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21 Jahrgang

Montag, den 20. September 1897

uldaerMZeitiing

mit ßlnterhaltungs-Keilage „Strrur und Klrrnrerr".___________________

der

von

(Nachdruck verboten.)

zu- be-

Pest. Kaiser Wilhelm pürscht noch bis morgen früh und kommt dann ebenfalls zu Schiff nach Mohacs. Nachts fährt er nach Pest, wo die Ankunft Montag früh um 10 Uhr erfolgt.

* Das Staatsministerium soll sich nach der Meldung eines Berichterstatters in seiner letzten Sitzung mit den Vorbereitungen für den Reichstag befaßt haben. Es wurde beschlossen, demselben die Entwürfe betr. Abänderung der Civilprozeßordnung und der Konkursordnung zugehen zu lasten. Aus den übrigen Refforts soll nur das absolut Nothwendige an den Reichstag kommen. Dem Verlauten des ,Hamwv. Kur/ nach soll sich das Ministerium auch mit der Frage der Abschaffung der Beamtenkautionen beschäftigt haben. Dieselbe soll sowohl für Preußen wie das Reich unmittelbar bevorstehen. Wann Bundes­rath und Reichstag zusammentreten ist noch nicht be­stimmt.

* Der Kisenöahnrninister hat eine zweite Ver­fügung an sämmtliche preußische Eisenbahndirektionen erlassen. Die Untersuchung der letzten Eisenbahn­unfälle hat ergeben, daß dieselben zum großen Theile auf Nichtbeachtung einfacher Vorschriften beruhen. Die Direktionen werden daher nochmals angewiesen, die genaue Beachtung der Vorschriften den Beamten zur ersten Pflicht zu machen und jede grobe Pflicht­verletzung in der Regel mit Dienstentlassung oder bei fest angestellten mit Einleitung des Disziplinar­verfahrens auf Dienstentlassung zu ahnden. Also immer wieder die „Vorschriften" und Unterbeamten!

* Im Ueichsjustizamt haben nach der Milit. pol. Korr/ in den letzten Tagen eingehende Be- rathungen über die definitive Feststellung der aus dem genannten Amte an die gesetzgebenden Körper ge­langenden Entwürfe (Abänderungen der Civilprozeß- und Konkursordnung) stattgefunden.

* Unerfreuliche Uachrichlen kommen wieder aus dem Schutzgebiet. Der.Reichsanzeiger'meldet im nichtamtlichen Theile, daß am 5. Juli und 2. August ds. Js. im südwestafrikanischen Schutzgebiet in der Nähe des Orangeflusses zwischen Theilen der Schutz­truppe und räuberischen Hottentotten Zusammenstöße stattgefunden haben, bei denen folgende Verluste zu verzeichnen sind: Am 5. Juli tobt: GefreiterTerafin, Reiter Reuter; am 2. August tobt: Sekondelieutenant v. Altrock, Reiter Ewest; schwer verwundet: Se­kondelieutenant Helm, Reiter Seufert, Reiter Amener-

Encyclica Papst Leos XIII. über den Marianischen Rosenkranz.

(Fortsetzung.)

Augustinus seinerseits sagt an einer Stelle: Der­jenige, welcher gut zu beten versteht, versteht zu leben." (in ps. ns.) Aber die Gebete sind besonders kräftig, um die himmlische Hilfe zu erlangen, wenn sie öffent­lich verrichtet werden mit Beständigkeit und mit lieber« Einstimmung einer großen Zahl von Gläubigen, in der Weise, daß die Betenden einen einzigen Chor bilden. Das zeigen sehr klar die Worte der Apostelgeschichte, daß die Schüler Christi, als sie den hl. Geist er­warteten, „einstimmig im Gebete verharrten" (Act. Apost. I, 14). Diejenigen, welche diese Gebetsform anwenden werden, werden stets fehllos Früchte davon tragen. Und das trifft aber bei den Mitgliedern der Rosenkranzbruderschaft zu. In der Th atz ebenso wie die Priester durch die Recitation des Ossiciums Gott in öffentlicher, beständiger und sehr wirksamer Weise anflehen, ist auch das Gebet, welches die Mitglieder des hl. Rosenkranzes verrichten, der Rosenkranz oder die Psalmen der allerseligsten Jungfrau, wie ihn mehrere römische Päpste genannt haben, in einer ge­wissen Weise öffentlich, unaushörlich und gemeinschaft­lich. Weil aber die öffentlich abgehaltenen Gebete, wie Wir bereits gesagt haben, die privaten bei weitem übertreffen und eine größere Kraft hinsichtlich der Er- hörung haben, so ist von den Geschichtsschreibern der Kirche der Bruderschaft vom hl. Rosenkränze der Name einer „betenden, vom Vater Dominikus unter den Fahnen der Gottesmutter angeworbenen Heer­schaar" gegeben worden, der Gottesmutter, welche die heiligen Schriften und die Jahrbücher der Kirche als die Ueberroinberin des Teufels unb aller Jrrthümer bezeichnet haben. In ber Thal einigt her Marianische Rosenkranz bie Gläubigen, welche diese Anbacht üben, durch ein gemeinsames Band, ähnlich dem, welches zwischen Brüdern und Zeltgenoffen herrscht. So ent­steht dann eine wohlgeordnete überaus mächtige Truppe, um den Feinden im Innern oder von Außen Wider­stand zu leisten.

