem Pastor versprach er, ihn sogleich von dem Eintreffen der Bücher in Kenntniß zu setzen, damit er kommen und das Wünschenswerthe auswählen könne.
Als der Gutsherr endlich schied, hinterließ er den Eindruck eines sehr gutmüthigen, angenehmen Menschen. Selbst Frau Ambrose äußerte freundliche Gesinnungen,
gezogene militärische Besetzung des Landes Thessalien k durch die Türkei verschlinge. Die Mächte sprachen L gleichzeitig die Erwartung aus, daß nunmehr Britannien aus seiner Vereinzelung heraustreten und den anderen Mächten sich anschließen werde in dem redlichen Bestreben, endlich einmal die langwierigen Friedensverhandlungen zu einem gedechlichen Ende zu bringen.
Das endlich half. England selbst kam mit annehmbaren Vorschlägen auf den Plan, und bald nachher ist nun der vorläufige Friedensvertrag unterzeichnet worden. Aber England hatte inzwischen den Anschluß verpaßt. Denn als es endlich sich herbeiließ, ernsthaft und mit gutem Willen an den Verhandlungen theilzunehmen, mußte es die unliebsame Entdeckung machen, daß Rußland inzwischen die Führung in orientalischen Dingen übernommen hatte, und zwar mit so fester Hand, daß es für absehbare Zeit von keiner andern Macht sich darin irgendwie zu stören oder in maßgebender Weise zu beeinflussen lassen braucht. Kurzum, die englische Diplomatie hat im Orient eine ausgesprochene Niederlage erlitten.
Und alle Inhaber griechischer Staatspapiere mögen es sich merken, daß die britische Staatskunst darauf hinarbeitete, dem Staate Griechenland es möglich zu machen, daß er seine Schulden nicht bezahle; daß sie es vielmehr Deutschland zu danken haben, daß ihr Geld nicht verloren ist. Denn der Vertreter Deutschlands in Konstantinopel ist es gewesen, der es auf die Anweisung seiner Regierung hin durch sein stetes Auftreten dahin gebracht hat, daß eine besondere internationale Kommission sowohl darüber zu wachen hat, daß Griechenland die ausbedungene Kriegsentschädigung an die Türkei bezahlt, als auch darüber, daß es den Verpflichtungen nachkommt, die ihm aus seiner Staatsschuld erwachsen.
Der vorläufige Friedensvertrag, wie er am letzten Sonnabend in Konstantinopel unterzeichnet worden ist, besteht aus zehn Artikeln. Acht davon liege* bereits im Wortlaute vor. Zwei, der zweite und der sechste, harren noch der Feststellung des Wortlautes. Von diesen beiden beschäftigt sich Artikel II mit der Zcchlung der Kriegsentschädigung an die Türkei und mit den Bürgschaften, die Griechenland für deren pünktliche Zahlung zu leisten hat. Die Höhe dieser Entschädigung ist auf vier Millionen türkische Pfund festgesetzt. Artikel VI aber enthält die Bestimmungen über die Räumung Thessaliens von den türkischen Truppen und über die Uebergabe des geräumten Landes an die griechischen Civil- behörden. Nach Artikel I wird aus Vertretern der Türkei und Griechenlands eine gemischte Kommission gebildet werden, die nach den Abmachungen, wie sie getroffen worden sind durch die Vertreter der Großmächte, die neue Grenze abzustecken hat. Diese Kommission muß binnen vierzehn Tagen nach der Unterzeichnung des Präliminarvertrages zusammentreten.
und das wollte nach einem ersten Besuche schon viel heißen.
Frau Goddard blieb sehr nachdenklich. Der neue Zuwachs der Billinqsfielder Gesellschaft mißfiel ihr, obwohl sie gegen die Person des Gutsherrn selbst nichts einzuwenden hatte. Er hatte ihr seinen Besuch für den folgenden Tag angekündigt, und sie konnte nicht umhin, ihn anzunehmen. Bei ihrer Jugend und der Weltabgeschlossenheit, zu welcher sie sich selbst seit zwei Jahren verurtheilt, war ihr die Aussicht auf einen neuen Umgang an und für sich nicht unangenehm, allein der Gedanke eines ständigen Verkehrs mit den Schloßbewohnern erschreckte sie. Ihre Freundschaft mit dem Pastor basirte auf dessen genauer Kenntniß all' ihrer Lebensschicksale. Ohne ihre spezielle Erlaub- niß würde er dieselben dem neuen Nachbarn nicht mittheilen. War sie selbst verpflichtet, Herrn Juxon ihre Verhältnisse klar zu legen?
Sie war eine sehr feinfühlende Frau, und ihre allen Eindrücken offene Natur hatte durch das, was sie erlitten, einen Stoß erhalten, den sie noch nicht überwinden konnte. Es haftete ihr eine beinahe krankhafte Furcht an, andere über sich selbst zu täuschen. Wenn auch schon über dreißig Jahre alt, so wußte sie doch, daß sie noch immer leidlich hübsch sei. Die wenigen weißen Fäden in dem braunlockigeu Haar
Sollten während der Verhandlungen zwischen Griechen land und der Türkei über den endgilkigen Frieden Zwistigkeiten zwischen beiden entstehen, so sind die strittigen Punkte wiederum dem Schiedsgerichte zu unterbreiten, das aus den Vertretern der Großmächte zusammengesetzt ist.
Griechenland unternahm den Krieg in leichtsinnigem Uebermutheund hat nun feine ©träfe dafür. Aber es ist so gelinde bestraft, daß es weder gedemüthigt sich fühlt, noch auch in seiner witth- schaftlichen Entwickelung gehemmt ist. Die Türkei aber hat von neuem gemerkt, daß sie nicht mehr ganz nach eigenem Willen in Europa schalten und walten kann, sondern daß Größere über ihr sind. Und alle beide werden daraus wohl die heilsame Lehre ziehen für lange Zeiten, daß ihre Bäume nicht in den Himmel wachsen dürfen, sondern daß sie hübsch Ruhe und Frieden zu halten haben.
Deutsches Reich»
Berlin, 20. September.
* Der Kaiser weilte in den letzten Tagen in den Jagdgebieten seines erzherzoglichen Gastgebers, mehrfach besucht vom Kaiser Franz Joseph und mehrfach mit diesem beisammen in ungezwungener und herzlicher Weise. Heute (Montag) wird er in Budapest erwartet.
* Die ,Nordd. Allg. Ztg/ schreibt: „Wenn sich der „Hamburger Korrespondent" von hier (Berlin) melden ließ, derReichskanzler Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst werde im Lause der nächsten Woche hier in Berlin zurückerwartet, so ist nach unseren Informationell über die Rückkehr Sr. Durchlaucht hierher noch nichts bestimmt." — Das könnte für böswillige Gemüther ja beinahe wie eine Vorbereitung darauf klingen, daß Fürst Hohenlohe gar nicht mehr in fein Amt zurückkehrt.
* Im Iieichspokamle finden seit einiger Zeit täglich Berathungen statt, die sich aller Wahrscheinlichkeit nach mit allerhand Reformen zu beschäftigen haben. Nach der Meldung einiger Zeitungen soll es sich dabei auch um eine durchgreifende Aende- rung der Vorbildung der Postbeamten und der ganzen Postlaufbahn handeln.
X Die Mythenbildungen über die Ilmvikdung des mikttarischeu Gerichtsverfahrens grenzen an's Unglaubliche. Während der Homburger Kaisertage und unmittelbar danach war mehrfach übereinstimmend berichtet worden, daß über diese ganze Angelegenheit ein erfreuliches Einverständniß zwischen dem Kaiser und dem Prinzregenten Luitpold von Bayern erzielt worden sei. Schon vorher war darauf hingewiesen worden, daß diese persönliche Begegnung beider Monarchen als eine vortreffliche Gelegenheit dazu benutzt werden würde, über diese wichtige Frage ein Einverständniß zwischen Bayern und Preußen anzubahnen, und jetzt — soll das alles gar nicht wahr konnte niemand entdecken, und sie bemühte sich auch nicht, sie zu entfernen. Wenn Herr Juxon nun — der Gedanke lag nicht allzu fern — an seiner Mietherin und nächsten Nachbarin Wohlgefallen fände, was dann? Er war ein ehrlicher Mann in reiferen Jahren, sie war eine gewissenhafte Frau. Wie war da an eine Verheimlichung der ganzen Sachlage zu denken? Frau Goddard überlief ein Schauder bei dem Gedanken. Und dennoch hatte ihr der neue Ankömmling gut gefallen, und sie fühlte mit weiblichem Instinkt voraus, daß sie ihn oft bei sich sehen würde.
„Freust Du Dich nicht auf das Diner beim Gutsherrn?" fragte Nellie, als sie bei einbrechender Dunkelheit den Weg nach Haufe antraten.
„Gewiß, Liebchen. Es war sehr freundlich von ihm, auch Dich mit einzuladen."
„Ich freue mich am meisten auf die Livreediener", erklärte das Kind, „ober glaubst Du nicht, daß er auch Diener in bunten Livreen hat, wie — wie der arme Papa?" Nellie beschloß ihre Rede etwas zögernd, als sei sie nicht sicher, wie dieselbe aufgenommen werde. Aber Frau Goddard seufzte nur; wie konnte sie dem Kinde verwehren, von seinem Vater zu sprechen?
Herr Juxon war sehr pünktlich in der Erfüllung feines Verfprechens. Schon am folgenden Morgen um 11 Uhr sah man ihn vom Parkthore heraustreten.