Die Mitglieder dieser frommen Vereinigungen können also mit vollem Recht die Worte des heiligen Cyprian auf sich anwenden: „Wir beten öffentlich und gemeinsam und wenn wir beten, so beten wir nicht für Emen, sondern für das ganze Volk, weil wir als ganzes Volk eins sind." (De orat. Dornin.) llebrigens weisen die Annalen der Kirche die Wirk­samkeit solcher Gebete nach, wenn sie beispielsweise die Niederlage der Türken bei den echinadischen Inseln oder die im vorigen Jahrhundert errungenen glänzen­den Siege über dasselbe Volk bei Temesvar in Ungarn und bei Corfu in Erinnerung bringen. Gregor XIII. wollte das Andenken an den ersten dieser Triumphe verewigen und er setzte ein Fest zu Ehren Marias vom Siege ein. Später hat Unser Vorgänger

2. Kapitel.

Außerordentliche Ereignisse, wie Frau Goddard's lleberfiebelung nach Billingsfielb, kommen selten allein. Kaum zwei Jahre waren feit dem Erscheinen von Frau Goddard vergangen, und noch hatte man sich nicht ganz von seinem Staunen zu erholen vermocht, als eine zweite Neuigkeit von unabsehbarer Tragweite ganz Billingsfielb auf den Kopf stellte.

Es handelte sich diesmal um nichts Geringeres, als um die Besitznahme des Schloßgutes durch einen neuen Herrn. Die Zeit der Administration war durch die Entscheidung des Gerichtes beendigt, der siegreiche Crbe sollte kommen, um im Schlosse selbst seinen Wohnsitz aufzuschlagen. Wie die Nachricht zuerst herumgekommen war, war nicht nachzuweisen, aber es konnte kein Zweifel mehr über dieselbe bestehen.

Nach Verlauf einiger Wochen zog Herr Juxon, so hieß der neue Gutsherr, auch wirklich im Schlosse ein und machte wenige Tage darauf seinen Antrittsbesuch in dem Pastorat. Da es gerade an einem ber Tage war, an welchem Frau Goddard mit ihrem Töchterchen bei bem Ehepaare zu speisen pflegte, so hatte Herr

Freube hervorgerufen," begann Herr Ambrose, nach­dem ber Neuangekommene ben Damen vorgestellt war. Wenn bie Leute ben Tag Ihrer Ankunft gewußt hätten, wären sie Ihnen gewiß zur Station entgegen gegangen."

„Ich bin sehr froh, solchen Demonstrationen aus­gewichen zu sein," bemerkte der Gutsherr lächelnd, „es ist nichts angenehmer, als seinen Einzug in aller Stille zu halten." „ ,

„Und für die Leute jedenfalls das Beste," fiel die Pfarrerin eifrig ein; „ein Fest besteht für die Leute doch immer nur in Biertrinken und Wirthshauslaufen."

„Das wäre noch nicht das Schlimmste," entgeg­nete Herr Juxon heiter, „llebrigens kenne ich die hiesige Einwohnerfchaft gar nicht. Der frühere Admini­strator wollte berüberfommen, um mir Land und Leute vorzustellen, allein ich zog es vor, meine Erfahrungen allein zu machen."

„Die Bekanntschaft der Billingssielder Gesellschaft haben Sie rasch gemacht," entgegnete Herr Ambrose, „denn Sie finden hier alles versammelt, was umgangs­fähig ist, sogar eine Ihrer Pächterinnen mit einbe­griffen," fügte er lächelnd hinzu.

„Sollten Sie meine Pächterin sein?" fragte Herr Juxon, indem er Frau Goddard vergnügt ansah.

„Allerdings," antwortete sie, „ich habe die Cottage gemietet."

sinn, sowie ein Eingeborener.

ft Eine Konferenz von höheren Uoststeamle» wird hier voraussichtlich am 7. oder 8. Oktober sammentreten. Als eine der Fragen, die sie zu handeln hat, wird die Trennung der höheren und der Subalternkarriere im Postfach bezeichnet. Nach t;r ,Volksztg/ sollen die Subalternstellen gänzlich Anwärtern der höbern Lausbahn frei gemacht werden. Die Eleven sollen künftighin, nachdem sie unentgeltlich 3 Jahre im praktischen Dienst thätig gewesen, 3 Jahre

erfolgt

Dem Englischen von Marion Crawford nacherzählt von Cora von Schönburg.

c,nnn. „„b Sfiertaae audqenommen — «lerttljährlicher AbonntMkiitsvreiS ohne Bringerlohn und BeSellqeld.in Fuüm und auswärts 1 Mack 50 Pfrumg. ®Tf*nnt ä8h4g^erate foften t>« eiitwtdtige Sarmondzeile ober deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entfvrecheuder Rabatt.

Clemens XI. dieses Fest als Rosenkranzfest geweiht und angeordnet, daß es alljährlich in der ganzen Kirche gefeiert werden solle.

Aus der Thatsache aber, daß diese betende Heer- schaar „unter dem Panier der Gottesmutter Maria" versammelt ist, fließt ihr noch eine neue Kraft und neue Ehre zu. Darauf zielt hauptsächlich beim Beten des Rosenkranzes die häufige Wiederholung des eng­lischen Grußes nach dem Gebete des Herrn ab. Man könnte im ersten Moment glauben, daß diese Wieder­holung in gewisser Beziehung unvereinbar sei mit der der Gottheit schuldigen Ehre, und daß sie womöglich den Glauben nähren könnte, wir sollten in den Schutz Marias mehr Vertrauen setzen, als in die göttliche Allmacht, im Gegentheil: nichts vermag Gott leichter zu bewegen und uns gnädig zu stimmen, als dieses Gebet. Der katholische Glaube lehrt uns nämlich, daß wir unfere Gebete nicht nur an Gott richten sollen, sondern auch an die Seligen des Himmels (Conc. Trident, sess XXV), wiewohl die Art des Gebetes verschieden fein muß, da wir in Gott die Quelle aller Güter anrufen und in den Heiligen nur Fürsprecher erblicken. „Das Gebet", sagt der heilige Thomas, „kann zwei verschiedene Gestalten annehmen. Entweder bittet man Jemanden um etwas, was er selbst geben kann; oder man bittet ihn, für uns irgend etwas von einem andern zu erlangen. An Gott allein richten sich die Gebete der ersten Art, denn alle unsere Gebete müssen der Erlangung der Gnade und der Glorie untergeordnet sein, welche allein Gott gibt, wie im Psalm 83, Vers 12 geschrieben steht: „„Gnade und Herrlichkeit wird geben der Herr/'" Die Gebete der anderen Art richten wir aber an die Heiligen, an die Engel und Menschen, keineswegs damit Gott durch sie unsere Bitten erfahre, sondern damit durch die Verdienste der Vermittler unsere Gebete erhört werden. Deshalb heißt es in der Apocalypse, Cap. VIII, 4, daß „der Rauch des Rauchwerkes von den Gebeten der Heiligen aus der Hand des Engels vor Gott auffteigt." (8 Th. 2a 2ae, q LXXXIU, a, IV.) (Schluß folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 17. September.

* Die Nachricht, daß der Kaiser nach England gehen werde, wird wie die früheren Nachrichten wieder bementirt. Nach dem,Hamb. Korr.' ist von einem beabsichtigten Besuch des Kaisers in England, aus dem die Meldung gekommen war, nichts be­kannt.

* Die Jagdzusammenkunft des deutsche« und österreichischen Kaisers in Bellye ist gestern Mittag durch ein gemeinsames Diner abgeschlossen worden, zu dem Kaiser Franz Joseph und die Erz­herzogin Isabella nach Karapancsa kamen. Kaiser Franz Joseph reift heute Abend von Mohacs nach Juxon Gelegenheit, zugleich seine Mietherin und da­mit auch die ganze Gesellschaft von Billingssield kennen zu lernen.

Er war ein Mann von mittleren Jahren, gesun- dem, kräftigem Körperbau, genügendem Verstand und entschieden einnehmendem Aeußern. Seine Züge waren derb und markig, wie sie den Nachkommen der Ge­schlechter, welche auf dem Lande groß geworden, eigen sind. Seine Augen waren klein, blau und lebhaft, und nach den Linien feines sonnverbrannten Gesichtes zu schließen, mußte er ein Mann sein, der gern und herzlich lachte. Er hatte eine Fülle kurzen, braunen Haares, dessen Weichheit und Glätte eine außerordent­liche Pflege verrieth. Derselben Sorgfalt schien sich auch der kurz gehaltene braune Vollbart zu erfreuen. Das Sorgsame in seiner äußeren Erscheinung gewann sofort Frau Ambrosens Herz. Hier spukte kein fremd­ländisches Blut, das war sicher, er hatte große, wohl- gepflegte Hände mit langen, glänzenden Nägeln, alle seine Sachen saßen perfekt und er sprach wie ein Gentleman. Auch der Pastor war sofort zu seinen Gunsten eingenommen; ja selbst die kleine Eleonore überwand ihre Scheu vor dem Fremden und sah be­wundernd zu ihm auf. Nur Frau Goddard schien unbefriedigt und suchte sich so viel als möglich der Theilnahme an der Unterhaltung zu entziehen.

„Die Aussicht, Sie hier zu sehen, hat schon große